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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-12-19 · 29 (19.12.1919) · p. Seite 332

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
29 (19.12.1919)
Date
1919-12-19
Page
Seite 332 (sequence 6)
Language
German
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{ig durch Land und Sprach«, also „national", gebunden find. Ind wollten unsere Assimilanten, indem fie leugnen, die Juden seien eine Nation, dies lediglich bekräftigen, wollten sie damit also zum Ausdruck bringen: die Schranken der Land-Sprache-Gemeinichaften überwindet das Judentum, seine Bindungen sind stärker als die der „Nationen" schlechthin, so könnte man sich wohl einverstanden erklären. (Aber statt dessen schieben sie ihrer Negierung-der jüdischen Nation den falschen^ flaueren Gedanken der allgemeinen Nellgionsgesellschaft unter!) Der Begriff der Nation ist der unjüdischen Auffassung menschlicher Gemeinschaften und einem nichtjüdischen Be« . griff ängepaßten Wortschatz entlehnt. Die Juden richtig zu bezeichnen, dürfte nur auf jüdisch, d. h. recht eigentlich: hebräisch möglich sein. Hier ist nicht der Ort, den verschiedenen hebräischen Benennungen auf ihre Herkunft nachzuforschen. Die Feststellung mag genügen, daß es stets Stammesbezeichnungen sind (bne jaakow, bne jisroel, jisroel, jehudim usw.). Es mag also sein, daß im theoretischen Wortstreit der Ausdruck „Volk" oder „Nation" abgelehnt wird, mit der Begründung, er enthalte lange nicht alle Merkmale jüdischer Gcineinschaftsbildung. So brauchten wir ein Behelfswort. Dann aber ist nicht einzusehen, weshalb man sich gegen die Anwendung des Namens „Volk" sträuben sollte, da wir nun wissen, daß er nicht zu viel, sondern eher zu wenig gibt. Ich will auch an dieser Stelle nicht untersuchen, worin das „zu wenig" besteht. Es sind geistige und körperliche, . kulturelle und historische, willensmäßige und tatsächliche Eigenschaften soziologischen Charakters, die dem jüdischen Volk alsGesamtheit seine Stellung in der Geschichte, seine Tätigkeit und seine eigene Richtung in der gemeinsamen Eytwicklungsbewegung der Völkerfamilie angewiesen Habens Als Einheit aufgetreten, als Einheit lebend, wird es nur als Einheit Bestand haben. Kol jisroelarewimsehboseh. Das Grundgefühl persönlicher Verbundenheit, das die Juden so sehr über den Rahmen einer Bckenntnisgemeinschaft (wie etwa den Katholizismus) heraushebt, das den deutschen Juden jeden Schlag empfinden läßt, welcher seinen östlichen Bruder trifft, dokumentiert diese Einheit. Es reißt den einzelnen mit in die Bewegung des ganzen Volkes. So wird es als geschlossene Gemeinschaft seinen historischen Weg fortsetzen, v v Kerg und L«t. Zülpich. Das Komitee überreichte dem Vorstand der hiesigen Synagogengemeinde den Überschuß aus den Einnahmen des Chanuka-Balles zu wohltätigen Zwecken, was dankend anerkannt und zur Nachahmung empfohlen wird. Dierdorf (Bez. Koblenz). Hier hat sich ein-Jugendverein gebildet. Es traten demselben sogleich 35 Mitglieder bei. Zuwachs ist zu erwarten. Siegburg. Wohl seit langer Zeit sah der hiesige Jüd. Jugendbund Gabriel Riesser seine Mitglieder nicht mehr' zahlreich wie vorvcrgangenen Mittwoch, da zum ersten Male ejn junges Mitglied aus seinen Reihen, Herr Stud. Salli Heymann, die Rednerbühne betrat. Nach -seiner bisherigen eifrigen Beteiligung an Diskussionen aller Art durfte man einem spannenden Vortrag entgegensehen, und darin täuschte man sich nicht. Das Thema, das sich der jui,endliche Redner gewählt hätte: „Der Antisemitismus und eine Bekämpfung", hat er wohl ziemlich erschöpfend und ehr klar behandelt. Von der Ägypterzeit ausgehend, das ganze Altertum durchstreifend, über die Völkerwanderung hin zum Mittelalter zeigte er, wie selbst bis in die Neuzeit hinein dieser Feind uns auf Schritt und Tritt verfolgt hat, und wie er in unseren Tagen wieder vielleicht schlimmer denn je sich zu erheben droht. In trefflicher Weise wußte der Redner die tieferen Gründe für dieses Übel auseinanderzulegen. Zwilchen allen Menschen und Völkern verschiedener Art herrscht eine gewisse