Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 37 (20.2.1920)
- Date
- 1920-02-20
- Page
- Seite 79 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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gezählte jüdische Sattem" gäbe, in Rheinbrohl allein sogar 10, ferner daß im Ruhrgebiet Hunderte von jüdischen Bergleuten unterschichtig arbeiten, ferner daß der Vorwurf, in der Regierung und den Ministerien säßen zu viel Juden, glattweg unhaltbar, schließlich, daß die Rasseabneigung eine Sache lächerlicher Nichtigkeit sei, — das alles mag eine Methode sein, den Antisemitismus zu bekämpfen, eine Methode der Aufklärung ist csnicht. Tos heißt denn doch die Sache etwas oberflächlich betreiben und an dem wahren Problem stracks vorübergehen, vor allem aber mit vollkommenem Unverständnis an der Psyche des Nichtjuden. Trotz der 10 Bauern in Rheinbrdhl und 100 anderer in Hessen und Bayern wird kein Christ und auch kein Jude glauben, daß der Jude ein Bauer sei, trotz der vom Krieg nach dem Ruhrgebiet verschlagenen polnisch-jüdischen Arbeiter wird er auch nicht an ein deutsch-jüdisches Arbeiterproletariat glauben, und bei allem Hinweis auf den Rassenunterschied zwischen Süd- und Norddeutschen wird der Germane dem Semiten doch noch anders gegenüberstehen als der Bayer dem Preußen. Aufklären heißt nicht ableugnen oder gar vertuschen, sondern auf die geschichtliche Entwicklung Hinweisen, die den Juden leider Gottes dem Acker und Schraubstock entfremdet hat, und es heißt die beste Waffe wegwerfen, wenn man dem Christen gegenüber auf die Bilanz der Jahrhunderte verzichtet, anstatt ihm zu zeigen, wie s e i n Haß, seine Verfolgung und sein Ghettozwang den Juden zu dem machten, was er ward und werden mußte, zum Händler und Kaufmann. „I h r lähmtet uns und scheltet, wenn wir hinken", sagt Shylock. Wenn man dann noch auf die arbeitenden Massen des Ostens, die Kolonisationsbestrebungen und -erfolge usw. hmzeigte, hätte man auch noch die positive Eignung des Juden zu jeder, auch der schwersten Arbeit und sein ideales Streben erwiesen. Es würde zu weit führen, wollte man für die andern Punkte die entsprechenden Richtlinien aufweisen, es ist aber schade, daß über die Grundsätze der Abwehr und Aufklärung noch solche Unklarheit und Verworrenheit herrscht, wie sie in der Sonntagsversammlung zutage trat. ec. Die Doteutasche. MmmiiimuHMidiniiws'i dar Alter der akademischen Berufe. „Die erste Wissenschaft", rühmte der Jurist, „war die Jurisprudenz, denn über Adam und Eva wurde schon im Paradiese die erste Exmission verhängt." — „Dennoch", meinte der Mediziner, „ist meine Wisienschast älter, denn demselben Adam wurde schon lange vorher eine Rippe reseziert." — „Noch früher aber", bemerkte der Physiker, „kannte man die Physik; denn schon vor dem Entstehen des Menschen hieß es: Es iverde Licht!" Da triumphierte der Theologe und sprach: „Die allerälteste Wisienschast ist und bleibt die Theologie, denn vor dem Licht muß cs doch — dunkel gewesen sein."! 0000000011000000000 0 0 0000000000000000000! 8 a i a □ i g Dev Wereinsbote. . g I S ' □□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ □ □ oaaoaoaaDaaaooaaa | Wir stellen diesen Platz allen jüdischen Vereinen frei zur Verfügung, um hier ihre wöchentlichen Veranstaltungen i kurz anzukündigen. Serlln.; Jüdischer Nationalsond» e. 83. Postscheckkonto Berlin NW. 7 Nr. 28 247. Bon den im Jahre 1920 ouszubrinaenden 4 Millionen i sind biS zum 3 Februar 102 772.68 M. eingezaylt morden. g^>SVlSlrtSlSLLNISS»N > Schüttelreim aus dem „Schlemiel". „Geschmadter Hals". Seitdem gefügt den» Davidsschild er Valet, Ißt Sonntags nur, doch doppelt wild er Schalet. I. L. « Herr Mandelbaum war Agent einer Unfallversicherung