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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-12-19 · 29 (19.12.1919) · p. Seite 329

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
29 (19.12.1919)
Date
1919-12-19
Page
Seite 329 (sequence 3)
Language
German
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32» nnnamsche Aufschriften anzubringen. Durch alle diese Machenschaften hofft die rumänische Regierung, daß die neuerworbenen Städte auf den Fremden bald den Eindruck rumänischer Kulturzentren machen werden. Paris. Wie der Pariser Gewährsmann der I. P. Z. berichtet, wurden die Statuten des jüd. Turnvereins Bar- Kochba m Bistritz von der Siebenbürgischen Provinzialregierung zurückgewiescn, weil Bar-Kochba der Name eines Rebellenführers ist» der gegen die Römer, also gegen die Vorfahren der Rumänen, einen Aufstand angezettelt hatte l Budapest. In Ungarn ist seit, den jüngsten Wochen die Heimbeförderung jüdischer Flüchtlinge nach Galizien im Zug«. Die Pester israelitische Religionsgemeinde, die Autonome Orthodoxe Gemeinde, sowie zahlreiche rein jüdische Vereine und Institutionen bieten den heimbefördern» den jüdischen Flüchtlingen während ihrer Fahrt zur unga< rischen Grenze rituelle Verköstigung. In den letzten Tagen wmden in Budapest 600 Galizier am Bahnhof bewirtet und für die Weiterfahrt mit Brot und rituellem Salami versorgt. Litauen. Kowno. Das Ministerium für jüdische Angelcgen-!eiten in Litauen hat im Einvernehmen mit einer Reihe ihrender jüdischer Persönlichkeiten aus Kowno und der Imgegend beschlossen, ein« jüdische Volksbank ins Leben zu rufen. Die Bank soll in erster Linie das durch den Krieg heruntergekommene jüdische Handwerk fördern. Es wird beabsichtigt, ein Gründungskapital von 3 Millionen Mark aufzubringen. Zeichnungen für die Bank haben in Kowno bereits begonnen. Der weitaus größere Teil des Kapitals wird von den Juden des Auslandes erwartet. Der Plan findet großen Anklang in den führenden jüdischen Kreisen Kopenhagens und Stockholms. Dänemark. " Kopenhagen. Das Skandinavisch-jüdische Zentralhilfskomitee für die vom Kriege heimgesuchten Juden, das seinen Sitz. in Kopenhagen hat und die verschiedenen jüdischen Hilfskomitees in Dänemark, Schweden und Norwegen vertritt, hat die Einberufung einer skandinavischen Hilfskonferenz beschlosten. Die Konferenz, welche demnächst stattfindet, wird namentlich zu der altweltlichen jüdischen Htlfskonferenz, welche vom Komitee der jüdischen Delegationen einberufen wird, Stellung nehmen. Auf seinen letzten Sitzungen behandelte das Zentralkomitee die aktuellen Fragen der jüdischen Hilfsarbfit und beschloß die Einleitung einer großzügigen Propaganda für die konstruktive Hilfsarbeit, d. h. für den systematischen Wiederaufbau des vom Kriege zerstörten jüdischen Wirtschaftslebens in Polen, Galizien, Litauen, der Ukraine, Rumänien. Für bcn gleichen Zweck hat das Zentralkomitee auf Ersuchen des jüdischen Ministeriums in Kowno diesem 50 000 M. überwiesen. Die Summe ist dazu bestimmt, dem Ministerium die dringend erforderlichen Mittel für die rationelle Organisation der konstruktiven Hilfsarbeit zu gewähren. Das Zentralkomitee hat auch den Gedanken, eine jüdische Volksbank in Wilna für den Teil Litauens, der von den Polen besetzt ist, zu errichten, angeregt. 'Der Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees für die Periode vom 1. Juni 1916 bis 31. Dezember 1919 liegst nunmehr vor. Aus dem Bericht ist zu ersehen, daß das Zentralkomitee seit seiner Gründung eine sehr energische Tätigkeit entwickelt hat. Die Einnahmen und Ausgaben für die besagte Periode balancieren mit rund 600 600 Kr) Die alte jüdische Gemeinde in Kopenhagen, mit Herrn Professor Simonsen an der Spitze, bekundet gleichfalls ein sehr aktives Jnteresie für die konstruktive Hilfsarbeit. Sowjet-Rußland. . Moskau. Ende September fand hier derlstrozeß gegen ben Staatsanwalt Wiper statt, der bekanntlich im Beilisprozeß die Anklage vertrat. Der