Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 26 (28.11.1919)
- Date
- 1919-11-28
- Page
- Seite 293 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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erläßt. wie wir dem am 8. November erschienenen „Haberech entnehme». dB Ztttraibiro der AgudaS^Ji-roel Zü, rich «inen Aufruf, bei jeder Gelegenheit d«S Waisenfonds der AgudaS-Jisroel eingedenk zu sein und für diesen Zweck in ausreichender Weise zu spenden. Zürich. Fürsprech Dr. Goetschel, der einzige jüdische Verirrter im Nationalrat. ist wieder in den Nationalrat gewählt worden. England. London. Eine Liga der Religionen ist in England gegründet worden, deren Ziel ist, im Verein mit der Liga der Nationen für die Brüderlichkeit aller Nationen zu arbeiten. Auf der ersten Konferenz, die am 5. November ftattfand, war Oberrabbiner I. Hertz als Vertreter dejüdischen Glaubens. London. Nach Berichten, die das zionistische Zentralbüro in London erhalten hat, ist der 2. November in allen Ländern durch große Mastenkundgebungen und Demonstrationen gefeiert worden. Das Aktionskomitee hat aus diesem Anlaß einen speziellen Aufruf an die Zionisten der ganzen Welt gerichtet, in welchem zu ruhiger und planmäßiger Arbeit für Palästina aufgefordert wird. Aolein Grodno. Hier erscheint seil Anfang November eine tägliche jüdische Zeitung „Der neue Morgen". , Lodz. D» in Lodz durch den Arbeiterrat proklamierte Streik wurde von dunklen Elementen zunr Organisieren von Überfällen auf Juden benützt. Ts kam zu verschiedenen Zusammenstößen mit der Polizei. Obwohl die Leitung der Polizei im allgemeinen nichts zu wünschen übrig ließ, war das Verhalten einzelner Polizisten vollkommen passiv und es gab Tote und Verwundete. Abg. Rosenblatt intervenierte beim Regierungschef und den verschiedenen Ministerien. Die Abgeordneten Grünbaum und Farbstein begaben sich unverzüglich nach Lodz. Ukraine. Charkow. „Jewreskaja Sjisn", das offizielle Organ der ukrainischen Zionisten, das in Charkow unter der Aufsicht der von Denikin eingesetzten Behörden erscheint, veröffentlicht dem Londoner jüdischen Korrespondenzbüro zufolge Einzelheiten über den zweiten Pogrom, der in Biala Zerkow stattfand. Während des Pogroms, der eine ganze Woche dauerte, wurden alle jüdischen Häuser und Geschäfte geplündert. Einige Hundert Juden, unter ihnen auch Frauen und Kinder, wurden ermordet. Beinahe die ganze jüdische Siedlung ist vernichtet. Paris. Der Pariser Ri.-Gewährsmann der „Jüdischen Preßzentrale Zürich" berichtet: Zahlreiche Dokumente, die die russisch-jüdische Kolonie in Paris erhalten hat, beweisen, daß die Pogrome in der Armee Denikins systematisch organisiert werden. So wurden die in der Denikinschen Armee vorhandenen jüdischen Offiziere durch Armeebefehl aus dem Menst entlasten. Im Tenikinschen Hinterlande würde in den Schulen für Juden, die Prozentnorm — 15 Prozent —' wieder eingeführt oder z. T. die Verfügung getroffen, daß jüdische Schulkinds: nur dem vorhandenen Schulraum entsprechend ausgenommen werden dürfen. — Der Pogrom von Fastow, der am Tage des Eiw rückens der Mnikinschen Truppen begann, dauerte 6 Tage. Man soll über 1600 Tote zählen. Nach Schilderungen des Spezialkorrespondenten des „Kiewskoje Echo" blieben die Leichen der Ermordeten unbeeidigt auf den Straßen liegen: Hunde ünd Schweine treiben sich unter ihnen herum und verzehren die Lcichenteile. Ein Straßenkomplex des Juvenviertels mit 200 Häusern ist nieoergebrannt. London. „Krimski Vestnik" berichtet dem Londoner jüdischen Korrespondenzbüro zufolge, daß bei. dem Pogrom in Fastow, der 5—6 Tage ununterbrochen dauerte, viele Juden wahnsinnig 'wurden. Ni. Dizengoff. der Bürgermeister vo,l Tel-Aviv, der kürzlich von einer Reise nach Südrüßsayd in London eingetroffen ist, berichtet: Der