Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 30 (26.12.1919)
- Date
- 1919-12-26
- Page
- Seite 343 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ml KÜr. Am 7. Dezemb« fand Hierselbst die «Le Tagung Be» „Zionistischen Gruppenvnband«- in den besetzten De» bieten Deutschlands" statt. Trotz den an Sonntagen erheb» ßichen Derkehrsschwieriakeiten war die Tagung von ein« Anzahl auswärtig« Zionisten besucht.» Herr Justizrat Dn Kodenheimer, dn Vorsitzende des Gruppenv«bandes, «öffnete die Verhandlungen. Ls referierten der Sekretär des Vnbandes, Georg Landauer-Köln, Dr. Emil Cohn-Bonn, Dn Goldberg-Neuenahr, Dr. Loeb-M.-Gladbach u. a. Die Lusspracke «gab eine Fülle gut« AnrMngen. Es wurden folgende Anträge angenommen: Antra^Lion-Bonn: 1. Dn Gruppenverband fordert unt« allen Umständen von d« Bnliner Leitung die unbedingt notwendige Unterstützung d« rheinischen Ortsgruppen durch einen prominenten Propagandaredner. 2. Dn Gruppenvnband nimmt unverzüglich die Organisierung der zionistischen Propaganda an den kleinen Plätzen in die Hand. Er dezentralisiert diese Arbeit soweit angängig derart, daß den einzelnen Ortsgruppen und Vereinen örtlich bestimmte Arbeitsgebiete zugewiesen werden. Mit der Propagandaarbeit soll eine umfassende Sammeltätigkeit für die zionistischen Fonds verbunden werden. — In der Nachmittagsfitzung wurde die Diskussion zunächst fortgesetzt. Am Schlusie der Debatte weist Dn Bodenheim« daraus hin, daß die zionistische Leitung durch die Kopenhagen« Beschlüsie sich auf die Galutharbeit festgelegt habe. Er ist der Ansicht, daß zwischen den verschiedenen Richtungen gar kein prinzipiell«, sondern nur ein gradueller Unterschied in dn Betonung entwedn der Galuth- oder der Palastinaarbeit bestehe. Für die Judenpropaganda sei die Palästinarichtung anzuerkennen. Dn Nathan wünscht, daß »ie auswärtigen Ortsgruppen von Köln aus durch persönliche Beeinflussung endlich zu reger« Tätigkeit und zur Mitarbeit mit dem Gruppenvnband« vnanlaßt wnden. — Folgend« Antrag wird angenommen: Dn Sekretär des Gruppenverbandes soll in kürzester Zeit die zum Bezirk gehörigen Ortsgruppen bereisen, um sie zu veranlaßen, die Propaganda in den kleinen Plätzen unverzüglich mit allen Mitteln aufzunehmen und hierzu in engere Verbindung mit dem Gruppenverband treten als es bisher dn Fall war. — Am Schlüsse der anregenden und außerordentlich fruchtbaren Aussprache faßte Dn Bodenheim« die Ergebnisse zusammen And schloß die Tagung mit einem Dank an die Erschienenen. Honuer Nachrichten. Bonn. Am letzten Mittwoch, den 17. Dezemb«, fand tm großen Saale des Bonn« Bürgervereins nach langen Kriegsjahren zum ersten Mule wieder ein schönes Kinderchanukafcst statt, das sich zu einem großen Gemeindefest gestaltete. Die ganze Gemeinde war zur Stelle, außerdem hatte sich auch ein größer Teil aus der Umgebung Bonns «ingefuuden, so daß Hunderte den Saal füllten. Das Programm, das mit einem Prolog eröffnet wurde, bot den zahlreichen Kindern Gelegenheit, ihr hübsches Können zu zeigen. Nach dem Entzünden d« Lichter und dem Gesang von Moaus zur hielt Herr Rabbin« Dr. Cohn eine Ansprache, in der er die Kind« aufrief, inmitten von Spiel und fröhlich« Freude des hohen Ernstes nicht zu vergessen, den die Makkabäergeschichte lehre, und der zu Stolz und Freude berechtige. Ein Hoch auf die jüdische Jugend und die jüdische Zukunft, in das die Kind« begeist«t einstimmten, schloß die Ansprache. Dann folgten wechselnd Deklamationen, musikalische Vorträge, schöne, von Herrn Kantor Baum einstudinte Chöre, ein reizender Schnitterreigen, ein -Rokotanz,«tn Trio von Haydn, «irr Geigenduo,-eine kleine- Theateraufführung, bet d« die Spiel» und Tanzlust dn Kind« recht zur