Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 27 (28.11.1919)
- Date
- 1919-11-28
- Page
- Seite 306 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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306 schewistenherrschaft in Poltawa. Raub und Plünderung find an der Tagesordnung. Nicht nur die wohlhabenden Klassen werden beraubt, auch der armen jüdischen Bevölkerung wird ihr letztes Hab und Gut weggenommen. Die Juden warten auf eine neue Ara -und fragen sich, wann wird der Moment kommen, wo die Woge des Hasses, der Verachtung, der Pogrome und der Tränen endlich aufhört. Rostow. Ein drahtloses Telegramm aus dem Haupt- Suartier Denikins meldet — wie das Londoner jüdische wrrespondenzbureau uns berichtet — daß von der Armeeführung zehn Millionen Rubel für die jüdischen Pogromopfer bewilligt wurden. England. London. Am 17. November 1919 fragte im britischen Unterhaus der Abgeordnete Alfred Short die Regierung nach ihren Informationen über die Pogrome, die in den Gebieten des früheren russischen Reiches gegen die Juden stattfinden. Insbesondere fragte er nach Details über Polen und das von Denikin besetzte Gebiet. Er bat um die Angabe der Zahl der schätzungsweise bei diesen Pogromen getöteten Juden. Der Unterstaatssekretär Harmsworth erwiderte, daß er eine Erklärung betreffend Behandlung der Juden'in Polen bis zur Rückkehr von Sir Stuart Samuel verschieben möchte. Das Foreign Office sei nicht in der Lage, die Zahl der in anderen Gebieten des früheren russischen Reiches getöteten Juden zu schätzen, da heutzutage die Beantwortung einer solchen Frage lange Untersuchungen an Ort und Stelle durch eine Spezialkommission nötig mache. Darauf fragt« der Abgeordnete Kenvorthy an, ob der britische Vertreter bei der Armee Denikins das Verhalten der Armee gegenüber den Juden sorgfältig beobachte und sein Außeres tue, um Ausschreitungen zu verhindern. Hierauf erwiderte Harmsworth, er könne zuversichtlich sagen, daß der britische Vertreter sich entsprechend verhalte. London. Das Enger« Aktions-Komitee hat beschloss sen, eine Sitzung des Zentralkomitees der Zionistischen Organisation (Jahreskonferenz) für den 18. bis 23. Januar 1920 nach Basel einzuberufen. Auch der Misrachi wird auf dieser Konferenz entsprechend vertreten sein. Amerika. Washington. Dem Londoner jüdischen Korrespondenzbureau wird aus Washington, gemeldet, daß vom amerikanischen Kongreß eine Verschärfung der bestehenden Naturalisationsbestimmungen geplant wird. > Dem neu formulierten Gesetzentwurf zufolge müsien alle, die sich um das amerikanische Bürgerrecht bewerben, englisch lesen und reden. Kinder und Frauen von Immigranten werden nicht wie vorher durch die Naturalisation ihrer Eltern oder Männer amerikanische Bürger. Sie haben 'nunmehr um die Naturalisierung selbst anzusuchen und müssen den Bürgereid ablegen. Ausländern, die in der amerikanischen Armee gedient haben, werden keine Schwierigkeiten bereitet lverden, das Bürgerrecht zu erwerben. Besonder« Maßregeln werden gegen die Einwanderung „unerwünschter" Elemente getroffen. Newyork. In Amerika werden große Vorbereitungen getroffen, um eine hebräische Woche während der Chanukatage zugunsten der hebräischen Sprache und der nationaljüdischen Erziehung abzuhalten. Die hebräischen Organisationen werden im ganzen Land eine starke Tätigkeit entwickeln, um bedeutende Geldsummen für den hebräischen Kulturfonds zu sammeln. >(J. K. B.) Palästina. Jerusalem. Die samaritanische Gemeind« in Sichem hat kürzlich an die Zionistische Palästina-Kommission ein Schreiben gerichtet, worin sie von der Gründung eines Gemeindekomitees Kenntnis gibt, das den Zweck hat, alle Angelegenheiten der Samaritaner zu leiten, ihre Lage rn kultureller und materieller Hinsicht zu verbessern und die Gemeinde vor dem Untergang zu bewahret». Die Zionistische