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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-02-06 · 36 (6.2.1920) · p. Seite 63

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
36 (6.2.1920)
Date
1920-02-06
Page
Seite 63 (sequence 3)
Language
German
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SS schlefieu), der in einer Versammlung im Saale der Kultus- «meinde den Gedanken des Jckdustriedorfs den in großer Zahl erschienenen Hörern klarlegte und durch Lichtbilder erläuterte. Nach dem Vortrage traten die Interessenten, die den führenden iüdischen Kreisen angehören, zusammen und wählten ein Komitee, das die Gründung einer ge-! schlossenen Bielitzer Gruppe in die Weg« leitet, deren Anschluß an die Groß-Siedlung Degel Jehuda gesichert ist. tn das Komitee traten ein: Fabrikant Jakob Schanzer. rofessor Feuereisen und Bezirksrichter Dr. Wagner. Die Siedlungsgesellschaft Tegel Jehuda. der das gesamte Material über die einschlägigen Kolonisations zur Verfassung steht, ist zur Beantwortung aller Anfragen gern bereit; das Büro-befindet sich in Berlin-Halens«. Seesener Str. 301. Berlin. Am 28. Dezember 1919 ist ünter dem Namen „Palästina-Hochschulkomitee" in Berlin ein Verein gegründet. der die Förderung von jüdischen Hochschulen in Palästina zum Ziele hat. Der Vorstand besteht aus den Herren Prof. vr. Otto Marburg und Herrn Geheimen Medizinalrat Prof. vr. Landau. Berlin. Der Ausschuß des Komitees soll möglichst aus akademischen Lehrern zusammengesetzt werden. Der Verein wird den Charakter der Rechtsfähigkeit erwerben und dadurch in der Lage sein, Schenkungen und Stiftungen entgegenzunehmen, die ihm « sicherlich zahlreich und in großem Umfang zufließen. Der Verein hofft dadurch in den Stand gesetzt zu werden, durch Zurverfügungsstellung von Materialien aller Art. Instrumenten, Präparaten und insbesondere Büchern das palästinensische Hochschulwerk wesentlich zu fördern. Der Mitgliedsbeitrag ist auf mindestens 10 M. jährlich festgesetzt. Zuschriften sind an das Palästina-Hochschulkomitee, Berlin W. 15, Sächsische Straße 8. zu richten. Berlin. Staatsrat vr. Ludwig Haas hat den angebotenen Posten als deutscher Gesandter in Belgrad, der ihm von der deutschen Regierung angeboten war, abgelehnt. Frankfurt a. M. Die anfänglich für Mitte Schewat vorgesehene Erez-Jisroel-Woche der Agudas Jisroel, die aus internen Gründen verschoben werden mußte, findet nunmehr, wie uns die Palästinazentrale der Agudas Jisroel für Deutschland mitteilt, um die Purimzeit statt. Einzelheiten über das Programm und den Kartenverkauf werden in Kürze mitgeteilt werden. Berlin. Infolge der Verkehrsschwierigkeiten, die in jüngster Zeit entstanden sind, wurde die ostjüdische Konferenz für einige Zeit verschoben. Ter neue Konferenztermin wird noch bekannt gegeben iverden. Berlin. Unser Bericht, Herr Geheimrat vr. Eugen Fuchs habe sein Amt als Vorsitzender des Zentralvereins niedergelegt, weil er sich mit der „extremen Richtung", die der Verein in der letzten Zeit eingeschlagen habe, nicht mehr decken könne, wird uns vom Zentralverein als unrichtig bezeichnet. Leider sei der Gesundheitszustand des Herrn Gcheimrat Fuchs seit längerer Zeit so, daß es ihm unmöglich gewesen ist, seine Ehrenämter beizubehalten. Er habe deshalb nicht nur den Vorsitz im Zentralverein, sondern auch das von ihm seit Jahrzehnten bekleidete Amt eines Mitgliedes der Prüfungskommission für die große Staatsprüfung niederlcgen müsien. Irgendwelche Änderungen in der Politik des Vereins seien nicht eingetreten. Herr Geheimrat Fuchs sei mit Auffassung und Ziel sowie Arbeitsmethode des Zentralvereins in allen Punkten restlos und vollständig einverstanden. Es habe zwischen ihm und dem Verein, insbesondere auch den Landesverbän- „ den und Ortsgruppen nicht die geringste Meinungsverschiedenheit obgesvaltet. Herr Geheimrat Fuchs arbeite, soweit es in seinin Kräften stehk. Mnn auch nicht mehr in altem Umfange, so doch noch täglich an den Aufgaben des Zentralvereins