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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-01-09 · 33 (9.1.1920) · p. Seite 26

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
33 (9.1.1920)
Date
1920-01-09
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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I- V 26?tabf trifft. Ist die Plage vorbei, so verhärtet fich -der rotz wieder zum Nein des ersten Augenblick. Ihm gegenüber steht Mose mit der klaren Stirn seiner großen Überzeugung: „Also spricht der Ewige —1" hebt lebe seiner Reden an. Das gibt ihm die Kühnheit, das Letzt; S wagen und für sein Volk sein Leben in die Schanze zu lagen, das der König bedroht, aber nicht anzutasten wagt, weil er eben die Überlegenheit spürt und selber in seiner Verstocktheit doch nur ein Duckmäuser ist. In Mose steckt das Zeug zu einem Märtyrer, er wäre gestorben für das. war er wollte, bei Pharao reicht'- noch nicht einmal, um mit zusammengebiffenen Zähnen einige Flohstiche zu ertragen: Er weicht zurück, um tückisch daverlorene Spiel noch einmal zu beginnen, wenn die Plage vorüber ist. Pharao und Mose, Trotz und Überzeugung, — eine Mahnung a(l unsere Juden: Ein Trotzjudentum.ohne innere Überzeugung ist überhaupt kein Judentum, wie Trotz allein ^och lang« kein Charakter ist. Lehach'iS den Feinden bei dot Fahne zu bleiben ist zunächst einmal nichts als eine Pharaonische Bockbeinigkeit. Zum Charakter wird dieser Trotz erst, wenn er getragen ist von einer großen und lei« denschaftlich empfundenen Überzeugung, die ganz unabhängia von dem ist. was die Feinde sagen und tun. Ein Charmter hat immer ein Stückchen vom Märtyrer in fich, womit nicht gesagt sein soll, daß man ein Märtyrer sein muß, um ein Charakter zu sein. Aber wer wagt es zu behaupten, daß die armhochhebende schützende Bewegung, die der Schulbube macht, wenn er eine Kopfnuß kriegt, etwas Charaktervolles sei? Leider Gottes reagiert mancher Jude nicht anders als so schulbubenmäßig auf die Angriffe von außen und nennt das dann mutige Abwehr. Nein, eine Idee muß man im Kopfe haben, sonst gehts nicht. Was der Schulbube tat, ist nichtanderes als eine körperliche Reaktion. Du, Jude, aber solllst moralisch reagieren, d. h. mit jener inneren Sicherheit, jener selbstverständlichen Geborgenheit, wie sic nur «ine große Idee zu erzeugen vermag. Nur. wer sein Judesein und sein Judentum als das volle Glück seines Lebens empfindet, nur der ist fähig, seine Feinde Hu be. siegen, denn der allein ist innerlich unabhängig von dem, was die Feinde sagen und tun. nur der besitzt jene Souveränität und Erhabenheit des jüdischen Denkens und Fühlens, die selbst dem unterdrückten Juden allezeit den Stempel der Freiheit gab. Jeder Jude muß vor jedem Worte, das er für sein Judentum spricht, das ferne Echo des Mosewortes klingen hören: „Also spricht der Ewigei'" Emil Cohn. (Hocbenfcbau. Tatsachen und Ergebnisse. w. gJEg««grir^»Tgiwar»T-t «-tgggfläi IvMTOEIgägfcggMSBl Deutschland. Berlin. Der Zcntralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wendet sich in einer Zuschrift gegen antisemitische Darstellungen, u. a. der Kreuz-Zeitung, die auf Grund angeblich amtlichen Materials behauptet, daß von 566 999 Juden im Höchstfall 78 271 für den Heeresdienst kür tauglich befunden worden seien. Das mache nur 11 °/0 der Juden aus. Auf Grund sorgfältiger statistischer Erhebungen erklärt der Zentralvcrein, daß weit mehr als 100 000 Juden Heeresdienst geleistet haben. .Die Zahl der reichsdeutschen Juden betrug weniger als 540 000. Daraus ergibt sich, daß etwa 20°/, der reichsdeutschen Juden am Krieg teilgenommenhaben. Die Zähl der mit demEisernen Krcuz 1. Klaffe ausgezeichneten Juden beträgt nach den bisherigen Ermittlungen 396. Zu Offizieren wurden befördert mehr als 2000. Berlin. Beim Verband der Ostjuden in Deutschland ist «in besonderer kmigrationsausjchuß «bildet worden, dem falzende Herren angehören: Moritz Brenner, Redak- .V teur Dr. Hellmann. Dr. N. Katze nelsohn. Max Lewtt. Josef Lin, Paul Sachs, E. Sealit, T. Scalit, Davis Trietsch-mkd - Ingenieur WarschawSky. Der Ausschuß soll Hinzuziehung anderer auf dem Gebiete der jüdischen kmgiratiovsfraaen kompetenter Persönlichkeiten erweitert werden und mit den in Betracht kommenden Organisationen an den großen und schweren Aufgaben der Regulierung der jüdischen Emigration gemeinsam arbeiten. Die Geschäftsstelle d«S EmigrationSauSschuffeS ist: E. Ccalit, Berlin W., Knesckeckstr. 