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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-02-27 · 39 (27.2.1920) · p. Seite 98

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
39 (27.2.1920)
Date
1920-02-27
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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— ' M — Talar mit Sammet, dem mit Seide, dem überhaupt nicht verbrämt, und sogar die Bäffchen waren unterschieden. DaS ist das Golus, sagte er sich, in dem wir leben, und unter dem die Führer, die Rabbiner, am schwersten leiden: Keine Einheit. keine Verbundenheit, keine Gemeinschaft, und niKt einmal ein gleicher Rock. Du herrliche Emanzipation, wie weit haben wir's doch unter dir gebracht! Ja, im alten Gettho, da ging es noch, und im Osten, da geht es noch heute: Tritt da so ein echter fester Row mit seiner Zobelmütz und Schubbez ins Stübel, nun, da stehen die Leute schon auf. Aber wir mit unserem vielfach gewandelten Talar, Barett und' Bäffchen — brrr! Und dann noch statt der malerischen Hülle des Talles, jener schreckliche Kragenschoner! Armes Israel, wie tief bist du gesunken! Großer, gewaltiger Moses, wie weise warst du, daß dir selbst die Rolle eines göttlichen Zuschneiders nicht zu gering gewesen ist, und hinter deiner erhabenen Stirne der ewige Geist sich offenbarte selbst im — Rock. EmilCohn. -n— Gdocbenfcbau. Tatsachen nnd Ergebnisse.!, »HC Deutschland. Franksurt a. M. Die jüdischen Lehrervereine haben eine Arbeitsgemeinschaft begründet. Folgende Vereine gehören der Arbeitsgemeinschaft an: Verband der jüdischen Lebrervereine im Deutschen Reiche. Bund gesetzestreuer Leyrer, Bal-erischer Lehrervcrein, Israelitische Lehrerkonferenz Hessen. Die Geschäftsstelle befindet sich in Frankfurt am Main. Ihr gehören die Herren l)r. Phil. Höxter, Realschullehrer Ochscmann und Mittelschullchrer Flörsheim an. Zuschriften sind an Herrn Or. Höxter, Frankfurt a. M., Friedrichstt. 50, zu richten. Die ArbeitHemeinschaft sieht sich zu folgender Erklämng veranlaßt: Die von Tag zu Tag sich steigernden Teuerungsverhältnisse zwingen, die Arbeitsgemeinschaft, von den jüdischen Gemeinden die Gewährung des Existenzminimums für ihre Lehrer zu fordern. Es ist die unabweisbare Pflicht der Mischen Gemeinden, ihren Lehrern Bezüge in solcher Höhe zu sichern, daß die jüdischen Lehrer den in denselben Orten wirkenden Volksschullehrern im Gehalte gleichkommen. Leistungsschwache Gemeinden, wollen sich um Zuschüße an die in Betracht kommenden Organisationen wenden oder sich zu leistungsfähigen Verbänden mit Nachbargcmeindcn zusammenschließen. — Die Arbeitsgemeinschaft hat den Anschluß an den Deutschen Beamtenbund in die Wege geleitet. Berlin. In ciyem Flugblatt, das der antisemitischpogromistische „Ausschuß für Volksaufklärung" verbreitet — es trägt das Datum „Hornung 1920" — wird gesagt: „Die Parteien sind allesamt mehr oder weniger von den Juden abhängig . . . Hoffe keiner etwa guf diedeutschnationale Volkspartei! Sie arbeitet erwiesenermaßen seit ihrer Gründung mit jüdischem Geld«. Alle unsere Mitglieder, die ihr also angehören, haben mit allem Nachdrück zu sorgen, daß der Judencinfluß in dieser Partei ebenso gründlich ausgetrieben wird tvie unsere Mitglieder, die anderen Parteien angehören, dies in ihren Reihen gründlich besorgen müsien." Arme deutschnationale Volks- Partei! Und das mußte ihr passieren, die so großen Wert auf ihren antisemitischen Charakter legt! Dresden. Irr der letzten Sitzung der sächsischen Volkskammer kam cs zu einer scharfen Abrechnung mit den Antisemiten. denen bürgerliche und mehrheitssozialistische Redner. nachwicscn, daß ihre Verhetzung an den blutigen Vorgängen in Chemnitz, Berlin und einigen anderen