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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-11-28 · 27 (28.11.1919) · p. Seite 304

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
27 (28.11.1919)
Date
1919-11-28
Page
Seite 304 (sequence 2)
Language
German
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S04 WWMSA-itSS-M-ISSSM (Hocbenfcbau, Tatsachen und Ergebnisse. Deutschland. Berlin. In der preußischen Landesversammlung beschäftigte sich Ministerpräsident Hirsch in einer großen Rede auch mit den Machenschaften der Reaktion und führte bei dieser Gelegenheit auch folgendes aus: - v „In engster organischer Verbindung mit der monarchistischen und gegenrevolutionüren Propaganda der Rechten .steht die antisemitische Hetze, die heute einen Umfang erreicht hat, daß keine 'Regierung — stelle sie sich zu den Judenfragcu, wie sie wolle — lhr gegenüber sich untätig verhallen darf, wenn sie die Äufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung gewährleisten will. Man beruft sich in antisemitischen Kreisen dann, wenn auf die überaus gefährliche Art der antisemitischen Propaganda in Deutschland hingewiesen wird, immer darauf, daß die politisch ernst zu nehmende nationale Presse die Juden nur sachlich bekämpfe, und daß es lediglich die Radaupressc sei, die in allerdings sehr kräftiger Art zu Gewalttätigkeiten aufreize. Auch ich halte diesen Hinweis für überaus demagogisch. Es kommt keineswegs daraüf an.' daß direkt und verhüllt zu Tätlichkeiten aufgefordert wird. Das Wesentliche ist, daß systematisch von nahezu der gesamten rechtsstehenden Presie durch unabläsiige und überaus gehässige Polemik gegen die Juden mit absoluter Sicherheit eine Atmosphäre erzeugt wird, die so gewitterschwül ist, daß es auch ohne äußeren Anlaß von selbst zu einer Explosion, zu einer Entladung des emsig zusammengetragenen Zündstoffes kommen muß. Aus diesem Grunde können auch die Blätter, die es mit großer Entrüstung von sich weisen, daß sie etwa dazu aufforderten, die Jud^zu boykottieren, totzuschlagen oder aus dem Lande zu jagen, nicht von der'Schuld freigesprochen werden, daß wir uns in Deutschland Zuständen zu nähern beginnen, die der jüdischen Bevölkerung begründeten Anlaß zu lebhafter Beunruhigung geben. ' Ganz besonders frevelhaft erscheint mir die Propaganda, die unter der Jugend betrieben wird, und die auch vor den untersten Schulklassen nicht halt machte Die Verhetzuna der jungen Generation hat ein ganz ungeheuerliches Maß erreicht. Wie sollen Volkskreise, die man schon in der Kindheit, so gegeneinander aufwiegelt, als erwachsene Staatsbürger jemals einträchtig zum Wohl des Vaterlandes Zusammenarbeiten? Di« antisemitische Broschüren-, Flugblatt- und Zeitschriftenliteratnr ist heute bergehoch. ES handelt sich hier um Auswüchse eines Geistes, der die Inquisitionen und Hexenverbrennungen geboren hat, den wir aber im 20. Jahrhundert überwunden glaubten." Breslau. Eine imposante Festversammlung hatte sich isier im großen Saale der Lessing-Loge eingefunden, um der eierlichen Eröffnung der hiesigen Freien jüdischen Volkshochschule beizuwohnen. Unter den vielen Ehrengästen bemerkte man u. a. die Mitglieder deS Breslauer Synagogenvorstandes, der Repräsentantenvcrsammlung und die Vertreter einer großen Anzahl gemeinnütziger, humanitärer und wohltätiger jüdischer Vereinigungen. Auf dem großen, mit reichem Grün geschmückten Podium hatte der Synagogenchor Auf' " ' '' ' ‘ Beethoven J Kapell...