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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-11-21 · 25 (21.11.1919) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
25 (21.11.1919)
Date
1919-11-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Erscheint mit Erlaubnis der britischen Militärbehörden. Jüdischer tzote : erscheint jeden Freitag. Bezug«-: r preis: 60 Pf. monatl. Zu beziehen : j durch sämtliche Postämter oder; | durch den Botenverlag in Bonn.: vom Rhein i «nzetgenprri«: b0 Pf. für dir vier-: : grsp. Prtitzrtle. Bei Wirdrrholunr; gen entspr. Rabatt. Postscheckkonto:; : Botenverlag Bonn, SSln R. 74717.: Jüdisches Wolksblatt herausgegeben von Rabbiner Or. L«U Loh«. Bonn. Schristleitung und Geschäftsstelle: Bonn, Brüdergaffe 52. Kummer 25 Aorm» 21. Wovemöer 1619 — 28 Kheschwarr 5680 l. Jahrgang. □naaaiiDaaaaaaDaDioiDiotaaaaDDaaaDDDDDaaaDDa a a □ a 8 Wochenadschnitt mMn. g a □ a a □PDDaaaaDQODaaaaaaaaaaaanDDDanainiaaaaDaD Gier und Geilt. Und die Knaben wuchsen heran. Esau aber war ein - Mann de« Felde«, .kundig der Jagd; Jakob aber war «in frommer Mann, der bei den Zelten blieb. — Einst kochte Jakob ein Gericht, da kam Esau vom Felde und war hungrig. Da sprach Esau zu Jakob: „Laß mich doch von dem Roten, dem Roten da schlingen, denn ich bin hungrig!" — Jakob sprach: „So verkaufe mir sofort deine Erstgeburt!" Sprach Esau: „Siehe, ich muß ja doch sterben, wa« soll mir da di« Erstgeburt?" Sprach Jakob: „Schwöre mir sofort!" Da schwur er ihm und verkaufte seine Erstgeburt an Jakob. Jakob gab Esau daraus Brot und da« Linsengericht, und er aß und trank und stand auf und ging. So verpachtete Esau die Erstgeburt. 1. Mose 2b, 27—34. Eine der großartigsten Geschichten unseres alten Buches. Großartig in der Darstellung und ebenso großartig in der Idee. Großartig in der Darstellung: Zwei Männergestalten, >ewig sich fern wie die Pole der Welt, stehen geaen einander und kämpfen in einem kurzen Augenblick den Kampf ihres Lebens und ihrer Naturen aus. Da kommt Esau, der Mann des Feldes. Man fleht förmlich sein Jagdgerät in den Winkel fliegen, sieht seine Nase über dem brodelnden Topft, hört den Heißhunger seiner rauhen Stimme, und als er geht, hört man das Rücken des Schemels, den er von sich stieß: „Und er aß und trank und stand auf und ging." Wie ist hier eine rohe, brutale, gewaltsame und dumme Art in wenigen Worten mit äußerster Plastik hingestellt, ohne das geringste schmückende Beiwort oder die mindeste Kleinmalerei. Daneben Jakob, der stille Mann bei den Zelten: Die prüfenden, wägenden Augen des Klugen schauen aus jeder Zeile heraus. Dabei in zehn Worten gefckßt der volle Ausdruck deS Ekels vor der Gedankenwelt hes Bruders. In diesen zehn Worten wiederholt sich eines von ihnen: „Verkauft mir s o f o r t —l" — „Schwöre mir s o f o r t I" — In dteftm-Sofort ist die ganze Situation des „Jetzt oder nie!" gegeben, in der Jakob lebt, und damit die Spannung erzeugt, di« nur der Vorgang eines gewagten Spiels zu erzeugen vermag: Wahrlich, meisterhaft! Hier die Gier und dort der Geist, beide kreisend um den Begriff der Erstgeburt, die alles umfaßt, was dem «inen da8 Leben lebenswert, dem andern den Tod bitter macht: „Ich muß doch sterben, was soll mir die Erstgeburt?" kalkuliert der eine; „Hab ich die Erstgeburt, so Hab ich das Leben!" weiß der andere. Mag dieser immerhin schlau, verschlagen, die Blöße deS Gegners nutzend erscheinen und das alt« Gebot übertretend: „Du sollst dem Blinden keinen Falltrief legen!" — (unsere Bibel hat niemals und am wenig» ten die Thora ihre Gestalten idealisiert, sondern ihre Wucht lehoben durch die'Darstellung auch ihrer Schwächen) — so muß doch die Kraft und Fülle seines Geistes bewundert werden, der mit durchdringender Klarheit erkannte, worin der Kern der Lebensftage lag, von der die Verheißung Abrahams abhing.— Gier und Geist, Fleisch und Idee, Tod und Leben, um diese zwei Pole dreht sich nicht nur die Geschichte Jakobs und Esaus, sondern auch die Geschichte der ganzen Menschheit, und es ist das Ewige an unserer Bibel, daß sie — zumal in den Geschichten der Urväter — die Geschichte der ganzen Menschheit und aller Menschlichkeiten dazu uns gibt. In einer Zeit, wo alle Welt, drinnen und draußen, in der Elektrischen wie auf dem Damenkränzchen, in der Eisenbahn wie auf dem Büro, beim Spaziergang wie im Gotteshauft nur vom Essen redet und wie mairs beschafft, von der Butter, den Eiern und dem Fleische, erinnert uns eine solche Geschichte zur rechten Zeit, daß wir unser wahres Leben nicht verschachern sollen um das Linsengericht der täglichen Bedürftigkeit. Und wenn wir auch ohne Butter, Milch und Brot nicht leben können, wenn wir's auch heute in der Zeit des Elends nötig haben, zu schaffen und zu raffen mehr denn je, — wie «in Leuchtturm sollte doch immer unverlierbar den Augen der sturmverschlagene Menschenschiffer die Er st ge burtdesGeistes stehen, und lieber aus Not und Darben des Geistes Glut auflodern, der die Welt erleuchtet, als des Bauches Gier, der nichts gewiß ist als der morgige Tod. Emil Cohn. GRocbenfcbau* Tatsachen und Ergebnisse. TanüaaüDijQDaüciacDDDaaaaooocjnD' '□rnnuaccKH:, Deutschland. v Berlin. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund erläßt an alle Gemeinden einen Aufruf, in dem er sich bereit erklärt, den Gemeinden, die die Absicht haben, in ihrem Gotteshaus« eine Gedenktafel für die gefallenen Krieger oder Ehrendenkmalc auf ihren Friedhöfen zu errichten, mit Rat zur Seite zu stehen. Zu diesem Zweck ist ein Komitee gebildet worden, das vermittelnd zwischen den Gemeinden und Künstlern wirken und denen, die aus Mangel an Sachkenntnis oder an geeigneten Kräften nicht in der Lage find, sich ihren Wünschen gemäße Entwürfe und Ausführunaen zu beschaffen, zu künstlerisch wertvollen Werken verhelfen soll. Es wird mit allen in Betracht kommenden Bildhauern und Architekten in Verbindung treten und lädt alle künstlerischen Kräfte ein, es durch Einftndunß von Zeichnungen und Entwürfen zu unterstützen und zu fordern.

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