Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 25 (21.11.1919)
- Date
- 1919-11-21
- Page
- Seite 281 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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281 wohner zwangsweise zu mobilisieren, solange nicht das Schicksal de- Länder endgiltig Mgrsetzt ist. Auch dann Hütten die Einwohner noch das Optionsrecht und somit die eventuelle Möglichkeit, die polnische Staatsbürgerschaft abzulehnen. Der Protest ist von 5000 Personen unterschrie, bea. sowohl von Einwohnern der Stadt Bialystok als ander Orte des gewesenen Gouvernements Grodno. Wirrschau. Der Vertreter de- Joint Distribution Committee, Hirschfield, der jetzt als Nachfolger von vr. Bogen in Warschau weilt, versprach einer bei ihm erschienenen Delegation monatlich 100 000 Kronen für die Erhaltung der derzeit noch bestehenden Baron Hirsch-Schulen in Galizien und der Bukowina zu widmen, da diese Schulen nicht mehr wie bisher ihre Erhaltungsbeträge von der in Wien befindlichen Verwaltung der Baron Hirsch-Stiftung erhalten. Warschau. Am 22. Oktober wurde der ,Hajnt", ohne nähere Angabe der Gründe, von den polnischen Behörden verboten. An dessen Stelle erscheint in Warschau seit dem 23. Oktober ein Tagblatt unter dem Namen „Der Tog". Ukraine. Berlin. Im Berliner Tageblatt veröffentlicht vr. Paul Nathan einen Aufsatz, worin er auf Grund der ihm vorliegenden Akten feststellt, daß in der Ukraine rund 40 000 Juden bei den Pogromen umgekommen, gegen 100 000 verwundet oder zu Krüppeln geschlagen, fast 10 000 Frauen geschändet worden seien. Der Schaden an Hab und Gut wird auf über 100 Millionen Rubel angenommen. London. An der Konferenz des jüdisch-nationalen Arbeiterrats in England, die vor kurzem in London stattfand, beteiligten sich Delegierte von 28 Arbeiterorganisationen: Tradc-Unions, Zweige des Arbeiterrings, Poale-Zion-Vereine und Vereine der Sozialisten-Territorialisten (S. B.). Den Bericht der bis jetzt geleisteten Arbeit erstattete Morris Myer, der Herausgeber der „Jewish Times". Die Arbeit des Rats umfaßte sehr viele Gebiete. Das Mqnifest des Rats gegen die Judenverfolgungen in Rumänien fand mächtigen Widerhall. Als die Gefahr der Pogrome in Polen sich zeigte, veröffentlichte der Rat ein Memorandum über diese Frage und gewann so die englische Arbeiterschaft für die Protestbewegung gegen die Pogrome. Die Intervention der englischen Regierung in Polen vom November 1918 ist ein direktes Ergebnis dieser Bemühungen. Der Rat wirkte auch gegen die Agitation, die Einwanderung nach England zu beschränken, und suchte freundschaftliche Beziehungen mit der englischen Labour-Party. Der Verband gründete in London zwei Mische Trade-Unions, die der Leder- und Stockarbeiter. Ing. Kaplansky, der die Konferenz im Namen des Weltverbandes der Poale-Zion begrüßte, berichtete u. a. über die Absicht des Verbandsbüros, eine Arbeiterkommission nach Palästina zu entsenden, und forderte den Arbeiterverband auf, sich an der Kommission durch Entsendung eines Delegierten zu beteiligten. Der Vorschlag Kaplanskys wurde angenommen, und als Delegierter wurde der Führer der Bäckerttnion, Sharn, gewählt. London. Die wirtschaftliche Lage hat manchen jüdischen Kaufmann gezwungen, sein Geschäft auch am Samstag offtnzuhalten. Eine Bewegung ist im Gange, dahin zielend, ein Gesetz zu erwirken, daß die jüdischen Kaufleute entweder Samstags oder Sonntags geschlossen haben müssen. Die Untcrstiitzung der Regierung ist gesichert. London. Die Londoner „Gazette" teilt mit, daß im Monat Oktober 276 Naturalisationen vorgenommen wurden. Etwa 90 Prozent der* Naturalisierten find russische und galizische Juden. Amerika. New Aork. Unter Emanuel Reichers Leitung ist hier das „Jewish Art Theatre" entstanden. Zwar ist die Sprache der Jargon, aber die Bühne stellt sich höhere Ziele qtS die gegenwärtig