Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-01-09 · 33 (9.1.1920) · p. Seite 27

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
33 (9.1.1920)
Date
1920-01-09
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3947615-6435930-6437076--0413-3947994
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

v atUjjMttcfncit. — Stn btcfez ^nj^n ,4ksttz werden fsHte, wäre «- den Behörden möglich, den gan- B jüdischen Handel, besonderden mit NahrungSmttteln, horodutten und notwendigen Gebrauchsartikeln zu unterdrücken. Der Abg. Hartglas hat in der Beratung auf die ruinöse Bedeutung des Gesetze-für die Juden htngewiesen und auch seine Schädlichkeit für die Gesamtheit dargelegt. Seine Abänderungsvorschläge werden in den nächsten Sitzungen der Subkommisston zur Beratung kommen. Warschau. Mit Rücksicht darauf, daß die amerikanischen ^rden "neuerlich eine große Aktion zugunsten der jüdischeu Kriegsopfer in Polens Litauen und der Ukraine vorbereiten, hat Mr. Hirschfeld, der derzeit in Warschau weilende Vertreter de- Joint Distribution Committee, nach Amerika telegraphiert, daß die bedrängten Ostjuden nicht um Almosen, sondern um finanzielle Hilfe bitten, die den breiten Massen dmch Schaffung von Arbett-möglichkeit zum Mederaufbau ihrer zerstörten wirtschaftlichen Existenz verhelfen würde. Warschau. Da- Zentralkomitee der Poale-Zton in Polen hat 130 000 M., die von den jüdischen Arbeitern und Legionären in Palästtna für die Pogromopfer in Polen, Litauen und Ukraine^ gesammelt wurden, erhalten. Das Geld ist für die Gründung von Kinderheimen besttmmt. Warschau. Der berühmte Kantor Sirota hat sich mit den» Ententezüg nach London begeben, wohin er für eine Reihe von Konzerten engagiert wurde. Der Reinerttag der Konzerte ist für jüdische Wohlfahrtszwecke bestimmt. Posen. Die Posener Neuesten Nachrichten stellen fest, daß seit dem Tage, da die Deutschen aus^Posen abzogen, mehr als 1Y00 jüdische Familien aus Posen zunächst nach Deutschland ausgewandert find. Trotzdem diese 10 Prozent der jüdischen Bevölkerung Posen verlassen haben, sei da- Verhältnis der Juden zur Gesamtbevölkerung nicht wesentlich geändert, weil an Stelle der abgewanderten Alben eine beträchtliche Zahl Juden auS Kongreßpolen hinzugekommen se'm. Dilurwark. Kopenhagen. Die hier tagende HilfSkonferenz, die vom Skandinavischen jüdischen Zentralhtlfskomitee einberufen und von Juden auallen drei skandinavischen Ländern beschickt war, wendet sich nach Kenntnisnahme der schauerlichen Bericht« über die fortgesetzten Judenpogrome in der Ukraine, di« drei Millionen Juden mit vollständiger Vernichtung bedrohen, in einem dringenden Aufruf an die zivilfierte Welt, für Unterdrückung weiterer Pogrome Sorg« zu ttagen. Die Konferenz betrachtet eals dringendste Pflicht, alle Kräfte anzuspannen und daS Äußerste zu tun, um daukrainische Judentum zu retten. Die Konferenz fordert deshalb di« schleunige Einberufung der geplanten jüdischen Hilflonferenz. Es wurde auch die Durchführung einer Trauerwoche in Skandinavien als Protest gegen die Pogrome in der Ukraine beschlossen. rütkei. J Konstantinopel. Das türkische Kriegsministerium veröffentlicht einen Befehl, laut dem alle Juden. Griechen und Armenier vom Militärdienst befreit werden. Bekanntlich werden diejenigen, welche in der türkischen Armee keinen Dienst leisten, mit einer besonderen Steuer belegt. So ist der Befehl eine Rückkehr zu der vor dem Kriege üblichen Praxis. China. Schanghai Die jüdische Gemeinde von Schanghai besteht aueinigen hundett Familien, die in zwei Gruppen -«teilt find, «in« aiabisch-stphardisch- -nststfchr —^schkelmsische. Die erstere ist wohlhabend und besitzt einen mit Luxus ausgestatteten Klub. In letzter Zeit ist ein Ver- . such gemacht worden, diese beiden Gruppen zu vereinigen. ES ist eine Kadimah genannt« Gesellschaft für palästinenfische Zwecks gegründet worden. Diese