Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 37 (20.2.1920)
- Date
- 1920-02-20
- Page
- Seite 78 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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notwendigste Aufgabe eines jüdischen Jugendvereins, namentlich auf dem Lande, wo jede andere Bildungsmöglichkeit fehltangesehen werden, seinen Mirgliedem einen gewissen Schatz von jüdischem Wissen und auch Kenntnis der jüdisckwn Gegcnwarisfragen zu vermitteln. Nunmehr sprach Herr Landauer über da» Thema: „Tie Juden und die jüdische Welipoliiik." Aus der Reihe der brennenden jüdischen Tagessrageu hob er wegen der Kürze der Zeit nur einige lwrvor: die Lstjuden-. die Palästina- und die Wanderungsfrage. In streng' sachlichen.Ausführungen führte der Redner die Bedeutung dieser Probleme für die Gcsamljudenheil und für jeden einzelnen Juden den Zuhörern vor Augen, legre dar. in welch innigem Zusammenhang diese fragen zu einander stebcn und kam dann auch im Anschlüsse daran aus den Anlisemilisinus als den äußeren, die Entjudung als den noch gefährlicheren inneren Feind des Judentums zu sprechen. — Tie einsründigen Ausführungen des Redners machten auf die Zuhörerschaft sichtlichen Eindruck. und es wurde der Wunsch rege.vöflers solche lehrreiche Boriräge hören zu können. Tas Anerbieten des Vorsitzenden. Kurse aus dem jüdischen Eckirifltuni abzuhalten, um so ui,' Mitgliedern Gelegenheit zu geben, das Judentum kennen zu lerne», wurde freudig aufgcnommen. Am Echluste meldete sick eine große Anzabl Erwachsener als außerordentliche Mitglieder, iodaß unser junger Verein bereits eine stattliche Miigliederzahl aufweist. Neuenahr. Turch das Ausscheiden unseres früheren Vorstandes, Herrn Lehrer Hirsch-Neuenahr, aus unserem Bunde iali sich der jüdische Fugendbund des Rhein-AhrtaleS veranlaßt, zu einer neuen Vorsiandsivahl zu schreiten. Tie Versammlung, die zu diesem Zivecke anberaumt wurde, wählte Herrn Lind. med. Adolf Echarf-Kripp zu ihrem Vorsitzenden. Als Elellverirelerin wurde Frl. Johanna Gpttschalk Neuenahr, als Tchriflfülirerin Frl. Mathilde Voos-Nenenahr. als stellvertretende Schriftführerin Frl. Eelma Bär-Ahrivciler gctvählr. — Am :il. Januar fand eine Vcreinsversammlttng i» einzig statt, die einen Jahresbericht gab und zur Festlegung der Etatulen schritt. Wir. hoffen, daß der Verein inner seinem neuen Vorstand zur vollen Blüte gelange! Eicgbnrg. Am 22. Februar, nachniittags 2 Uhr, finde! im Eieg-Palast Hierselbst die erste Hauptversammlung des neu gegründeltn Kreisverbandes des ZentralvercinS deutscher Eiaaisbürger jüdische» Glaubens statt. Führende Herren des Landesausschnsies haben bereits ihr Erscheinen bestimmt zugeiagt. Es ist ferner uiil Bcstimmtheit nnzuneliiiien. daß iäiniliche im Eiegkreise wohnenden Glaubensgenossen — Ta men nnd Herren — der Versammlung beiiovltiie» und dadurch ihrer Gesinnung, den Kampf gegen den Aniiseinilisinus ausznnchinen. 'Ausdruck verleihen. Tie Versammlung wird p»»kl 2 Ubr eröffnet, damit jeder, der alksiväris ivotmi recknzeitig nackt Hause zu komme» in der Lage ist. Geistingen lEiegkreis). Im Hinblick auf die schwere Kriegszeil haue es fidi die iKeincinde versagt, irgend eine Festlichkeit, wie sie in srühere» Jahren/stailgefniideii. zu veraiiiialie». Eie jialmi jetzt dazu Veranlassung, indem sich hierzu durch die Feier der silbernen Hochzeit der Eheleute Samuel Wölfs am 2 t. Januar Gelegenheit bot. Bei dein Feslgoiiesdienst vormittags iu der Ehnagoge gedachte der Herr Vorsteher der Verdienste, die sich daS Jubelpaar um das Genieindewolil erworben, bei jeder Gelegenheit, ob traurige/oder freudiger Veranlassting. sei eS stets an erster Eietle gestanden, und die Wünsche, die man ihm entgcgenbringe. seien von Herzen kommend, nur die besten. Rach- /niltags vereinigte sicki die tKemeinde z» einer Familienfeier. Tie tleine» Kinder wurden mit Echokolade und Zwieback erfreui. Es sandeiv musikalische und deklaniaiorische Vorträge stau. Festlicder aus das Jubelpaar und solche Kahls- Angelegenheilen belresfend - sogar eines vom EchammeS verfaß! — fanden allieiiigen Beifall und löste» freudigste Elimniung