existierenden jiddischen Theater, obgleich diese gegen die landessprachliche Kunst gehalten, immer noch gut abschneiden. Daß in dem neuen Theater etwas Besonderegeboten werden soll, geht aus der Tatsache hervor, daß Herr Reicher dafür «inen Beirat gewonnen hat, dem die Mitglieder der Truppe, die Theaterkritik der jiddischen Blätter und bekannte jüdische Schriftsteller angehören. Es Zöllen nicht nur für die Jargon-Bühne geschriebene Stücke aufgeführt werden, sondern auch Übersetzungen. New Kork. Hier hat sich unter Vorsitz von Morris Ruttonberg ein Komitee gebildet, das eine kräftige Aktion ^egunsten der jdischen Pogromopfer in der Ukraine einleiten will. Das Komitee hat beschlosien,. die Delegierten der ukrainischen Judenheit, M. Großman und vr. Caralnik, die sich jetzt in London befinden, nach Amerika einzuladen, um die amerikanische Öffentlichkeit über die Geschehnisse in der Ukraine zu informieren. (I. K. B.) Schweden. Stockholm. In einer Zuschrift an das schwedische Handelsamt legt der schwedische Generalkonsul in Jerusalem, Dalman, die Verhältnisse dar, die in kommerzieller Hinsicht zurzeit in Palästina herrschen. Der augenblickliche Handel sei zwar im Vergleich zu den im Kriege herrschenden Ver- 'hältnissen wieder ziemlich bedeutend, werde aber voraussichtlich völlig durch den Aufschwung in den Schatten gestellt werden, der in der Zukunft zu erwarten sei. Dieser Aufschwung sei durch die bevorstehende große jüdische Ein- Wanderung zu erwarten. Vor allen Dingen werde man in Palästina Holzwaren jeder Art brauchen, zumal die letzten noch im Lande befindlichen Wälder im Kriege abgeholzt worden sind. Ferner wird Papier, Petroleummotore und Pettoleumöfen gesucht. Weiter weist der Generalkonsul auf Telephonapparate hin, für die in Palästtna ein guter Absatz sein werde. Palästina. Jaffa. Wie das Londoner Jüdische Korrespondenzbureau aus Jaffa berichtet, sind die Bodenpreise in Palästtna um etwa 30 Prozent gefallen. Auch die Baumaterialien werden billiger. Man hofft auf ein weiteres Sinken, der Preise. \ Oer 2. November in Condon. Über die bereits in der vorigen Nummer erwähnte Versammlung berichtet das jüd. Korrespondenzbüro noch folgendes: Lord Robert Cecil richtete ein Schreiben an die Versammlung, in welchem er unter anderem sagt: „Die Verzögerung der Regierung der intemationalen Fragen, die der Krieg geschaffen hat, legt allen Völkern eine schwere Last auf. Die Erklärung aber, die die britische Regierung erlassen hat und die die andern alliierten Regierungen sich zu eigen geinacht haben, ist ein bedeutsames Moment für die Pazifierung der Welt und ich zweifle nicht, daß das jüdische Volk in einer verhältnismäßig kurzen Ztit die Möglichkeit erlangen wird, sich der Aufgabe des Aufbaues seines nationalen Heims in Palästtna zu widmen." Minister Alfred Mond sagt in seinem Briefe u. a.: „Es ist unmöglich, daß die feierliche Deklaration, die von den Großmächten gemacht wurde, in irgend einer Weise geändert oder daß ihre große Bedeutung vcrinindert würde. Ich habe keinen Grund anzunehmen, daß die Verzögerung, die unglücklicherweise eingetteten ist, zu einer Schädigung der Sache fiihren könnte, die uns allen sehr am .Herzen liegt." Ferner waren auch Briefe von Ormsby-Gore, der bekanntlich als politischer Offizier die Palästtna-Kommisfion begleitet hatte, von Lord Bryce, vr. I. Clifford, den Abgeordneten Arthur Henderson und Clynes und von zionistischen Föderationen der ganzen Welt eingelaufen. Lord Rothschild betonte in seiner Ansprache den Anteil, den die jüdischen Legionen an der Eroberung PalästtnaS genonunen hatten. Er wies auf die schreckliche Situation der Juden im Osten hin und erklärte, daß, wiewohl Palästtna nicht die Millionen der unterdrückten Juden fassen könne, es eine große Erleichterung der jüdischen Situation sein würde, werxn die Besiedlung Palästinas ihren