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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-02-20 · 37 (20.2.1920) · p. Seite 75

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
37 (20.2.1920)
Date
1920-02-20
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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V. 76 di« guten studentischen Sitten verstoße. Darauf fand «ine Studentenversammlung statt, in der dieses Verlangen des Rektors vom Studentenaus schuß der Studentenschaft vorgelegt wurde. Diese beschloß, daß der an l)r. Mat-cr gerichtete Brief nicht zurückgenommen werde, da er die Überzeugung der Studentenschaft ausdrücke und keinen Eingriff in das Berufungsrecht von Rektor und Senat darstelle. Dieser Brief soll abgeschickt werden, falls die im Gange befindliche namentliche Abstimmung der Studenten eine Mehrheit hierfür ergebe. Berlin. In den von Kautsky herausgegebenen Akten- , stücken befindet sich folgender Brief, den Baron Alfred de Rothschild am 1. August 1914 an'Kaiser Wjlhelm gerichtet hat: „Sr. Kaiser!. Majestät dem Deutschen Kaiser, Berlin. Ich bin mir bewußt, daß Euere Majestät jeden Nerv zugunsten des Friedens anftrengen, und weil ich dies weiß und tveil ich immer rin Bewunderer der Politik Euerer Majestät war, wage ich Euere Majestät in djesem kritischen Augenblicke anzureden, da die Segnungen de6 Friedens und die Schrecken des Krieges wie das Zünglein einer Wage balancieren. Wollen Euere Majestät mir daher einen Vorschlag senden, den ich sofort meinen Freunden vorlcgen könnte, und der geeignet wäre, sowohl in Petersburg wie in Wien günstig ausgenommen zu werden, unterstützt von meinen Freunden? Ich wage ernstlich zu hoffen, daß Euere Majestät mir gütigst antworten werden." Auf dieses Schriftstück hat der Kaiser die Worte geschrieben: „Eine meiner alten und sehr achtungswerten Bekanntschaften, ungefähr 75 bis 60 Jahre alt", während das Auswärtige Amt das Telegramm mit der Notiz versah, daß die Antwort nicht abgehen konnte, weil das Kabel mit England bereits unterbrochen war! Berlin. Auf einen Antrag auf Namensänderung, den ein Rechtsanwalt für seinen Klienten bei der Negierung in Potsdam gestellt hatte, ist ihrn vom Polizeipräsidenten Schöncberg nachstehender Bescheid zugestellt worden: „Namens des Herrn Regierungspräsidenten aus Potsdam benachrichtige ich Sic ergebenst, daß dem Namensänderungsantrage für Abrahamsohn nicht hat Folge gegeben werden können, weil ein triftiger Grund für die Namensänderung nicht vorliegt. Falls der Gesuchftellcr jedoch durch seinen Namen A. etwa Spötteleien ausgesetzt sein sollte, so würde der Herr Regierungspräsident nach den bestehenden Bestimmungen in der Lage sein, einem Anträge auf Namensänderung näherzutrcten. In diesem Falle würde er bereit sein, die Genehmigung für einen anderen Namen wie z. B. Rosenfeld, Morgcnthau, Hirsch. Fuchs usw. zu erteilen. Rein christliche Namen wie* Schmidt würden dagegen nicht in Frage kommen. Die eingereichte Geburtsurkunde erfolgt anbei zurück." Berlin. Der Verbünd der Ostjuden in Deutschland verhandelte mit dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde wegen Errichtung einer Herberge für obdachlose jüdische Flüchtlinge. Nach längeren Verhandlungen ist nunmehr zur Verwaltung und Bewirtschaftung dieser Herberge ein Komitee gebildet worden. , Berlin. Von den hiesigen Gemcinderabbinern wurden im Monat: Juli 1 Frau, Maust 2 Frauen, September 6 Frauen, 5 Männer, Oktober 7 Frauen, November 8 Frauen, Dezember 6 Frauen. 