Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 31 (2.1.1919)
- Date
- 1919-01-02
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Y bei Freunden oder Bekannten, in Räume, die fonft fftt BermietunaSzwecke gar nicht in Betracht kommen. Ebenso ungerecht ist der Borwurf, daß sie in hyginischer Beziehung eine Gefahr bilden. Unter den Flüchtlingen. die unsere Hilfe anrufen, find wenige Kranke und erfreulicher Weise friw, die mit ansteckenden Krankheiten belastet find. Der Ausdruck lästige Ausländer ist schon deswegen deplazierk. weil diese Flüchtlinge weder den öffentlichen Behörden. noch öffentlichen Armenkassen zur Last fallen, sondern nur die Hilfe der jüdischen Organisationen in Anspruch nehmen. ES ist eine Ironie deS Schicksals, daß diese Leute, di« von den Alldeutschen so gehaßt werden, häufig Opfer ihrer deutschfreundlichen Gesinnung find, weil die heutigen Ser Polen-, in ihnen philogermanische Elemente ern. Man kann die Sache auffassen, von welcher Seite man wolle, fie bleibt unverständlich, nur die offene oder versteckte antisemitische Tendenz macht fie verständlich. Wenn von einer sich liberal nennenden Seite der Vorschlag «macht wurde, die Leute zwangsweise zur landwirtschaftlichen Arbeit abzuzuschieben, so hätten viel« gewiß nichts dagegen einzuwenden. Bereits im vorigen Sommer wurden durch die jüdischen Organisationen dem landwirtschaftlichen Bedarf einige hundert dieser Flüchtlinge untergebracht. So lange aber der Staat die Elemente, die öffentliche Unterstützungsgelder beanspruchen, nicht zur landwirtschaftlichen Arbeit zwingt, fehlt jede moralische Grundlage für Ausnahmeregeln gegen diest jüdischen Ausländer. Noch bedauerlicher ist es. wenn manche Juden so töricht find, in diesen Ostjuden den jetzigen brutalen Judenhaß zu erblicken. Sie begreifen, nicht, daß di« Antisemiten die inländischen Juden meinen, wenn fie auf die ausländischen Juden schmähen. Im eigensten Jnteresie der Juden und der jüdischen Ehre liegt es. daß alle rechtdenkenden und warmempfindenden Juden geschlosien gegen dieses Treiben auftreten. Hs, Kertz und Eal. Biegburg. Am 23. Dezember feierte daL älteste Mitglied unserer Genieinde, die ehrwürdige Frau Fröhlich, daS seltene Fest des 88. Geburtstages in vollster körperlicher und geistiger Frische. Die alte Dam« versieht nicht nur ihren ganzen Haushalt selber, sondern verfolgt auch mit lebhaftestem Jnteresie Tagesereignis wie Geschäftsvorgänae. Mögen ihr noch viele schöne Jahre ftohen Lebensgenusses beschieden sein! Oberdollendorf. Durch die Renovierung der hiesigen Synagoge, auf persönliche Veranlasiung des Vorstehers Herrn Jakob Apfel, ist solche eine Zierde der Gemeinde geworden und hat sich derselbe dadurch ein bleibendes Andenken geschaffen. Es geziemt sich an öffentlicher Stelle, den wohlverdienten Dank und Anerkennung zu zollen. Hamm a. d. Sieg. Am Schabbes Chanukah veranstattet« der hiesige Jugendbund abends im Hotel Kalender Hierselbst seine Chanukahfeier. Fast alle Mitglieder der hiefigen Gemeinde waren der Einladung deS Vereins gefolat. Mit Entzünden der Lichtchen und dem gemeinsamen Gesang von Moaus-sur-Jeschuofi wurde di« Feier eingeleitet. Infolge der Gebefreudigkeit aller Familien unserer Vereins- «Mitglieder und dem schönen Arrangement der Damen Joh. Bär. Joh. und Erna Salomon fand man di« Tafel mit Kuchen. Obst und anderen Leckerbissen wohl besetzt. Der Abend wurde durch deklamatorische und mufikalische Darbietungen. auSgeführt von den Damen Lilly Salomon, Milli David und Joh. Tobias und den Herren Ludwig Simon. Willy Lar.'Hans und Kurt Hirsch ausgefüllt. Allen Mitwirkenden wurde ein reicher wohlverdienter Beifall zuteil. U» 11 Uhr mutzte di« schone Feier infolge der frühen Polizeistunde zum Leidwesen der Jugend beendet werden. Alle Lnwestude. Alt wie Jung, trennten sich «it dem Gedanken, angenehme und vergnügte Stunden verlebt zu haben und sich bald wieder gemeinsam zu solch schöner Beranstaltunn zusammen zu finden. An letzter Stalle sei besowderß «che»« *JtKtlllfWCp|CH0Cll