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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-11-28 · 26 (28.11.1919) · p. Seite 292

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
26 (28.11.1919)
Date
1919-11-28
Page
Seite 292 (sequence 2)
Language
German
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292 «lowenlMLU. T«ts«chen und Srachaisse Deutschland. Berlin. Das Berliner Tageblatt vom 5. November d. I. bringt eine Notiz über die Gründung einer „Jüdischen Emigrationsorganisation" in Deutschland. Mit der ostjüdischen Frage befassen sich in Deutschland seit einer Reihe von Jahren ein« große Anzahl jüdischer Organisationen. Gerade in den letzten Monaten haben sich dieselben, nachdem bereits während des Krieges für die ostjüdischen Arbeiter das „Arbeiter-Fürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands" gegründet worden war, zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlosien. An dieser sind beteiligt: der Zcntralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, die Großloge für Deutschland, der Hilfsverein der deutschen Juden, der Zentralverein für jüdische Auswanderungsngelegenheiten. die Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge des Deutsch-Israelitischen Gcmeindebundes, die jüdische Gemeinde in Berlin, die Zionistische Bereinigung für Deutschland, das Jüdische Arbeitsamt, das Komitee für den Osten, das Arbeiterfürsorgeamt und die ihm angeschlosienen Organisationen der ostjüdischen Arbeiter und derk Verbandes der Ostjudcn. Die Arbeitsgemeinschaft dieser Organisationen beschäftigt sich mit der Fürsorge für die in Deutschland befindlichen Ostjuden. Inwieweit später, wie in der Zeit vor dem Kriege, eine jüdische Durchwanderung von Osteuropa durch Deutschland in größerem Stile stattfinden wird, ist heute nicht zu übersehen. Wenn die Möglichkeiten für sie vorhanden sein iverden, so werden diese Organisationen, die zum Teil eine vieljährige Praxis auf dem sehr schwierigen Gebiet der Masienauswanderung haben, diese Aufg«Le> durchführen. Ein Grund, eine neue jüdische Emigrationsorganisation zu gründen, liegt hiernach durchaus nicht vor. Nachdem die verschiedenen Gruppen der deutschen Judenheit organisiert sind, ist die Zeit vorüber, in der Privatpersonen ohne ein Mandat der Organisationen so schwerwiegende und schwierige Aufgaben.uvie es die Auswandererfürsorae ist, in die Hand nehmen können. Berlin. Ter „Verband der deutschen Juden" hat wegen der gegenwärtigen Verkehrsschwierigkeiten seine auf den 30. November angesetzte Tagung aufgeschoben. Bei dieser Terminverlegung spielt wohl auch der Wunsch mit, zunächst die Schwierigkeiten, ivclche durch das selbständige Auftreten des Derüsch-Jsraelitischen Gemeindebundes in der Organisationsfragc entstanden sind, durch Verhandlungen aus der Welt zu schaffen. Berlin. In' der letzten Sitzung der Repräsentanten. Versammlung der jüdischen Gemeinde verabschiedete sich Justizrat Lilienthal, der aus Gesundheitsrücksichten in den Ruhestand tritt. — Angenommen wurde eine Erweiterung der Fürsorge-Kommission durch Pfleger und Pflegerinnen. In den Schul- und Talmudthora-Vorstand wurde erstmals eine Dame, Frau Martha Ollendorff, gewählt. Auch in die sonstigen Kommissionen, denen Damen bisher nur als Beigeordnete angehötten, wurden diese als ordentliche Mitglieder gewählt. Den Schluß der Sitzung bildeten Gcbührenerhöhungen für Trauungen und-für den Friedhof. Die Beerdigungsgebühr wurde um 50 Prozent erhöht. Berlin. Hier fand «ine zweitägige Zentralkomiteesitzung der Zionisttschen Bereinigung für Deutschland statt, an deren Schluß einstimmig der fdlgende Antrag Martin Buber angenommen wurde: ■■ «Das Zentralkomitee dankt dem Engeren Aktionskomitee in London für di« von ihm geleistete Arbeit und beglückwünscht es zu seinen bedeutsamen Erfolgen. In der über-wugung, daß di« Einheit der Zionistischen Organisation die Wiederherstellung des demokratischen Charakters der