Orten tvesentlich mit schuld sei. Bemerkenswert dabei war, daß der deutsch-demokratische Abgeordnete Schiersand den Beweis dafür antteten konnte, daß dem Putsch in Chemnitz antisemitische Hetzereien zugrunde lagen. Von mchrheitssozialistischer Seite wurde hervorgehoben, daß den Chemnitzer Putsch Deutschnationale, Antisemiten, Kommunisten und Unabhängige gemeinsam vorbereitet haben. Würzburg. Auf einem Elternabend der Würzburger privaten Erziehungs- und Unterrichtsanstalt wurde nach Ansprachen der Herren Schuldirektor Mandelbaum, Seminarlehrer Anfänger u. a. m. eine Resolution angenommen, wonach die Umwandlung der Anstalt in eine öffentliche Volksschule seitens der Erziehungsberechtigten im Sinne der Verfassung gefordert wird.- Berlin. Die Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde nahm eine Vorlage des Vorstandes auf Steigerung der Synagogenplatzmieten um 50—100 Prozent gegen eine opponierende Minderheit an. Marburg. Die Firma Baruch Strauß übergab der israelitischen Gemeinde 30 000 M. als „Baruch Josefine Strauß-Stiftung". Die Zinsen sollen Verwendung finden zur rituellen Verköstigung armer Kranken in den Kliniken, für Wöchnerinnen und auch für minderbemittelte Kinder zuly Gebrauch einer Badekur. Pole». Warschau. Vertreter der Szlome Emune Jisroel, die in Sachen der Zwangssonntagsruhe beim Landtagsmarschall vorstellig waren, haben den Eindruck gewonnen, daß Erleichterungen für die sabbathaltenden jüdischen Kauflcutc zu erreichen find. Warschau. Hier wird vom 2.—4. März eine Landeskonferenz der Agudas Jisroel (Szlome Emune Jisroel) von Polen und Galizien stattfinden. Im Zusammenhänge damit werden am 29. Februar und 1. März auch eine Rabbinerkonfcrenz und eine Konferenz der otthodoxen Stadttatsmitglieder stattfinden. Die Rabbinerkonferenz wird auf ihren drei Sitzungen u. a. folgende Punkte behandeln: Organisierung der Otthodoxen; Stärkung des Glaubens und Hebung des Thorastudiums; die Kehilloth-, Kaschruth- und Erziehungsfragen; die Lage der Rabbiner in Polen; Wahl eines Rabbinerzenttalrates, dem 25 Rabbiner angehören sollen. Minsk. Bei den Ende Januar stattgehabten Wahlen zur jüdischen Gemeinde sttmmten nicht ganz ein Dttttel aller Wahlberechtigten ab. Die Wahlen hatten folgendes Ergebnis: Agudas Jisroel 13. Handwerker 13, Kaufleutr 6 Zionisten 19, Misrachi 3, Poale Zion 6, Zette Zion 5, Verschiedene 7. Warschau. Wie der Kurjer Nowy aus absolut verläßlicher Quelle erfahren will, bewahrheite sich das Gerücht von bet Mandatsniederlegung des Abgeordneten Rabbiner Perlmutter. Infolge der Entrüstung und der Erbitterung, die sein Auftreten im Reichstage letzthin erregt hat (bei der - Absttmmung über das Staatsbürgergesetz sttmmte Rabbiner Perlmutter gegen die jüdischen Abgeordneten), beschloß Rabbiner Perlmutter, dem Drucke einflußreicher Persönlichkeiten der Orthodoxie folgend, auf sein Abgcordnctenmandat zu verzichten und sich aus dem politischen Leben zurückzuziehen. Rabbiner Perlmutter bemüht sich jetzt um einen Paß nach Palästtna, wo er ständigen Aufenthalt zu nehmen beabsichtigt. , Towjet-Rußland ' Petersburg. Henry Sliosberg, einer der Führer der russischen Juden, der wegen seiner sozialen Wirksamkeit sich großen Ansehens erfreut, war von den Bolschewisten verhaftet worden, weil man ihn der Teilnahme an einer gegenrevolutionären Verschwörung beschuldigt. Es gelang Sliosberg, aus der,Haft zu entkommen, Ukraine. London. Am 11. Januar kam in Slawetschno (Kreis Owrutsch, Gouv. Wolhynien) ein neuer schauderhafter Judenpogrom vor. Um die Mittemachtsstunde überfielen Soldaten Petljuras mit dem Rufe: „Haut die Juden!" die Stadt und schlugen 95 Juden die Köpfe ab. Die Köpfe 4

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