Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 34 (23.1.1920)
- Date
- 1920-01-23
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ftnfe. E» wird darin versucht, den Schülern die Meinung beizubrinaen, daß die Juden den Mittelstand in Polen ruiniert hätten, und daß sie darnach streben, ein jüdisch« polnische» Reich aufzurichten. Der jüdische R«ich»tagsktub ersuchte da» Unterrichtsministerium um Eliminierung der« artiger Lehrbücher au» den Schulen. " Lodz. Der Präsident des Lodz« BrzirkSgnichtes. vr. Adolf Kohn. hat auf seine Stelle resigniert. vr. Adolf Kohn gilt nicht nur al» ausgezeichnet« Jurist, sondnn ist auch «in« der eifrigsten Führer der polnischen Asiimilanten. Er versäumte keine Gelegenheit, zu betonen, daß er sich alS.Pol« mosaisch« Konfession fühle und al» vollwertiger Pole genommen werden wolle. Nun Sben ihm die Polen ihre Antwort ertellt: sie wollen den . Kohn einfach nicht alS Polen anerkennen. v«zichtcn lieber auf feine, wie allgemein anerkannt wird, ausgezeichneten öffentlichen Dienste, als daß sie zugeben, daß «in vr. Kohn oder welcher Jude immer, Pole fei, der auf eine öfentliche Stellung im polnischen Staate Anspruch erheben kann. R»«il»ie». Berlin. Über den rumänischen Vertrag schreibt di« Bosfische Zeitung: „Beim Abschluß de» Vertrages über den Schutz der nationalen Minderheiten in Rumänien hat der Ol erste Rat den Rumänen das Zugeständnis gemacht, daß dn ursprünglich vorgesehene Einleitung-satz fortfiel. In diesem war zum Ausdruck gebracht, daß Rumänien bisher den Berliner Vertrag, d. h. den Vertrag von 1878, der auch Schutzbestimmungen für die rumänischen Juden enthielt, nicht erfüllt hätte. Hinsichtlich der jüdischen Minderheit sind den Rumänen insgesamt erheblich geringer« Verpflichlungcn auferlegt worden als den Polen. Nach Artikel 7 des MinderheitSschutzvertrageS ist Rumänien nur verpflichtet, seinen jüdischen Einwohnern ohne Formalitäten unter Gewährung voller Gleichberechtigung das Bürgerrecht zuzuerkennen, während der entsprechende Vertrag mit Polen auch Schutzbestimmungen für di« Sabbathruhe und für eine eigene jüdische Schulverwaltung vorsieht." Rußland. Odesia. Der Stadthauptmann von Odesia hat dem Prisyw vom 17. Dezember zufolge von der Denikin-Regierung di« Weisung erhalten, den Juden die Ausreise nach Palästina über Konstantinopel zu erleichtern. Die auSwandernden Juden stehen unter dem Schuhe einer besonderen amerikanischen Kommission. Tschechoslowakei. Prag. Am 5. und 6. Januar fand in Prag im Jüdischen Rathaus ein vom Jüdischen Nationalrat für die tschecho-slowakische Republik einberufener Delegicrtentag statt, an dem di« bei den letzten Gemeindewahlen gewählten jüdischen Stadtverordneten. Delegierte der Jüdischen Volksräte und Delegierte der nationaljüdischen Korporationen teilnahmen. Es waren insgesamt 150 Delegiert« anwesend. Prag. Herr vr. M« Brod wurde am 28. Dezember 1919 vom Präsidenten Masaryk in einstündiger Audienz empfangen und erstattete ausführlichen Bericht über seine Reise in Slowakei, vr. Drod berührt« bei dieser Gelegenheit alle wichtigen jüdischen Fragen,'insbesondere die des Schadenersatz«» für die Plünderungen im November vorigen Jahre». Präsident Masaryk erkundigt« sich eingehend nach d« politischen Grupvierung der Juden in der Slowakei und brachte den Ausführungen vr. BrodS da» vollste Verständni» entgegen. Die Audienz war allen Angelegenheiten der Juden in der Slowakei gewidmet und schloß mit der Zusicherung des -Präsidenten, daß « die demvkraNschen Bestrebungen des VolkSverbandeS mit größtem Wohlwollen verfolge. ^ngasiawie«^ Belgrad. Die südslawischen jüdischen Zeitungen beschäftigen sich mit den Ausweisungen, unter denen in letzt« Zeit die Juden sehr zu leiden hatten. Di« Bertret« dev jüdische» Gemeindevttbande» und d« Zionistische» ve» «intgung Südflawien» sprachen