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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-02-20 · 38 (20.2.1920) · p. Seite 87

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
38 (20.2.1920)
Date
1920-02-20
Page
Seite 87 (sequence 3)
Language
German
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kann man nicht att Partei Vorgehen, hier muß man Han-. dein al» Christenmensch. Jeder, der mithelfen will, sei willkommen. Wieder der Zwischenruf: ..Nehmt es den Juden weg!" Nun wird der Ministerpräsident Huszar unwillig, hält einen Moment in seiner Rede inne und sagt dann, jedes Wort scharf betonend: „Ich weiß nicht, wie viel Sie, mein Herr, zu dem Liebeswerk beigetragen haben. Die aber, die Sie apostrophieren, haben das ihrige getan." Der Zwischenrufer verstummte. Budapest. Wie sich herausstellt, dürfte in dem neuen Parlament nur ein Jude, der frühere Staatssekretär Dr. Pazsonyi, fitzen. Rumiairu. « ■ Czernowitz. Die Regierung erlaubte für das Jüdische Gymnasium die Einführung des Hebräischen, verwarf aber den Vorschlag des Jüdischen Nationalratcs, jüdische Volkskunde und Lektüre jüdischer Autoren, die jiddisch vorgetragen werden sollen, einzuführen. Tschechoslowakei. Prag. Auf eine Eingabe des Volksverbandes der Juden für die Slowakei erließ das Ministerium für Schulwesen einen Erlaß an die Schuldirektionen und Schulleitungen in der Slowakei, wonach die Schüler und Schülerinnen jüdischen Glaubens vom Direktor oder Leiter der Schule vom Schreiben am Samstag und an den jüdischen Feiertagen auf Ansuchen der Eltern befreit werden können. Der Volksverband der Juden für die Slowakei hat daraufhin «ine weitere Eingabe an das Ministerjum gerichtet, dasi wltzniMra rurquoj ^ölstzrvuus rnu j(piu u-vun;i-F -iq werden sollen, den Wunsch nach Sabbatheiligsung zu respektieren. Prag. In einer dieser Tage veröffentlichten ministeriellen Verfügung bezüglich Kino-Konzesiionen steht, trotz des Versailler Friedcnspertrages. der folgenden ungeheuerlichen Satz: „Ist der Bewerber selbst nicht ausgebildet, so , muß er einen Fachmann als Gesellschafter hab^n. Dieser aber darf weder ein Jude noch ein Mensch mit schlechter Vergangenheit sein." Litauen. \ Kopenhagen. Auf einer gemeinsamen Sitzung des Kopenhagen«! Hilfskomitees und des skandinavischen Zentralhilfskomitees berichtete Oberrabbiner Schapira aus Kowno über die Lage der Juden in dem (nicht okkupierten) Gebiet Litauens. Sie ist politisch günstig. Die Juden haben volle nationale Autonomie mit eigenem Ministerium. Gegenwärtig wird der jüdische Nationalrat konstituiert, welcher als die höchste jüdische Instanz des Landes anerkannt ist. Die ökonomische Lage der litauischen Juden ist dagegen eine sehr traurige. Die alten Wirtschaftsformen sind unrettbar zerstört. Die Juden Litauens gehen daher energisch daran, neue Wirtschaftsformen aufzubaucn, welche als Grundlage den Gedanken des Genossenschaftswesens haben. Dazu sind Banken für die Kreditgewährung notwendig. Als zentrales Fttranzinstitut ist nun eine jüdische Zentralbank in Kowno mit einem Aktienkapital von drei Millionen Mark, zerteilt in Aktien k 1000 Mark, begründet worden. Ihre Statuten sollen jetzt von der Regierung legalisiert werden. Ukraine. Rostow a. Don^. Die russische Zeitung „Priasowsky Kraj" enthält einen Bericht von Dr. Lander, Mitglied des vom russischen Roten Kreuze organisierten Hilfskomitees für die pogromierten Juden. Dr. Lander, der direkt von Kiew nach Rostow gekommen ist, schildert die Lage in den schwärzesten Farben. Der schrecklich kalte Winter ist in seinen Wirkungen um so furchtbarer, als hunderttausende Juden nicht nur hungrig, sondern absolut nackt herumirren. Die halbzerstörten jüdischen Häuser, Überbleibsel der Poaromwelle, wurden letztens von merkwürdig mysteriösen Bränden heimgesucht. Wo früher in der Ukraine 'jüdische Städte und