Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-01-23 · 34 (23.1.1920) · p. Seite 39

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
34 (23.1.1920)
Date
1920-01-23
Page
Seite 39 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3947615-6435930-6437077--0426-3948006
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Wir find gewiß weit davon entfernt, in unserem Bunde und in unserer Ortsgruppe Antisemitismus treiben zu wollen und haben auch sonst gegen Jh« Person und Ihr Verbleiben als Mitglied nichts einzuwenden, «kennen vielmehr gerne und ganz Ihre selbstlos kameradschaftliche Arbeit an, aber wir können unS — und dieser Anschauung muß ich mich persönlich anschließen — nicht der gebieterischen Notwendigkeit der Stunde entziehen, jedem weiteren Eindringen einer unserem Volksleben fremden, ja feindlichen rassigen Minderheit — und daist in unseren Augen die jüdische Raste — auch im Kleinsten und Kleinen Einhalt zu tün. Und wie. wir in allen Berufen, Organisationen usw. bis in unsere heutigen obersten Regierungsstellen hinein -inhnlKß nng-i--«htf-rtigt» unh k-krahlich -erscheinende Vorherrschaft der jüdischen Raste feststellen und abwehren müssen, so wollen wir auch in unseren Vereinen, Gesellschaften usw. einer leicht in gleichem Sinn« Gefahr drohenden Verjudung begegnen und wenigstens unseren leitenden Stellen fremdrastige, und wenn Sie sonst so liebe und nett« Menschen waren, fernhalten. ...v— Darum bitte ich Sie heute streng vertraulich und persönlich, unter irgend einem Vorwand« Ihr Amt als stellvertretender Vorsitzender unserer Ortsgruppe niederlegen und aus dem Vorstande auSscheiden zu wollen. Ich darf Sie wohl wiederholt versichern, daß Sie unS nach wie vor als Mitglied lieb und wert sein und vor jeder weiteren Kränkung um Ihrer Rastenzugehörigkeit willen bewahrt bleiben werden. Hochachtungsvoll gez. Lützeler. Oberleutnant a. D., Vorsitzender, der Ortsgruppe Sülz des Kölner Bundes der Kriegsbeschädigten usw. Gießen. Die Gießener israelitischen Religionsgesell' schäften richteten ein Anschreiben an den Magistrat, in dem sie sich über das ungezogene Benehmen der Schüler der Gießener höheren Lehranstalten gegen die jüdischen Mitschüler und die Verrohung, die sich in der Zertrümmerung der Fenster jüdischer Wohnungen und Gotteshäuser kundtut, beschweren. Der Oberbürgermeister erklärte, daß die Stadtverwaltung für die Abstellung der Mißstände unzuständig sei, daß aber ein Einschreiten der zuständigen Stellen geboten erscheine. Danzig. Das hiesige Polizeipräsidium gibt bekannt, daß folgender Tagesbefehl seinen Beamten mitgeteilt worden ist: „Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Ortsgruppe Danzig, hat einen Fonds von 500 Mark zur Verfügung gestellt zur Belohnung derjenigen Beamten der Polizei und Sicherheitswehr, welche di« Verbreiter von antisemitischen Flugblättem und ihre Auftraggeber ermitteln." Hoffentlich gelingt es, auf diese Weise dem Treiben dunkler Hetzer einen Riegel vorzuschieben. Berlin. Justizrat Dr. Eugen Fuchs hat, wie uns soeben berichtet wird, den Vorsitz im Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens niedergelegt. Wie verlautet, soll sein Rücktritt erfolgt sein, weil er sich mit der extremen Richtung, die der Verein in letzter Zeit eingeschlagen hat, nicht mehr decken könne. Eine weitere Nachricht besagt, daß Dr. Paul Nathan den Vorsitz im Hilfsverein der deutschen Juden ebenfalls niedorgelegt hat. Berlin. Herr Dr Arthur Hantke ist am 12. d. MtS. nach London ahgWstt. uiw1wrt au Heu Arbeiten der^snistifchen Leitung teilzunehmen. . \ Die Geschäftsführung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland wurde bis zum nächsten Delegiertentag durch einstimmigen Beschluß des Geschäftsführenoen Ausschusses deS Zentralkomitees in folgender Weise