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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-01-09 · 33 (9.1.1920) · p. Seite 28

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
33 (9.1.1920)
Date
1920-01-09
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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■f HUI I LMMF, W >I!M. >,IR>IMWWWWWWWWWWWWMMWW und nur der sehnsüchtig erwartete Abschluß der Pariser Verhandlungen. die kein Eiide nehmen wollen, verzögert den Beginn des Baues. Aber auch für das übrige Land find Arbeiten und Verbefierungen vorgesehen, die geeignet find, das heute zu neun Zehntel wüst« Land in ein Paradies umzuwandeln. Wenn wir richtig informiert find, soll di« Absicht bestehen, für di« Erschließung Palästinas die Summe von 200 Millionen Pfund Sterling auszuwerfen, welche nach Aussagen von Fachleuten in wenigen Jahrzehnten getilgt werden können, da daS Land imstande ist. landwirtschaftlich und industriell «inen sehr bedeutenden Aufschwung zu nehmen. Sobald erst die momentane Schwüle in der europäischen Politik und Wirtschaft vorbei ist und has Interesse für gesunde Arbeit überall wieder wach wird, sobald daS politische Statut des Orients eine bleibende Gestalt angenommen hat und die Grenzen des Landes der jüdischen Einwanderung geöffnet werden können, wird es nicht mehr lang« dauern und Palästina wird zu einem Lande des Fortlchntts und der normalen Produktion, der Kultur und deS freien zivilisierten Lebens werden. (I. P. Z.) Der Friede in »nseren Siedeten 80» Robii»»r Dr. 0. BikuiI l8ortsetzu«g.> 2. Durch Kampf mit der Welt und im Kampf mit den Menschen sollen wir täglich den Frieden zu erringen suchen. Anders am Sabbat. Da ist der Friede ein Gottesgeschenk, und wir sollen uns seiner bemächtigen und würdig zeigen durch Enthaltung von Werktätigkeit und grober Alltagsarbeit. Ruhe soll eintreten in unsern Geschäften, unserm Jagen nach dem Mammon, in unserm eifrigen Dienst an der materiellen Welt. Der Tag soll der Seele gehören, der geistigen Erhebung, der Erfüllung mit Gott. Denken, Sinnen, Forschen das dürfen wir nicht nur, das sollen wir, aber der Inhalt soll der würdigste sein, die Religion. WaS etwa an geistiger Erhebung aus weltlichen Quellen geschöpft werden mag. also aus Kunst, Wissenschaft und Leben, auch dies soll gegenüber den allerhöchsten Anliegen des Menschen zurücktreten hinter den Fragen: wo kommst du her? wo gehst du hin; wie steht es um deinen göttlichen Auftrag, deiner Bestimmung als Mensch und Israelit auf Erden; wo steht die Welt und wie deutest du ihre Zeichen? Das ist der Sinn der vier sabbatlichen Gottesdienste, die vom Vorabend bis zum nächsten Sterncnlichte seine Stunden so stark in Anspruch nehmen, daß nur für die Mahlzeiten. die selbst häusliche Feiern sind, und vertrautes Gespräch zwischen den Familienmitgliedern, und Besuch bei Freunden llsaum bleibt. Man hat gemeint, Sabbat könne beliebig an jedem Wochentage, z. B. am 1. gefeiert werden. Ach nein, einem verlegten weltlichen Festtag fehlt es schon an Glanz; hier kommt etwas tiefinnerliches hinzu: Sabbat ist so wenig Sonntag, als Chanuka Weihnachten seinckann; ein Surrogat bleibt immer ein kümmerlicher Ersatz. Schon der Freitagabend, die feierliche Ouvertüre und zugleich die breite Brücke, die uns vom öden Strand des Lebens auf die Insel der Seligkeit führt, ist desien Zeugnis. Der Friede in den Sabbatgebeten vollendet den Beweis. Die Sabbatbraut zieht ein in Frieden, sie vermählt sich aber nur dem echten Prinzen, dem Gottesstreiter Israel. In seinen Zelten soll ein Friede herrschen, wie er nur aus der Berührung des Himmels mit der Erde stammt. Die Schöpfung ist aus Gottes Händen vollkommen hervorgegangen, trotz Leid und Schmerz. Tränen und Jammer. Sünde und Unvollkommenheit ist sie das Werk eines gütigen Schöpfers. „Der Unverständige erkennt es nicht, der Tor siecht «8 nicht ein." Mit anderen Gründen, als sich der Fromme vor Jahrtausenden am Sabbattage mit allen Werken Gottes und seiner ganzen herrlichen Schöpfung abfand, mag heute der tiefer bohrende Geist mit Gott sich auseinandersetzen; alle