Städtchen blühten, herrscht jetzt eine Wüste. Kälte. Hunger und Epidemien vollenden die früheren Taten der Pogromisten. Bloß für Nahrungsmittel und Medikamente benötigte man 150 Millionen Rubel wöchentlich. Es gebe wenig große Städte, die von Pogromen unberührt geblieben sind, so Charkow und Rostow a. Don. Kiew. Im Süden Rußlands hat sich in letzter Zeit, den» „Prisyw" zufolge, eine Liga zum Kampfe gegen den Antisemitismus gebildet, die auch Maßnahmen zur Bekämpfung der Pogrombewegung verfolgt. Der Liaa haben sich bis jetzt folgende Organisationen angeschlosten: der Städtebund, der allrussische Landesverband, daS Nationale Zentrum, die staatliche Vereinigung. Verband „Die Wiedergeburt Rußlands", Verband der Ärzte. Verband der Techniker, des Roten Kreuzes u. a. m. Amerika. Newyork. Die trostlose Lage der jüdischen Gefangenen in Sibirien hat die Hilfsbereitschaft der amerikanischen Juden geweckt. Nach Berichten, welche die amerikanische zionistische Organisation erhalten hat, befinden sich 5000 bis 10 000 jüdische Kriegsgefangene, hiervon über 1700 Offiziere, in Sibirien, die in über fünfzehn Lagern vom Omsk bis nach Wladiwostock verstreut sind. Die Gefangenesi unterliegen einer unmenschlich strengen Disziplinarbehandlung, die überall in den sibirischen Gefangenenlagern trotz des Waffenstillstandes herrscht. Die jüdischen Gefangenen versuchen, sich am Leben zu erhalten, indem sie besonders in Hausindustrien, wie bei der Herstellung von Zigarren und Zigaretten, Arbeit verrichten. Das, amerkanische Joint Distribution Committee hat auf Veranlassung von Mr. Jacob H. Schiff den Betrag von 100 000 Dollars zum Zweäc der Repatriierung der jüdischen Gefangenen in Sibirien bewilligt. Es sind bereits Verhandlungen mit den zuständigen Regierungen über den Rücktransport der unglücklichen Kriegsopfer angeknüpft. Newyork. Das Zentralhilfskomitee der orthodoxen Juden in Amerika hat dem „Vereinigten Hilfskomitee" eine Million Dollar übergeben als Resultat der Sammlungen für die Zwecke der gesctzestrcuen Institutionen im früheren Rußland. Es ist bereits die fünfte Million, die das genannte Komitee für diese Zwecke unter den Orthodoxen in Amerika zusammengebracht hat. Über die Verteilung wurde folgender Beschluß gefaßt: 400 000 Dollar für die notleidenden Juden in Polen, 100 000 Dollar zum Zudecke der Mazzosversorgung in Polen. 200 000 Dollar zur Unterstützung der österreichischen Juden, 20 000 Dollar fließen den Jeschiwoths in Litauen und Weiß-Rußlands zu und 130 000 Dollar sind für Palästina bestimmt. Der zu und 130 000 Dollar sind für Palästina bestimmt. Der Rest des Geldes gelangt in anderen Ländem zur Verteilung. Newyork. Wilson hat dem Senat einen Bericht des Generals Jackwin über die Pogrome in der Ukraine zugehen lasten., Danach waren am 9. September v. I. nicht weniger als 29 000 Juden den Verfolgungen zum Opfer gefallen. Man warf den Juden vor. daß sie eine große .Rolle in der bolschewistischen Bewegung gespielt hätten. Wilson teilte ferner mit, daß er den Admiral Mc. Cully als Vertreter des Staatsdepartements nach Südrußland gesandt habe, damit er von dort aus über die Lage berichte. Washington. In Regierungskreiscn verlautet, daß Präsident Wilson den jüdischen Finanzier Bernhard M. Baruch als Handelsminister statt des ausscheidenden William S. Redfield in Aussicht genommen hat. Newyork.' Das sogenannte „Note Schiff", auf dem 249 des Bolschewismus verdächtigte Rustey Amerika verkästen müssen, hattte nur vierzehn Juden an Bord. Newyork. Anläßlich des Alkoholverbotes hat Louis Marshall Schritte unternommen, um für die Juden, die Erlaubnis zu erwirken, an den Sederabenden wie auch für religiöse Zwecke Wein benutzen zu dürfen. Newyork. Salomon T. H. Hurwitz, Lektor der semitischen Sprachen an der Columbia-Universität, Gründer

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