geregelt: ' Den Vorsitz der Zionistischen V«einigung für Deutschland übernimmt Herr Dr. Alfred Klee, stellvertretende Vorsitzende find di« Herrn Blumenfeld und Lichthein. Die drei genannten Herren bilden die Exekutive deS Geschäftsführenden Ausschusses zur Erledigung der laufenden Geschäfte. Die Leitung de- Büro» wurde Herrn Lichthein übertragen. . Österreich. Wien. Der Wiener Oberrabbiner Dr. EhajeS hat eine telegraphische Einladung seitens der Leitung der zionistischen Organisation in London erhallen, sich zu der in diesem Monat« stottfindenden Gelehrtenkonferenz über die Errichtung der Jerusalemer Universität zu begeben. Dr ChaieS, welcher da» Referat über di« jüdische Abteilung erstatten soll, hat di« Einladung angenommen und sich tn di« Schweiz begeben. Ungarn. --1 Budapest. Der nach KecLkrinet entsandt« Sonderberichterstatter des „Az. Eft" sendet seinem Blatt «inen langen Bericht über di« Judenmord«, die in der Stadt Kecskemet von einer Bande, die unter der Führung de» Oberleutnants Hejias, des Kommandanten der Stadt, stand, verübt wurden. HejjaS organisierte eine bewaffnete Antisemitenbande, ließ von dieser die im Gefängnis fitzenden Kommunisten, 31 Personen, vosi denen 23 Juden find, holen und verschleppte mit ihnen noch weitere 28 Juden . aus der Stadt. Von diesen Personen find bisher 22 bereits ermordet aufgcfunden worden, die anderen find spurlos verschwunden, und es besteht der dringende Verdacht, daß auch diese ermordet worden sind. Die Ermordeten wurden vollkommen ausgeraubt. Einige Tage nach der Verschleppung dieser Personen griff die Pogrombande den von Lajosmitse nach Budapest fahrenden Zug an und zwang fünf jüdische Pastagiere abzusteigen, die erschosten und auSgeraubt wurden. Budapest. Wie die jüdische Wochenschrift „Mult äs Jönö" berichtet, hat der Fiumaner Importeur Bernhard Braun zur Erinnerung an seinen verstorbenen Vater und > an seinen in der verflossenen Woche in Budapest den Kriegsstrapazen erlegenen Bruder, Hauptmann Daniel Biro, der Pester > orthodoxen Chewra Kadischa eine halbe Million Kronen zu einem wohltätigen Zwecke übermittelt. Die orthodoxe Gemeinde wird diese Summe zur Errichtung eines lleineren Spitals init streng ritueller Beköstigung verwenden. Pole«. Warschau. Infolge der Annahme des Sonntagsruhe- Gesetzes erließen die jüdischen Abgeordneten an die jüdisch« Bevölkerung eine Prollamation, die beginnt: „Unser Recht auf Sabbatruhe soll uns jetzt genommen iverden. Man will uns zwingen, auf unseren Sabbat zu verzichten, man will die Formen unseres Lebens und unser religiöse» Gewissen brechen. Brechen will man unsere Widerstandskraft, abschwächen unsere^Existenzfähigkeit,'man ist besttebt, die Städte zu „nationalisieren.den Handel und das Handwerk zu «ntjuden, und man glaubt alles das durch ein Gesetz zu erreichen." Und schließt: „Juden! Bald soll daS Gesttz über di« Sonntagsruhe verwirklicht werden, bald wird es aber auch auf das wirkliche Leben -stoßen, auf unseren tausendjährigen Trotz, unsere Hingebung und unseren Glauben an die Gerechtigkeit." Wie verlautet, sollen die mannhaften Verfasser des Aufrufes „wegen Aufteizung" vor Gericht gestellt werden. Warschau. In den letzten Tagen hat die Boykottgesellschaft^Rozwof", deren Vorsitzender der anttsemttische Stadtrat-Abgeordnete Dr. Jlsti. ist, in Warschau Maueranschläg« angebracht, in denen die Bevölkerung aufgefordert wird, gegen die innerlichen Feinde Polens — die Juden —, die sich angeblich bemühen, die Existenz und Entwicklung der polnischen Republik au, untergraben, einen scharfen Kampf aufzunehmen. - Warschau. Das in den Mittelschulen gebraucht« Lehrbuch der Geographie von T. Radlinski enthält verschiedene Stellen, die weniger geographischer als politischer Natur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.