gehäufte Weisheit, aller Fortschritt des Denkens können seine Demut nicht verringern. eher noch erhöhen. Die Rätsel des Dasein» find verwickelter und duwfler geworden, aber Gottes Thron bleibt fest, er besteht von Ewigkeit (Ps. 98). Da» ist jüdische Überzeugung, die in den ersten Sabbatgebeten zu» Ausdruck gelangt, und den Säbbatfrieden, den Frieden inmitten de» GottesvolkeS begründet. In den KriegSiahve» haben wir es unendlich schwer gehabt, Sabbat zu feiern, denn der äußere Frieden war entflohen. Aber er hat un» doch geholfen, die furchtbare Leit zu überstehen; er wie» un» energisch auf Gotte» Weltregiment hin, dem alle» untertan ist, und da» Menschen und Böller dahin lenkt, wohin der Allvater sie haben will. Nirgends vielleicht iß inniger als in jüdischen Gotteshäusern allsabballich für de» Frieden gebetet worden, gerade well der Gott, „dev. Frieden stiftet in seinen Höhen," auch Friede unter den Menschen herbeiführen will. Sie sollen ihn lieben lernen, trotz ihrem Neid, ihrer Mißgunst, ihrer Feindschaft, ihrem Haß. ihrer Leidenschaft. Sie sollen sich zermartern an de» schreienden Gegensatz zwischen gottgewolltem Frieden und menschlicher Gier nach Krieg. Nur einmal im Jahr an ihrem höchsten Feste empfand die christliche Well diesen ungeheueren, himmelschreienden Widerspruch, den Israel an «dem Sabbat empfand, und zu rührend-klagendem, sehn, süchtigem, wenngleich ohnmächtigen Ausdruck brachte. In Pf. 29 drückt es die Zuversicht auS: .Der Ewige gibt Macht seinem Bolle, - er segnet sein Voll — mit Frieden;" im Frieden also liegt die gewaltigste Macht, der reichste Segen. AuS dem Gotteshaus bringt der Beter den Frieden»- grüß seinem Familienkreise; hier wird er zum Priester der Seinigen. Segnend legt er die Hände auf die Häupter seiner Kinder, und in das letzte Wort des Priestersegen», „Frieden", legt er alle Wünsche, die sein Vaterherz erfülle». Es ist hier nicht der Ort, von der Stellung zu reden, die dem Frieden überhaupt im Lehrgebäude, in der Ethik und i» Spruchschatze des Judentums zukommt; di« Midraschwerke (sckwn Sifrs zum 4. B. M.), ein ganzer. Perek (hascholaum) und zerstreute Aggadas liefern eine mächtige Ausbeute dafür. Aber in den Sabbatgebeten und der ganzen Sabbatstimmung gibt sich hinreichend die Sehnsucht der jüdische» - Seele nach dem Frieden kund; hier kommt die Anschauung zum Ausdruck, daß das Leben selbst nur wie ein langer, unruhiger, emsiger Rüsttag zum allerletzten Sabbat, zu einem seligen Tode sti. Ein rührender Vergleich: der Tod der Sabbat des Lebens; der Tod tiefer Friede in Gott, jeder Sabbat Zuflucht zu diesem reinen, innigen Frieden als dem höchsten Gute. Nicht Wehleidigkeit oder Sentimentalität, nicht feige Flucht vor körperlichem Schmerz und dem bitteren Tode haben den Juden ftühzeitig zum Friedensftcunde gemacht, er hat oft genug bewiesen, daß er auch zu sterben versteht für sein« Heiligtümer, sondern die Erziehung durch den Sabbat. Das Ablassen Gottes von seinem Werke i st ein Ablassen von dem feindseligen Widerspiel der Kräfte in der Welt, als welches uns Menschen die irdische Schöpfung erscheint. Hinausgehoben über alle Widersprüche, Gegensätze und Feindschaften atmet die Seele am Sabbat Feierstimmung, d. i. Frieden. Am Sabbattage war sich der Jude bewußt, daß er sich wieder stark machen müsie für sein? schwierige Stellung i» der ihn umgebenden Welt gegenüber Mißverstand und Widerstand der Menschen. Dazu half ihm die Gotteslehre. Im Dienste des Friedens liest er von Sabbat zu Sabbat aus seinem alten Gottesbuche, und preist sie mit den Worten: „Ihre Wege find Wege der Anmut und alle ihre Pfade des Friedens voll!" Neigt sich ein Monat seinem End« zu^ kündigt das Himmel^estirn seinen neuen Kreislauf an, dann Müpft er an all« übrigen ^Bitten wieder destoinniger sein Gebet um ein Leben des Friedens, und wünscht eine Erneuerung der Zeiten nur immer wieder, zum Leben und Frieden, zur > Freude und Wonne, zum Hell und zur Tröstung" von allem Weh der Welt. Fast mit den Augen de» Juden find di« Szmen aus dem Kätzchen gesehen, di«

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