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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-01-02 · 31 (2.1.1919) · p. Seite 4

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
31 (2.1.1919)
Date
1919-01-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 tuellen ist dezimiert. Jede Welle der Metzeleien dauerte eine halbe Stunde. Dann hallte die Stadt von durchdrinaenbein Geschrei wieder, wie während «ine- Erdbeben-. Die Hemer erlaubten den Juden, die Tode-art zu Wahlen und dasjenige Glied zu bezeichnen, dar zuerst amputiert werden sollte. Eine große Anzahl Frauen und junger Mädchen, die sich a» die Stadtbehörden um Schutz und Hilfe wandten,. wurde brutal verjagt. Sie flüchteten in ihre Häuser und stürzten sich aus den Fenstern, um nicht in die Hände der Pogromhelden zu fallen. Ter Pogroin in Kiew wird von einer großen Anzahl russischer Zeitungen bestätigt, die der Zensur Denikins unterstehen. Ter Priasowsky Kraij, der in Rostow am Don, dem Sitz der Zentralregierung Denikins, erscheint, gibt folgende Einzelheiten über den Pogrom: „Die Jüdische Gemeinde von >ticw ist einzig damit beschäftigt, die Hilfe zu organisieren. Die Zahl der Opfer ist so groß, daß es fast unmöglich ist, den ausgehungerten und der Kleidung und des Obdachs belaubten Menschen Hilfe zu bringen. In dem Viertel von Podal allein sind 14 700 jüdische Opfer der Plünderung während des Pogromregistriert, in dem Marktviertel 3000; die Lage all dieser Unglücklict-en verschlimmert sich von Lag zu Tag. da der Winker sehr streng ist." Dem „Sowremennoje" zufolge, der der Militär,Msur untersteht, haben außerdem in folgenden im Umkreis von Kiew gelegenen Ortschaften Pogrome stattgefunden: Borispol, Grebenka, Smielo, Korsun, Germanowka, Tscherkasiy, Makarow, Goroditschtsche, Schiblennoje, Konto, Dymer, Stepanzy, Jguatolvka, Tripolie, Rossowo. Motowiloska. Frankreich I P. Z. Paris. Am 13. Dezember fand «ine Vollsitzung der Muzlirder des Komitees der jüdischen Delegationen und einiger anderen jüdischen Persönlichkeiten statt, in der Sir Stuart Samuel, der Leiter der offiziellen cirglischen Kommission zur Erforschung der Pogrome in Polen, über seine Erlebnisse in Polen berichtete. Aus den Ausführungen von Sir Stuart Samuel ging hervor, welch schweren Kampf das Judentum'Polens noch durchmachen muß, um volle rechtliche Anerkennung sowohl als Bürgerwie als Volkstum zu erlangen. Andererseits war es aber klar, daß ein erfolgreicher polnischer Staat ohne die Hilfe der Juden gar nicht aufgebaut lverden kann. Die Überzeugung aber, daß insbesondere die wirtschaftliche Wiedergeburt Polens nur mit Hilfe der in- und ausländischen jüdischen Faktoren zustande kommen kann, muß schließlich trotz aller Konflikte und Reibungen auch die Polen zur Einsicht bringen, wie dringend ein gedeihliches Zusammenleben für beide Völker ist. Mit Genugtuung begrüßte das Komitee der Delegationen die darauf folgende Erklärung des Sir Stuart Samuel, daß der Board of Deputier, die jetzige Repräsentanz deS englischen Judentum-, dessen Vorsitzender er ist, zu den künftigen Arbeiten des Komiteeder indischen Delegationen aktiv und direkt teilnehmen wolle. I. K. B. Paris. Auf Initiative von Dr. Leon Reich intervenierte das Komitee der Jüdischen Delegationen durch seinen Vorsitzenden Nahum Sokolow bei dem amerikanischen, englischen und italienischen Delegierten an der Friedenskonferenz wehen der Ausweisung der jüdischen Flüchtlinge aus Wien. De genannten Delegierten versprachen, ist Wien einzuwirken, diese ungerechte Maßregel zurückzuziehen, und haben auch in dieser Beziehung bereits Schritte unternommen. Paris. Wie gerüchtweise verlautet, steht die Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen Frankreich und dem Vatikan unmittelbar bevor. Es gehört zu den pikantesten Scherzen der Weltgeschichte, daß der erste Kandidat, der für die Besetzung deS französischen BotschafterpostrnS am Vatikan genannt wird, «in^Jude ist. Es handelt sich uck den ehemaligen Deputierten Lazare, der stets energisch für freundschaftliche Beziehungen zwischen Frankreich und dem Heiligen Stuhl eingetreten ist. Lmekika. New Aork. In zionistischen Kreisen wird der Plan «wogen, in Palästina ein neue- Valutasystem einzufahren. Die Umgang-munze soll ei, „Schekel" sein, dessen vert 1 Frank gleichkommt. Der Schekel wird 100 „Pruta»* enthalten. 25 Schekel bilden einen Gold-Denar, dessen Wert V einem englischen Pfund gleichkommt. 25 PrutaS bilde» einen Silber-Denar oder 1 Hundertstel eines Gold-Denar». New Aork. Di« nichtjüdische New gork Sun veröffentlicht einen warmen Appell zugunsten der leidenden Jude» der verschiedenen Länder, in dem zum Schlüsse alle, oh« Unterschied der Konfession, aufgefordert werden, durch Spenden das Joint Distribution Conunittee zu unterstützen. New Aork. Laut American Israelit« vom 20. Nov. hakte die orthodoxe jüdische Kongregation Amerikaei« Äiederaufbauversammlung für den 29. November bi- 2. Dezember in New Aork einberufen, zu der mindesten- 500 Delegierte erwartet wurden. Da- Programm steht' ei« gründliche Organisation der orthodoxen Kräfte und die Entwicklung der Orthodoxie zu einen, starken Faktor des jüdischen Lebens in Slmerika vor. Kanada. Toronto. Der jüdische Kongreß in Kanada hat an die kanadische Regierung ein Memorandum gerichtet, in welchem er auf die Lage der Juden Osteuropas aufmerksam macht. Nach eingehender Schilderung dieser Lage wird die kanadische Regierung gebeten, die Einsetzung einer aus drei kanadischen Juden bestehenden Kommission gutzuheißen, die als eine von der Regierung anerkannte Körperschaft und mit allen Reise- und sonstigen Erleichterungen versehen, die Verhältnisie in der Ukraine untersuchen soll. Es wurde ferner darauf hingewiesen, daß die Regierungen von Rumänien und Polen die Auswanderung ihrer Staatsangehörige, nach Kanada nur gestatten, wenn eine Einreiseerlaubnis der kanadischen Regierung vorläge und deshalb die Forderung ausgesprochen, daß ein« derartige Einwanderung, soweit sie sich mit den kanadischen Gesetzen vertrage, seitens der kanadischen Regierung gestattet wurde. Montreal. Tie jüdischen Schneider Kanadas habe» beschlossen, das Einkominen von fünf Arbeitsstunden zugunsten der unter den Pogromen leidenden Juden der Ukraine und anderer Länder zu spenden. Die jüdische» Schneider von Montreal waren die ersten, die diesen Beschluß gefaßt hatten und die an dessen Ausführung mit großer Hingebung ging. Jnteresiant ist, daß auch dir italienischen nichtjüdischen Schneider beschlosten haben, den Loh» dieser fünf Arl»citsstunden zusammen mit den jüdische, Kollegen den Pogromopfem zu widmen. Südafrika. Johannesburg. An der hiesigen Universität wurde i« letzten Wintersemester «ine eigene Lehrkanzel für hebräische Sprache und Literatur eröffnet, und der Chief-Rabbi von Südafrika. Magister artium Dr. I. L. Landau, zum Prokestor für diese Fächer gewählt. In seiner Inauguration-- ' rebe sprach Professor Dr. Landau, ein Absolvent des Wiener Seminars, vor einer illustren Gesellschaft über das Studium des Hebräischen in der Vergangenheit und seine Bedeutung als lebende Sprache für die Zukunft. ' England. London. Die Northcliffe-Presie macht auihren antisemitischen Instinkten kaum ein Hehl mehr. Die Jude» als Träger des Bolschewismus sind im England von heutzutage ein allzu dankbares Stichblatt, als daß man es sich entgehen lasten könnte. So veröffentlicht die „Times" fortgesetzt Anklageartikel gegen Juden und Judentum, dir berechtigte Entrüstung in jüdischen Kreisen erregen und auch ei« energische Erwiedrung dcÄ Chief Rabbi in den Spalten -de- BlatteS-veranlaßt-haben.- London. Für die nächst« Sitzung de- Board of Deputier hat Morris Myer folgende Resolution angekündigt-: „Um Einigkeit zwischen den verschiedenen Gruppen de» jüdischen Volkeherbeizufübren, fordert der Board of Deputier sei« Vertreter in Joint Foreign Committee auf. sich mit dem Komitee der JLd. Delegationen in Pari? in Ber- - bindung zu setzen, um in Übereinstimmung mit diese« in -

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