Gesellschaft hat eine nattonal-jüdische Schul« eingerichtet und heoräische Kurse und Vorlesungen für Erwachsene organisiert. St« ist i» », ein Büro zu eröffnen, um Auskunft über Europa, a und Palästtna betreffende Frage zu erteilen. Towjet-Rußland. Moskau. (Funkspruch.) Da- Kommisfattat für ifravlittsch-nattonale Angelegenheiten und der Hauptverdand der jüdischen Kommunisten wenden sich in einem Aufrufe an alle Juden der Elche, sich nicht der zionistischen Partei anzuschließen, welche mit der Entente Hand in Hand arbeite, keine Freiheit--, sondern imperialistische Poltttk betreibe, die eingesessenen Araber aus Palästina auSweisen wolle und Er Aufstelluna jüdischer Legionen ihre Zustimmung gegeben be, die in Kleinasten gegen da- Selbstbestimmung-rechk R türkischen Volkekämpfen. Im zaristischen Rußlcnch find die Juden jahrzehntelang «knechtet worden, und niemals haben sich die führenden Zionisten um da- Schicksal der Juden ernstlich angenommen, weil «S nicht in die englische Politik paßte, welche damals wie heute hinter de« Zionismus stehe. Die russische Revolution habe di« Juden gleichberechtigt gemacht, sie könnten sich jetzt als Bürger d«1 Landes fühlen, wie di« anderen »Völker Rußlands. Diesei aber nicht durch den Zionismus, sondern nur durch den Sozialismus zu erreichen gewesen. Witebsk. DaS Londoner jüdische Korrespondenzbüro teilt mit. daß, laut einer Veröffentlichung des offiziellen bolschewifttschen Organs in Witebsk (Westrußland), aueiner von den rechten sozialisttschen Patteien, d. h. Sozia. ltstett-Revolutionären, Menschewiki und Poale Zion, abgehaltenen Konftvenz beschlossen wurde, die Sowjetregierung zur Bildung eines jüdischen Regiments aufzufordern, welches die Aufgabe haben soll, die jüdische Bevölkerung vor Pogromen zu schützen. Als das Zentralkomitee des „Bundes^' dies erfahren hat. hat es sich sogleich an di« Sowjet regierung mit einem scharfen Protest gewandt und auch durchgesetzt, daß diese das Verlangen der sozialisttschen Ko« ferenz zurückgewiesen hat. London. Der Erzbischof von Aork, Dr. Lang, hat b»> füglich der Briefe von Vera; in der „Times", die da- Verhältnis der Juden zum Bolschewismus behandeln, folgenden Brief geschrieben, der im „Jewish Guardian" vom 19. Dezember wiedergegeben ist: „Ich habe keine Mittel, mir darüber Kenntnis zu verschaffen, ob und bis zu welchem Grade es wahr ist. daß die meisten Führer der Bolschewisten Juden sind. Aber ich verurteile aufs allerschärfste jeden Versuch, diese Tatsache, wenn wirklich es eine Tatsache ist, zu einem Angriff auf den Geist der jüdischen Konfession, zu verwenden oder mittelbar oder unmittelbar hierzulande oder fonfc wo Vorurteile wachzurufen, die gegen die jüdische Raste gerichtet find." , Haifa — der ZukunstShafen Palästinas. Unter obigem Titel veröffentlicht die Neue Züricher Zeitung vom 14. Dezember einen Artikel ihres palästinenfischen Korrespondenten l)r. A. B., in dem es u. a. heißt: Haifa ioll auch ein« eigene Werft für den Bau und die Rewratur kleinerer Fahrzeuge erhalten. Dieser Tage wurde ogar der erste Schritt in dieser Richtung getan. Ein jüdicher Unternehmer hat mit Erlaubnis der Küstenkommandantur ein 100 Tonnen fastendes Motorboot bauen lasten, j das für den Verkehr zwischen den palästinensischen Häfen owie mit Beirut und Egypten besttmmt ist. Das Schiff wird unter jüdischer Flagge (Blauweiß mit 7 Goldstemen) segeln und in der Hauptsache dem Lokal- und WarenttanS- Port dienen. Es wird das erste Fahrzeug sein, das in Palästina erbaut wurde und den? einheimischen Verkehr dient, das erste auch. daS unter jüdischer Flagge in See sticht. Die Entwtcklungsmöglichkeiten Haifas scheinen auch den britischen Behörden vollauf eingeleuchtet zu haben, denn die Vorbneitungen für den Aausbau von Stadt und Hafen find bereits bis auf die geringsten Einzelheiten vollendet.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.