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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-02-06 · 36 (6.2.1920) · p. Seite 64

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
36 (6.2.1920)
Date
1920-02-06
Page
Seite 64 (sequence 4)
Language
German
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«4 Litauen. ftotvno. Dos Pressebüro des jüdischen Ministeriums teilt mit: Ter Gemeindetag der litauischen Gemeinden wurde am 14. Januar geschlossen. Seine Verhandlungen hatten guten Erfolg. Es wurde ein Nationalrat von 34 Mitgliedern gewählt, dessen Präsident Rosenbaum ist. Zum Minister für jüdische Angelegenheiten wurde Soloweitschik iviedcrgewählt. Es wurde beschlossen, eine Der« tretung in das „Comitö des Telegations juives anprd de la conförence de la paix" zu entsenden. Schließlich wurde eine Anzahl von Resolutionen über politisch und ökonomische Fragen angenommen. Rußland, * Irkutsk. Auch Sibirien, das von Pogromen bisher verschont geblieben ist. ivird jetzt von einer Judenhetze schlimmster Art durchwühlt. Traurig und höchst bedenklich ist die Tatsache, daß die wilde Pogromliteratur, die sich ivie eine reißende Flut ül'er das Land ergießt, auf gar keine Hindernisse stoßt. Auch die Zentral-Regierung entwickelt hierin eine Geduld, die zu den grüßten Befürchtungen Anlaß gibt. In einem Prvteste des jüdischen Nationalrats in Sibirien und Ural heißt es u. a.: „Wir erivartev von der verantwortlichen Macht energisches Einschreiten gegen die Pogroinaufrufe und die antisemitische Propaganda. Insbesondere darf erwartet werden, daß die Jrkutsker Stadtduma kein Mittel unversucht läßt, das Volk über die schamlosen Lügen der antisemitischen Agitation aufzuklären." Auch wurde man persönlich beim Gouverneur vorstellig. Ties alles hat doch dazu geführt, daß im sibirischen Parlamente die traurigen Ersck>einungen zur Sprache gelangten. Im Lause der Tebatte stellte sich heraus, daß im Einverständnis mit offiziellen Regierungsorganen von den Antisemiten Plakate hergestelli wurden, auf denen in Wort und Bild zu Pogromen aufgcrufen wird. Was der sibirische Ministerpräsident dazu zu sagen halte, ist nicht bekannt, denn der Zensorgriffel wütet heute noch in Sibirien ganz ivie anno dazumal. Immerhin wird verlautbart, daß die Regierung nunmehr mit starker Hand den Hetzern, di« zu Nutzen ihrer eigenen Tasche Verderben über das Land bringen ivollen, entgegentreten will. Türkei. Konstantinopcl. Haim Nahum, der türkische Großrabbiner, hak sich nach seiner Rückkehr aus Paris gegenüber der Redaktion der „Aurore" über seine Eindrücke geäußert. Er fuhr nicht in amtlicl)er Mission, sondern auf Grund einer telegraphisclien Aufforderung durch Morgenthau, dem er eingehende Information über die Lag« der türkischen Juden gab. Er hatte ferner in Paris Besprechungen mit den Herren der „Alliance Jsraelitc" und der Jca, die einerseits die von diesen unterhaltenen Schulen, andererseits die Errichtung einer jüdischen Darlehnskasse in Konstantinopel betrafen. Ter Großrabbiner verlangte, daß an den Schulen der Alliance im höheren Maße als bisher das Hcbräisck-e als lebende Sprache berücksichtigt werde, was ihm zugesagt wurde. Nachdem sich Haim Nahum dann optimistisch über die Frage des Minoritätenschutzes geäußert hatte, sprach er auch über den Zionismus und die Zukunft Palästinas. Er hält es für ausgemacht, daß Palästina unter den Schutz Englands als der Mandatarmacht des Völkerbundes gestellt wird und daß die Juden die Möglichkeit erhalten >r>erden, in ihre nationale Heimstätte einzuwandern, um dort ihre nationalen, kulturellen und wirtschaftlichen Aspirationen frei entwickeln zu können. Haim Nahum gab zum Schluß der Überzeugung Ausdruck, daß