Spannung, die leicht zu offenem Haß führen kann. Die Spannung macht sich besonders da fühlbar, wo diese Menschen und Völker näher in Derührung treten, also an den Grenzen. Wohl nirgends ist natürlich diese- Randspannungsverhältnis so ausgeprägt wie bei den Juden, die in der ganzen Welt zerstreut mit allen Völkerschaften in direkter Berührung stehen. „Nicht den jüdischen Deutschen, den deutschen Juden gilt der Haß, nur uns, den Vertretern jüdischer Eigenart." In kurzen Worten schilderte dann der Redner, wie der Antisemitismus ftüher zutage Kat und heute wieder aufkitt, und zeigte dann, wie schwer er ist, diesen Geheimkeibereien und dem hinterlistigen und feigen Vorgehen der Antisemiten gegenüberzutreten. Indem er darauf die schrecklichen Folgen schilderte, die dieses Unglück mit sich bringt, wie die Sorglosigkert und Unbefangenheit schon dem jüdischen Kinde schwindet, wie all unser Tun danach eingestellt sein muß, wie viele schon ihr Leben gelassen, zeigte er, wie bitter notwendig es ist, alles zu tun, dieses Übel auszmotten. Denn vollständig es auszurotten» hieße eine Sisyphusarbeit leisten. Die vollständige Beseitigung ist eng verbunden mit der Erfüllung des zionistischen Zieles. ^Jedoch lernen wir vom Feinde; wie er, so wollen auch wir uns zusammencharen, eine Front bilden gegenüber dem feigen Verfolger >es Judentums. — Reicher Beifall war der Lohn für die chönen Ausführungen, die an und für sich ernst genug, der Redner durch seine oft mit Humor gewürzte Darstellungsweise recht interessant gestaltete. Indem sich noch eine lange Diskussion der Rede anschloß, kennte man sich schließlich mit dem Wunsche, baß noch viele andere dem schonen Beispiele des jugendlichen Redners folgen mögen. Krefeld. Die hiesige Ortsgruppe des Zentralvereins hatte für für den 6. d. M. zu einer Versammlung eingeladen. Zahlreich waren die Mitglkeder und deren Angehörige erschienen. Der Syndikus des Zenkalvereins Vr. Alexander sprach über die politische Lage des Augenblicks, über unsere Stellung zu den Parteien und deren Stellungnahme zu uns, und endlich über Abwehrmaßnahmen. Eine besonders dringliche, Mahnung richtete der Redner an die Jugend, sich an der Abwehr zu beteiligen. An den Vorkag vr. Alexanders schloß sich eine kurze aber rege Aussprache. Als besonders beherzigenswert kann der Wunsch gelten, der aus der Versammlung geäußert wurde:,es möchten hier häufiger solche Veranstaltungen stattfinden. In dem vergangenen Abend darf eine Förderung aller Augenblicksziele des Zentralvereins erblickt werden. - Krefeld. Der hiesige Jugendverein entfaltet in diesem Winter eine rege Tätigkeit. Damit es nicht an Abwechslung fehle, hatte die Leitung Herrn Opernsänger Walter Woog vom hiesigen Stadttheater für einen gesanglich-deklamatorischen Vortragsabend „Jüdische Kunst in Wort und' Lied" verpflichtet, der am 1. ds. Mts. vor zahlreichem Publikum stattfand. Herr Woog hatte ein sehr schönes, interessantes und abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, wobei es ihm hauptsächlich wohl darauf ankam, den Zuhörern ein möglichst charachteristisches Bild von jüdischer Kunst zu geben. Er brachte außer einer Arie aus Mendelssohns „Elias" und Halevys „Uidin" meist Lieder im Jargon, deren fesselnder Rhythmus und vielfach etwas schwermütige Weisen tiefen Eindruck machten. Es fehlte auch nicht an humorvollen Liedern, doch begegnete man auch jenem Humor, der unter Tränen lächelt. Herr Woog verfügt über einen schönen biegsamen Bariton und verhalf den Liedern ebenso wie seinen Rezitationen (Heine, Rosenfeld, v. Münchhausen, Zuckermann u. a.), nicht zum wenigsten durch seinen schönen Vorkag, zu vollem Erfolg. Vor allen Dingen berührte die Begeisterung, mit der sich Herr Woog für sein Programm einsetzte, sehr sympathisch. — Nicht zu vergessen ei, daß Fräulein Anny Rosenthal-Krefeld durch ihre fe ne, ehr musikalische Begleitung der Gesänge wesentlich zum Ge« ingen des Abends beikug. — Zum 10jährigen Stiftungseste des Jüdischen Jugendvereins Krefeld am 3. Januar ft Herr Woog wiederum verpflichtet worden.

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