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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-01-02 · 31 (2.1.1919) · p. Seite 5

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
31 (2.1.1919)
Date
1919-01-02
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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•Ben Fragen^ die die Interessen der Juden in Ost-, Zentral-, Südoft. und Mittelostemopa berühren, vorzugehen." London, vr. Ma; Nordau, der vom Engeren AktionS» kotnitee eingeladen wurde, an der Leitung der zionistischen Arbeit teilzunehmen, ist am 12. Dezember über Pari» in London eingetroffen, vr. Nordau wird auch an der Jabres konferenz in Basel teilnehmen. K. Z. B. London, vr. Sch. Levin bar einen Brief von Emir Feysul erhalten, in dem derselbe win Bedauem darüber ausspricht, daß er nicht an der DeNarationsfeier vom 2. November teilnehmen konnte. Zum Schluß führt er aus: Er hoffe, daß das arabische und jüdische Volk gemeinsam an der Wiederbelebung des Ostens arbeiten werden. London. In informierten englischen Kreisen verlautet, daß die englische Regierung beschlossen hat. zum Gouverneur von Palästina den sicheren Minister des Innern Sir Herbert Samuel (Bruder von Sir Samuel, des englischen Kommissars in Polen) zu emennen. Dieser Beschluß soll schon Samuel mitgeteilt worden sein, der sich zur SÜiretfe nach Palästina vorbereitet. Seitens der amerikanischen Regierung war als Kandidat für den gleichen Posten N. Brandeivorgeschlagen, die Kandidatur von Samuel hat aber durchgegriffen, weil er englischer Untertarl ist. London. Das englische Judentum hat durch den kürzlich erfolgten Tod von Sir Lionel Abrahams einen herben Verlust erlitten. Abraham war seinerzeit einer der Hilfsminister für Indien und hat ein bedeutendes historisches Werk über die Vertreibung der Juden aus England im Jahre 1290 veröffentlicht. Abrahams nahm reges Interesse an jüdischen Angelegenheiten und war ein Sympathiker der territorialistischen Bewegung. London. Unter dem Namen „Palestine Oil Jndustry Shemen Ltd." wurde in Lodon eine Gesellschaft mit einem nominellen Kapital von 250 000 Lstrl. registriert. Ihre Gründer sind die Herren Jlja Päenson und Mose Wilbuschewitz. Die Gründung der Gesellschaft erfolgte zum Teil dank der Initiative der Petrograder Gesellschaft für die kommerzielle Entwicklung Palästinas, die unter der Leitung von Herrn Boris Goldberg viel zur Aufklärung dieser Fragen beigetragen hat. (K. Z. B.) London. Unter Vorsitz von Aronsohn wurde kürzlich in London die Gründung einer Manufakturgesellschaft für Palästina beschlosien. Das Gründungskapital beträgt 100 000 Pfd., eingeteilt in 10 Pfd.-Aktien, wovon 1000 Pfd. schon bei der ersten Versammlung gezeichnet wurden, ^alästina^ Jerusalem. Eine amerikanische Gesellschaft, die bereits vor dem Kriege eine Konzessickn für Naphthabohrungen in Palästina besaß, hat in der letzten Zeit ihre Arbeiten wieder oufgenommep. Tie nötigen Maschinen sind bereits eingetroffen und man ist derzeit damit beschäftigt, die zu den Bohrftdern führenden Landstraßen auszubauen. Jerusalem. Der Korrespondent des Londoner zionistischen Bulletin hatte eine längere Unterredung mit Professor Geddes, in welcher sich dieser in sehr bemerkenswerter Weise über den Ausbau des künftigen Jerusalems äußerte. Geddes ist überzeugt, daß die Erweiterung Jerusalems möglich sein wird, ohne den historischen Charakter der Stadt in irgendeiner Weise zu beeinträchtigen. Im weiteren Verlauf der Unterredung wurde über den Erlveiterungsplan des Herrn Maclean gesprochen, der in der englischen Presse, besonders auch im „Observer", eine ziemlich abfällige Kritik gefunden bat. Geddes betrachtet es als seine Aufgabe, diesen Plan ourchzuprüfen und entsprechend seinen Erfahrungen zu verändern. Nachdem er sich dann außerordentlich befriedigend über den gegenwärtigen Stand der Kolonien geäußert hatte. —teilte er mit, daßdieTwnihm vorgeschlaaenen Aasbaupläne für die Universität von Weizmann gutgeheißen worden seien und daß er bestimmt hoffe, zu Beginn des Jahves 1920 mit dem Bau beginnen zu können. Hierbei wird man die auf dem Terrain vorhandenen Baulichkeiten für die Neben- Kbäude der Universität (chemische Laboratorien und ähndes) verwenden können. Geddes hat stch auch mit einem Plan eines großen palästinensischen Museums beschäftigt. Die ostjitdischen Flüchtlinge. . Vom Verband der Ostjuden erhalten wir folgende Zuschrift: In jüngster Zeit entwickeln die bezahlten und unbezahlten Agenten der unterirdischen, alldeutschen Organisationen eine geradezu fieberhafte Hetztätigkeit gegen die Juden des Ostens. Was der lebte Rest des Schamgefühls noch daran hindert, vom inländischen Juden zu behaupten, das wird zynisch auf die ausländischen Juden gewälzt in der Presse, wie öffentlichen Körperschaften werden diese Ostjuden als Schrecke nsgespenst hingestellt, und als größte Gefahr für die Ofentlichkeit geschildert. Mit allen möglichen brennenden Fragen des Tages werden sie in Verbindung gebrächt, und für alles Unheil verantwortlich gemacht. Diese Agenten rechnen psychologisch richtig und sie wissen, daß die Volksleidenschaft, wenn sie einmal, entfesselt worden ist, vor den inländischen Juden nicht halt machen wird. In der Tat fallen sogenannte liberale Blätter und Politiker auf diesen Schwindel herein, und sie scheinen nicht zu ahnen, daß sie lediglich antisemitischen Zwecken dienen. Wer diese Presse verfolgt, der-muß mit Staunen wahrnehmen. daß sich überall ein gehässiger und gereizter Ton gegen die Ostjuden geltend macht. In liberal geleiteten städtischen Körperschaften werden Anttäge ausgenommen, die dahin gehen, die Regierung zu veranlassen, scharfe Maß- 1 regeln gegen die ostjüdischen Flüchtlinge zu treffen. Die Wohnungsnot wird auf Konto dieser Armen geschrieben, 1 man scheut sich nicht, diese Leute als Schwindler und Betrüger hinzustellen. Es ist traurig, daß manche Poltttker ' kurzsichtig genug sind, um nicht einzusehen, daß dadurchdie niedrigsten Instinkte des Volkes aufgerührt werden. Man muß sich mit Recht ftagen: Haben wir in Deutschland in dieser schweren Zeit gar keine anderen Sorgen, als unS mit dieser künstlich herausbeschworenen Fvemdenftage zu beschäftigen? Es paßt schlecht zum Eharakter einer freien Zeit und einer demokratischen Republik, sttenge Linien zwischen den Einwohnern inländischer und freinder Staatsangehörigkeit zu zichen. Jedem Fremden uvrden Pflichten zudiktiert, und es entspricht dem Rechtsgefühl und der Staatsklugheit. daß man ihm auch ein gewisses Maß von Rechten verleiht. Namentlich sollte solchen Elementen, die sich vor grausamen Verfolgungen einer fanatischen Bevölkerung flüchten, Gastfreundschaft gewährt lverden. Nur da, wo ein« wirkliche politische oder moralische Gefahr vorliegt, ist ein Abweichenvon dieser vülkerethischen Tradition gestattet. Davon kann aber hier gar nicht die Rede sein. Wer sind die Flüchtlinge, gegen die sich jetzt ei» solches Kesseltreiben enthüllt? Es sind Angehörige Galiziens, also eines Landes, daß Deutschland noch bis vor kurzem seinen Bundesgenossen nannte. Es enffpricht weder der Vernunft, noch der Gerechtigkeit, diese Leute Plötzlich als unerwünschte Fremde zu bezeichnen, weil ihr Vaterland während des Krieges in eine noch größere Gefahr geraten ist als Deutschland. Zum Teil sind es Angehörige Kongreßpolens, also eines Staates, daß Deutschland während des Krieges zu einem selbständigen Staate gemacht hat. Es sind fast durchweg Leute, die stch bis zum Beginn des Krieges redlich ernährt haben. Die Verwüstungen des Krieges haben in den ehemals blühenden Städten Polens vorläufig jede Arbeitsmöglichkeit genommen. .Die; Leute flüchten sich nun in ihrer Not nach dem fteien befteundeten Deutschland, um hier durch Arbeit ihr Brot zu finden. Sie bleiben nur meistens kurze Zeit in.Berläu und die jüdischen Organisatisnen sind mit Erfolg bemüht, ' sie nach solchen Gegenden zu befördern, wo ArbettSmöglich- ' feit vorhanden ist, und Arbeitskräfte dringend gebraucht werden. Wo liegt hier also Gnind vor. gegen diese armen Flüchtlinge strenge Maßnahinen zu erareifen? und sie alS feindliche Elemente zu bezeichnen? Es wird behauptet, daß diese Leute jetzt zur Wohnunasnot diel beltrag««. Dieser Vorwurf mutet beinahe konnjch an. Diese Leute werden in jüdischen Herbergen untrrgevracht, oder wohnen

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