Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 31 (2.1.1919)
- Date
- 1919-01-02
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7 diu«-um bracht und nun bei dem herrschende« ige» Grippel insbesondere während der vorjährig« «rode durch ihre Unermüdlichkeit und hmgebendste Für« arge für ihre Kranken ihrem deutschen Adoptivvaterlande >ie wichtigsten Dienste geleistet. Die Heimgegangene hatte ein Alter von 41 Jahren erreicht. Sie stammte au» Jalta (Krim). Ein zahlreiche» Trauergeleit« folgte ihrer Bahre, die von reichem Blumenschmuck bedeckt war. «emündea-Wohrn (Bez. Kassel). 3n der Frühe de» 21. Dezember» beschloß hier der älteste Bürger de» Stadtchens und wohl auch der weiteren Umgebung, Herr Lazaru» Andorn, seinen Lebenslauf. Der Entschlafene verkörperte «n sich die Wesenheit eine» wahrhaft jüdischen Manne». In unbeirrbarer Treue bewahrte er die Überlieferungen au» der Jugendzeit. Wie der Eleasar der Chanukahgeschtchte, dem er namen-verwandt war und an dessen Jahve er auch heran, reichte, war er bemüht, den nachwachsenden Geschlechtern ein Borbild in religiöser Pflichterfüllung zu sein. Auch ihm find herbe Enttäuschungen, schwere Schicksalsfügungen nicht i geblieben. Zuletzt bereitete dem allezeit geiste»- S^bliebenen Manne, dessen erste» LebenSdrittel noch in it bürgerlicher Zurücksetzung der Juden fiel, der Niederbruch de» Batrrlande» tieft Bekümmernis. Gerade in jenen Tagen, al» der beginnende Umschwung in der Vaterländischen Schicksalsgestaltung fich deutlicher abzuzeichnen begann, konnte er mit seiner aleichgeartrten Lebensgefährtin da» Fest einer 60jährigen Zusammengehörigkeit begehen. Wenige Monate später schied die Weggenossiu von seiner Seite. Nun ist er der schmerzlich Entbehrten gefolgt in den Frieden, für den keine Unterbrechung droht. An der Bahre sprachen die Herren Lehrer Spiev-Gemünden in Vertretung der Gemeinde und Andorn-Hattingen, ein Refft des Heim- «gangenen, wehmutsvolle, ttefrnmfenbe Worte der Wirrdigung, de» Abschied» und der Mahnung. Au» Hessen. Nach dem Franken beraer amtlichen Krei»- blatt vom 17. Dezember find von den VolkSschullchrem des Regierungsbezirks Kasiel und des Waldecker Ländchen» 893 Opfer des Krieges geworden, darunter 36 katholische und 8 jüdische. Im Kafieler Bezirk — Waldeck kommt hier nicht in Betracht — mag e» 80 jüdische BolkSfchllllehver geben, davon nur wenige im wehrpflichtigen Alter. Der Prozentsatz der Gefallenen ist wohl ein recht erheblicher. Die trübselige Berechnung überlassen wir der Deutschen Zeitung, der der Prozentsatz der gefallenen jüdischen Jugend nicht hoch genug erscheint. Donner Nachrichten. Bonn. Wir machen auf di« Veröffentlichung des Gemeindevorstandes in dieser Nummer betr. Mazzothbezug 1920 aufmerksam. Bonn. Moses Appel und Frau auS Endenich feiern am Sonntag den 4. Januar da» seltene Fest der eisernen Hochzeit. Der Jubilar ist 94. die Jubilarin 86 Jahre alt. Bonn. Die Chewroh G'milluS Chaffodim hält am SamStag im Gemeindehauft, Tempelstrahe, eine Generalversammlung ab. Die Tagesordnung ist im Anzeigenteil diese» Blattes erfichtlich. Aakender der HVocha. ... •««•tat .. •onntaf... Montag.... vstnstag... «Mooch... . Coimcrttag XSL,'.'. 3«tuiat 1920 9. Jan 9. 4. I. «. 7. a. 9. 