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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-02-20 · 38 (20.2.1920) · p. Seite 88

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
38 (20.2.1920)
Date
1920-02-20
Page
Seite 88 (sequence 4)
Language
German
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und Herausgeber des „Jüd. Forum" und Professor der hebräischen und aramäischen Philogic an dem Jsaac Elchanan theologischen Seminar, ist — 32 Jahre alt — verschieden. Frankreich London. Ter „Manchester Guardian" hat mit der Veröffentlichung wichtiger Dokumente, über die zllrzeit de» Krieges zwischen England und Frankreich abgeschlossenen geheimen Abmachungen, begonnen. Unter diesen veröffentlichten Dokumenten besind-t sich auch die von der französischen Regierung am 2... April 1917, also sieben Monate vor der Balfourdeklarativn. an Georges Picot erlassene Instruktion, in der es u. a. heißt „Wenn <^ie nach Palästina kommen, werden Sie mit vielen jüdischen Koloniep in Kontakt kommen. Es ist wünschens»vert. ihnen gleich vom Anfang an ein großes Maß von Schutz angedeihen zu lasten und die neue Lage dadurch zu charakterisieren, daß Sic mit der Administration ihrer Gemeinden betrauen und zur Verwaltung des Landes heranzichen. Es ist ihnen sicherlich bekannt, daß die diesbezügliche Politik den Ztveck hat, Eindruck zu machen nicht nur auf ihre Glaubensbrüder in den alliierten und neutralen Staaten, sondern auch in den feindlichen Ländern. Es liegt deshalb in unserem Jntereste, sie mit den größten Erwartungen zu inspirieren in bezug auf die Absichten, die die Alliierten für sie auf ihrem Boden hegen, ivelchem sie durch die tausendjährige Vergangenheit zugetan sind und auf den sie jetzt zurückkehren wollen zweas Errichtung neuer Siedelungen." Paris. Unter der Überschrift „Le grand crime" ist eine Nummer des vom Komitee des Delegations Juives herausgegebenen Bulletins erschienen, die detailliertes Material über die ukrainischen Pogrome enthält. Der Bericht, den das Komitee de Secours aur vicrimes des Pogroms t>e la Croix rouge rüste de Kiew erstattet hat, bringt genaue Einzelheiten über die Pogrome in 353 Orten, wobei 30 5,00 Juden getötet wurden. Dieselbe Nummer gibt auch den Berichs über die für die Pogromopfer verwendeten Beträge, die sich monatlich auf fast 20 Millionen Rubel belaufen. England. London. Die vom Engeren Aktions-Komitee einberusene Sitzung des Großen Actions-Komitees wurde Mittwoch. den I I. Februar, in» Konferenzsaal des Zionistischen Zcntralbureaus in London, 77. Great Russell Street, in feierlicher Weise durch Herrn Sokolow in einer hebräischen Ansprack)e eröffnet, in »vclcher Herr Sokoloiv der großen Freude Ausdruck gab, daß nun zum ersten Male seit Kriegsausbruch wieder eine Sitzung des Großen Aktions- Komitees zusamnienberufen »verden konnte, an der sich mit wenigen Ausnahmen alle Mitglieder des Aktions-Komitees beteiligen können. In Worten tiefer Trauer und mit dem Ausdruck unauslöschlicher Dankbarkeit für ihre Mitarbeit und ihre Verdienste gedachte Herr Sokolow des Hinscheidens David Wolffsohns, Echiel Tschlenows, I)r. Hehmanns und Adolf Stands. Herr Dr. Hantke gab hierauf bekannt, daß außer allen Mitgliedern des Engeren Aktions-Komitees, den Herren Professor Marburg, Dr. Weizmann. Nahm» Sokolow, Dr. Lewin.lllr. Jacobson, I)r. Hantke, die nachfolgenden Mitglieder des Aktions-Komitees schon in der ersten Sitzung anivesend seien: Dr. Bodenhcimer, Jean Fischer, Dr. Friedeniann, Boris Goldbcrg, A. Jdclsohn, Jacobus Kann, Dr. Klee, Dr. Mannorek, Leo Motzkin, I. A. Naiditsch, Abraham Podlischewski, I. A. Rosoff, Dr. Schönfeld. Die Herren Julius Simon und Ing. Robert Stricker würden in den nächsten Stunden cintreffcn. Hierauf nahm Herr Dr. Weizmann das Wort zu einem politischen Bericht. Er stöllte fest, daß in der allemächsten Zeit mit der Erteilung des Mandats zu rechnen ist, besten Präzisierung das Ergebnis eingehender '»nährend der letzten Jahre ununterbrochen gepflogener Beratungen und Verhandlungen mit allen zionistischen