Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 32 (9.1.1920)
- Date
- 1920-01-09
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Qlocbenfchau* Tatfache» »nd Ergebntfs«. DeutWand. Berlin. Von der jüdisch-nationalen Loge Degel Jehuda in Berlin wird die Gründung einer Gartenstadt in Palästina geplant; die vorläufig« geschäftlich« Basis bildet die kürzlich in da» Handelsregister eingetragen« „SiedlunAigesellschaft Degel Jehuda m. b. deren Büro sich in Berlin-Halensee, Seeftner Str. 30 I befindet. Die KavitalSwerbung ist im Gange; nach Aufbringung der für den Beginn der Arbeit in Palästina notwendigen Betrage gedenkt die Gesellschaft eine Kommission zu entsenden, die an Ort und Stell« die erforderlichen speziellen Informationen beschafft und im Einverständnis mit der Gesellschaft unmittelbar mit den ersten Arbeiten beginnt. Die zu errichtende Genossenschaft der Kolonisten wird zur Verringerung des Risikos als Gesamtunternehmung «inc Anzahl industrieller und landwirtschaftlicher Betriebe eröffnen. ES bleibt jedoch jedem Genossen unbenommen, im Einvernehmen mit der Leitung der Gesellschaft eigen« Unternehmungen in der Kolonie zu betreiben. Die SiedlungSgesellschast versendet gegenwärtig einen Fragebogen zur Konstatierung der Absichten, der Kapitalkraft und des UbersiedlungSterminS der Interessenten und beantwortet alle Anftagen durch ihr Büro. Rostock. Mit der Verteilung antisemittscher Flugblätter hatte sich daS hiesige Schöffengericht zu beschäftigen, und ttxrc in einer Privatklage. Kläger war der Stud. med. oent. Walter Sponer, Bellagter der Stud. meb. Georg Michel. Am 25. Oktober dieses Jahres hat der noch minderjährige Kläger mit noch anderen Studenten Flugblätter antisemittschen Inhaltverteilt. Der Bellagte und andere Studenten mosaischen Glaubens kamen hinzu. Der Beklagte trat an den Kläger heran und fordert« ihn auf. die Flugblätter herau-zugeben. der Kläger weigerte sich jedoch, er fuhr vielmehr mit der Verteilung der Flugblätter an vorübergehende Passanten fort. Der Bellagte ftagt« darauf den Kläger: „Geben Sie mir auf studentische Weise SatiSfaktton? . worauf der Kläger erwiderte: „Ich gebe Juden grundsätzlich keine Satisfaktion." Auf diese Äußerung de» Klägers versetzte der Beklagte ihm eine Ohrfeige und fügte hinzu: „Nun wissen Sie wohl, waS Sie zu tun haben." Die Plädoyer» der Vertteter, Rechtsanwalt vr. Rönnberg, hier, und Rechtsanwalt vr. Riesenfeld, Berlin, ließen in . ver Hauptverhandlung mit ihren interessanten Ausführungen noch einmal die der Klage zugrunde liegenden Begebenheiten vor den Augen de» Schöffengerichts vorüberziehen. Der Rechtsanwalt vr. Riesenftld erhob Widerllage wegen de» vom Kläger gebrauchten Ausdruck „ich gebe Juden grundsätzlich keine SatiSfaktton" und we«n der in dem betreffenden Flugblatte enthaltenen, den Beklagten als Juden beleidigenden Anschuldigungen. DaS ^Schöffengericht erkannte dahin: beide, Angellagter wie Kläger, werden wegen Körperverletzung beziehungsweise Beleidigung für schuldig, aber wegen dieser Gegenseitigkeit für straffrei erllärt. > Frankfurt a. M. DaS Kartell Jüdischer Verbindungen (K. I. V), daS zirka 1800 Mitglieder zählt und an 22 Universitäten Kartellkorporattonen hat. hielt in den Tagen vom 28. bis 30.. Dezember in Frankfurt a. M. seinen „2. ordentlichen Kvrtelltaa" ab.