aus. Ein kleines Tänzchen, au dem sich Jung und Ali beteiligten »nd wobei das Jubelpaar als Taucrwn-er bewunderl ivnrde. erhöhie die Eiinininng. Bei der Freude wurde aber auch de- LeideS nicht vergessen; «ine Sammlung für die durch das Hochwasser Geschädigten und für die armen Wiener Kinder ergab die Summe von 250 Mark. Hoffen wir. daß das Jubelpaar dereinst sein goldenes Hochzeitsfest in Gesundheit erlebe, und wünschen wir, daß die Gemeinde in derselben Eintracht und Freude alsdann zusammen halte, ivie es jetzt der Fall ist. Osnabrück. Tie hiesige Gemeinde hat die Anstellung eines Rabbiners beschlosien. Man erwartet von der Tätigkeit desselben eine Neubclebung der jüdischen Sache; bisher lag alles hier im Argen. Ter mehr als 30 Jahre im Dienste der jüdischen Gemeinde tätig gewesene Vorsteher, Herr I. Witlgensteiner. ist von diesem Posten zum Bedauern der ganzen Gemeinde zurückgetreten; möge ihm noch ein langer, sorgenfreier Lebensabend beschicken sein. Euskirchen. Am Sonntag den 1. Februar hielt Herr Dr. med. et Tr. Phil. Erich Simons aus Köln im hiesigen Jüdischen Jugcndverein einen Vortrag, in dem er als bestes Mittel gegen den Antisemitismus die Rückkehr zur Tauroh, d. h. zum jüdisch-menschlichen Standpunkt, betonte. Jirsbesondere rief er die Frauen zur jüdischen Pflichterfüllung auf. Ter Redner, der in ehrlicher Überzeugung die Gemüter anzuregen verstand, wußte in geschickter Weise den Diskussionsrednern die Idee des Sabbaths, der Speisegesetzc usw. vor Augen zu führen. Was uns besonders wertvoll bleibt, ist, daß uns der Redner in offenster Weise positiv-jüdische Werte in ihrer ganzen Wahrheit zeigte. Wir haben durch Herrn Tr. Simons wertvolle Anregung er; halten und hoffen ihn, der bei seinem Beruf als Arzt dop^ pelte Anerkennung für sein Streben verdient, noch häufig .in unserem Verein zu hören. Tierdorf, Bez. Koblenz. Endlich sind die beiden in Kriegsgefangenschaft geratenen Sohne unserer Gemeinde wieder in unserer Mitte. Es sind das Arthur Seligmann, Sohn des Herrn MoseS S., und Julius Strauß, Sohn des Benjamin Str. Ersterer war annähernd 51/, Jahre in Gefangenschaft. Könner Nachrichten. Bonn. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hatte zu einer Versammlung eingeladen, die am letzten Sonntag im Saale der Fortbildungsschule stattfand, und in der Herr I)r. Lange aus Esten über „Juden und Antisemiten" referierte. Nach den einleitenden Worten des Versammlungsleiters, Herrn vr. Herrliianns, sollte der Zweck der Zusammenkunft die gegenseitige Aussprache und, wenn möglich, die Anbahnung eines bestercn Verstehens zwischen Juden und Christen sein. Herr Or. Lange, ein gewandter und im Rheinland bekannter Redner, sprach zunächst von der Taktik der Antisemiten in Flugblatt und Presse, prüfte sodann die Vorwürfe der Antisemiten auf ihren Wert, wies ihre Unhaltbarkeit an Hand eines großen Tatsachenmaterials nach, bei dem das über die Kriegsbeteiligung der Inden am interessantesten und schlagendsten war, und bezeichnete alle Vorwürfe in bezug auf ihre Herkunft als die heimliche Arbeit der alldeutschen Reaktion. Anregender noch als der Vortrag war die folgende Aussprache, an der sich Nichtjuden und auch Antisemiten beleiligten. Abgesehen von den grob antisemitischen Bemerkungen des ersten Redners, waren die Einwände,von nichtjüdischer Seite durchaus ehrlich und ernst gemeint und von dem sichtlichen Bestreben erfüllt, zu verstehen und z. T. sogar das Problem tiefer zu erfasten. So zeugte die Art, mit der z. B. Herr Or. Thiel seine Frage vorbrachte, „wo man je jüdische Bauern oder Arbeiter gesehen habe", immer noch von der ehrlichen Überzeugtheit des Fragestellers. Frau Peiersen betonte ihre Verständniswilligkeit und deutete leise daS Rastdproblcm als das entscheidende an. Ein letzter Redner. Herr Ritter (?) wies darauf hin, daß man das ganze Problem doch tiefer und historisch erfasten müste. Es war sehr bedaucrnsivert, daß der Referent in seinen Antworten nicht überzeugend war. ja, eine Ableugnungspotitik trieb, die auf Unbeteiligte keinen günstigen Eindruck machen konnte. Leine Behauptung, daß es in Deutschland „un-