Organisationen und Repräsentanten ist, welckie zur Arbeit herangezogen werden konnten, aber auch das Ergebnis eingehender Verhandlungen mit den Vertretern der englischen Regierung, tvelche sich mit dem vorliegenden MandatSentwurf einverstanden erklärt haben. Die wichtigste Frage, deren Erledigung noch in der Schwebe ist, ist abgesehen von dem Mandat an sich die Fra« der Grenzen. Über diese Frage find von seiten der Zionistischen Organisation Verhandlungen mit allen in Betracht kommenden Regierungen gepflogen worden, und es steht zu hoffen, daß das Resultat den Lebensnotwendigkeiten des Jüdischen Nationalheims und einer gesunden ökonomischen Entwicklung des Landes entsprechen werden. Sodann berichtete Herr Sokolow speziell über das Verhältnis der Zionistischen Organisation zur französischen Regierung. Mit Rücsticht auf den letzten Regierungswechsel in Frankreich war es notwendig. mit den Vertretern der jetzigen ftanzösischen Regierung in Verbindung zu treten, um sie so genau als möglich über die zionistische Frage zu informieren und auch ihre Unterstützung zu sichern. Herr Sokolow hat kuxz vor seiner Abreise nach London eine längere Unterredung mit dem Ministerpräsidenten, Millerand gehabt, ebenso wie vor kurzer Zeit mit dem französischen Senatspräsidenten Leon Bourgeois, dem Vertreter Frankreichs in der League of Nations. Er habe die erfreuliche Überzeugung aus seinen Unterhaltungen gewonnen, daß die neue französische Regierung an der Deklaration entschieden festhalte. Herr Sokolow berichtete hierauf im llagemeinen über die Art der Beziehungen zu den verschiedenen Regierungen und spricht die Überzeugung aus, daß die Völker die zionistische Frage nur im Rahmen der jüdischen Frage überhaupt betrachten, nicht isoliert als eine palästinensische Frage. Palästina. London^ Herbert Samuel ist in Palästina eingetroffen. Jaffa. Hier ist zum erstenmal ein jüdischer Dampfe^ in See gegangen. In Gegenwart des Hafenkommandanten und der Militärbehörde wurde die blau-weiße Fahne mit de»n Davidschild gehißt. Es ist ein Schiff der Küstenlinie Jaffa—Haifa. Jerusalem. Die Palästina-Wqter-Komistion trifft die nötigen Vorbereitungen für den Erwerb und die Einrichtung einer Reihe von Transportschiffen, um die große Menge der Emigranten, die in Palästina erwartet werden, nach dort transportieren zu können. Jaffa. Hier ist eine umfastende Konsumorganisation als Aktiengesellschaft errichtet worden, die auf den Anschluß ganzer Gemeinden und Gesellschaften rechnet. Es haben sich Jerusalem, Jaffa und der Rat der judäischen Kolonie angeschlosten. Auf diese Weise werden der Aktiengesellschaft große Mittel zur Verfügung stehen, die es ihr ermöglichen »verden, den Kampf gegen Teuerung und Spekulation erfolgreich zu führen. Die Gesellschaft beabsichtigt, Niederlagen von Waren, die aus erster Quelle eingekauft sind, einzurichten, Lieferungsaufträge gegen angemessene Bedingungen zu erteilen und bei der Regierung Einfuhrbewilligung zu erwirken. Jerusalem. Die Anglo-Palästina-Bank hat beschlosten. ihre Broschüren und Berichte in hebräischer Sprache zu veröffentlichen. Auch die Buchführung und der innere uird äußere Geschäftsverkehr sollen in möglichst kurzer Zeit in hebräischer Sprache durchgesührt »verden. Jerusalem. Der hiesige Chacham-Baschi, Eliasar, erließ einen Befehl an die jüdische Bevölkerung Jerusalems, bei der Westmauer Gebete für die Juden von Damaskus zu verrichten. Di« jüdische Bevölkerung von Damaskus schwebt in Gefahr, da in der Stadt plötzlich eine antijüdische Bewegung ausgebrochen ist. Man befürchtet, daß osise Be- »vegung zu Pogromen führen »vicd. j Jaffa. Der jüdische Märtyrer Mendel Bcilis (bekanntlich das Opfer des Kiewer Rituatinordprozesses; Bei- « lis hat seinerzeit eine fünfjährige Gefängnisstrafe in Rußland verbüßt und begab sich dann nach Palästina), der sich zurzeit' in Jaffa befindet, veröffentlicht in den hebräischen Zeitungen von Palästina eine Erklärung, daß er keine Mittel zum Leben besitzt und große Not leidet.

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