Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 27 (28.11.1919)
- Date
- 1919-11-28
- Page
- Seite 308 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Jahre und Jahrzehnte eine echebliche Vermehrung der Bevölkerung möglich sei, warnte aber vor überstürzter Maffeneinwandeung. Sodann gab er eine Übersicht über di« natürlichen Verhältnisie des Landes, seine geographische Beschaffenheit und Bevölkerung, genauer ging er auf Klima und Geologie ein, welche die Ertragsfähigkeit bedingen, und untersuchte insbesondere die Bodenbeschaffenhcit -er einzelnen Länderteile hinsichtlich ihrer landwirtschaftlichen Nutzung. Im Anschluß daran wurden ausführlich die technischen Maßnahmen für den Aufbau besprochen, Redner erläuterte in eingehender Weise die einzelnen Stadien: Die Arbeiten, die im Landeskulturinteresie erforderlich sind, den Bau von Talsperren für Trinkwasserversorgung, zur Gewinnung vdn elektrischer Energie, die Entsumpfung, die Bewäsierung. Weiterhin, die Maßnahmen zur Besserung der Verkehrsverhältnisse: Hafenbau, Straßen- und Eisenbahnbau. Auch die Kostenfrage wurde gestreift. Im weiteren Verlauf erläuterte der Vortragende die technischen Vorbereitungen zur landwirtschaftlichen Kolonisierung, besprach bie Kulturfähigmachung des Bodens und berührt^ dabei die Beschaffung des Ansiedlerelements. Genauer schilderte er die in Palästina möglichen Wirtschaftsformen, ging dabei auch kurz auf die finanzielle Seite der Angelegenheit ein. Die städtische' Kolonisation wurde ebenfalls behandelt. Den Schluß bildeten vortreffliche Lichtbilder von Land und Leuten, Stadt und Natur, Vergangenheit und Gegenwart Palästinas. Mit gleichbleibender, gespannter Aufmerksamkeit hatte das zahlreiche Publikum den klaren, sachlichen, fachmännischen Ausführungen des Redners gelauscht. Ohne Beschönigung oder Verschweigung der gewaltigen Schwierigkeiten und' der zum Aufbau notwendigen Kräfte an Willen, Intelligenz und Geld durchzog den ganzen Vortrag der überzeugende Gedanke: Das Ziel ist erreichbar; die Arbeit daran Angelegenheit des ganzen Judentums. — Reicher und aufrichtiger Beifall lohnte den Redner. Köln. Am 16. November beging der Wohltätigkeitsverein Chewroh Gemilus Chasiodim sein 100jähriges Stiftungsfest, und zwar durch Fcstgottesdienst morgens in der Synagoge Glockengasse und nachmittags durch eine Festfeier in der Rheinlandloge. Mülheim-Ruhr. Zu der am Totensonntag den 23. November auf dem hiesigen Ehrenfriedhof stattgefundenen Gedenkfeier zu Ehren der im Kriege gefallenen Helden wurde unsere Synagogen-Gemeinde von der hiesigen Ortsgruppe des Rejchsbundes der Kriegsbeschädigten und ehemaliger Kriegsteilnehmer gebeten, ebenfalls ihren geistlichen Vertreter zu entsenden, um einige trostreiche Worte zu sprechen. Wir entsandten unsern Kantor G. Plachschinski, der Gelegenheit hatte, neben Herrn Pastor Burbach vor einer vielhundertköpfigen Menschenmenge auf die Bedeutung des Tages hinzulveisen. Düsseldorf. Dem guten Beispiel vieler deutscher Städte wie Berlin, Hamburg, München, Leipzig usw. folgend, hat kürzlich auch hier sich ein Jüdischer Turn- und Sport-Verein^' gegründet. Der Verein, der bis heute schon ca. 60 Mitglieder zählt und dem altbewährte Turner und Leichtathleten angehören, hat es sich zur Aufgabe gemacht, weiteste Kreise der jüdischen Bevölkerung für sein Ziel zu gewinnen. Dieses Ziel besteht in der Ertüchtigung des Körpers durch sachgemäßes Turnen und.Sparten. Der Verein' vertritt keine Sonderrichtungen und Bestrebungen, sondern bewegt sich gänzlich auf sportlichem Boden. 1. Vorsitzender ist Herr Rechtsanwalt Löwe.' Mitteilungen And Anmeldungen nimmt der erste Schriftführer Herr Hermann Grünstein, Düsseldorf, Kirchfeldstraße 4, 1. Stock, entgegen. Elberfeld. Der jüdische Wohlfahrtsverband Elberfeld- Barmen, welcher die meisten jüdischen Organisationen Elberfeld-Barmens umfaßt, veranstaltet am 7.. 