Prozeß, der drei Tage bauerte, erregte das lebhafteste Interesse der allgemeinen und insbesondere der jüdischen Öffentlichkeit. Als Staatsanwalt fungierte Krilenko, der erste Generalissimus der bolschewistischen Rrvolution. Er fordert« für Wiper, der sich selbst verteidigte, die Todesstrafe. DaS Tribunal vermteilte Wiper, der 50 Jahre alt ist, zu zwanzig- Jahren Internierung im Konzentrationslager. England. London. Die Leitung der zionistischen Organisation bat durch ihr Erziehungsdepartement eine Konferenz jüdischer Gelehrter einberufen, welche vom 14. bis 16. Januar in Basel stattfinden wird, um über den Aufbau der hebräischen Universität zu beraten. Diese Gelehrtenversammlung soll auf Grund der Referate, die ihr vorgelegt werden, das Programm der Ujniverfität beraten und alle diejenigen Schritte beschließen, welche notwendig find» um die Universität in den nächsten Jahren errichten zu können. Zu diesem Zweck wird die Konferenz in Vollsitzungen und Komiteeberatungen über die folgenden Punkte zu beschließen haben: 1. Einrichtung des Unterrichts in den jüdischen und >en Philosophisch-philologischeil^Fächern. 2. Naturwistenchaftliche und medizinische Fakultät._3. Juristische und öziologisch-nationalökonomische Fächer. 4. Die organisawrischen und technischen Fragen den Lehrkörper, die finanzielle Fundierung und sachliche Vorbereitung der Universität betreffend. Eine Anzahl hervorragender Gelehrter, unter ihnen der berühmte Physiker, Profesior Einstein-Berlin, haben bereits ihre Teilnahme an dieser Beratung zugesagt, die für das monumentale Unternehmen einer Univeftität des jüdischen Volkes von entscheidender Bedeutung sein wird. London. Jakob Moser, der ftühere Lord-Mayor vön Bradford, eine in zionistischen Kreisen bekannte und verehrte Persönlichkeit, begeht am 28. November seinen 80. Geburtstag. Jakob Moser hat sich besonders als Förderer des hebräischen Gymnasiums in Jaffa rühmlich ^ervor^tan. Amerika - New Aork. Eine Kabeldepescke des Londoner jüdischen Korrespondenzbüros meldet von hier: Am 24. November fand hier eine jüdische Riesendemonstration gegen die Pogrome in der Ukraine statt, wie sie New Jork niemals vorher in dieser Größe gesehen hat. Einige Hunderttausende von Juden marschierten zum Protest durch die City. Mehr als 10 000 jüdische Soldaten bildeten die Spitze des Zuges, der alle Straßen des jüdischen Viertels mit seinen Masten bedeckte. Jüdische und amerikanische Fahnen mit Protest- und Trauerinschriften wurden dem Zuge vorangetragen. Alle jüdischen Geschäfte, Handwerkerstätten und Fabriken waren geschlossen. In den Synagogen wurden feierliche Trauergottesdienste abgehalten. Beinahe die gesamte jüdische Bevölkerung trug an diesem Tage Schwarz und Trauerbänder. Die jüdischen Geschäfte und Häuser waren mit Trauerfahnen versehen. Die.jüdischen Blätter erschienen mit Trauerrändern. Neben den Versammlungen, die in verschiedenen Teilen der Stadt abgehalten wurden, fand eine Riesenversammlung in der Carnegiehalle unter Vorsitz von Oberst Cuttler statt. Als Redner traten Minister Daniels, Kardinal Lawel, Gouverneur Walker, Hylan, der Mayor von New Jork, Rabbiner Wiese, der Vizepräsident der zionistischen Organisation Marshall, Richter Mack und der bekannte jüdisch« Philantrovist Jacob Schiff auf. Die Versammlung nahm «ine Resolution an, in d«r sie die Großmächte zur Intervention aufforderte, da nur diese Maßregel den Pogromen ein Ende werde bereiten können. Die Versammlung faßte auch den Beschluß, eine Deputation zum Präsidenten Wilson zu entsenden. Die Versammlung machte großen Eindruck auf die jüdische und nichtjüdische Öffentlichkeit von Amerika. Ähnliche Demonstrationen wie in New Park fanden auch in den anderen größeren Stäten der Vereinigten Staaten statt. New Aork. Aus Amerika wird gemeldet, daß man dort an die Gründung einer Jüdischen Bank schreitet, die den Wiederaufbau der zerstörten jüdischen Wirtschaft in

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