1 Mann, zusammen 30 Frauen und 6 Männer, in das Judentugz. ausgenommen. Polen. Warschau. Der Kampf der jüdischen Bevölkerung gegen das neue Sonntagsruhegcsetz ivill nicht zur Ruhe \ kommen. Fortwährend bilden sich Deputationen, die an die Behörden mit Eingaben gegen das Elcsetz herantreten. So hat sich z. W eine Delegation aus den jüdisck>en Ssejinabgeordneten zu diesem Zweck gebildet. Ferner hat. sich eine Delegation von Rabbinern mit dem Rabbiner Perlmutter an der Spitze zum.Premierminister mit der Bitte um Abschaffung des genannten Gesetzes begeben. Ter Premierminister gab die Versilberung. Mittel zur Linderung des Gesetzes bei seiner Ausführung anzuwenden. Während di« Räbbiner noch beim, Premierminister weilten, kam bereits eine andere Delegation, nämlich die Abordnung der Kaufleute, deren Empfang daher verschoben werden mußte. Es ist natürlich nicht zu ermatten, daß das besetz als Ganzes abgeschaffl werden wird; höchstens sind gewisse Erleichterungen l>ei der Ausführung möglich. K. f. d. O. Warschau. Hier ließen sich infolge der starken ankisemitischcn Strömung in der letzten Zeit ülwr 600 Juden taufen, darunter sogar Persönlichkeiten, die in der jüdischen Gemeinde und in jüdischen Organisationen führende Sfellungen einnahmen. Ungarn. Budapest. Auf der Eisenbahnstrecke Budapest-Raab ist es. wie der „Abend" l>erichtet, Sitte geworden, daß Militär die Züge nach Juden absucht und sie inil'ihreni (Gepäck aus den Zügen zerrt, dann beraubt und einsperrt. Ein*Tcil der vollständig grundlos eingcspcrrten Jirden dürfte ermordet worden sein. Das ist die „christliche" Regierung Huszar! Tschechoslowakei. Prag. Am 14. und 15. Februar findet in Prag eine allgemeine jüdische Frauentagung statt, die von Delegierten aller jüdischer Frauenvereine dee Tschecho-Slowakei beschickt sein soll. Einberufer ist der „Verband jüdischer Frauen im tschechoslowakischen Staat". Zweck der Tagung ist, sich mit sozialen und kulturellen jüdischen Aufgaben zu beschäftigen und durch den Zusammenschluß eine Stärkung der geistigen und materiellen Möglichkeiten der Vereine zu erreichen. Ein Vortrag der bedeutenden jüdischen Vorkämpfern! großzügiger Frauenarbeit, Frau Anita Müller, soll in den Rahmien der Tagung einbezogen iverden. Litauen. Kowno. 0r. Soloweitschik, der Minister für die jüdischen Angelegenheiten in Litauen, hat telegraphisch das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris ersucht, bei den Wicdcraufbauarbeiten in Frankreich und Belgien den. litauischen Juden Arbcitsmöglichkeiten zu verschaffen. Sie können als Holz- und Möbelarbeiter, in welchem Fach sie viel Übung haben, sich sehr nützlich machen. Lettland. Riga. Die etwa 10 000 Seelen zählende lettische Judenheit hat einen bedeutenden Erfolg zu verzeichnen. Ihre kulturellen Institutionen (Primär-- und Mittelichnlen) sind von der Stadt Riga subventioniert worden. während die Verwaltung der Schulen ausschließlich von den jüdischen Parteien selbst kontrolliert wird. Die einzige Forderung, die die lettische Regierung aufstellt, lautet, daß die lettische Sprache als Landessprache in den Schulen gelehrt werden soll. Bezüglich der Unterrichtssprache ist man zu \'i» Kompromiß gelangt, daß der Unterricht in den untere» Klassen der Primarschulen in Jiddisch, in den höheren dagegen in Hebräisch erteilt werden soll. In den Mittelschulen wird die Unterrichtssprache aus „technischen Gründen" meist russisch sein.! s Sowjet-Rußland. Moskau. In einem Interview mit dem Kopcuhagencr Korrespondenten des ..Moment" erklärte Volkskommissar Lunatscharskh. daß, seiner persönlichen Meinung »ach, Eltern ihre Kinder eine jede beliebige Sprache lehren dürfen. Das Verbot des Hebräischen sei nicht Sache der Volkskoinmifsäre gewesen, sondern nur der Jittoleranz der jüdischen Koinmunisteil zu verdanken. Moskau. Der Rat der Volkskominissärc hat ein spezielles Komitee für den Kamps gegen de» Antifeinitismus geschaffen, dein ». a. Marim Gorki. Lunatscharikh und Lenin angehören. Japan. * Tokio. Vor mehreren Monaten hat sich zrir Regelung« des großen jüdiiche» Emigrationsstrvmes. der leit Beginn

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