yttt> gCMStflt MT MflPty die treffliche Leitung der Feier zu dem guten Gelingen des Abends wesentlich beitrug. Köln. Derjüdische Turnverein Köln feierte am 24. Dezember sei« Makkabäerfeier — ei« echte jüdische Feier. Nach einer Begrüßung des 1. Vorsitzenden. Herr JUius Kaufmann, in welcher er die Bedeutung deS MaSabäerkauwfes für die heutige Zeit darlegte, wickelte sich daS aus musikalischen, rezitatorischen und ^sanglichen Darbietungen zusammengestellte Programm ab, das großen Beifall fand. Zwischendurch ermahnte Herr Kaufmann nochinals die Anweienden. sich außerhalb aller Parteipolitik zusammenzuschließen, um die iunge Jüdin und den jungen Juden muh körperlich zu stählen. In welcher Weise dies gedacht war. davon legten die Vorführungen der Turner am Reck imd ein Keulenschwingen der Damen beredtes Zeugnis ab. Leistungen, die jedem die größte Hochachtung abzwangen. Im Dankwort an alle Zeitnehmer, die für gutes Gelingen und das leibliche WHl gesorgt hatten, schloß daS schö« Programm ab. und ein nachfolgender Tanz beendigte bei Eintritt der Polizeistunde die schö« Feier, di« jedem Teilnehmer genußreiche Stunden brachte und der jüdischen Turasache gewiß viele Freunde zugeführt hat. Di« Sammlung für die Notleidenden Wiens und für die Aufnahme jüdischer Kinder in hiesigen Familien hatte Erfolg und wird zur Nachahmung empfohlen. Mülheim-Ruhr. Am 25. Dezember beging hier Frau Susan« Kaufmann ihren 80. Geburtstag. Die Jubilarin, die sich der vollsten Gesundheit erfreut, wurde sehr geehrt und gefeiert. Möge ihr «in gesegnetes Alter beschert sein. Koblenz. Am 20. Dezember veranstaltete die Jung- Jüdische Bereinigung Koblenz im Cafe Servatius ei« Chanukahfestlichkeit, an der ungefähr 60 junge Leute auS Koblenz und Umgebung teilnahmen. Bunte Vorträge aller Art und Tanz hielten die Teilnehmer in angeregter Stil»- nuittjj bis in die späte Nacht hinein zusammen. — Auch die allwöchentlichen Vorträge und Zusammenkünfte erfreuen sich immer zu«hmender Beliebtheit. Neuerdings sollen von Zeit zu Zeit Elternabende veranstaltet werden. Zu dem ersten, der am 22. d. M. unter zahlreicher Beteiligung stattfand, hatte man Herrn Stud. jur. Paul Lion aus Bonn als Redner gewonnen, der sich in sachlich und rhetorisch glärrzcnder Weise über daS aktuelle Thema „Die politische Lage der Juden" verbreitete. Die anschließende lebhafte Diskussion ließ trotz mancher Meinungsverschiedenheiten die verschi«de«n Richtungen des heutigen Judentums erkeimen und gab dem Wunsche nach öfteren derartigen Veranstaltungen Ausdruck. Koblenz. Ein amerikanischer Glaubensgenosse, Mr. Salomon aus New Kork, hat unter feinen hier weilenden Landsleuten «i« Sammlung von etwa 50 000 M. veranstaltet. AuS derselben erhalten alle bedürftigen Waisenkinder-der Stadt oh« Unterschied der Konfession ein Paar Schuhe und «in Paket mit Kuchen und Konfitüren— Die Jung-Jüdisch« Vereinigung hielt am 20. Dez. ei« gut besuchte. wohlgelungene Chanukafeier ab. Es ist dabei besonders rühmlich hervmzuheben. daß durch die Opserwilligkeit der Jugend annähernd 1000 M. zu wohltätigen Zwekken gesammelt wurden. In demselben Verein fand am 22. Dez. der erste Elternabend statt. Als Referent sprach Herr Land. jur. Lion auS Bonn über: „Die politische Stellung der Jptden in der Gegenwart." — Am 20. Dez. — SchaboS chanukah — beging Herr H. Herzberg, Mainzer strahe 18, sein« 80. Geburtstag. Bon seiner Gattin. sej«n Kindern und Enkeln geleitet, besuchte er den Morgengottesdienst und war es ein erbebender Moment, als der überaus rüstige greise Herr alS Kotzen zur Thora aufgerufen wmde. Mülheim (Mottl). Hier stmb Frau Dt Sonja Rosenberger, di« einzige Ärztin im weiteren Umkreist, als Opfer ihr«» Berufeinfolge Bluwergiftung. Die Verstorbene hatte sich durch ihre hervorragende Tuchtigkett eine bedeutende Praxis erworben und außerordentliche Beliebtheit ve» esit. Nach dem Tode ihres Gatte» Dt Felix Rosenberger, als Freiwilliger zum Hee« geeilt und bald nach Kri^ßbeginn gefalle» war. hattest« ihr früher unterbrochems Sttef > - ' -