Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 25 (21.11.1919)
- Date
- 1919-11-21
- Page
- Seite 280 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Es ist zu hoffen, daß dmch diese- Zusammenwirken aller berufenen Faktoren eine kulturelle Aufgabe von größter Wichtigkeit, die sicherlich allenthalben freudig aufaegriffen werden wird, erfüllt werde und daß die zu schaffenden Gedenkzeichen als Dokumente einer ihrer Opfer würdigen DankeSbezeugung fortbeftehen und wirken werden. Berlin. Die Berliner Freie jüdische Volkshochschule hat ihr neues Studiensemester diese Woche eröffnet, vr. Hans Goslar sprach über wirtschaftliche Wandlungen im Leben der deutschen Juden im 19. Jahrhundert, indem er ein düsteres Bild von den wirtschaftlichen Aussichten der Juden in Deutschland, insbesondere der kleinbürgerlichen Kreise und der Angestellten entwarf. Der Redner empfahl den Zusammenschluß zu einer wirtschaftlichen Arbeitsgemeinschaft. Berlin. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde hat infolge des in voriger Nummer mitgeteilten Ministerialerlasses den Termin für die Wahlen zur Repräsentantenversammlung aufgeschoben, um die Möglichkeit der Aufstellung neuer Wählerlisten zu geben. Die Zionistische Vereinigung wird unter dem Namen „Jüdische Volkspartei" in den Wahlkampf eintreten und bat an me Spitze ihrer Kandidatenliste die Herren vr. Alfred Klee, vr. Loewe, Direktor Karesky und Rechtsanwalt vr. Löb gestellt. Berlin. In das Handelsregister ist die Abänderung der bisher unter dem Namen „Kriegskommission füi rituelle Lebensmittel G. m. b. H." in Berlin bestehenden Firma in „Zentralstelle für rituelle Lebensmittel G. m. b. H." ein' getragen worden. Berlin. Die Verbindung im K. C. (Kartell-Konvent der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens) „Sprevia"-Berlin, beging am 22. Oktober ihr 25jähriges Stiftungsfest und hat aus diesem Anlaß Herrn Geh. Justizrat Eugen Fuchs, den Vorsitzenden des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, zum Ehrenvov sitzenden ernannt. Deutsch-Österreich. Wien. Die Österreichisch-Israelitische Union erläßt folgende Erklärung: Die Forderung nach Anerkennung einer jüdischen Na tion in der Republik Österreich war bisher lediglich Gegenstand von Meinungsverschiedenheiten innerhalb der öfterreichlichen Judenschaft. Durch die Anträge deS chrisüich-sozialen Abgeordneten vr. Gimpl und des jüdischnationalen' Abgeordneten Stricker, bei der bevorstehenden Volkszählung' das Bekenntnis zur jüdischen Nationalität zuzulasien, ist diese Frage nunmehr auch zur parlamentarischen Diskussion gestellt worden. Die weitergehenden Absichten, von denen sich die Christlichsozialen bei dieser Unterstützung der jüdischnationalen Bestrebungen leiten lasien, gehen aus dem zweiten Antrag Gimpl, die Juden von der Wehrmacht auszuschließen, und aus dem in einer Versammlung formulierten Programm des Abgeordneten Kunschak, die Juden in einen nationalen Zwangskatastrr zu verweisen und sie zu den öffentlichen Ämtern sowie zu Schulen nur im Verhältnis ihrer Volkszahl zuzulasien, hervor. Die Anerkennung einer jüdischen Nation in Österreich wäre hiernach nur die Voraussetzung für die Aufhebung der staatsgrundsätzlich statuierten Gleichberechtigung und der Beginn einer Ausnahmegesetzgebung für die Juden. Demgegenüber betonen wir in Übereinstimmung mit der überwiegenden Mehrheit dev österreichischen Staatsbürger jüdischen Glaubens neuerdings unseren in der Presie und in Versammlungen wiederholt kundgegebenen Standpunkt, daß das einigende Band für die Judenheit nur die in unserer Religion enthaltenen ethischen Grundsätze sind und daß es jedem Juden freistehen müsse, sich zu jener Nationälität zu bekennen, der er sich durch Heimat, Sprache und Erziehung zugehörig fühlt. Für die Konstituierung einer jüdischen Nation in der Republik Österreich fehlen die unerläßlichen