8., 9. und 10. Dezember mit dem Mendelssohn-Verein (jüd. Literaturverein) eine jüdische^Jugendschriftcnausstellung in den Räun^n ves Frauenklubs•Elberfeld, Louisenstraße 49. Die Sttssftellung soll dazu beittagen, daß gute jüdische Literaturmiehr als bisher in jedem jüdichen Hause Eingang findet. Eine rege Beteiligung aller jiestgen Kreise, sowie der umliegenden Bezirke ist aus dieem Grunde überaus wünschenswert und wohl als selbstvertändlich anzunehmen. Wesseling. Eine erhebende Krieger-Gedenkfeier hatte am vergangenen Sonntage viele Tausende Familienangehörige und sonstige Leidtragende nach dem Ehrenfriedhofe der Stadt Wesseling hinausgeführt. Vertreter aller städtischen Körperschaften, Abordnungen von Vereinen mit ihren Fahnen und Vertretungen der drei Konfessionen hatten sich zusammengefunden, um in einem fast unübersehbaren Zuge unter den ernsten Klängen einer Musikkapelle zu den Ehrengräbern zu wallen. Mehrere Gesangvereine widmeten den Helden ergreifende Weisen. Hierauf folgten die Gedenkreden der Geistlichen der verschiedenen Bekenntnisse. Als Vertreter der jüdischen Gemeinde fand Herr Lehrei? Koschland-Beuel erareifende Worte. Der Redner gab dem Gedanken Ausduck, daß die gefallenen Helden gemeinsam ohne Unterschied des Glaubens und des Standes ihr Leben dem Vaterlande opferten, daß e i n e Erde sie decke. Den Lebenden gehe daraus die Mahnung zur gegenseitigen Achtung und Liebe hervor; Vorurteil und Hader müßten schwinden. Einigkeit wäre die heiligste Pflicht in dieser schweren Zeit. Es waren erhebende Worte der Erinnerung, der Aufmunterung und des Trostes. Bonn. Der Jugendbund eröffnete sein Winterhalbjahr mit einem Vortrage des Herrn Koschland über „Mischehen im Judentum". Der Referent schilderte die verschiedenartigsten Ursachen der Mischehe, deren Einschränkung die dringlichste Aufgabe der Gegenwart sei. Er gab Mittel und Wege an, die, in die Tat umgesetzt, auf die Zunahme der Mischehen hemmend einwirken könnten. Die lebhafte Aussprache bewies, daß die Zuhörer den inhaltsreichen Ausführungen des Redners mit großer Teilnahme folgten. Herr Sanitätsrat vr. Lichtenstcin trat in^wärmsten Worten für das alte jüdische. Ideal der sittlichen Reinheit ein, das am besten durch die Frühehe gewährleistet sei. Herr Stud. med. Königsberg geißelte die Ziellosigkeit eines Teiles der jüdischen Jugend. Die mannigfachen durch den Vortrag angeschnittenen Probleme boten den Anwesenden sicherlich reiche Gelegenheit, sich durch eigenes Nachdenken mit dem Thema des Abends weiter zu beschäftigen. A » Sät A Der Bote erzählt: — N tviiiUc inllruufl. von S. H. von Mosenthal. Ich weiß' nicht, wie es historisch zu begründen ist. daß wir Juden -für die Mahlzeit am Freitagabend, als am „Eingang des Sabbaths , ein Fischgericht für unerläßlich halten. Die Bibel zählt unter den nationalen Lieblingsspeisen nur die Zwiebeln und den Knoblauch auf. Ob sich das angestammte Fischgericht durch Petri Fischfang oder das Wunder mit den Fischen auf seine historische Quelle zurückleiten lasse, das mögen die Archäologen entscheiden/ So viel aber weiß ich, daß in meiner Vaterstandt, die «ine überwiegend protestantische, eine kleine katholische und eine ziemlich beträchtliche jüdische Bevölkerung besaß, fast auSschließlich für die letztere jeden Freitag die Büuern der Unigegend am sogenannten „Fischstein"' ihren Markt hielten und jüdische Köchinnen in mehr oder weniger reinen Netzen, jüdische Hausfrauen in mehr oder weniger reinen Schnupftüchen ihr Kontigent an „Schabbesfischen" nach Hause trugen. Das Gericht hätte «inen solennen Anstrich. Für die Größe des Festes zeugte di« Qualität der Fische; den drei