Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 39 (27.2.1920)
- Date
- 1920-02-27
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3947615-6435930-6437083--0491-3948066- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
99 schichteten fit auf dem Marktplatz zu einer Pyramide, die „tin Monument für die kommenden Geschlechter bilden soll, daß es in Slawetschno keine Juden mehr geben werde". Die „Hwish Times", denen wir diese Nachricht entnehmen, veröffentlichen teilweise auch die Namen der Opfer. Jaffa. Durch die Emigranten aus den« Schiff „Rußland", das sie von Odessä nach Palästina brachte, werden vielfach Einzelheiten über die Pogrome in Odessa bekannt. So veröffentlichte der palästinensische „Haaretz" vom 16. Januar, wie unter Führung eines energischen Juden namens Ostrowski sich in der dicht bei Odesia belegenen größeden jüdischen Gemeinde Golowanewski eine widerstandsfähige jüdische Schutztruppe gebildet habe. Sie hätte in der ganzen Gegend die Angriffe von Petljuras Räuberbanden zurückgeschlagen, sodaß eine der Banden einmal 300 Tote zu verzeichnen hatte. Leider gelang es den Räubern, den Führer Ostrowski und seinen Sohn zu ermordest und später die Stadt Golowanewsk zu überfallen und auszurauben. Ungarn. Budapest. Der frühere Ministerpräsident Graf Moritz Esterhazy, ein stolzer magyarischer Aristokrat, wurde des Nachts von vier antisemitischen Prügelhesden, die den Gruß eines Bekannten „Servus Moritz" hörten und ihn daher für einen Juden hielten, mißhandelt. Tschechoslowakei Prag. Hier hat sich eine Vereinigung deutscher Juden in der Tschecho-Slowakei gebildet. Die neue Organisation führt den Namen „Jüdisch)« Action". Tie Leitung der „Action" liegt in den Händen eines Ausschusies, dem der bekannte Schriftsteller Jakob Wasiermann, Universitätsprofesior Dr. Egmont Münzer, Dr. Friedrich Kaufmann u. a. angehören. Holland. Den Haag. Dem Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds ist kürzlich durch eine englische Bank ein Scheck über 10 000 L. von einem Spender, der nicht genannt sein will, zugekommen. Gleichzeitig wurde dem Hauptbüro mitgeteilt, daß bei einem Londoner Rechtsanwalt ein Testament zugunsten des Jüdischen Nationalfonds in Höhe von etwa 25 000 L. fällig geworden ist. Schweiz. Zürich. 4)as Zentralbüro der Agudas Jisroel hat vom eidgenössischen Ernährungsamt die Bewilligung erhalten,^ ein größeres Quantum Mazzoth und sonstiger ritueller Lebensmittel als Liebesgabensendung der Schweizer Judenheit für die Pesiachfeiertagc nach Wien auszuführen. Die schweizerische Agudas-Jisroel-Landesorganisation wird in den nächsten Tagen an die Schweizer Judenheit einen Appell richten, sich an dieser rituellen Liebesgabensendung nach Kräften, zu beteiligen. Amerika. Newyork. Die amerikanischen Zionisten haben am 18. Januar ihre Campagne eröffnet, um einen Fonds von 10 Millionen Dollar für den Aufbau Palästinas zu jam-; mein. An Juden und Nichtjuden wurde ein Appell zur Mithilfe gerichtet. Alle Kräfte, die in den Vereinigten Staaten vorhanden sind, werden für diese Aktion mobil gemacht werden, die unter Leitung des Richters Julian Mack steht. Am 2. Januar fand eine Besprechung von Richter Mack und Stefan Wise mit einigen Ncformrabbincm statt, um deren Mitwirkung für die Aktion zu erhalten. Mehrere der Antvesenden verpflichteten sich zu eifriger Mitarbeit. Newyork. Jacob H. Schiff richtete an die amerikanische Judenheit einen Appell, alle Differenzen zu vergessen und im Interesse der jüdischen Zukunft das Palästina-Programm mit ganzer Kraft durchzuführen. Warschau.