Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 32 (9.1.1920)
- Date
- 1920-01-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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, > jiiumijviII i WWWWWWWWW ISracheint mit Erlaubraa d^r britischen Militärbehörden« JÜDISCHER BOTE Wischt»» fttai Ptettag. B*jug*. yxtil: n Pf. ntaatL Zu deziehen tah| stUMUcht fofttatu »der Mnt| tzt» Bottnimlai tn Stirn. VOM RHEIN Küdisches Aolksvlatt ' : 10 ff. fit Mt Mn« l«ft». fctttitUt. Di» gt«|t Seit» umfa|t MOgctlrn. ftflfftflMtt: SttenMtltg Bsmi, Min ft 74747. v 5trau*a«gtt«ii »on Rabbiner Dr. Amit Aohn» Bonn. Schriftleitun- und G«schLft»ß»>« r Bonn, Brüdergaff« 02. Jtimarr 32 Zßonn. 9, 1VL0. — 18 UebeLH 5680 8. |t|T|fS|. fflr die JfldUdicn Kinder Wien«! 1. Ausweis. 8ut Aufnahme von -indem erklärten fich hi» Montag, den S. Januar, bereit: Beuel: Max Bier; Max Goldreich. Sora: Bernhard Baum; Theodor Etsemann: Hermann Hirsch; Frau 0. Lazaru»; Joseph Mathe»; Jakob Meyer; Salm. , Dierdorf: Bernhard Hecht. Düsseldorf: Emil Gärtner; Ludwig Lazaru»; Siegfried Lewandowrei; Frau H. Marguliu». Geislar: Hermann Herz. Honnef: Albert Leopold. Kripp a. Rh.: I. Scharf (3 Kinder). Rheydt: H. Cahn. Wissen (Sieg): L. Hong. , Nähere» über die Ankunft der Kinder wird noch bekannt gegeben. Da Eile nottut. bitten wir alle, die noch beabsichtigen, ein Kind zu nehmen, fich umgehend zu melden. Spendenauswei» erfolgt in der nächsten Nummer. Geldsendungen erbitten wtt, an unser PostscheKonto: Botenverlag Bonn, Amt Köly Nr. 74 747 mit dem Vsrmerk „Wien". Der „Jüdische Bote vom Rhein". Bonn, Brüdergasse 62. raaaoaaaaDCioaaaiaiaiaiaaaaoaaaciaaaaaoDaac " W-chenaßschnM rm». 8aaDanaDaDaaDiiaaaaaaoaaaaaaaaDDHaaaDQaDS mflrdicnsdiidisale. v §P ging »in Mann au! drm Haus» L«vi! und nah« tiue Tochter Levis zum Weibe. Sie gebar einen Sohn und sah, daß er schön war, und verbarg ihn drei Monde. Als sie ihn jedoch nicht länger verbergen konnte, nahm tc ein Kästchen von Bohr, bestrich es mit Erdharz und lech, legte das Kind hinein und setzte es in da- Schilf am Ufer des Flusses. Seine Schwester aber stellte sich von ferne, um zu sehen, was mit ihm werden würde. Da kam die Tochter Pharao» herab, um im Fluffe |« baden, und ihre Mädchen ergingen sich am Ufer des Flusses. Da sah sie das Kästchen im Schilfe und schickte ihre Magd und ließ es holen. Und sie össnete es und sah da» Kind, und da lag rin Knäblein, das weinte. Und fl« erbarmt« sich seiner und sprach: „Das ist eine» von ben Kindern der Hebräer." Da sprach seine Schwester zu ihm: „Soll ich gehen und dir eine Amme rufen von den Hebräerinnen, daß {« dir da» Kind sauge?" Und sie antwortet«: „Sehe inl" Das Mädchen aber aing,und,rief die,Mutterndes lindes. Da ^sprach He ^Töchter Pharaos zu ihr: „Nimm diese» Kind und sauge es mir, ich will dir deinen Lohn «eben." Da nahm die Frau das Kind und saugte es. lls der Knabe aber groß war, brachte sie ihn der Tochter Pharao», und diese nahm ihn als Sohn