Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 33 (9.1.1920)
- Date
- 1920-01-09
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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n * $ «in Ludwig Knaus gemalt hat, aber überraschend treu B. . der „Sabbatnachmittag-, die gefühlt, ja eäebt sein will. Sabbatausgang. Keine hündische Metamorvhose «ehr, wie sie Heine noch gesehen haben maa, aber doch «in schroffer Übergang, so schroff, wie eben zwischen heilig und gemein, himmlisch und irdisch. Da ruft der Jude ihn doppelt innig an, den süßen Frieden mit dem schönen Prophetenwort: Der da schafft der Lippen Frucht: Friede, Friede dem Fernen und dem Nahen, spricht Gott7 daß ich ihn heile I" Und segnet sich und sein Haus mit dem Wunsche: Friede dir, Friede deinem Haufe, Friede allem, was dir angehört; und seinem Volke gilt das gern wiederholte Psalmwort: > „Der Echige gibt Macht seinem Volke. — mit Frieden segnet er srm Volk." i Schluß solgt.j Po» Perz an* *■!. Mich. Am 31. Dezember vollendete in hiesiger Stadt Frau Theodora Capell ihr 100. Lebensjahr. Die Jubilarin, die sich im Verhältnis ^uf dem hohen Alter noch körperlich und geistig rüstig befindet, wurde an diesem Tage Gegenstand zahlreicher Ehrungen. Namens der Stadt überreichte der Bürgermeister der ältesten Bürgerin ein prächtiges Blumenarrangement mit Widmung. Jüdische Gemeinde, Männer- und Frauenchawroh hatten ihre Vorstände zur Beglückwünschung entstaubt, die ebenfalls Geschenk überbrachten. LuS allen Kreisen trafen Gratulationen ein. Am darauf, folgenden Schabbos fand zu Ehren der Greisin in der Synagoge. ein Festgottesdienst statt. Herr Lehrer Rothschild feierte in einer feindurchdachten Predigt die Jubilarin als «in lebendes Beispiel für eine tätige und fromme Lebensführung. Sie habe ihr ganzes Leben hindurch der Thora die Treue gehalten, ob das Glück ihr lachte, ob der Schmerz sie drückte, so den Jüngeren durch die Tat beweisend, daß sich Leben und Religion wohl in Einklang bringen lasten. Der am Platze wohnende Sohn der Hochbetagten überwies zu Ehren des Tages den Chewrohs eine namhafte Spende. Hamborn. Am 17. Dezember fand im Kasinosaal in Hamborn-Bruckhausen eine Chanukafeier statt, die zur allgemeinen Zufriedenheit verlief. Herr Dr. Eschwege hatte die Einstudierung der Einzelaufführungen übernommen. Großen Erfolg hatte eine Theateraufsührung mit Reigen, die von Herrn Julius Cahn und Frl. Grete Marburger verfaßt worden war. Die Kinder fühlten sich glücklich, daß sie nach sechsjähriger Pause mal wieder derart herzlich bewirtet wurden. Einen besonderen Dank für das Woylgelingrn der Festlichkeit ist den Damen des Vergnügungsausschufles auszusprechen. * . \ Münster. Am “24. und 25. Dezember konnte der feierliche Akt der Fahnenweihe in der K. C.-Verbindung Rheno- Bavaria in Münster vollzogen werden. Die Feier dauerte zwei Tage. Am ersten Tage war die offizielle Übergabe der Fahne an die Verbindung. Herr Dr. Jakob Dortmund hielt hierbei die Hauptansprache. Am zweiten Tag fand eine wohlgelungene Festlichkeit in den Räumen des Fürstenhofes statt. Di« K. C.-Verbindung Rhena-Bavaria blickt mit Zufriedenheit auf ihr einjähriges Bestehen zurück. Stommeln bei Köln. Am 4. Januar feierte das älteste Mitglied der Gemeinde, die ehrwürdige Frau Wwe. Akraham Kappel, Amalie geb. Kaufmann, ihren 91. Geburtstag in vollster körperlicher und geistiger Frische. In der Ge- _Neindesehr beliebt untr ob ihres hervorragenden geistigen Wissens von jedermann hochgeschätzt, kann die alte Dame mit Stolz auf eine große Zahl von Kindern, Enkeln und Urenkeln herabblicken. Mögen ihr noch viele Jahre frohen Lebensgenustes beschieden sein. Beuel. Anläßlich der goldenen Hochzeit der Eheleute Albert und Amalie Kaufmann fand in der hiesigen Synagoge ein würdiger und sehr erhebender Festakt statt. Das äußerst stimmungsvoll geschmückte Gotteshaus war bis auf , den letzten Platz gefüllt. Al- Gäste waren u. a. erschienen die Herren Bürgermeister Karnatz. Rabbiner Dt Cohn und Vertreter der Synagogengemeinde Bonn. Di« drei Mitglieder des Vorstandes gewiteten das Paar von ihrer Wohnung zum Gotteshaus«, wo es unter einem aus Tannengrün errichteten Baldachin Platz nahm. Die Festpredigt hielt Herr Lehrer Koschland. Er zeichnet« den Lebensweg des goldenen Paarewährend der Spanne eines halben Jahrhunderts. Gegenseitige Förderung des eigenen Glückes, pflichtbewußte Erziehung ihrer Kinder, Zusammenwirken beider Gatten in Religion und Gemeinde sind die drei verwandten Klänge, di« der Redner als den Grundakkord der harmonischen Ehe des Jubelpaares charakterisierte. Der Herr Bürgermeister brachte hierauf in herzlichen Worten di« aufrichtigen Glückwünsche von Stad^und «eiS dar. Das Grußwort der jüdischen Gemeinde sprach Herr Max Galt, reich alS deren 1. Vorsitzender. Er pries insbesondere das reiche jüdische Wissen des Jubilars, der als einziger seit Jahrzehnten vertretungsweise in allen vorkommenden Fällen die Thoravorlesung übernahm. Sodann ergriff «er» Rabbiner Dr. Cohn das Wort und beglückwünschte das Paar im Namen seiner Synagogengemeinde. Er betonte, daß die Ehrfurcht vor dem Alter und dem Alten in menschlicher und religiöser Hinsicht Grundfesten unseres Judentumwären. Alsdann sprach er über das ergraute Paar den Priestersegen i aus. Zuletzt dankte Herr Albert Kaufmann bewegten Her-! zens in seinem und seiner Gattin Namen für die ihnen zuteil gewordenen, über alles Erwarten hohen Ehrungen. Di« ganze Feier verschönten, mit den Ansprachen abwechselnd. Soli und stimmungsvolle Gesänge des Synagogenchors und j dankenswerter Weise auch auswärtiger Gäste und trugen! außerordentlich zur Weihe des Festes bei. Hernach fand im j Hause die Überreichung ehrender Geschenke von seiten des Vorstandes und des Jsr. Frauenvereins statt. Ad meah w'estrim schonoh l Kreuznach. Die hiesige Ortsgruppe des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens hielt am Donnerstag den 8. ds. eine Versammlung ab, di« sehr gut besucht war. Herr Rabbiner Dr. Tawrogi begrüßte die Erschienenen und erteilte hierauf Herrn R.-A. Dr. Kehr aus Kaiserslautem das Wort zu seinem Vortrag „Die antisemitische Gefahr und deren Abwehr". Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten die Zuhörer den fesselnden Ausführungen dcS geschätzten Redners, dem allleitiger, starker Beifall zuteil wurde. Donner Nachrichten. Bonn. Eine neuartige Einrichtung im jüdischen Leben Bonns ist der von der hiesigen Ortsgruppe eingerichtete zionistische Einführungskursus. Er bezweckt, auch in nichtzionistischen Kreisen Verständnis für die wichtigsten Fragen der jüdischen Gegenwart zu verbreiten. Es fand bereits eine Reihe von Vorträgen über den Antisemitismus,' di« Assimilation und andere wichtige Erscheinungen im heutigen Leben des jüdischen Volkes statt. Die Referenten waren bemüht, mit einer populären Darstellungsweise eine gründliche Behandlung des Stoffes zu verbinden, und haben es verstanden, bei den Hörern reges Jnteresie zu erwecken. Das zeigte sich jedesmal in der lebhaften Aussprache, die sich steis an den Vortrag anschloß. Hierbei kamen vor allem auch aiGerstzenkende Kursustetlnehmer zu Wort, die gem diese Gelegenheit benutzten, sich über so manche aktuelle Frage Aufschluß zu »«schaffen und ihre abweichende Anschauung derjenigen des Redners gegenüberzustellem -Gerade eine solche Gegenüberstellung verschiedenartiger Auf-- fassungen wirkte vielfach klärend >md war geeignet, manches Mißverständnis zu beseitigen. Der Kursus war regelmäßig gut besucht und entspricht offenbar einem lebhaft empfundenen Bedürfnis. Er soll daher in dieser Woche nach kurzer Unterbrechung wegen der Weihnachtsfetien fortgesetzt werden. . Es sei noch bemerkt, daß die Vortragsabende wie bisher allwöchentlich am SamStag im Gemeindehaus stattfinden und öffentlich find. (Näheres siehe unter „Bereinsbote".)