^. grüßte in einer längeren, historisch gehaltenen Ansprache Professor vr. Brann die zahlreich Erschienenen. Redner hob dabei ü. tf. hervor, daß aus der Sturmflut der Staatsumwälzung eine Reihe von Volkshochschulen geschaffen wurden auf der Grundlage demokratischen Geistes. Das Judentum besaß aber solche schon längst in den Zeiten deS grauen Altertums. Hier saß neben dem Tagelöhner der Sohn des Reichen. Aufgabe der neuen Jüdischen Volkshochschule werde eS sein, die Vergangenheit der Gegenwart näher zu rücken. Der Vortragende gedachte dann der vielen Mäaner. die zur Errichtung der Schule beigetragen haben, der beiden Gemeinderabbiner, besonders des Rabbiners Professors Vr. Guttmann, dem es nicht vergönnt war, diese Frucht seiner Arbeit zu schauen. Der Referent schloß mit Dankesworten an alle Vereinigungen und die Gemeinden Breslau. Liegnitz und Oppeln, die das Werk materiell und finanziell unterstützt haben. Hierauf hielt Dozent vr. Lewkowitz eine religiös-philosophische Festrede. Aufgabe deS Judentums sei es von jeher gewesen. Ewigkeitswerte, ge- 'tragen von der Macht der Ideen, zu. schaffen. Auf dem Jahrtausende alten Leidensiveg. den das Judentum gegangen ist, hat es sich stets bestrebt, sozialethisch zu wirken und den sozialen Gedanken der Gerechtigkeit und Nächstenliebe zu verkünden, Liebe und Wissen stetsden Massen näher zu bringen. In diesem Sinne soll auch die neue Lehranstalt wirken. Geheimer Justizrat Landgerichtsrat vr. Goldfeld hob in seiner Ansprache hervor, daß diese Anstalt entstanden sei in einer Zeit, da das Vaterland nach außen zusammengebrochen, nach innen völlig verwildert sei. Es heiß« da, neue Kräfte geistig wehrkräftig zu machen, um sie auch wirder für andere Zeiten zu kräftigen. Ter Synagogenchor intonierte am Schlüsse aller dieser Ansprachen das „Halleluja" von Hummel. Berlin. Von der Jüdischen Emigratjons-Organisarion, gez. Professor Kalischer und vr. Marx, geht uns mit der Bitte um Veröffentlichung folgende Mitteilung zu: „Eine übereinstimmende Pressenotiz, die sich in den jüngsten Tagen mehrfach in der jüdischen Presse fand, besagte, daß die neugegründete Jüdische Emigrations-Organisation darum keinen originalen Ziveck erfülle, weil die praktische Fürsorgetätigkeit für die osteuropäischen Juden in Deutschland bereits von einer genügenden Anzahl von Organisationen betrieben werde. Diese letztere Tatsache muß ohne weiteres als richtig anerkannt werden. Die Jüdische Emigrations-Organisation ist denn auch nicht gegründet worden, um in derselben Weise wie die älteren Organisation«» praktische Hilfstätigkeit auszuübcn, sondern sie stellt «me Studiengcscllschaft dar, die sich fortlaufend mit den Grundlagen und Erscheinungen der gesamten jüdischen Wand«- rungsfrage befassen und die praktische Fürsorgetätigkeit de» anderen Organisationen durch die Schaffung systematisch« und wissenschaftlicher Grundlagen unterstützen will. Ihre Aufgabe ist ausschließlich die ideelle und prinzipielle B«- handlung der Wanderfrage; sie gedenkt ihr Ziel zu erreiche» vornehmlich durch fortlaufende Herausgabe geeignet« Publikationen, sv jenes Mitteilungsblattes „Die jüdische Wanderung" und einer „Emiqratiousbücherei", d. h. ein« wissenschaftlichen Schriftenfolge zur jüdischen. Wänderungsfrage. Sic erfüllt demnach eine Aufgabe, di« bish« nicht von einer der in Deutschland bestehenden Organisationen in Angriff genommen worden ist. Es sei bemerkt, daß die Jüdische Emigrations-Organisation vor ihrer so» Mellen Gründung die bestehenden Mischen Organisation«! davon unterrichtet hatte, welche Aufgaben sie sich gesetzt hat." Bad EmS. Der Vorstand des hiesigen HilfSpereins für unbemittelte jüdische Nerven- und Geisteskranke i** öffentlicht seinen fünfzehnten und sechzehnten Rechenschaftsbericht. Er übermittelt seinen Freunden und Gönnern die erfreuliche Nachricht, daß der Verein in den Besitz ein» eigenen Anstalt für Nerven- und Gemütskranke gelangt ist. Die israelitischen Kuranstalten zu Satin bei Koblenz sind zur Hälfte Eigentum des Hilfsvereins geworden. Ei» geeignetes Heim für leichtere Nervöse soll demnächst erworben werden. Der Verein ersucht um Gaben „für die Ärmsten der Armen und für deren schwergeprüft« Familien." Die seit einiger Zeit in Wien bestehende Jüdisch-Palästinensische Reise- Md Transportgesellschaft m. b. H. hat jetzt in Berlin, SW. 61. Blücherstr. 23, eine Zweigstelle eingerichtet, die Hand in Hand mit dem B«* I

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