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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-12-19 · 29 (19.12.1919) · p. Seite 330

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
29 (19.12.1919)
Date
1919-12-19
Page
Seite 330 (sequence 4)
Language
German
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SSO Osteuropa finanzieren soll. Die jüdischen Grobbankiers und Philanthropen sind für den Plan gewonnen, und eS besteht Aussicht, ein Kapital von 50 Millionen Dollars für die Bank zusammenzubekommen. Damit wäre der erste Schritt für den Wiederaufbau der durch den Krieg niedergeworfenen lüdischen Position im Galuth getan. Palästina. Jerusalem. Ein Telegramm aus Palästina berichtet dem K. Z. B., daß in Jerusalem der Bau eines neuen jüdischen Quartiers beschlosien ist. > In einem in der Neuen Züricher Zeitung veröffentlichten Brief aus Jerusalem erfahren wir darüber folgende Einzelheiten: Die Überführung des bisher vorhandenen jüdischen, Verwaltunasapparates von Jaffa nach Jerusalem bedingt die Übersiedlung einer größeren Anzahl von Beamtenfamilien, und da die Wohnungsnot auch in Jerusalem sehr groß ist, hat der provisorische Nationalrat beschlosien, Maßnahmen zu treffen, um den Bap von 500 modernen Häusern mit vollständig europäischer Inneneinrichtung in allernächster Zeit zu ermöglichen. Das neue Viertel soll zwischen dem Scopus und dem Llberg in der Umgebung der zu erbauenden Universität erstehen und den Mittelpunkt des neuen Jerusalem bilden. , Auf Anregung der Jerusalemer Handelskammer wurde ferner die Einrichtung eines öffentlichen Telephondienstes beschlosien, der den bedeutenden Handles- und Bankhäusern sowie den philanthropischen und religiösen Gesellschaften zugängig gemacht werden soll. Später soll das Kabclnetz ausgebaut und auch Privatleuten zur Verfügung gestellt werden. Auch der Ausbau eines elektrischen Tramnetzes in und um' Jersalem und die Durchführung der schon in beschränktem Maße bestehenden elektrischen Beleuchtung für die ganze Stadt zur Straßen- und Häus^rbeleuchtung ist geplant. Jaffa. Hier wurde vor kurzem eine Gesellschaft für Palästinakunde gegründet, die zum Zwecke hat, das Land zu erforschen und die Landeskunde Erez-Jsraels unter den Juden zu fördern. Die Gesellschaft zählt bereits mehr als 100 Mitglieder und wirbt um aktive und sympathisierende Mitglieder in Palästina und außerhalb. Zu den Aufgaben der Gesellschaft gehören: Herausgabe von wissenschaftlichen Werken auf dem Gebiete der Palästinaforschung, Errichtung von Bibliotheken der Palästinakunde in Ortschaften,' die mindestens 100 Mitglieder austveisen, Organisierung von Ausflügen und Expeditionen zu Zwecken der Forschung oder' Berechtigung, Veranstaltung von fachwisienschaftlichen und populären Vorträgen, Vorbereitung eines naturwissenschaftlichen und histori'sch-geographischen Palästinamuseums, Errichtungwon Instituten für spezielle Forschungsgebiete, Mitgliedsbeitrag ist ein ägyptisches Pfund jährlich. An der Spitze der Gesellschaft stehen vr. A. B. Rosenstein, Dr. M. SagorodSki und Dr.*5L Zifroni. Rifchon le Zion. Der Waad von Rischon le Zion hat beschlosien, die zwischen dieser Kolonie und dem Mittelländischen Meer gelegenen Sanddünen, die Djemal Pascha seinerzeit Rischon le Zion abgetreten hatte, aufzuforsten und dort «ine Gartenstadt zu errichten. Jerusalem. Hier ist ein jüdischer Friedensgerichtshof geschaffen worden. Die Richter sind bereits ernannt. Derartige Gerichtshöfe find auch in anderen palästinensischen Zentren, vor allem in den jüdischen Siedlungen vorhanden. Wiewohl sie nur für Juden bestimmt sind, wenden sich häufig auch Araber mit ihren Prozessen an sie. Jerusalem. Ju Palästina sind Vorbereitungen im Gange, eine neue jüdifche Legion zu' gründen, welche die jüdischen Regimenter ersetzen soll, die demobilisiert werden. Jabötinsky und Kapitän Trumpeldor sind die Leiter dieser Akuon. Eine Arbeiterlegion wird gleichzeitig von den Echaluzim gebildet, die aus Rußland eivgewandert sind. Jaffa. Die britische Militärverwaltung hat der jüdi- Ito Kolonie Givath Saul dev Betrag von 14Y0 