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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-11-28 · 26 (28.11.1919) · p. Seite 294

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
26 (28.11.1919)
Date
1919-11-28
Page
Seite 294 (sequence 4)
Language
German
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994 Bis jetzt mutzten ste ihre Söhne in die jesuitischen Institute nach Beirut schicken; nunmehr versuchen sie, Informationen über die Möglichkeit zu bekommen, ste in den Jaffqer höheren Schulen erziehen zu lassen. Besonder» interesfieren sie die Möglichkeiten besserer Ausbildung ihrer Söhne al» Vorbereitung für «iistn Üniverfitätskurs, technischer Ausbildung in Fächern wie Jngenieurwesen und Chemie und landwirtschaftlicher Ausbildung. Trotz der SO 000 Seelen zählenden jüdischen Bevölkerung war die Bagdader Gemeinde bisher noch nicht in engem Kontakt mit der Zionistischen Organisation. aber cS ist zu hoffen, datz diese große, wohlhabende und einflußreiche Gemeinde im Orient in Zukunft eine Quelle materieller und moralischer Unterstützung beim Wiederaufbau Palästina» werden wird. (L. Z. B.) Palästina. Jaffa. In Tel-AdaS hat man mit dem Häuserbau für di« entlassenen Jüdischen Legionäre begonnen, woselbst für dieselben hundert Häuser errichtet werden sollen. Zwölf davon werden schon in den nächsten zwei Monaten fertiggestellt. Die Häuser bestehen auS drei Zimmern und werden mit grötzter Schnelligkeit nach dem letzten amerikanischen System gebaut. Jerusalem. Rabbiner Kook, der unlängst von London abgereist ist,.um sich nach Palästina zu begeben, ist Hierselbst eingetroffen. Die Aufforderung vieler Jerusalemer Organisationen und Jeschiwothverwalter, das Amt eines OberrabbinerS anzunehmen, hat Rabbiner Kook kategorisch abgelehnt, indem er erklärte, nur aus innerem Drange und Verlangen nach Jerusalem gekommen zu sein, und er wollte dort ausschließlich als Privatperson zugunsten der Stadt tätig sein. Rabbiner Kook hat den Vorstand de» .Histadruth Jeruscholaim" zu sich eingeladen und demselben vorgrschlagen, die Arbeiten dieser Bereinigung in größerem Matzstabe aufzunehmen. Jerusalem soll der Sitz deS Zentralkomitee» für die Diaspora werden. Jerusalem. Hier fand eine Tagung der jüdischen Dir. nerschaft Palästinas „Maccabi" statt, an der 500 junge Leute teilnahmen. Dem Schauturnen de» „Maccabi" wohnten General Watfon und Oberst StorrS bei. Auch Assischkin, der Vorsitzende der Zionistischen Palästina-Kommission. war anwesend. . * An die jüdische Lehrerschaft! Die Unterzeichneten Verbände haben sich zur Bildung einer Arbeitsgemeinschaft entschlossen, um durch geschlossenes Vorgehen der Forderung auf auskömmliche Besoldung und gerechte Würdigung der Wirksamkeit des Lehrers stärkeren Nachdruck zu verschaffen. Die Selbständigkeit der Verbände wird durch diese Arbeitsgemeinschaft nicht berührt. Wir geben von unserem Bcschlutz der jüdischen Lehrerschaft Deutschlands Kenntnis und ersuchen sämtliche Orts¬ und Provinzialvereine; in gemeinsamer Arbeit unsere Bestrebungen fördern zu helfen. Wir erwarten, daß alle noch abseits stehenden Kollegen unverzüglich den Anschluß an einen Verein suchen werden. Wer indieserZeitgrötzterwirtschaftlicherund seelischer Not sich dem großen Ganzen entzieht, schädig-t die Interessen seines Standes. * Der verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche. Jos. Feiner- Hamburg, Vorsitzender. Der Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschland». vr. G. La n ge. Frankfurt «. M.. Vorsitzender. Israelitischer Leheerverein für Bayern. A. Mandelbaum -Würzburg, Vorsitzender. ‘ Es» teiec ml eil ittee Oüeifrkßrr. U»n T. Aavor».Irrst!». In der preußischen LandeSversammlung hat dieser Tage der verflossene Unterrichtsminister au» eignen Gna, den. Herr Adolf