__ Pole, Warschau. Die jüdischen Abgeordneten haben dem KttegSmintster ein Memorandum überreicht, wann über die schlechte Behandlung der jüdischen Soldaten. inSbesonde« in Tarnow Beschwerde geführt wirb. Warschau. Hier besteht eine städttsche Steuer für Ge-' schäftSschtlder, deren Erhöhung der Magistrat beantragt. Hierbei wird bei Schildttn in zwei Sprachen eine um 50. Prozent höhere Abgabe verlangt als für «in polnische Schilder. Diese Bestimmung richtet sich natürlich ausschließlich gegen di« jüdischen Geschäftsleute, welche Firmenschilder in polnischer und jüdischer Sprache haben. Das Steuerprojekt wurde trotz de» Widerspruchs der jüdischen Vertteter von allen polnischen Fraktionen angenommen. Kowno. In letzter Zeit dttngen Nachrichten au» Litauen zu uns, die vom Stand der jüdischen Sache in Litauen ein trübere» Blld entrollen als wir bisher gewohnt waren. Die so feierlich erllärte Gleichberechtigung wird nicht so ernst durchgeführt, wie es zu erwarten wäre. ES handett sich dabei nicht nur um die nationalen Rechtt, sondern auch um die bürgerliche Gleichberechtigung. Die Teilnahme der Juden an der Beamtenschaft entspricht noch nicht zum zehnten Teil ihrem Anteil an der Bevöllerung» und, waS daS wichtigste ist, sie wird immer Keiner, statt zu wachsen. Besondere Aufregung r«f in jüdischen Kreisen die völlige Ausschaltung der Juden auS den Eisenbahnbettieben hervor, in denen sie unter der deutschen Okkupation recht zahlreich vertteten waren und sich alS sehr zuverlässig erwiesen hatten. Auch an Post, Telegraphie, im ganzen Verkehrswesen usw. find di« Juden alS Angestttlt« - überhaupt nicht vertreten. Eine in Kowno am 16. November veranstaltete Versammlung von Vertretern der jü» bischen Intelligenz nahm eine entsprechende Protestresolution an. llngmn. Budapest. WaS jetzt in Ungarn vorgebt, bildet da» fürchterlichste Kapitel der neuesten Pogromgeschichte. Seit der Niederwerfung der Räteregierung durchziehen die „fortßen Garden" mordend und plündernd das Land. Unter dem Vorwand, an den Kommunisten Rache nehmen zu wol. len, werden Hunderte völlig unschuldiger Menschen auf da» grausamste gefoltert und abgeschlachtet. Me Wiener „Arbeiterzeitung" vom 17. Dezember bttngt unter dem Titel i „Me Mörderbande deS Herrn Horthy" grauenerregende Einzelheiten und stellt fest, daß tausende Menschen ermordet worden sind, ohne daß jemand Einspruch erhoben HSttt. DaS Blatt veröffentlicht Dokumente, durch die die ungarischen Behörden kompromittert werden. Leider verschweigt die „Arbeiterzeitung", daß e» sich um Pogrome handelt und di« Opfer fast ausnahmslos Juden find, die der anttsemittsch aufgehetzttn Bestialität anheimfallen. Die Entente, die die saubere „christlich-nationale^ Regierung kn Ungarn eingesetzt hat, hat die Pflicht, endlich energisch «inzugreisen und «» nicht bei der Untersuchungskommisfion, die sie nach KecSkemet entsandt und die dort firrchtbare» Matettal zutage gefördett hat, bewenden zu lassen. Schweiz. Bafel. Mit Rücksicht auf die Verschiebung der Jahre»- konferenz der Zion. Organisation find auch die andern nach Bafel einberufenen Konferenzen bi» auf weiteres verschoben worden. ES entfällt also auch die Gelehrtenkonferenz wegen der Universität Jerusalem, die Weltkonftrenz des MiSrachi. sowie die Vereinigungskonferenz de» Hapoel-Hazair uni der Zeire-Zton. Bern. Dank der Bemühungen de» Jsraelittschen Gameindebunde» für die Schweiz hat der BundeSrat bl» Schächtererlaubni» bi» zum 1. April vettängett. —-«SSL; London. Da» Zionistische genttalbureau in London verlautbatt: In einer Sitzung de» AkttonS-Komitee» unter Teilnähme Sokolow», Schmarja Lewin», Max Nordau», sowie aller hier weilenden Mitglieder wurde beschlossen, bi» JahreSkonferenz au» folgenden Gründen Kr verschieben: