Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 31 (2.1.1919)
- Date
- 1919-01-02
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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de» Sieg und hat sich dadurch den ersten Platz in der «veilen Klaffe de» Wiener Fußballsporles gesichert. Den Bestimmungen nach rückt sie damit in der nächsten Saison in die Reche dererstklaMm Vereine vor. Durchdiesen wohlverdienten Erfolg haben die Hakoahana da» Märchen von der körperlichen Untüchtigkeit der Juden prachtvoll widerlegt. Vien. Der 22jahrige Hörer der Medizin Daniel Sa. lom. zu Serajewo geboren, hat sich hier in einem Hotel im 9. Bezirk vergiftet. Die Gründe der traurigen Tat waren ganz ungewöhnlicher Natur. Salom nahm «» sich zu Herzen, daß jetzt so viele seiner Kolkgen unter den größten Entbehrungen dahinleben, ihn quälte der Hunger der anderen. „Ich kann da» Elend der Kollegen nicht mehr an. sehen", sagte er. In einem AbschiedSbrieft an seine Kollegen bat er, von seinem Vermögen 8000 Kronen an dürftige Studenten seine» Freundeskreise» zu verteilen. Polen. Warschau. Am 6. Dezember verließ Samuel Warschau. Vor der Abreise stattete er bei Paderewski einen Besuch ab. Unter anderem wie» er im Gespräch auf die katastrophalen Folgen der Zwangsruhe am Sonntag hin, auf die Widerwrüche zwischen der Judenvolitik der Regierung und dem FriedenLvertrag, sowie auf die Ungeheuerlichkeiten, die letzten» aus den polnischen Bahnen passieren: reisende Militärabteilungen mißhandeln und berauben jüdische Paffagiere, plündem jüdische Viertel neben den Bahnhöfen usw. Paderewski gab Herrn Samuel allerhand Erklärungen und — Versprechungen ab. — Sir Samuel ließ in den jüdischen Zeitungen Warschau» einen Abschtedsgruß veröffentlichen, der warme Dank- und Trostworte enthält. Warschau. Das polnische Unterrichtsministerium hat beschloffen, daß in den staatlichen Mittelschulen jüdische Schükr nicht verpflichtet sein werden, am Samstag zu schreiben. 'Was die privaten Mittelschulen anbelangt, haben die einzelnen Direktoren, denen das Ministerium keine Beschlüsse aufzwingen kann, die ihnen opportun scheinenden Bestimmungen zu treffen. Nach Erledigung der entsprechenden Formalitäten wird das Ministerium den einzelnen Schulverwaltungen in einem Erlasse von erwähnter Begünstigung Mitteilung machen. Die gänzliche Befreiung der jüdischen Schüler vom Schulbesuch am Samstag wurde vom Ministerium abgelchnt. Warschau. Nach einer unbestätigten Meldung des Warschauer „Moment" hat das englische Ministerium des Äußern beschlossen, bei allen englischen Konsulaten spezielle Palästina-Abteilungen zu schaffen, die alle national-Mischen Angelegenheiten, die im Zusammenhänge mit der Emigration nach Palästina stehen, zu erledigen haben werden. Diesen Abteilungen sollen Juden vorstrhen. Lodz. Wie die Lembergcr „Chwila" berichtet, hat der Lodzer städtische Schulrat beschloffen, aus dem Programm der städtischen Schulen die jüdischen Gegenstände und den hebräischen Unterricht abzuschaffen, da es unpädagogisch sei, gleichzeitig Polnisch und Hebräisch zu unterrichten und. das tote Hebräisch mit dem Polnischen phonetisch nichts gemein g*. Die jüdischen kulturellen Organisationen von Lodz kn gegen diese Zwangsasfimilationsmaßregel energischen otest erhoben. Lodz. Die Ernennung des Richters Adolf Cohn zum Präsidenten des Kriegsgerichts hat einen Sturm heraufheschworen. So faßte der Lodzer polnische Kaufmanns- und Fabrikantenveretn einstimmig eine Protestresolution gegen diese Ernennung eines Juden. Auch die Lodzer Gerichtsbeamten protestierten. Die Zeitung „Rozvoj" meint, ob die Polen so lange auf die Freiheit warteten, damit nun Juden liberale herrschen. Schweiz. Zürich. In der Sitzung de» schweizerischen Nattonalnrte» vom 8. Dezember begründete Walther (Kath. Luzern) folgende Jnterjxllatton: Der Unterzeichnete ersucht den BundeSrat um Auskunft darüber, gestützt auf welche Tatfachen « die von ihm am 28. März 1918 «teilte Schächtbewilliguna auf den 1. Januar 19« zurückgezogen hat, trotzdem jede MöglichKit der Einfuhr von Fleffchau» dem Ausland nach der Schweiz zurzeit und noch auf Monat« hinan» völlig ausgeschlossen erscheint f" Bundesrat Decoppet beantwortete die Jnterpellatton und sicherte die Berückfichtt- Ol der besonderen Verhältnisse in der Fleischeinfuhr zu. te eine Erhebung ergeben, daß tatsächlich jede Möglichkeit für die Einfuhr von aeschächtetem Fittich fehlt, so würde Wied« «ine Schächtbewilngung erteilt. Walter erklärte sich von d« Antwort befriedigt. . Bafel. Kürzlich beging in Basel dn-jüdische Phila» throp Jules Dreyfus-Brodski. Präsident der jüdischen Gemeinde Basel, seinen 60. Geburtstag. Ter Jubaltr widmet sich den verschiedensten lokalen und schweizerischen jüdische» und nichtjüdisch«» WohltätiakettSvereinigungen in unermüdlich« Weise. Auch den ostiüdischen Fragen und den Pcckästinaaufgaben wandte « in den letzten Jahren mehr und mehr sein Interesse zu und war Vorsitzender des Komitee» „Pro Causa Judaica". Als Präsident des schweizerische» jüdischen Gemeindebundes hatte « besonder» in der Schächtaktion wiednholt Gelegenheit, die jüdischen Jnteveffen zu vertreten. Ungarn. Budapest. Die Budapest« Israelitische Religion»- gemeinde hat den Beschluß gefaßt, ihre beiden Bürgerschule» für Knaben und Mädchen in Gymnafiien umzuwandel«. Di« Vorarbeiten für diese Umwandlung sind bereit» so weit gediehe», daß mit Beginn diese» Schuljahres an den beiden jüdischen Gymnasien die unterste Klaffe «öffnet werden konnte. Budapest. Die Zahl der nach den Internierungslagern Heimask«, Solno und Szeged abzuschiebenden g<ut» zischen und russisch-polnischen Juden Budapests dürfte etwa 25 000 Seelen bettagen. Lettland. B«lin. Nach Meldungen aus Riga herrscht ausgesprochene Pogromsttmmung. Das Börsenvintel, das von vielen Juden bewohnt ist, wurde wird« einmal militärisch umstellt; die dort befindlichen Juden wurden verhaftet und' ihres Besitzes beraubt. Mord und Raub an Juden find! an dn Tagesordnung. An einem Tage find 38 Mische Beerdigungen, meist von Opfem dn pogromlüsternen Soldateska, festgestellt worden. Sowjet-Rußland. Warschau. Wie „Das jüdische Volk" in Warschau mitteilt, ist der jüdische Gemcindnat in Moskau von der Regierung aufgelöst worden. Die zionistischen Führ« Salnnd und Tscherikower sind verhaftet. Es sollen noch manche andere Zionisten verhaftet sein, darunt« Mitglied« d« Leitung des „Hechaluz". Pari». Nach ein« Depesche des „Temps" aus Odessa .sollen die Bolschewisten fast die gesamte jüdische Bevölkerung d« Stadt Kursk, die sie besetzt halten, ermordet haben. Die jüdischen anttboljchewisttschen Intellektuellen sowie die begüterten Bürgersleute seien vor «in revolutionäres Gericht gestellt und nach einem kurzen V«fahren füsilirtt worden. Ukraine. Paris. Das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris meldet unterm 6. Dezember: Man berichtet un» aus Konstantinopel aus vollständig sich«« Quelle, daß ein furchtbar« Pogrom vom 14. bis 18. Oktober in Kiew stattgefunden hat. Die Maffak« wurden von der offiziösen antisemitischen Preffe provoziert, besonders von den Zeitungen, die von dem berüchtigten Politiker Schulgin ^nm»» gegeben werden. Ausgeführt wurden sie von den Freiwilligen. Die Zahl der Opfer ist noch nicht endgiltig festaestellt. Nach verschiedenen Meldungen von Zeitungen und Augen- En soll «» Tausend« von Toten gegeben haben, auf jeden steht schon jetzt fest, daß einige hundert Juden-umit. Die Zahl der durch Säbelhieb« und Bajonette Umgvbrachten ist erschreckend.. Die Klaffe d« jüdischen JntellÄ-