Lstrl. äl8 ÄFidg-entschädigling ausgezahlt, (K. Z. B.) Ritual mordhetze in Polen. Vor einigen Tagen hielt in Warschau ein Herr Pr», sesior vr. Czerbak eine „wissenschaftliche" Vorlesung übet „Ritualmorde bei Juden". Er sprach zuerst über Ritu'älmorde „im allgemeinen", über den Einfluß des BluteS auf das menschliche Gemüt, Gefühl usw. Nachdem er auf solche.' Weise das Publikum „wissenschaftlich" vorbereitet hatte, ging er zu seinem eigentlichen Thema über, zur Besprechung der Ritualmörd« speziell bei den Juden. Er erklärte zunächst kategorisch, daß die jüdische Religion verbiete, menschliches Blut zu gebrauchen. Aber es existieren bei Juden Sekten religiöser Fanatiker, welche Blut zu verschiedenen Zwecken gebrauchen. Und diese Behauptung luchte "nun dex, gelehrte polnische Profesior mit „Tatsachen" und „Dokumenten" zu beweisen. Es folgte eine Demonstration lebender Bilder, die darstellen sollen, wie ftomme Juden christliche Kinder peinigen und ihnen das Blut abzapfen. Unter, dem Publikum befand sich auch ein illustrer Gast, Mr. Stuart Samuel und das zweite Mitglied der englischen Untersuchungskommission. Kapitän Wright. Sir Samuel kannst, nicht begreifen, daß man die Abhaltung eines solchen Vortrages erlaubt hatte, der doch den einzigen Zweck hatte,' einen Teil der Bevölkerung gegen den anderen aufzuhetzen. Aber noch mehr erstaunt war Sir Samuel, daß sich mü« dem Publikum kein einziger Christ fand, welcher gegen dies«' Lügen protestiert hätte. Sir Samuel richtete sofort nach' dem Vortrag einen Brief an dev polnischen Vizeminister hes Äußern, Grafen Skrzynski, in welchem er seinem Erstaunen Ausdruck gab, daß die Behörde die Abhaltung eines solchen Vortrages erlaubt hatte. Ob dieses Briefes entstand' in der polnischen Presie, auch in den liberalen Blätterig ein Wutgeheul. „Eine solche Frechheit", schrieben die polnischen Zeitungen. „Der Mann (Sir Samuel) erfrecht sich sogar, polnische Vorträge zu zensurieren." Der milbeste Ausdruck war „Unerhörte Taktlosigkeit". Der Vizeminister Skrzynski aber erklärte in seinem Antwortschreiben, vollständig die Meinung Sir Samuels zu teilen, sprach sein Bedauern darüber aus. daß derartiges Vorkommen konnte, und versicherte Sir Samuxl, es werde sich im polnische« Staate nicht wiederholen. Das Zrrch -rr Makkabäer:_ von 0r. Ernst A p p 11 Dingen a. R. Die Ereignisse jener Zeit, an die unS daS Chanukafest erinnert und in der die Juden sich gegen die syrische Herrschaft auflchnten, sind in den zwei Büchern der Makkabäer berichtet, welche den sogenannten Apokryphen angehören. Außer den in dex Bibel enthaltenen Schriften gab es Werke, entstanden nach der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr., die von der Aufnahmen» den biblischen Kanon ausgeschtosien und dem Volke nicht zur Lektüre dargeboten wur, den. Man verbarg sie vor der Öffentlichkeit und nannte sie apokryphische Bücher (von dem griechischen Worte äiröxpvipoq apokryphoe — verborgen hergeleitet). Das erste Buch der Makkabäer verdient vor, dem zweiten «inen wesentlichen Vorzug. Letzteres ist nur ein Auszug, aus dem verloren gegangenen Werke eines sonst unbekannten Jason aus Ky, rene, angefüllt mit unwahrscheinlichen und märchenhafteü Erzählungen. Es gibt noch ein, drittes und viertes Buch der Makkabaer, di« jedoch auch, nicht als geschichtlich« Berschte.angesehen werden können. Dqs dritte Buch gibt übrigens nur Mitteilungen aus der voxmakkabäischen Zeit. Das erst« Makkabäerbuch ist «jne vortreffliche und vertrauenswerte Geschichtsqueste, die uns objektive. Tatsachen § berichten lyesß und, unS ejyen guten Einblick in die gejchtliche Entwicklung jener ruhmwsirdigen Tage gewähAir «schalten einen lebendigen Eindruck »von, der Zeit 175 bis 135, von der Verfolgung des Antiochus Epiphanes.ai biS zum Regierungsantritt des Johann Hyrkan. DasDuch beginnt nach einer Übersicht über die Taten Alexanders und die Teilung'seines Reiches unter seine Feldherren mit der Regierung d«S syrischen Königs AntiochuS, 'berichtete dtt Bedrückung und: de«' GewtsienSzwang diesesgrausame»

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