10. Xcfetl 6680 19 ia 14 10 16 17 ia 19 90 MW. me«. Der Bote erzählt: — 1 ▼ ▼ y ▼y▼ t▼ r ▼ per Kateil ct der aitleri Welt. Ui« »ah»« ««schichte vo»Dt«rN»»d«>. Hinter dem Lattenverschlag in der Ecke der großen Gaststube sahen beim Krüger Ephraim Schlesinger jtoet Gäste am gebahnten Holztisch mld spielten Karten. Da» WsrtShau» lag am Ende der Hauptstraße de» ziemlich großen Dorfes, unweit Lifia im Großherjwgtum Posen. E» war Samstag Abend», im Februar. Draußen lag dichter Schnee. Ar der Stube spft ein überheizter eiserner Ofen, mit vielfach geknicktem, an der Decke und den Wänden in sonderbarem Zickzack hinkriechenden Schlangenrobr, Feuer. Eine Hängelampe beleuchtete mäßig den Rau«, der außeo dem von einer Lampe an der Wand hinter dem Schanktische und einer anderen auf dem Tische in der Honoratiorenecke in einander spielende Lichter^ empfing. Ein halbe» Dutzend Fuhrleute und Bauern saßen auf den Holzbänken um den Ofen, sprachen laut polnisch, rauchten au» Tonpftiftn und spuckten häufia auf die sandbestreute Dftle. E» roch in der Stube nach Petroleum, scharftm Tabak. Fusel, , niedriger Küche und tmngeschmierten Stiefeln. Der kleine dicke Ephraim Schlesinger mit dem langen, wirren Bart, den müden Augen und der großen Warze an der rechten Seite der Raft schlurrte in seinen gesticnen Hausschuhen, dem schmierigen Scheitelkäppchen und der langärmelige» gestrickten Weste zwischen dem Schanktisch, den Bauer» und den beiden Kartenspielern hinter dem Verschlag hin unV her. blieb aber am liebsten bei ihnen fitzen und sah ihrem Spiele zu, solange ihn nicht einer der polnischen Gäste mit dem Verlangen nach einem neuen Schnaps abrief. Die beiden Spieler waren Juden, ältere Männer in gutem Sabbath-Anzuge. Der eine. Hirsch Guttmann, war ein schwerer langsamer Mann, der mit seinem gewaltigen Oberkörper, ftinem kurzen Halse, seinem massigen, wie zwischen die breiten Schultern verftnkten Rundkopft auch sitzenden Eindruck eines Rieftn machte, der andere. Red Mosche Roftnthal, war dünn, hager, beweglich. Guttmann und Rosenthal waren entfernt mit einander verwandt, wie übrigen» fast alle Mitglieder der kleinen, alten Judengemeinde des Dorfes. Guttmann war Pferde-,- Roftnthal Viehhändler. Sie verbrachten di« Woche auf Reiftn von einem Markte zum andern, wo sie die bei den Bauern zusammengrkauften Tiere wieder losschlugen, und kehrten Freitag zu ihren Familien zurück, um meist schon Sonntag früh wieder ihrem fahrenden Gewerbe nachzuaehen. Hirsch Guttmann machte einen geistig sehr üntrrgeordneten Eindruck. Das fleischige, gedunsene, dunkelrote Gesicht mit der niedrigen Stirn, den kleinen, blutunterlaufenen Augen, der Knollennase, den wulstigen Lippen, den baartgen, großen, dicken Ohren und dem kurzen, starren Barte ließ vermuten, daß unter dem dichten, kaum ergrauten Kraushaar neben Ziffern. Marktdaten und Namen von Kunden nicht viele andere Vorstellungen wach waren. Er hatte von früh auf nichts anderes gekannt als Pferde, Bauern und allenfalls Gutsbesitzer und Offiziere, di« ihn zum Teil duzten und nie ein Wort an ihn richteten, da» f~' nicht auf seine Roßtäuscherri bezog, und in dieser Bekcl tigung. diesem Umgänge war er selbst vertiert. Red Mo Roftnthal vertrat eine höhere Gattuna. Er hatte in der Jugend „gelernt", er war im Talmud bewandert und besaß daneben einige weltliche Kenntnisft. Er sollte urspnumpch Rabbiner werden, war ftdoch durch Umstände gezwungen worden, sich dem Handel zu widmen. Er bewahrt« fich indes auch jetzt noch einige geistige Arteresftn. bezog da» Krei»- blott und eine jüdische Zeitung aus Berlin, schlug in Mußestunden seine Talmud-Folianten auf uod war deshalb ln der Gemeinde angesehen. Er war überdies ein ftommgläu-