mit. Österreich. Wien. Einer der bekanntesten ungarischen Arzte, dessen Ruf als hervorragender Gelehrter und edler Mensch weit über die Grenzen seines Vaterlandes gedrungen ist. der Stadtarzt vr. Isidor Menczer auS Groß-Beczkerek, ist 1 im Alter von 69 Jahren am 12. v. M. in einer hiesigen! Klinik, einem schweren Leiden erlegen. Ein zahlreicher Freundeskreis, unzählige derer, denen er mit Hilfe und Trost zur Seite gestanden hat, beklagen den Verlust eineedelmütigen Freundes und Beraters. Ungarn. Budapest. Der Stadtkommandant von Miskolcz hat,, wie „Mult äs Jövö" von dort meldet, vor kurzem «ine Verordnung herausgegebcn, in welcher er seine Entrüstung darüber ausspricht, daß nicht nur in den'versteckten NeVengassen, sondern sogar in der Hauptstraße von Miskolcz Firmentaseln nnt hebräischen Buchstaben (gemeint ist die hebräische Bezeichnung „Koscher" auf jüdischrituellen Viktu» aliengeschäften) zu finden sind. Diese Aufschriften find, binnen 24 Stunden zu entfernen und „in Zukunft", so schließt die Verordnung, „müßte ich den Gebrauch solch geheimer Schriftzeichen als eine staatsfeindliche Aufreizung und eine Herausforderung des ungarischen Volkes ansehen und behandlen." „Mult es Jövö" glaubt den Herrn Stadtkommandanten von Miskolcz, dessen Name leider nicht angegeben ist. um ihn der öffentlichen Lächerlichkeit preiszugeben, daran erinnern zu müsien, daß man nirgends in der Welt vor diesen „geheimen Schristzeichen" Angst hat, und daß im Londoner Eastend sogar die Namen mancher Strecken, ja selbst die Stationen der Untergrundbahn neben der englischen Bezeichnung auch jiddisch mit hebräischen Lettern bezeichnet sind. Budapest. Die Ausweisung und Internierung der galizijchen Juden in Ungarn hat begonnen. Vom Josefstädter Bahnhof aus wurde der erste Zug mit ungefähr siebenhundert Ausgewiesenen abgelassen. Ter Zug nahm die Richtung Kaschau. Pole». Warschau. Hier waren Gerüchte verbreitet, daß die 1 polnische Regierung bei Führung der Friedensverhand- I lungen mit Petljura die Kassierung der jüdischen natio- 1 unten Autonomie und des Ministeriums für jüdische Angelegenheiten in der Ukraine verlangt habe. Das polnische Ministerium des Äußern veröffentlicht nun ein offizielles I Dementi dieser Nachricht. Es sei über diese Tinge überhaupt nicht verhandelt ivorden. (S. P. Z.) Warschau. Als Delegierter der „Agudas Jisroel" weilt hier Herr Timberg aus Hang, um die Kriegswaisenhänser in Warschau und Kalisch zu inspizieren und »vegen einer staatlichen Subvention mit der polnischen Regierung zu verhandeln. Lemberg. Vor einigen Tagen hat die Lemberger Polizei eine strenge Tascl-endurchsuchung bei der jüdischen Bevölkerung vorgenommen. In ganz unerwarteter Weise sind ganze Straßen von starken Polizeiabteilungen abgesperrt worden. Patroillen sind in Kaffeehäuser, Restaurants und selbst Kinos eingedrungcn und haben jeden vorleigehenden Juden in ein Kaffeehaus oder ein anderes Lokal hineingeschleppt und ihm sein ganzes Bargeld, sei es Kronen oder Mark oder Rubel oder irgendeine andere Valuta, abgenommen, wobei allerdings Quittungen über die beschlagnahmten Gelder ausgegeben wurden. Ter ganzen jüdischen Bevölkerung hat sich daraufhin ein panischer Schrecken bemächtigt. Tie Arbeit ist denn^ auch so grnündlich gemacht worden, daß selbst dem unschuldigen Publikum, ivelches an den Straßcnbahnstationen gewartet hat, um zu fahren, die letzten paar Kronen abgenommen wurden. (K. f. d. O.) -Warschau. - Demnächst-wird ein schaurig-interessantes Buch erscheinen: „Pogrome." In dem Buche, das in jüdischer Sprache geschrieben wird, sollen all die Qualen geschildert werden, welche das jüdische Ä?olk ivährend der Kriegsjahrc in Rußland, Polen und Galizien erlitten hat. Das Werk, an dem die bekanntesten jüdischen Publizisten und Gelehrten des alten Rußlands mitarbeitetenwird außer belletristischen Aufsätzen auch viel wichtiges authentisches statistisches Material enthalten. .

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