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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-11-21 · 25 (21.11.1919) · p. Seite 283

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
25 (21.11.1919)
Date
1919-11-21
Page
Seite 283 (sequence 5)
Language
German
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283 de» zu leiten. Keiner von ihnen hat seitdem das Land wieder Derlasien. Der Zuttitt zu den öffentlichen Ämtern ist allen Staatsangehörigen ohne Unterschied der Religion geöffnet. Das jüdische Element ist in einigen Ministerien und im Professorat würdig vertreten. Die freien Berufe stehen ebenfalls den jüdischen Akademikern offen. Es gibt in Bulgarien angesehene jüdische Ärzte, Architekten. Ingenieure ufw. Viele Banken und Jndustrieunternehmungen find in jüdischen Händen. Prozesse zwischen Juden und Bulgaren find äußnst selten. Die Juden nehmen in hohem Maße am politischen Leben des Landes teil. Bei den letzten Abgeordnetenwahlen befanden fich Juden auf allen Kandidatenlisten. In den 'Direktionskomitees vieler Parteien fitzen Juden und ihre Stimme ist auch schon in der Kammer erklungen, wo fie bald vertraut sein wird. Niemals hat Bulgarien versucht, die Juden zur Assimilation zu veranlassen. Der Bulgare denkt ganz richtig, daß ein Jude, der seine Nationalität verleugnet, auch kein guter Bulgare sein wird. Die Entwicklung des jüdischen Nationalgefühls unterliegt nicht nur keinerlei Einschränkung. vielmehr hat erst kürzlich ein Kabinettsmitglied vorgeschlagen, "alle jüdischen Schulen auf Staatskosten zu unterhalten. In Sofia unterhält die jüdische Gemeinde drei Schulen mit etwa 2000 Schülern und einem Jahresbudget von 230 000 Frs. Diese Schulen sind wahre Stätten der nationalen jüdischen Kultur. « » » Rgudas und misradii. Zürich. Herr Rabbiner Dr. Lewenstein hielt im Zunfthause „Zur Waag" vor überfülltem Saale auf Einladung der Augudas Israel, Ortsgruppe Zürich, einen Vortrag über das Thema: „Die Agudas Israel im Zeichen des Weltfriedens." Die Zuhörerschaft setzte sich nicht nur aus Mitgliedern der Gemeinde des Herrn Referenten und der Agudas Israel, sondern auch aus Angehörigen der Misrachigruppe zusammen. Der gewandte Redner nahm Bezug auf seine im Aufträge des Zentralbureaus der Agudas Jisroel unternommene Reise nach England, Frankreich, Holland und Skandinavien und rühmte den Erfolg, den die Bemühungen zur Gründung von Agudasvereinen in diesen Ländern hatten. In London, wo er sich 31 Tage aufhielt, gehört sogar ein Mitglied der Misrachi dem Vorstand des neugegründeten Vereins an, ein Beweis, wie weitherzig die Agudas sei und jeden in ihrer Mitte aufnimmt, der sich auf den Standpunkt der Tauroh stellt. Alle Jesfim mögen kommen, sie schließen keinen aus, sic denken auch nicht daran, im Privatleben des einzelnen zu schnüffeln. Auch in Frankreich ist es gelungen, eine Gruppe zu organisieren, deren Präsident augenblicklich in unserer Mitte tveilt. In Holland hat sich die Rabbinervertretung mit Ausnahme eines einzigen, der Misrachi ist, für die Agudah ausgesprochen. Ein gleicher Erfolg lvar in Skandinavien beschieden. Wohl trennt uns ein fundamentaler Unterschied vom Zionismus, weil die Agudah alles unter dem Olestchtswinkel der Thorah tue. Auf diesem Standpunkt stehe sie auch in bezug auf Erez Jisroel. Wir können deshalb auch nicht mit den Misrachi zusammen arbeiten, weil die Misrachi nicht frei ist. Sie sind ein Teil des Zionismus und müssen sich ihm untertverfen. Wir arbeiten auch für Erez Jisroel, aber unsere Arbeit trägt die Tefilloh schcl Rausch offen vor aller Welt auf dem Kopfe. Alle Völker sollen es sehen, daß der Name Gottes über uns steht. Aber wir wollen doch, wo es möglich ist und wo unsere Thauro nicht in Gefahr ist, mit allen, auch mit den Zionisten, zusammen arbeiten, wir wollen Scholaum mit allen, unsere Arbeit soll für Koll Jisroel ohne Ausnahnie sein, und deshalb heißen wir auch alle Mitarbeiter, woher sie auch kommen, willkommen, wenn sie sich mit uns vereinigen auf dem Boden der Thauroh. Und so rasen wir v auch den Misrachisten zu, kommt zu uns, damit wir gemeinsam für unsere heilige Lehre