Grundlagen der sprachlichen Gemeinschaft und der geschlossenen territorialen Siedelung. Die Zustimmung und Förderung aber, die di« jüdischnationale Bewegung von seiten der antisemitischen Parteien findet, läßt unbeuEch ihre Gefahr für die öffentliche Rechtsstellung der Staatsbürger jüdischen Glaubens erkennen. An Stelle der pwatSbürgerlichen Gleichberechtigung soll «in fragwürdiger Minoritätsschutz treten. Das wäre der erste Schritt zu einer Sondergesetzaebung, deren Begrenzung nicht in unserem, sondern im Willen der Mehrheit läge. Wir werden deshalb alle Bestrebungen für die Anerkennung einer jüdischen Nation in Österreich — mögen sie von antisemitischer oder jüdischnationaler Seite oder gar von beiden zusammen ausgehen — auch fernerhin mit allen zulässigen Mitteln bekämpfen. Wien. Rabbi Josef Engel von Krakau, Mitglied des Rabbinerrates der Agudas Jisroel, einer der bedeutendsten Gaonim der Gegenwart, ist am Freitag den 24. Oktober, abends, im 61. Lebensjahre in Wirnverschieden. Die Beerdigung fand am 26. Oktober unter Beteiligung sämtlicher in Wien weilenden orthodoxen Rabbiner und Großräbbtner statt. Die sterblichen Überreste wurden nach der Schifftschul verbracht. Die Trauerreden hielten die Rabbiner von Brody, Bucsacz, Sokolow, Starysambor, Bohorodcany und der Agudah-Obmann Thumim. Anwesend waren etwa 20 000 Personen. Die Trauerfeier dauert« 6 Stunden. Wien. Der Wiener Polizeipräsident teilt mit, daß bis jetzt ungefähr 8000 Juden in Wien ausgewiesen worden sind. Schweiz. Zürich. Wer geglaubt hat. daß es in der Schweiz keine Judenfrage gibt, wird dmch die antisemitischen Auslassungen, die in der letzten Zeit immer häufiger in den Spalten einer Reihe schweizerischer Blätter gefunden werden können, eines Besseren belehrt. Symptomatisch ist die folgende Äußerung der „Zürichsee-Zeitung" vom 3. Oktober: „Unsere Juden sollten für die Abwanderung der neueingewanderten Juden sorgen, denn, sagen wir es offen heraus, die Sttmmung im Schweizervolk gegen die Juden ist auf einem Punkt angelangt, der nicht mehr eine Steigerung verttägt, ansonst auch bei uns an gewisse Möglichkeiten zu denken wäre. Das Schweizervolk will diese Orientalen nicht. Und wenn hier nicht Abhilfe geschaffen wird, so könnten selbst für die altansässigen Juden sehr unangenehme Folgen eintteten. Dieselben handeln also in ihrem eigenen Interesse, wenn sie ihr möglichstes tun, um hier Remedur zu schaffen." Dänemark. Kopenhagen. Die vor einiger Zeit hier ins Leben gerufene Palästina-Aktiengesellschaft „Chiram" hat ihre Arbeit nunmehr'ausgenommen. Die Leitung der Geschäfte liegt in Emopa in den Händen des Herrn William Penis (Kopenhagen). Die Zweigniederlasiung in Palästina steht unter der Leitung des, Herrn Josef Salzmann. Von dem Aktienkapital der Kopenhagen« Gesellschaft sind 500 000 dänische Kronen eingezahlt. In kurzem wird eine Niederlassung in London eröffnet werden. Die Gesellschaft hat größere Mengen derjenigen Wa- - ren, die Palästina zmzeit am meisten entbehrt, eingekaust: Baumaterialien aller Art, insbesondere Schnittholz in großen Mengen, Dachdeckungsmaterialien, Orangenkisten, Maschinen, EinrichtungS-, Haushaltungs- und Gebrauchsgegenstände. Di« Gesellschaft beabsichttgt, auch den privaten Güterverkehr nach Palästina in weitem Maße zu fördem, und ist bereit, Stückgüter mit ihren Sendungen zu expedieren. Der erste Transpott im Umfange von über 2000 Kubikmeter ging am 25. Oktober ab, ein zweiter folgt voraussichtlich im U^vgvillOvt« Polen. Kowno. Wie die Kownoer „Jüdische Sttmme" mitteclt. überreichte die jüdische Bevölkerung deS Malystoker Krecsts der polnischen Zenttalbehörde eine Petition, in der «gen die Mobilmachung protestiert wird, die die polnische Kttegsbehörde im Dialystoker Kreise vomimmt. Im Protest wird darauf hingewiesen, daß die polnische Behörde als eine Okkupationsbehörde nicht befugt ist, die OrtSein-