durch die Errichtung der nationalen Heimstätte in Pa- Tafüno die politischen Rechte der Juden anderer Staaten nicht beeinträchtigt würden. Pt'siku. Hamadan. Die Juden werden seit einiger Zeit in* Hamadan schwer verfolgt. Laut der neuen persischen Konstitution verweigern di« Perser den Juden die Gleichberechtigung. Auf Beschwerde des Board of Deputier Bund der jüdischen Gemeinden in England) hat Lord Curzon dem britischen Vertreter in Persien den Auftrag erteilt, Ungerechtigkeiten gegen die Juden zu verhindern. ^taliew^ Florenz. Am 21. Dezember fanden hier die Wahlen zur jüdischen Gemeinde statt. 81 Prozent der Wähler beteiligten sich. Sämtliche elf zionistischen Kandidaten wurden gewählt. Florenz ist somit die erst« jüdische Gemeinde in Westeuropa, die rein zionistisches Gemeindekollegium hat. Epaniru. Madrid. Der Spanisch-jüdische Verband in Tetuan hat die Einsetzung eines Zentralausschusses in Madrid als Vertretung aller spanisch-jüdischen Vereine Marokkos beschlossen, um eine immer engere Annäherung zwischen Spaniern und Juden in Marokko, und hauptsächlich in dem unter spanischem Protektorat stehenden Landstrich zu erzielen. Präsident ist Dr. Angelo Pulido (Madrid), als Ehrenpräsident wurde König Alfons bezeichnet. Amerika. Rewyork. Eine Gruppe jüdischer Politiker in Amerika mit Jakob Schiff an der Spitze hat dem amerikanischen Außenniinisterium ein Memorandum vorgelegt, in welchen« sie vorschlägt, daß das neue Jmmigrationsverbot sich auf die Familien der Pogromopfer in der Ukraine und in anderen Ländern nicht beziehen soll. Einige führende Kongreßmitglieder versprachen, desen Vorschlag zu unterstützen. Holland. Amsterdam. Vor Beendigung der Amsterdamer Misrachi-Konferenz ist der Beschluß gefaßt worden, das Zentralbüro des Misrachi nach Palästina zu verlegen. So lange sich dieser Beschluß unter den augenblicklichen Verhältnissen nicht durchführen läßt, wird das Zenkralbüro nach London verlegt. Die Leitung übernehmen die Herren Stuart Samuel. Chief Rabbi vr. Hertz, Rabbi Dr. Viktor Schönfcld. Professor vr. Pick und Abgeordneter Farbstein. Bis zur endgültigen Übersiedelung nach Palästina wird daselbst ein Ziv-igbüro eröffnet, dessen Leitung gleich-, falls in den Händen von fünf Herren liegt. Außerdein wurde beschlossen, daß bei Entscheidung wichtiger Fragen immer die telegraphische Zustimmung der Herren Meier Berlin. Rabbi Fischmann und Hermann Struck einzuholen sei. Frankreich Paris. Das Komitee der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz hat folgende Depesche vom Kongreß der jüdischen Gemeinden Litauens erhalten: „Der erste Kongreß der demokratisch-jüdischen Geineinden Litauens begrüßt herzlich das Komitee der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz. In diesem großen historischen Moment verkünden die Juden Litauens ihre Solidarität «nit den Juden der ganzen Welt in ihrem Kampfe für die nationale Freiheit. Wir erkennen das Komitee der jüdischen Delegationen als die einzige legitime Vertretung des jüdischen Volkes an, die das Recht besitzt, in seinem Namen zu sprechen. Wir statten dem Komitee unseren tiefsten Dank ab für seine nützliche Arbeit-» zugunsten der Verwirklichung unserer nationalen Hoffnungen. Fest entschlossen, das Leben der litauischen Juden auf den Grundsätzen der nationalen Autonomie aufzubautn, hoffen wir, daß die Juden der ganzen Welt uns ihre Unterstützung bei dieser Arbeit leihen werden." Paris. Der Pariser Delegiertentaa der französischen Zionisten faßte den Beschluß, daß Palästina in seinen natürlichen. ökonomischen und geographischen Grenzen wieder hergestellt werden müsse, daß der zionistischen Organ,- I

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