- Vertretern jüdischer Zeitungen gegenüber ^äußerte sich der Vorsitzende des Zentralhilfskomitees Ilr. Bogen, der zurzeit in Warschau tveilt, sehr hoffnungsvoll über die amerikaniscl-en Hilfsaktionen; alle Juden Amerikas, ohne Rücksicht auf Stand und Partei, seien mit ganzem Herzen dabei. Tie Orthodoxie, die gewaltige Mittel aufbringt, führt diese an da» Zentralhilfskomitee ab. alle anderen Parteien haben ihre eigenen Sammelzentralen, die gemeinschaftlich das große Werk zur Ausführung bringen. l)r. Bogen ist von einem Stab vow23 erfahrenen Mitarbeitern begleitet, die sich „Überseeisch)« Expedition Nr. 1" nennen. London. Die 4. Sitzung des Großen Aktionskomitees der zionist. Organisation wurde Donnerstag den 12. Februar, nachmittags, von Herrn Sokolow eröffnet. Letzterer berichtete, daß vom Zionist. Büro in Paris telegraphisch das Eintreffen eines Schreibens des französischen Ministerpräsidenten Millerand mitgeteilt tvurde, w^IcksttS folgenden Wortlaut hat: „Ich habe von Ihrer mir freundlich gemach- —- teil Mitteilung vom 9. d. M. betreffend der Errichtung einer nationalen jüdischen Heimstätte in Palästina Kenntnis genommen. Cs ttdarf teines Zweifels Ihrerseits, und es freut mich. Ihnen die Persickwrung des Jnteresies der französischen Regierung an diesem Werk im Ursprungslande Ihres mit so viel Widerstandskraft und Jntellektualität ausgestatteten Volkes zu erneuein. Alles, lwi» getan werden kann, um bei der Schaffung einer derartigen Organisation behilflich zu sein — unter Berücksichtigung der gerechtfertigten Ansprüche und Interessen der in Ursprung - und in Religion verschiedenen Völkerschaften, welche die Geschichte in Vorderasien vereinigt-und vermischt hat — wird die Unterstützung Frankreichs genießen." Zu Beginn der Sitzung am 16. Februar erstattete .Herr Sokolow Bericht über den Empfang, den ihm der Präsident der französi>ck>en Republik Paul Deschanef gewährt hatte. Tie Audienz hatte dreiviertel Stunden gedauert und sich auf die zionistische Frage im besonderen und auf die jüdische Frage im allgemeinen bezogen. Sie trug einen sehr herzlick-en Charakter. London. Der Eunday Herold brachte am 8. Februar einen ausführlick)en Artikel des augc»blicklick>en englischen Kriegsministers Winstvn Churchill unter der Überschrift „Zionismus gegen Bolschewismus, ein Kampf ui» die Seele des jüdischen Volkes". Der vier Spalten lange Aufsatz hat großes Aufsehen in der ganzen englisch)«» Öffentlichkeit ciregt. Churchill bringt einleitend den Gedanken zuin Ausdruck, daß vielleicht in keinem Volke der Welt sich so ausgesprochene EZegensiitze finden,- irre im jüdischen. Churchill unterscheidet dann drei Gruppen von Juden: Diejenigen, die sich vollständig als Bürger des Landes geben, in dem sie leben, die international-konininniftifch gesinnten Juden und die Zionisten. Tie Angehörigen der! zweiten Gruppe spielten eine große Rolle i»> rujsifchcnf Bolschewismus. Bei der Besprechung der Nationaljudcn i weist der Minister darauf hin. daß die Nationaljuden im Kriege sich als gute Bürger ihres Landes erwiesen haben. Er sagt u. a. dann: Einige Völker lieben die Juden, andere nicht, obgleich e» keinem Zweifel isiitcrliegt. daß sie die beachtensweiteste Rasse in der Welt sind. Disraeli, der jüdische Premierminister Englands und der Führer der konscrvativen Partei, der allezeit seiner Rasse treu blieb und auf seine -Ätzkunst stolz war, jagte bei einer Gelegen- - heil: „Gott verfährt mit den Poltern, >vie die Völker mit den Juden verfahren." Wenn wir auf den elenden Zustand Rußlands süheii, wo von allen Ländern der Welt die Juden am grausamsten behandelt wurden, und dem russisckrcn Niedergang das Glück unseres eigenen Landes gegen . überstellen, das trotz der Gefahien unserer Zeit so sichlbarlich behütet norden ist, dann müssen wir sagen, daß nie- , mals in der Weltgeschichte sich eine Vorhersage so bewährt * hat wie DIsraelis Feststellung.