Zionistischen Organisation und Arbeit verlangt. erachtet das Zenttalkomitee die sofortige Einberufung der Jahreskonfcrenz und die schnellmögliche Ausschreibung des Zionistenkongrestes als dringendstes Erfordernis. Bei der Einladung zur Jahreskonferenz sollen alle Föderationen und Richtungen angemesicn berücksichtigt werden. Zm Vorbereitung beider Tagungen möge das E. A. C. sofort die öffentliche Diskussion aller aktuellen Fragen zionistischer Arbeit herbeiführen und ihr eine eingehende Darlegung der Grundlagen seiner Palästina- und Galuthpolitik vorangehen lasten." Berlin. In einer Verfügung des Ministeriums für Wistenschaft, Kunst und Volksbildung an die Regierungspräsidenten wird erneut darauf hingewiesen, daß jüdische Kinder in den öffentlichen Volksschulen auf Antrag der Erziehungsberechtigten am Sabbath und an jüdischen Feiertagen vom Schulbesuch zu befreien sind, einerlei, ob die Kinder Gelegenheit haben, einem Gottesdienste beizuwohnen oder nicht. München. Ter deutsche Kreis der jüdischen Turnerschaft hielt hier eine Sitzung ab, zu der fast alle Verbandsvereine Vertteter entsandt hatten. Neu ausgenommen wurden die jüdischen Turnvereine in Chemnitz und Leipzig, sowie der Jüdische Ruderklub in Stettin. Die in der letzten Zeit errungenen bedeutenden sportlichen Erfolge erweckten große Befriedigung. ' Allein int letzten Halbjahr wurden etwa 1500 Jugendliche der Bewegung zuaeführt. Aus den von den Vertretern erstatteten Berichten sind als besonders erfreulich diejenigen der Vertteter der Gruppen in Kattowitz, Frankfurt a. M. und Köln zu bezeichnen, wo sich ein reges turnerisches und jüdisches Leben entfaltet hat. Eine rege Debatte, bei der Erziehungsfragen im Vordergrund standen, schloß sich an die Berichte der Vereinsvertreter. In der Aussprache wurde eine Vertiefung der jüdischen Erziehung durch obligatorische Arbeit in jüdischer Geschichte. Literatur und der hebräischen Sprache gefordert. Zur.Stärkung des äußeren Zusammenhanges.soll eine gemeinsame. Verbandsnadel geschaffen werden. Der Frankfurter Turnverein wprde mit der Ausarbeitung eines neuen Vercinsliederbuches betraut. Sämtliche Beschlüste wurden einstimmig gefaßt. Düsteldorf. Eine Abordnung der hiesigen Ortsgruppe des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sprach bei Herrn Kultusminister Hänisch bei besten kürzlicher Anwesenheit hier vormnd legte ihm die Beschwerden der jüdischen Bevölkerung wegen der zunehmenden antisemitischen Verhetzung an höheren Schulen Düsseldorfs dar. Der Herr Kultusminister hörte diese Ausführungen mit großer Aufmerksamkeit an. Er erklärte sich als einen sttikten Gegner des Antisemitismus und sagte sein Möglichstes zu, um der gehässigen Feindschaft gegen die jüdischen Schüler ein Ende zu machen und den Trägern der Agitation entgegenzutrcten. Er ersuchte, in gegebenen Fällen Klagen an die zuständigen Schulbehörden zu bringen, wo sie sorgsam geprüft würden. Elberfeld. Am 9. und 10. Dezember fiüdet hier die 6. Delrgiertenversammlung des Jüdischen Frauenbundes statt. Auf der Tagesordnung stehen u. a. Referate von Frl. Sidonie Werner «Die Arbeit der Frau in der Gemeinde" und Frau Ollendorf „Die jüdische Frau als Erzieherin". Köln. Alle Interessenten für «ine auf der Grundlage von Pflanzungs- und Gartenbau zu errichtende Achusakolonie in Palästina erhalten nähere Auskunft durch den Zionisttschen Gruppenverband in den besetzten Erbieten Deutschlands, Köln, zu Händen des Herrn Justtzrat Dr. Bodenheimer, Köln, Hohenzollernring 74. Schweiz. ' Zürich. Für den Kriegswaisenfonds der Agudas-Jisrocl wurden bisher durch die jährliche Selbstbesteuerung und durch Spenden in Deutschland 850 000 M. und in der Schweiz 50 000 Frcs. aufgebracht. Die Sammlung ist ' noch nicht abgeschlossen. Im Hinblick auf das unermeßliche Elend der Juden Osteuropas, zu dessen Linderung rasch« Hilfe und reichliche Mittel dringend benöngt werden. I

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