Kommisiion hat beschlossen,-di« Hilfeleistung für die nur noch etwa 100 Familien gärende Gemeinschaft der Samaritaner zu erwägen, die, wenn sie ohne Hilfe gelassen wird, sicherlich durch Assimilation an die arabische Bevölkerung zugrunde geht. Jerusalem. Der katholische Kardinal in Jerusalem, Djosteni, hat dem jüdischen Richter Rabbiner Isaak Fränkel mitgeteilt, daß der Papst eine Note an Polen gerichtet hat, in der er gegen die Pogrome protestiert. Jerusalem. Anläßlich des Geburtstages des englischen Königs fand am ersten Sukkothtage ein feierlicher Gottesdienst statt, dem auch Herr Usiischkin beiwohnte. Als nach" dem- Gebet für den König der Obcrrabbiner Kuk die Kanzel bettat und seine Kestpredigt in jüdischer Sprache begann, erhob sich Herr Usiischkin demonstrativ und verließ die Synagoge. Ihm folgten die Herren Jellin, Mechujas und andere. Herr Usiischkin erklärte: „Ich halte dies für einen wahren Chilul Haschem. Es geht nicht an, daß ich gestern stundenlang mit den Behörden über die Rechte der hebräischen Sprache verhandle und daß heute der Oberrabbiner seine Festrede in einer anderen Sprache hält. Wir verlassen die Synagoge zum Zeichen des Protestes." Oberrabbiner Kuk willigte sogleich ein und hielt seine Predigt in hebräischer Sprache. . (K. Z. B.) Der Kampf für die hebräische Sprache in Palästina. Dem Kopenhagener Zionisttschen Bureau wird au» Palästina berichtet: Der lebhafte Kampf, den die jüdischen Führer in Jerusalem für die Rechte der hebräischen Sprache führen, hat in der arabischen Presie Mißstimmung - hervorgerufen. Während die arabischen Zeitungen in Palästina die Berechtigung des Hebräischen in etwas milderer Form ablehnen, tut es die arabische Presie in Damaskus in sehr gehässiger Weise. Sämtliche Zeitungen in Damaskus ohne Ausnahme erklären sich als Gegner der hebräischen Sprache und drücken ihre Entrüstung darüber aus, daß Jerusalemer Juden es gewagt haben, bei der Regierung die Gleichberechtigung des Hebräischen zu verlangen. Die Hinweise der Juden, daß es sich um eine eminente nationale Völkerrechtsfrage handle, um das von, der Friedenskonferenz und der gesamten Kulturwelt anerkannte Recht der nationalen Minorität, selbst der Hinweis darauf, daß die jüdische Bevölkerung in Jerusalem die Majorität bilde, machten auf die arabische Presie keinen Eindruck. Die Haltung der arabischen Presie in Damaskus darf übrigens nicht Wunder nehmen. >venn man das Verhalten der dortigen Allianceschulen der hebräischen Sprache gegenüber in Bettacht zieht. Hierfür liefert die neugegründete Mädchenschule der Alliance in Damaskus den besten Beweis. Die Aufnahme der Mädchen erfolgt nur dann, wenn die Mädchen folgende Verpflichtungen übernehmen: 1. die hebräischen Abendkurse nicht zu besuchen; 2. mit den Schülern der hebräischen Schulen keinen Hingang zu pflegen; 3. An Stelle de» Grußes Schalom „Bon jour" zu gebrauchen; 4. auf der Sttaße nur französisch zu sprechen! Die hebräische Sprache hat aber einen Erfolg errungen, der weit über die Grenzen unseres Landes hinaus gewiß mit Freude ausgenommen werden wird, und zwar bei der „Amerikanischen Medizinischen Expedition Hadasiah". Die Hadasiah gründete eine Schule zur Ausbildung von Krankenschwestern. Sämtliche Fächer werden ausschließlich in hebräischer Sprache unterrichtet. Die Eröffnung dieser ersten hebräischen Schwestern-Schule erfolgte in feierlicher Bescheidenheit. Vorläufig nehmen 40 Schülerinnen an den Kursen teil. Die Anstalt soll in nächster Zukunft bedeutend ausgcbaut werden. Im Zusammenhang mit dieser Einrichtung der „Hadasiah" ist auch die Frage der Errichtung von Hochschulkursen vq» neuem akut geworden. Der Vorstand de» „Vereins zur Gründung der Hochschulkurse". hatte eine Konferenz mit Herrn Prof. Weizmann, der erllärte, daß er den Wunsch habe, die Kurse so schnell als möglich zu er-