in Belgrad bei dem Mini« st« für innere Angelegenheiten Milan Pribitschewttfch vor, um zu dem Gesetze üb« die Ausweisung feindlicher Staatsangehörigen Stellung zu nehmen. Wenn auch die Verordnung nicht gegen di« Juden gemünzt sei, so betreffe sie dieselben im ^hen Grade. Die Vertreter der Judenheit ersuchten di« Regierung, jeden Fall einzeln zu untersuchen und Juden, die durch langiährige gemeinsame Arbeit mit dem Lande und Volke aust engste verknüpft seien, von dieser Pnordnung auSzuschalldn. Der Minist« erwiderte i« freundschaftlichem Gespräche, daß gegen Bürger, die ihr ehrliches Auskommen haben, man nichts zu unternehmen gedenke. Es handle sich hauptsächlich um unsichere Elemente, die während de- Krieges «ingewandert find. Außerdem soll jeder Fall individuell behandelt werden. Der Minist« hob noch einmal ausdrücklich hervor, daß die Verordnung keineswegs gegen die. Juden gerichtet sei. — Nach ein« Privatmeldung, die auS Wien kommt, sollen die Ausweisungen eingestellt, aber nicht aufgehoben sein. Belgrad. Die Ereigniffe in Südflawien machten die schon oft «örterte Frag« eines Zusammenschluss^ all« jüdischen Gemeinden spruchreif. Infolgedessen wurde im Laufe des vergangenen Jahres, nachdem «ine allgemeine Konferenz aller jüdischen Gemeinden (d« aschkenafischen und sephardischen) in Essey einberufen worden war, ein jüdischer Gemeindeverband für Jugoslawien — auf Grund jüdisch-national« Prinzipien — geschaffen, welcher mit dem Sitze in Belgrad offiziell die Judenheit Südflawiens repräsentiert und die politischen und kulturellen Rechte der Juden zu vertreten hat. Serbien. Belgrad. Seit kurz« Zeit macht sich in Serbien eine antisemitische Agitation bemerkbar, gegen welche die serbische Regierung wiederholt Stellung genommen hat. In einem die jugoslawischen Verhältnisie gut charakterisierenden Artikel schreibt die Belgrader Zeitung „Epocha": _ „Die Gefühle für Toleranz in bezug auf Glauben und Nationalität sind in Serbien traditionell. Esist sehr zu bedauern, daß vor einiger Zeit ejne antijüdische Agitation unter der Führung einzelner Elemente propagiert wurde, die aus dem ehemals österreichischen Territorium stammten. Ohne Zweifel verdient das Verhalten mancher Juden schweren Tadel, aber können di« Serben etwa behaupten, daß in ihrer eigenen Nation alles untadlig ist? Ist es «in« gut« Politik, eine ganze Nation, deren Mitglieder für Serbien geblutet haben und die immer gute Bürger waren, wegen de» Vergehens von zehn od« hundert Einzelnen zu Haffen? ES ist ein Grundsatz jedes zivilisierten Staate», daß zwischen all seinen Mitgliedern gute Beziehungen obwalten, und schon deshalb ist «S uns eine erfreuliche Pflicht, der Jüdischen Gemeinde zur Eröffnung de» jüdisch-nationalen Heims Glück zu wünschen, einer Schöpfung, die geeignet erscheint, zwischen Serben, Kroaten und Slowenen einerseits und Jude« anderseits gute Beziehungen zu schaffen. Wenn die Juden die freundschaftliche Hand bieten, müffen die Serben sie annehmen. Würde man di« dargebotene Hand nicht ergreifen, so würde uns das die jüdischen Bürger entfremden, deren Jntelliaenz und Fleiß eine wichtige Stütze für Jugoslawien bedeuten." S!ß&. - Davo». Am 23. Dezember wurde Davos zum ersten Male seit 102 Jahren wieder von «in« Lawine getroffen und dazu an einer Stelle, an der noch nie ein« Lawine niedergegangen ist. Die Schneemassen ergoffensich auch auf dit jüdische Heilstätte^.Ethania. die, ayf Anregung deö Herrn I. I. Rom von der Schweizer Judenheit für 575 .000 Franken erworben, am 16. Juni erst eingeweiht wurde. Unter den 6 Toten, die da» Unglück forderte. sind auch zwei jüdische Opfer, die jedoch nicht im jüdischen Sanatorium, sondern im Sanatorium Davos-Dorf vom Tode ereilt wmden. ES find die» die Krankenschwester Berta Silberer au» Zürich und die zur Kur kn Davo» weilende Rebekka Vak»-