arbeiten können, denn Thauroh geht über alles. Der Dank der Zuhörer für die interessanten Ausfühnmgen des Redners drückte sich durch reichen Beifall aus, dem der Leiter der Versammlung. Herr EttUnger, noch besonderen Ausdruck verlieh. Die Di-- kussion eröffnet« Herr A. I. Rom, der Präsident der Mirrachi-Landesorganisation der Schweiz. Cr freute fich über die Friedensworte des Referenten, doch sei nicht immer so in den Reihen des Agudah gedacht worden. Dy Redner sagte, alle seien dort willkommen, zu der Weltkonferenz der Orthodoxie, die hier stattgefunden hat, hat man aber die Misrachi, die auch auf dem Boden der Thora stehen, nicht eingeladen. Daß wäre berechtigt gewesen, wenn die Einladungen von der Agudah ausgegangen wären, aber nicht von den Orthodoxen. Der Referent behauptet, daß die Agudah sämtliche oder wenigstens das Gros der Orthodoxen enthalte; das kann auch nicht richtig sein, da nach den neuesten Berichten es der Misrachismus ist, der fich immer weiter ausdehnt; doch kann er fich auch nur den Worten um Scholaum anschließen, da die Gefahren von Kindlicher Seite zu groß find, um unS den Luxus einer Zersplitterung gestatten zu können. Herr D. Weinbaum begrüßt die Scholaumverheißung, bedauerte aber, hinter jedem Scholaumwort ein „aber" von dem Herrn Referenten vernommen zu haben; da wird das Vorhergehende durch das „aber" zerstört Weuic der Herr Referent von' einer Kluft zwischen Zionismus und Agudah spricht, so hat er recht, da der Zionismus durch die Politik und nicht die Religion das jüdische Volk vertritt. Das ist Sache der Agudah und anderer religiöser Verbände. Aber zuerst muß -das Politische erledigt werden, dann das Religiöse; das kommt dann ganz von selbst, wenn die religiösen Parteien zusammenarbeiten. Deshalb sollte die Aguda die politische Vertretung ebenfalls dem Zionismus überlassen und nicht Sonderaktionen an der Friedenskonferenz vornehmen. Die gegenwärtigen Leiter der Weltgeschicke verstehen zu wenig von jüdischen Dingen, um das Politische vom Religiösen auseinanderhalten zu können. Ihnen gegenüber müßte das gesamte jüdische Volk eine geschlossene Front bilden. Da aber der Referent selbst zugab, daß auch das Misrachi das Thoraprinzip im Auge habe, so sollte doch eine gemeinsame Plattform der Zusammenarbeit und Verständigung, ein Achdus gefimden tverden können. Das sollte die vornehmste Aufgabe sein. Herr Eh. I. Eiß wandte sich in einigen Ausführungen, die allerdings wenlg von dem Flügelschlage der Friedenstaube berührt waren, gegen die beiden Diskussionsredner und rief daniit -Herrn Dr. Cand. jur. Kahn auf den Plan, der die Eisschen Darstellungen widerlegte. In seinem Schlußwort führte darauf der Referent aus. daß die Agudah keine Konkurrenzpartei. sein ivill, aber die Misrachi habe sein Augenmerk nur auf Palästina gerichetet. während die Aufgabe der Agudah auch das Thorawerk Becrcz Hagauivh im Goluth im Erez roel Unterkunft findest, die weitaus große Masse müsse im Goluth bleiben, und für diese müsse man auch sorgen. Ich begreife nicht, wie Herr Weinbaum und nach ihm .Herr Kahn von einer Ssnderaktion der Agudah in Paris sprechen können. Das sei nie der Fall geiresen. Er selbst habe die Forderlingen der Agudah Herrn Sokolotv in Paris übergeben, .und »oarte nun auf Antwort. Er wiederhole, daß die Agudah mit allen in Frieden leben und mit denen, die auf dem gleichen Thorastandpunkt stehen, in Thoradingen und mit den Zionisten in allen nicht religiösen Dingen geineinsam arbeiten will. Aber das eine habe er aus der heutigen Aussprache ersehen, daß solche gemeinsame Aussprachen der verschiedenen jüdischen Gruppierungen von Zeit zu Zeit von Nutzen tvären und viel zpr Verständigung beitragen würden. Damit endet dies interessante Versammlung. (Züricher Wochenzyg.) Dr. Pasmanik über den Zionismus. Dt D. Pasmanik, früher Priavatdozent in Genf, in letzter Zeit Mitglied der Krimer Regierung, der jetzt an den Arbeiten des Komitees der Jüdischen Delegationen in Paris regen Anteil nimmt, veröffentlicht unter obigem Titel-einen Artikel in den Londoner7,Jewish Times", dem

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