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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-02-06 · 36 (6.2.1920) · p. Seite 65

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
36 (6.2.1920)
Date
1920-02-06
Page
Seite 65 (sequence 5)
Language
German
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sation all« türkischen jkronländereien unter noch zu bestimmende» Bedingungen zuzuteilen seien, und daß sie an anderem öffentlichen Eigentum ein Vorkaufsrecht erhalten solle. Die Konferenz gab ferner dem Wunsch Ausdruck, daß daS Aktions-Komitee in London durch die Mitarbeit führender Zionisten auS allen europäischen Ländern und auS Amerika erweitert werde; Nordau und Alexander Marmorek sollten Mitglieder des AktionS-KomiteeS sein. Der Zionistenkongreß solle baldigst nach Peßach abgehalten werden. Endlich wurde der Wunsch ausgesprochen, daß in daS politische Büro in Paris Vertreter der französischen Zionisten «intreten sollen. i England. London. Das Enger« Aktionskomitee der Zionistischen Organisation hat die bereits angekündigte Sitzung des Großen Aktionskomitees auf den!0. Februar 1920 nach London einberufen. London. Eine Gruppe der Agudas Jisroel wurde in Nord-London gegründet. Robb. Rabinowitz begrüßte die Versammlung und erörterte das Kattowitzer Programm, indem er noch besonders die Palästinaarbeit der Agudas Jisroel betonte. Oberrabbiner Dr. Jung sagte, daß über den hochbedeutenden Aufgaben in Palästina die Gegenwartsaufgaben in den Golusländern nicht vergessen werden dürfen, wo es heute gilt, viel Bauarbeit zu leisten. Das heutige Palästina könne leider nur einige Tausende aufnehmen, während in der Diaspora Millionen bleiben, deren Interessen wahrgenommen werden müssen. Die Orthodoxie hat vor dem Kriege etwa 5 Millionen Francs im Jahre für Palästina aufgebracht, so viel wie für den zionistischen NF. in zwanzig Jahren gesammelt wurde. Es müßte der Orthodoxie gelingen, all ihre Kräfte zu vereinigen. Nach ausgiebiger Diskussion wurde folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung nimmt die Verpflichtung auf sich, die Aguda in ihrem religiösen wie in ihrem Erziehungsprogramm mit allen gegebenen Mitteln zu unterstützen." London. Die amerikanisch-jüdische Kommisiion zur Untersuchung der ukrainischen Pogrome ist unter Führung von vr. Friedländer hier eingetroffen. Sie fährt demnächst über Paris weiter. Palästina. auch so wenige — nach links sich „auSdehnte", um plötzlich abzubrechen und in der elenden Landstraße zu versanden. Die „Stadt" hatte jedoch den Vorzug, zu dem halben Dutzend russischer Grenzstationen zu gehören, deren Hauptaufgabe zu sein scheint, das Leben der Reisenden nach und aus — dem heiligen Rußland zu verkümmern und zu verbittern. Wehe dem Wanderer, besten Paß auch npr der geringste Fehler, die kleinste Unordnung anhaftete, der doppelköpfige.Adler hat scharfe Augen und noch schärfere Krallen. mit denen er fest zugreifen kann; außer man ist in der glücklichen Lage, Mittel und Geistesgegenwart zu besitzen, das empörte Gemüt der Grenzjäger durch die bekannten blauen Scheinchen zu beschwichtigen. Der Laden war also im Zentrum der Stadt gelegen. Er bestand aus einem gemischten Lager von Käse. Heringen. Sirup und noch vielen anderen dergleichen Sachen, dir den Laden zu einer großen, wenn auch keineswegs herrlich duftenden Gewürzbüchse gestalteten: die Luft, die demnach da herrschte, war nicht besonders lieblich. Doch Zillah hatte sich schon daran gewöhnt. Sie war ja da geboren, obwohl sie es nie hatte begreifen können, wie sie bej dieser Umgebung ihre Geburt überlebt hat. Gegenwärtig war sie wie gewöhnlich im Laden beschäftigt: das heißt, sie saß hinter dem Ladentisch, in einem Buche lesend, ivährend Jankele, das „Mädchen für alles", die Kunden bediente und