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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-12-12 · 28 (12.12.1919) · p. Seite 317

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
28 (12.12.1919)
Date
1919-12-12
Page
Seite 317 (sequence 3)
Language
German
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frittgt. wenn sie vorher ukrainische Schulen besuchten. Die Lembergtr Universität nimmt keine jüdischen Lehrer auf.. Tschecho-Slowakie». Prag. Nach deutsch-österreichischem Muster hat nunmehr auch das Ministerium des Innern in Prag die schleunige Rücksendung der Kriegsflüchtlinge auS Bukowina. Galtzien und Polen nach ihren Heimatorten verfügt. Ausnahmen werden zrmelasien nur für Geschäftsleute auf die Dauer von 1—2 Monaten und in besonderen Fällen auf besondere Befürwortung deS polnischen Konsulats ohne zeitliche Beschränkung. Prag. Äst» 15. November hielt Minister Schrobar wiederum eine Rede über die Judenftage, worin 'er sich in verhältnismäßig wohlwollenderer Weise äußerte als ftüher, dabei aber wiederum Mahnungen an die Juden richtete, von ihrer Isoliertheit abzulasien und ihre Treue und Lieb« -um Vaterlande durch Taten zu beweisen. Auf jüdische Fähigkeiten, jüdischen Unternehmungsgeist und jüdisches Kapital könne kein Staat auf die Dauer verzichten. Aus diesen Auseinandersetzungen ist natürlich nicht zu ersehm, ob der Minister eine Entwicklung im Sinne der jüdischnationalen Bestrebungen wünscht, oder ob er umgekehrt darauf ausgeht, die Assimilanten zu begünstigen. Litauen.__ Kowno. Wie das Bureau deS Ministeriums — Abteilung für jüdische Angelegenheiten — bekannt gibt, soll demnächst eine Konferenz der jüdischen Kehillaus in Litauen einberufen werden. Beteiligen können sich an der Konferenz nur solche Gemeinden, deren Verwaltungen auf Grund deS neuen Statuts gewählt find. Schweiz. Zürich. Der Bundesrat hat seinen Beschluß vom 23. März 1918 betr^ Ausnahmen vom Schächtverbot und die gestützt auf diesen Beschluß erlassene Verfügung des Justtz- und Polizeidepartements vom 17. Juni 1918 mit Wirkung auf 1. Januar 1920 aufgehoben. Von diesem Zeitpunkt an ist das Schlachten der Tiere ohne Betäubung vor dem Blutentzuge wieder ausnahmslos im ganzen Lande untersagt. Zürich. Kurz vor seiner Abreise erhielt Herr Wolf S. Jacobson vom Rabbinat der Israelitischen Reljgionsgesellschaft Zürich für seine aufopfernde Tätigekit in der Religionsgesellschaft, wo er das Herz aller Kinder, die er unterrichtete, gewann, ivie auch für seine uneigennützige, hingebungsvolle Arbeit in der Agudas Jisroel den Chover- Titel. („Israelit".) England. London. Chacham Dr. Gastcr protestierte anläßlich der Session der „Königlichen Asiatischen Gesellschaft" in London gegen die Fortschaffung irgendwelcher Altertümer aus Pa- , lästina. Er führte aus, daß alles, was sich auf dem Boden des Heiligen Landes befindet, heilig sei und mit Achtung! behandelt werden muß. Er findet es auffallend, daß während von Kleinasien so gut wie keine Altertümer fortgeschafft werden, die Ausgrabungen in Palästina dauetnd nach Europa oder Amerika wandern. Er fordert, daß diese für die Geschichte des Landes und des jüdischen Volkes wichtigen Fundgegenstände in palästinensischen Museen aufbewahrt weiden müsien. London. Die „Morning Post", die seit Monaten «ine heftige Kampagne gegen die jüdische Presie Englands führt, gegen die sie den Vorwurf erhebt, daß sie mit den Bolschetvisten sympathisiere und dagegen sei, daß England Koltschak und Denikin unterstütze, bekennt jetzt ihren Jrttum. Sie erklärt, nach genauem Studium des „Jewifh Chronicle" und des „Jewish World" sich vom Gegenteil überzeugt zu haben. Die jüdische Presie Englands beteilige sich nicht an der Bekämpfung der Rußlandpolitik Englands. London. Profesior Albert Einstein, der bekannte jüdische Naturforscher, der auf Grund seiner Relativitätstheorie eine Reihe wichtiger theoretischer