Pogrom .jn Fastow snachte einen erschütternden Eindruck selbst auf die nichtjüdische Öffentlichkeit. Jn Kiew fände» Protestversammlungen auch nichtjüdischer Körperschaften statt. Ich vermag keine Worte zu finden, unr den Eindruck zu beschreiben, den dieser Pogrom auf die ukrainische Judenheit machte. Jn „Krimsky Westnik" las ich die folgenden herzzerreißenden Worte: Freut euch, ihr Antisemiten! Ihr hakü eure Arbeit jn Fastow gut getan. Ihr habt sehr lange gesgt, aber ihr habt eine gute Ernte gehabt. Die zahlreichen Givber von Fastow werden ein unsterbliche- Monument eurer Heldentaten bleiben. Und du, ewiger Märtwcer, du mußt dich in Trauerkleider hüllen und nicht mit Tränen: sondern mit Blut weinen. Denn unendlich ist deine Pein und ohne Erbarmen dein Verfolger." Kiew. Der ukrainische Ministerrat hat auf Anttag des Ministers für jüdische Angelegenheiten beschlosten, die Todesstrafe gegen alle der Beteiligung an Judenpogromen Schuldige zu verhängen. Ungarn. Budapest. Führende Kreist der assimilatorischen Judenschaft in Budapest haben Besprechungen mit dem Ministerpräsidenten gehabt, um Mittel und Wege zü finden, die Juden vor weiteren Verfolgungen zu schützen. Die Juden forderten vor allem die Wiederherste lllung des gesetzlichen Rechtszüstandes, d. h. unbeschränkte Zulassung auf der Universität und den anderen Hochschulen, Zulassung der jüdischen Offiziere zum Heere, Schutz der Lehrfreiheit und Behandlung der jüdischen Angelegenheiten im Kultusministerium in einer besonderen Abteilung, schließlich angemessene Vertretung im Staatsrat. Im Prinzip hat der Ministerpräsident Friedrich diesen Forderungen zugestimmt, wejl er die Mitarbeit der teilweise in jüdischen Händen befindlichen Banken braucht. Es wrd aber schwer halten, die antisemitische Bewegung stlbst ganz einzuschränken, da es fest geschloffene Organisationen gibt, die mit systematischen Mitteln die Juden aus ihren bisherigen Positionen verdrängen wollen. Besonders rührige Tätigkeit entfaltet die christlich-nationale Liga, die angeblich bereits 15 000 Mitglieder ^zählt, und die „erwachenden Ungarn". Auf den Universitäten gibt es christliche Studentenbataillone, die die Juden an der Fortsetzung ihrer Studien hindern und die jüdischen Professoren boykottieren. Die Universitätsbehürden sind diesen christlichen Studentenbataillonen gegenüber machtlos, denn diese erklären, durch Ehrenwort zu ihrem Verhalten den Juden gegenüber verpflichtet zu sein. Mcse Bewegung wird aber voiz. den beiden genannten Universitätsverbänden unterstützt: Sie macht sich auch auf den Mittelschulen geltend. Durch Monopolisierung des Außen- Handelsverkehrs hofft man, die Juden auch dort zu verdrängen. Gegen die von Juden beeinflußte Pveste wie „Repszaiva", „Az Eft". „Pesti-Naplo", „Vilag" u. a. wird dadurch gearbeitet, daß man sie auf dem Bahntransport perschwinden läßt und auch sonst bei der Zustellung in jeder Weise schikaniert. Wenn auch die Runrünen den Anschein ertvecken wollen, als ob sie die antisemitische Bewegung unterdrücken wollen, so unterstützen sie im geheimen indirekt die antisemitische Propaganda, was bei ihrer Zensur der ungarischen Presse sichtbar zum Ausdruck kommt. Die größte Besorgnis herrscht vor der Weißen Garde hes Admirals Horthy, die im Begriff ist. die rumäniscke Besatzung abzulösen. Rumänien. Bukarest. Hier ivurde kürzlich eine rumänische Aktiengesellschaft für Handel und Industrie mit einem Grundkapital von 2 Millionen gegründet, mit dem Zweck, engere Handelsbeziehungen mit Palästina, anzuknüpfen und einen regen Warenaustausch zwischen Rumänieii und Palästina herzustellen. ' Syrien.! Bagdad. Unter den hiesigen jüdischen Familien hat die Möglichkeit,, ihre Kinder in den jüdischen Schuleil Palästinas erziehen zu lasten, lebhaftes Interest« wachgerufe«.