ihr das Geld übergab, welches sie aber niemals nachzählte. Denn Zillah tat überhaupt nichts weiter als lesen — lesen und immer wieder lesen — und nicht etwa die heimische, in Schwermut und Finsternis geborene Jargon-Literatur, sondern wirkliche deutsche Romane von Franzos, Spielhage», Freilag usw. Als sie neun Jahre zählte und ihre Schwester Salka sieben, ivurden sie beide zu einem wohlhabenden Onkel in einer ostprcußischen Mittelstadt geschickt, »m dort im Deutschen „auSgebildct" zu werden. Salka kehrte schon nach de» ersten Ferien nicht mehr dorthin zurück, weil sie in den wenigen Wochen schon fast vor Heimweh gestorben wäre. Zillah jedoch kehrte wieder; Jahr für Jahr, bis sie ihren sechzehnien EkburtStag gefeiert; denn absichtlich hatte sie bisher de» stille» Widerspruch, den unausgesprochenen Vorwurf im Auge der Eltern nicht bemerken wollen, und als endlich ein triftiger Grund sie zwang, nunmehr in der Heimat Anker zu werfe», da gehorchte sie wohl, doch mit einem Herzen, das bis an die Wurzel von dem Wurm der Unzufriedenheit benagt war. Jerusalem. Die Kanalijationsarbeiten in Jerusalem schreiten gut fort. Der Unternehnier, Herr Bondy, der nach Ägypten gereist war zwecks Anschaffung von Röhren, Arbeitsgeräten und Baumaterialien, ist zurückgekehrt und hat die unterbrochenen Arbeiten wieder ausgenommen. Zurzeit werden 25 Juden beschäftigt; demnächst soll ihre Zahl auf 100 steigen. Die Arbeiter verdienen durchschnittlich fünf Francs pro Meter. l)er Kote erzählt: Jüdische Töchter. \ Von Samuel Gordon. Berechtigtr Übertragung auS dem Englischen von M. Pulvermann. 1. Der Kramladen befand sich in der Mitte der Stadt. Man hätte dieses sogar mit mathematischer Genauigkeit leicht feststellcn können; denn die „Stadt", die sicherlich nicht ihrer Verdienste wegen, sondern aus geographischen Gründen diesen stolzen Titel führt«, bestand aus einer einzigen Straße, die. von dem erwähnten Kramladen beginntnd, einige Schritte nach recht- und ebenso viele — oder ES uar die Krankheit der Mutier, die sie zu dem einförmigen Leben in dem langweiligen Grcnzstüdtche» zurückrief, und das gerade zu der Zeit, als ihre Augen sich öffneten! für die Herrlichkeiten der Außenwell, als ihre Ohren sich ' auflaten, um das lausendftiminige. fröhliche Lachen draußen zu vernehmen,, als ihre Seele sich weilete, um die Lebenslust in sich einziehen zu lassen; gerade in der schönste» Mädchcu- , zeit, wo das Dasein mit den herrlichsten Freuden geschmückt; war, da mußte sie alles aufgcben, alles verlassen, um in Einsamkeit und Langeweile sich einzuspinnen. Ja, traurig und einsam war sie in ihrem Denken, und dieselbe Kleinlichkeit, dasselbe Erdrückende und Erstickende auch in ihrem Wirkungskreise. Gerade drei Seelen — nicht eine einzige mehr — bevölkerten ihre Umgebung: die bettlägerige, nie klagende Mutter, die ebenso geduldige, stets arbeitsame Schwester, die es sich zur Hauptaufgabe gemacht, das schivachglimmende Lebenslicht der Mutter wieder, zur vollen Flamme anzufachen, und der derbe, schnellwitzige Vater, der selten zu Hause war, der beständig das Land nach allen Richtungen durchkreuzte, um den Inhalt des! eisernen Kastens noch umfangreicher zu gestalten. In der ganzen Umgegend war Anschel Markowitz als ivohlhabend, als reich bekannt. Reich! Welchen Nutzen, welche Freuden verschaffte ihr dieser väterliche Reichtum-? All die Empfindungen, die die bleibeschwertc Alltäglichkeit ihr noch übrig gelasien, sollte sie für diese drei Menschen verbrauchen! Sie tat es ja auch, und mit ganzem Herzen, oder ivenigstens mit einem großen Teil desselben, war sie ihnen ja zugetan; aber während jene anfingen, zu glauben, sie habe sich ihnen voll gngeschlossen, sie sei ihnen ganz Nahe --- da schwärnite

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