Geltung kam. Als zum Schluß noch-ein richtig« Chanukamann mit brennendem Leuchter kam, kannte der Jubel keine Grenzen. Line Kinderpolonaise ithrte die Jugend sodann in den benachbarten Saal, wo e an langen Tischen bewirtet wurden und reichlich befrieigt — die berühmte Düte fehlte nicht — dg^schöne Fest schließlich perließen. Die «wachsene Jugend blieb dann «<ch lang« zu fröhlichem Tanze beisammen. Allen Spen- Lern, vor allem ab« auch den Damen des Frauenvereins und ihren Helferinnen, die sich um da- Zustandekommen des Festes bemüht hatten, galt det herzliche Dank alle» Festteilnehm«. Bonn. Bet d« letzten Jahresversammlung d« Mitglieder d« öffentlichen Armenpflege, di« am 11. Dezemb« im Bonn« Bürgerverein abgehalten wurde, erhielt da« Mitglied unserer Gemeinde, Herr LeopoldAbrahäm durch Herrn Beigeordneten Dn v. Gartzen di« Ehrenurkunde dn Stadt Bonn für zwanzigjährige aufopferungsvolle Tätigkeit im Dienst« der Bonner Armen- und Waisenpfleae überreicht. Herr Dn v. Gartzen sprach ihm die ehrenvolle Annkennung der Stadt Bonn aus. Bonn. Die jüngste Sammlung zugunsten d« Dogromopfer ergab die Summ« von 12 060 M., die an den „Hilfsverein der deutschen Juden" in Berlin abgeführt wurde. Der Bote erzählt: Tante Guttrauo. #»n S. tz. »sn MBseuthal. ' (Schlug.) „Dieses Urteil war ein Schreckensschlag für die ganze Gemeinde. Wäre er kein Jude gewesen, sagte man allaemein, so wäre die Schande, die man seit zehn Jahren bei uns nicht erlebt hatte, gewiß nicht über ihn verhängt worden. Ab« die Regierung war damals zum Danke für die errungene „deutsche Freiheit" sehr fromm und ftiertr^den 18. Oktober nicht nur durch ein Freudenfeier am Kratzenberg, sondern sie hätte auch gern auf dem Holzstöße dort alle Juden verbrannt. Dein guter Vater lief wieder zu dem Bürgermeister Schomburg, der ein freisinniger Mann war, nahm noch tzwei Deputierte aus der Gemeinde mit, und sie beschworen den Bürgermeister, diese Stunde von der Gemeinde abzuwenden; der Pöbel könnte sie zu einem Krawall ausbeuten und bei allen Juden die Fenster «tnschlagen. Dn Bürgermeister zuckte die Achseln; er wußte zu gut, woher der Wind blies; da sei nichts zu machen; für die Sicherheit der anderen werde schon Sorge getragen werden. Nun brachte man unter den Verwandten hundert Taler zusammen und gab sie dem Leibkammerdiener des KUrstrsten, der bei ihm sehr einflußreich war, damit er ein gutes Wort einleg«; die hundert Taler blieben bei ihm» aber es blieb auch bet dem entsetzlichen Richtsprüche. „Was ich in jener schrecklichen Zeit gelitten habe, kann ich dir nicht schildern. Stundenlang saß ich nachts weinend tm Bett auf, und nur ein Blick auf meinen Mann und meine Kinder gab mir die Ruhe, wieder einzuschlafen. Die Tante Guttrauv staunte ich nur an, wenn es mir gelang, fit auf ihrem Gang in die Kasematten zu sehen und zu sprechen.' Sie war so ruhig und gottergeben, als wäre es ein Blitzstrahl oder ein Todesfall, den der> Allmächtige ohne menschliches ^utun über sie verhängt hätte, und dem man sich schweigend ugen müßte. Die Mädchen verkrochen sich in ihre Kammer und ließen sich vor keinem Menschen sehen. Wir schickten täglich der Äeihe-naH Las Esse» Hinüber, eis kar» aber fast immer unberührt in den Einsatzschüsseln wieder zurück. „Am nächsten Freitag nachmittag sollte das furchtbare Schauspiel vor sich gehen. Damals stand das alte Rathaus noch auf dem Markt, an d« Ecke d« Fischgass», mit seinem hohen Schieferdach und seinen spitzen Türmchen. Unt« der Uhr stand d« schöne Spruch: „Eins Mannes Red kein- Manns Red, du sollst die Part hören beed." Ich weiß nicht, ob du dich noch daran erinnern kannst? Gnade gegenüberwo die seligen Großeltern wohnten. Und gerade an d« Ecke