Hoffmann. die Bibel „da» unsittlichste Buch der Welt" genannt. Ich denke nun nickt daran, mich über den Erguß diese» EistrerS, der schon früher^alt „Zehngebote-Hoffmann" zu groteskem Ruhme gelangt« — zu ereifern. So schwer nehme ich seine Bewertung de» Buches der Bücher nicht. Adolf Hoffmann erscheint wie ein Spätling au» der AufklärungSzeit. Wie den Stürmern au» jener Zeit ist ihm die Bibel im Wege. Und einen dieser Männer möchte ich-hier sprechen lassen; dann wird man zwar die Bibel nicht verstehen, wcchl aber — Adolf Hoffmann. Ter Sprecher ist der berühmte Wanderer J o h. Gottfried Seume. Der hat in einem seiner Reise» briefe (Mein Sommer 185, Skizze vom 8. Juni) dir Bibel in folgender Weist abgetan: So lange man als die reinste Quelle göttlicher Wahrheit und als die heiligste Norm der vollendetsten Moral ein Buch aufstellt, desstn Inhalt dunkel und widersprechend, stlten auf das Leben bezogen und voll moralischer Jnkonstquenzen ist, und desstn wahre», brauchbare» Gute auf unhaltbaren Gründen eine» finsteren, theosophischen Enthusiasmus beruhet, wird di« wahre, wohltätige Aufklärung weder in der Kirche noch im Staate feste Wurzel chlaoen. Ich kenne stlbst jetzt noch mehrere, deren bischen Verstand über der prophetischen Theologst apokalyptisch zugninde gegangen ist, und e» ist kein leichterer und gewöhnlicherer Sprung al» vom Kardinal zum Atheisten; auch soll sich beide» sogar zuweilen recht gut vertragen, wie die Geschichst sagt. Lot trieb im Traubenrausch Unzucht mit stinen Töchtern: der war der srömmsst Mann seiner Stadt. Da» mag noch gehen; denn die andern wurden vertilgt wegen ihrer Bo^eit. Abraham stieß stinen eigenen hoffnungsvollen Sohn mit der Mutstr zum Raube de» Mangel» und der Angst hinaus in das Unwirtbar«, um «inen Sprößling zu verzärteln, desstn Abkunft sthr problematisch war. Der war ein Vater der Gläubigen. Jakob betrog stinen Schwiegervastr um die Schafe und seinen wackeren, ehrlichen Bruder um di« Liebe seiner Eltern. Der Bruder wuchs und gedieh durch die Größe und Reinheit seiner Natur und vergab großmütig dem furchtsamen Krstcher. Dafür ist dieser der Erwählst, und stner muß ausgerotstt werden aus 'tat Befehl deS Herrn mit stinem Namen ewiglich. Joseph. daS schmeichelnde Schotzkind, ist da» Musstr der Delatoren und Tyrannenhandlanger: ich weiß nicht, ob Narceß und Sejan ihm an Ränken gleich kamen, wenn ich die Wahrheit der^Ül'erlicferungen annehme. Die löbliche Geschichst mit der Dance Potigfar ist mancher Deutung fähig. Er ward Minister durch den Zufall oder durch da» Talent, da» er sich in dem Hause seines VastrS erworben und in der Welt ausgebildet hatte. Er legst in den gustn Jahren Magazine an: eine sehr lobenSwürdige Vorsorge, di« heutzutage leider alle Fürsten und ihre Minister, vielleicht mit besterem Glauben an di« Vorsehung. ausgegraben haben. Was tat aber der Minister Joseph mit den Magazinen? Rettest er das Land und ward sein Wohltäter? Mit einem Wort, er brachst e» in Sklaverei. Erst zahlst man Geld für Koni, dann brachst man stine bewegliche Habe, dann verkaufst man stine Grundstücke, dann stine Person den» Könige zur Knechtschaft. Da» nenne ich doch einen Fürstendiener, einen Finanzrat. wie er stin nmß! Mir ist in den Annalen der Menschheit kaum «in gröhever Bube bekannt; und der wird ausgestellt vor anderen der Jugend und dem Volke zum Vorbild. Saul, der hohe großmütige, königliche Mann, wird verworfen, well er menschlich war, weil er nicht in da» schändliche Au»rottung»system de» Pfaffen Samuel stimmen wollst. Freilich war der Knabe Jsai» folgsame» und frömmer, der dann di« Weiber verführst ulld ih« Männer im Hinterhalt morden ließ. Dafür ward er ei» Mann nach dem Herzen Gotte». Der Himmel behüst mich.

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