96. Berlin. In der Nacht zum 26. Dezember starb Hievselbst, wo er von schwerem Leiden Heilung suchte, im Alter von 59 Jahren Herr Rechtsanwalt Justizrat Moritz Baerwald auS Bromberg, Mitglied der Nationalversammlung. Das deutschen Judentum verliert in dem Heimgegangenen einen seiner edelsten und besten Söhne, einen tapferen Kämpfer für Wahrheit und Recht. Elberfeld. Der Vorstand des Jüdischen Wohlfahrtsverbandes Barmen-Elberfeld hielt ^etne intern« Versammung ab. in der vr. EliaS Auerbach aus Haifa por dem Vor> 'tand des Wohlfahrtsverbandes und einigen geladenen Gäten über die politische Lage, die Ausfichten und Aufgaben ür den Aufbau Palästinasprach. Die Ausführungen des Redners wurden mit sichtlichem Interesse ausgenommen und die dringende Notwendigkeit einer gemeinsamen Aktion allseitig anerkannt. ES wurde der Beschluß gefaßt, eine Wiederholung des Vortrages des Herrn vr Auerbach in einer öffentlichen Gemeindeversammlung vorzunehmen. Stettin. Ein regejüdisches Sportleben hat fich seit Kriegsende hier entwickelt. Es besteht hier ein jüdischer Ruderklub „Jvriah", der in der kurzen Zeit seines Bestehens bereits.eine große Anzahl von Mitglieder^ gewonnen hat. deren sportliche Ausbildung mit Emst und Geschick betrieben wird. Das erste Boot des Vereins stellt der Berlin«, jüdische Ruderklub „Jvriah" bereitwilligst zur Verfügung. Die Ausbildung der Mitglieder soll so schnell gefördert werden, daß der Verein im kommenden Sommer an de» vom Verband jüdischer Jugendvereine, veranstalteten Regatta teilnehmen kann. Österreich. Wien. Am 20. Dezember ist hier nach längeren schweren Leiden Adolf Stand in seinem 50. Lebensjahre verschieden. Adolf Stand, einer der ersten Zionisten Galiziens, war seit Begründung der ersten zionistischen Organtsation viele Jahre hindurch Führer der galizisiyen Zionisten, als deren Vertreter er seit Jahren dem Großen Aktion», komitee angehörte. Im Jahr« 1907 wurde Stand von der Stadt Brody ins österreichische Parlament entsandt. Stand' war ein ebenso hervorragender Redner als feinfühliger Effayist. Speziell seine Veröffentlichungen über Herzl, bei denen er aus einem reichen Born persönlicher Erlebnisse schöpfen konnte, zeichnen sich durch tiefes Gemüt und sehr feine CharakteristerungSgabe aus. Während der KriegSzeit weilte Stand in Wien, wo er feit dem Umsturz Präsident der Delegation des Jüd. Nationalrates für Ostgalizien war. In den letzten Monaten konnte er sich infolge schweren Leidens öffentlich nur wenig.betätigen. Er suchte — leider vergebens — Heilung im Wiener Cottage-Sanatorium, wo ihn auch der Tod ereilte. Die Zionisten Galiziens bettauem in ihm ihren ersten und bedeutendsten Führer. Pole«. Warschau. Die juridische Subkommisston ves polnischen Landtages begann die Beratung eines neyen Gesetzes- Vorschlages, der im Handel das Konzession-Prinzip «insiihren will. Bomehmlich soll der Handel mit Nahrungsmitteln, Rohprodukten und unentbehrlichen GebraucbSaeaenstanden an eine Konzession seitender oberen Verwaltung- .behörden gebunden sein. Die Behörde soll diese Hanbsdkonzessionen nur für begrenzte Dauer erteilen und die Macht j haben, sie jederzeit ohne Angabe von Gründen zu widerj rufen. Es soll auch vorgesehen werden, daß der Handels- , minister im Verein mit dem Ernährungsminister da» Recht Konzesstonszwang auf andere i eingeräumt erhält, diesen

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