an. II Mose, », *-ia Mitten au» der dumpfen, stickigen Kellerluft der ägyp- Alchen Sklaverei, au» her Berelendung de» hebräischen Bol- 4 kr», dem Schweißgeruch seiner Fron, dem Ächzen der » plagten Männer, dem Jammer der Kinderberaubten Mutter hebt fich rein, rührend und wunderbar die Geschickte de» Knäblein» Mos^, wie e» geboren auLgesetzt und gefunden wurde. Eine Mutter, die ihr bedrohte» Kind dem Wunderwalten Gotte» anheimgibt, — und da» Wunder waltet wirklich: Ein Märchenschtcksal ohnegleichen. Wie oft haben Maler fich dt« großen Augenblicke Mose» zum Borwurf ihrer Kunst gewählt, kein Augenblick aber hat die Phantafie der großen Meister tiefer und befruchtender erregt al», wie da» Kind im Schilfe gefunden wuye. Welch ein Zauber liegt tn dem Bilde de» schwimmenden Körbchen», wie e». über fich die ewigen Sterne, leise durch da» Schilftohr gleitet, und da» Wimmern der hilflosen, hungrigen Kreatur über die Wellen trägt! Und welch ein Märchen, daß fich da» Antlitz einer Königstochter mit Erbarmen im Auge über da» geöffnete Körbchen beugt: Arme» Kind l — _ Ja, ein Märchenschicksal. ÜndU da» Schicksal eine» Großen, da» wir da erleben. Unsere» Größten. Da» Leben unsere» Lehrer» erhielt den Stempel der Göttlichkeit, al» e» damals gerettet wurde, al» der Wille noch nicht geweckt war und der Verstand — „«in Schreiber tief,tm Schlaf" — noch nicht fich regte. Daß e» ein Kind war, daß e» kaum geboren, dem Tode enttifien wurde, daß KöniaShände ein Sklavenkind an» Licht de» Tage» hoben und durch seltene Fügung an» Herz der Mutter zurücklegten, von dem e» gerissen worden war, — da» alle» macht diese Geschichte-fast zu einem heiligen Mysterium, da» man verehren müßte, wenn e» nicht wieder so rein, so menschlich und oft irdisch fich gäbe, daß es fast wie selbstverständlich vor unsern Augen entrollt: So werden die Großen dieser Erde geboren, so die Befteier, die Rächer, die Gesetzße&tr. Der Todesengel streift sie am ersten Tage und diese Berührung weiht sie zum doppelten, weil doppelt geschenkten heiligen Leben. Ein Märchenschtcksal. Der Glaube an die Erlösung der Welt ist der Glaube an ein Märchenschicksal. Und an ein Kinderschicksal dazu. So haben es die Profeten gesehen, so es gekündet: „Ein Kind wird uns geboren —r Wir aber, die wir heute die harte Frau Ägyptens neu an uns erleben, erleben, wie man ein besiegtes Volk, vor dem der ganzen Welt noch immer graut, obgleich es nur noch ein Schatten von fich selber ist, bis ins Lebensmark, bis auf die Frucht im Mutterleib« treffen will, — wir sollten diesen Glauben nicht verlieren. Jeder Mensch soll glauben, daß auch ihm einmal das Leben mit Märchenaugen begegnen wird und ihm Unaeglaubte» wahr machen und Unerhörtes verwirklichen wird. Jeder Jude aber soll auch nicht ablafien, an das Märchenschtcksal seines Volkes zu glauben, d. h. zu glauben, daß in i«dem AugenbNck tm Schilf irgendeine» ^erNenSiromes ein Körbchen schwimmt, da» neugeboren den Befreier trägt. Emil Cohn.