und beurteilte alle Menschen -nach ihrem Verhältnis zu seiner Gesellschaft. Der anständige Mensch begann bei ihm, wenn er noch ohne Police war, und lvenn er noch gar nichts von einer solchen Sache wußte, sah er in ihm einen Iaddik. Auch Jakob, der Minjenmann, war ein solcher Zaddik. „Ihr seid in einer Unfallversicherung?" „Gott behüte! Was brauch ich eine Versicherung für Umfallen?" „Langsam!" rief Mandelbaum. „Es könnt' sich treffen, ihr brecht den Fuß. Nun? Kommt die Versicherung und gibt euch 1000 Rubel. Was kann euch das schaden?" Jakob, der Minjeitmann, zupft sich den Bart. Aber eh' er noch antwottet, fährt Mandelbaum fort:,„Und wenn ihr brecht beide Füß', kömmt die Versicherung und gibt euch 10 000 RuW." — „Gar nicht schlecht", sagt Jakob. „Und wenn Gott gibt", schreit Mandelbaum, „daß ihr brecht Händ' und Füß' und Kopp — seid ihr doch gar ein gemachter Mensch!" Di« älteste ^Wissenschaft. An einem Tische saßen «inst vier Herren, ein Jurist, ein Mediziner, ein Physiker, ein Theölogr und stritten über Bonn. Jüdischer Jugendverein tdamualt „Tie Kameraden". Vorsitzende: Frau Rechtsanwalt l)r. Cohn. Samstag den 14. Fcbr., nachm. 8.30 Uhr, im Gemeindehaus: Besprechung Über eine Purimseier. Allgemeine Beteiligung unbedingt ivichlig. — Sonntag den 15. Jebr., 2.30 Uhr: Halbtagswanderung Obercasiel-jruckstcin-Rabcnberg-Hcistcrbach. Treffpunkt 8.45 Uhr Endstelle der SiebcngcbirgSblihn Meckenheimerltr. Rückkehr gegen 1 Uhr. — Dienstag den 17. Jebr., 4 Uhr, Meckcnheimerstraße 64: Literarilchcr Nachmittag. — Mittwoch de» 18. Jebr., 3 Uhr: Kaiscr-Fricdrichstraße 1: Hetmnacknmitag. Jüdischer Jugendbund. Tie auf Freitag den 13. dS. festgesetzte außerordentliche Hauptversammlung wird aus Wunsch auf Montag den 16.. dS., abends 8 Uhr, im Gemeindehaus, Tcmpelstraße, verlegt. Ziou. Ortsgruppe. Vorsitzender: Max Goldreich, Beuel, Jriedrichstr. 15. Jeden Dienstag Abend 8 Uhr Wcberstraße 31: Zionistischer Stammtisch. — Ter Vortragsabend im Hotel Levi fällt in dieser Woche aus. toblenr. “ "dische Bereinigung. Jeden Montag » Uhr Vortragsabend in den Raumen der Eintracht-Log«, JlorinSmarkt. Oockesberg. Am 28. Februar.findet in den Säle» dcS Rhcinhotel Treesen ein Festball statt. Der Reinertrag ist zum Neubau der Synagoge bestimmt. Köln. Jüdische Lesehalle, RubenSstraße 331, geöffnet an Wochentagen von 6—8‘/j Uhr abends. SamslagS und Sonntagvon 2 Uhr mittag- bis 8'/, Uhr abends. Jüdischer Turnverei». Sonntags morgens von 8 Uhr ab Fußballspiel aus dem Spielplätze vor dem Lindentor. — Montags 8'/« Uhr: Vortrag in der Lesehalle, RubenSstr. 33. — Mittwochs äbcndS von 8—10 Uhr: Damen- und Herrentnrnen i» der Turnhalle der Schule Richard-Wagnerstraße. ■— Außerdem alle 14 Tage Vortrag im Schulzimmer Klapperhos 28. sRäheres durch die Geschäftsstelle Kyfshäuserstraße 9.s Jugendverein Gabriel Riesser, Cäcilienstr. 18/20. Freitag de» 13. Fcbr., 8'/, Uhr, Vvrtrag des Herrn Dr. B. Kahn: „Sprüche der Väter". — Samstag de» 14. Jebr., 6'/, Uhr, Vortrag deS Herrn Dr. B. Kahn für die Jugcndgruppe: „Jüdische Ethik". maycn. Indischer Jugendbund. Am SamSlag den 28. Febr. finhei in Mayen ein Purim-Ball statt. Näheres in der Anzeige. Wiesbaden. Zionistische Ortsgruppe. SamStag den 14. Jebr., Herr Bdrtrain Stern: „Ter Ausbau des Landes Israel". — SamStag de» 21. Fcbr.: Vorlesung deS Schauspielers Herrn .Kunibad-Franksurl auS siddische» Werken sPercz, Schalem Aleichem u. a.I. Nähere» ^—tvlrd-noch bekannt-gegeben. — Samstag den 28. Jebr: TiSkussionSabend über KlatzkinS „Probleme im modernen Judentum". Referent: Herr Chasim Spelt. — Sämtliche Vorträge finden jeweil» abends pünktlich 8 Uhr im Verein-lokal, Hotel Prinz Nicola», Ricoladstraße fintt. Gälte jederzeit willkommen.