Voraussagen auf astronomischem Gebiete veröffentlicht und nunmehr den Triumph' einer vollen Bestätigung seiner wissenschaftlichen Annahmen durch die Praxis erlebt hat. hat an einer Sitzung der englischen Akademie der Wisienschaften teilgenommen. Die Blätter veröffentlichen aus diesem Anlaß zum Teil enthusiastische Attikel über Einstein, dessen Theorien die gesamte Naturwissenschaft auf andere Grundlage zu stellen geeignet seien. Einstein, der schon in jungen Jahren Lehrstühle für mathematische Physik in Zürich und Prag innehatte und auch Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften war, foll sich erboten haben, einen Lehrauftrag an der geplanten Jerusalemer Universität zu übernehmen. London. Am 23. Dezember wird in London eine Konferenz der Misrachi, der orthodoxen Fraktion in der zionistischen Bewegung, stattfinden. 'Delegationen der Mtsrachigruppen der verschiedenen europäischen Länder und von Ägypten, Palästtna, den Vereinigten Staaten find gemeldet. Unter den zu diskutterenden Fragen find die Erziehungsfrage in Palästtna, daSpolitische Programm der Misrachi und die Fmge einer Misrachi-Univerfität hervorzuheben. Amerika. Rew-Uork. Einem statistischen Bericht über die Teilnahme der amerikanischen Juden in dem Heere der Vereinigten Staaten von Nordamerika während des Weltkrieges entnimmt die I. P. Z. folgende Zahlen: Zu Land und zu Wafler kämpften im Heere der Vereinigten Staaten von Nordamerika über 200 000 Juden. AuS dem Staate New- Uork allein befanden sich im Heere 50 000 Juden. Die Zahl der jüdischen Offiziere erreicht« 8000, darunter ein Generalder Brigadekommandant war, ein Admiral bei der Kriegsflotte, 69 Obersten und Oberstteutnants, 370 Majore. 1263 Kapitäne und 5524 Leutnants. Nach den offiziellen Listen wurden mehr als 600 jüdische Soldaten während des Krieges ausgezeichnet. Drei haben die Kongreß-Ehrenmedaille erhalten. In der amerikanischen Armee wurden von dieser Medaille im ganzen 78 verteilt. Ungefähr 3500 Juden sind in: Felde gefallen und etwa 12 000 wurden verwundet. Palästina. Jerusalem. Es war von jeher ein Ruhm der palättnenstschen Judenheit, daß die türkische Kttminalstattstik, öweit Palästina in Bettacht kam, niemals eine Beteiligung >er"Juden an den zur Aburteilung gekommenen Vergehen und Verbrechen aufwies. Erfreulicherweise ist der gute Ruf der Juden als gesetzcstteue Bürger auch unter dem neuen Regime aufrechterhalten geblieben. Die Kriminalstattstik für die vier Monate März bis Juni dieses Jahres, die soeben von der offiziellen Zeitung der Administtation des besetzten Gebietes veröffentlicht wird, berichtet über Urteil« gegen 43' Personen, unter denen sich kein einziger Jude befindet. v Jerusalem. Die jetzt in Palästtna weilenden zionistischen Führer Weizmann uild Usiischkin find bestrebt, die bisher in Jaffa sich befindenden zionisttscben Verwaltungsbehörden, wie z. B. den „Waad Hazirim' und den „Waad Hazmani", nach Jerusalem zu verlegen. Sie wollen auf diese Weise Jerusalem sowohl zum geistigen als auch politischen Zentrum des jüdischen Palästina machen. Das Schul- und Erziehungswesen in Palästtna. Dem Kopenhagener Zionisttschen Bureau wird aus Palästtna berichtet: _ Auf dem Gebiete des jüdischen Schulwesens henscht jetzt im Lande reges Leben. Die Abschlußprüfungen sind in allen Schulen und Lehranstalten bereits erfolgt und die Neuaufnahmen überall durchgeführt. Laut einer Bekanntgabe des Waad Hachinuch fanden die Aufnahmeprüfungen für alle Volksschulen und Kindergärten am 28. Tischtt, für die Mittelschulen am 2. Cheschwan statt. ' Eines der Hauptziele des Waad Hachinuch ist die strikte Durchführung des Hebräischen als Unterrichtssprache im gesamten jüdischen Schulwesen deS Landes. Noch bis. aus den heutigen Tag muß für die Durchführung dieses Programms gekämpft wnden. Es gibt noch immer große jü-

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