Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 24 (14.11.1919)
- Date
- 1919-11-14
- Page
- Seite 271 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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schweige denn bk wirklich guten auf eine schöne Weise geadelt hat. Max Herschel hat da- Beste seine- Leben- und seiner Kräfte in den Dienst unsereheiligen Schrifttumgestellt, jahrlang hat er im Bannkreis jener ewigen Poesien» gelebt, in ihnen geatmet und durch sie dem eigenen Idealismus zum Ausdruck verholfen. So ist er vorbildlich geworden für eine Zeit, die an den heiligen Schönheiten unserer alten Kultur achtlos und nur zu oft gar mit Verachtung vorübergeht, und für ein Geschlecht, dem jüdische- Denken und Fühlen nicht mehr so Lebenselement und letzter Ausdruck allen Fühlens ist wie ihm. Wenn wir ihm daher heute unsem Glückwunsch und Dank darbringen für das, was er als tätiger und tüchtiger Mann in unserer Gemeinde geleistet hat, sei es, daß er wirksamen Willen- Neueschuf, das sich bewährte, sei es, daß er lebendigen Geistes Anregungen gab, die fruchtbar wurden,' wir konnten es nicht besser tun, als indem wir in kurzen Strichen sein Lebensbild zeichneten, so wie es war und fich auswirkte nach allen Seiten. Wir wünschen dem Jubilar, der jn wenigen Wochen sein 80. Lebensjahr beginnt, daß er sich allezeit fteudig seines Lebens und Leistens bewußt bleibe, und daß ihm die Sonne des Lebens um die Abendzeit ebenso golden scheine wie einst, da sie in Mittagshöhe stand. EmilCohn. Po« Kern und Tal. Köln. In der Sitzung vom 1. November 1919 hat die Beamtenvereinigung der Synagogengemeinde den neuesten gesetzlichen Bestimmungen entsprechend einen Beamtenrat gewählt, bestehend aus Herrn Rabbiner vr. Caro als Vorsitzenden und den Herren S. Meyer und Kantor Cohn als Beisitzern. Zu Stellvertretern wurden die Herren Rabbiner vr Hannover, Religionslehrer Baum und Hayum ernannt. Köln. Am Sonntag den 2. d. M. hielt der Zion. Jugendverein „Haschachar" seine diesjährige Generalversammlung ab. Herr David Kohn konnte einen günstigen Tätigkeitsbericht abgeben. Im Laufe des Geschäftsjahres wurden zahlreiche Vorträge,'sowie Ausflüge und gesellige Abende veranstaltet. Errichtet wurde «in hebr. Kursus, ein hebr. Klub „Jwria", eine Jugendgruppe „Kadimah" und ein zion. Stammtisch, von denen jedoch nur die ersten zwei Einrichtungen Erfolg zeigten. Der Bibliotheksbericht zeigte, daß wir nun im Besitze von ca. 800 Büchern sind. Ebenfalls beftiedigte der Kassenbericht außerordentlich. Der Vor- ' stand dankte den Mitgliedern für das ihm erwiesene Vertrauen und teilte mit, daß er vor dem Scheid«» den Verein ins „Goldene Buch" des I. N. F. eintragen ließ. Dem Vorstande wurde Entlastung erteilt. Auf Antrag von Herrn Mendel Bader wurde nach Abstimmung der Verein in „Ostjüd. Jugendverein Haschachar" geändert. Aus der darauffolgenden Wahl gingen niit Stimmenmehrheit hervor: Herr M. Bader, David Kohn, I. Neugeboren, M. Friedmann, I. Grünblatt, Frl. Sarah Todfeld und Frl. Minna Glaß. Koblenz. Herr Siegmund Ostwald und Frau, Haetti geb. Mayer, in Stadt und Gemeinde allseitig geachtet und beliebt, begingen am 4. November das Fest der silbernen Hochzeit. — Für die in diesem Monat stattfindenden Stadtverordnetenwahlen sind 4 Juden als Kandidaten aufgestellt. — Herrn Artur Günther, Repräsentant der hiesigen Synagogen-Gemeinde, der seit 1886 dem Chor des Musikinstitut8 als sehr geschätzter Sänger ununterbrochen angehört, wurde wegenseiner langjährigen eifrigen Mitwirkung eine besondere Ehrung zuteiü — Herr Prediger Huhn wurde seitens der Stadt zum Mitglied des Arbeitsausschusses fiir Kriegsgefangenenhcimkchr gewählt. Koblenz^ Im Jüd-. Jugendbund sprach Herr Cand. jur. Weiler über „Geschichte des jüdischen Nationalismus". Der Vortrag, der mit lebhaftem Beifall au^enommen wurde, sollte eine Vortragsreihe verschiedener Redner für das Winterhalbjahr eröffnen und hoffen wir. daß der Jugendbund sich in Zukunft recht gut entwickelt. Siegburp. 'Am letzten Samstag Abend hielt hier im Jüdischen Jugendverein Herr Rabbiner vr. Cohn-Bonn einen Vortrag über „Judentum und Christentum", an den sich eine sthr angeregte Diskussion anschloß. Der Redner behandelte di« Frage zunächst historisch, indem^ er zeigte, wie da- Christentum audem Judentum entstand, sodann wies er die Wesensunterschiede zwischen beiden nach und bewies damit gleichzeitig, warum wir Juden find und es bleiben wollen und müssen. Die folgende Aussprache wuchs fich zu einer tiefgründigen und allseitigen Beleuchtung der religiösen Grundbegriffe des Judentumau-. ES beteilig« ten fich u. a. die Herren Lehrer Selig, Levifon, Heymann und Heymann jr. Esten. Die antisemitische Behauptung, daß die Juden die körperliche Arbeit scheuen, wird im der „Essener Arbeiterzeitung" vpn einem Angehörigen des Kruppschen Werkeenergisch zurückgewiesen. Dieser Korrespondent der „Arbeiterzeitung" weist darauf hin. daß eine ganze Anzahl mit Namen genannter Juden in den Kruppschen Hütten und Gruben schwerste körperliche Arbeit verrichten, und daß es im ganzen Jndustrierevier kaum ein größeres Werk gibt, auf dem nicht Juden in der Belegschaft oder als Meister werktätig arbeiteten. In Dortmund ist ein Jude Jnnungsobermeister. Gleichzeitig weist der Verfasser auf di« Äistungen der jüdischen Soldaten in der deutschen Armee im Weltkriege hin und hebt die. besonders hohe Zahl der jüdischen Uieger hervor. Saarbrücken. Die zionistische Ortsgruppe hielt am 30. Oktober ihre erste große Veranstaltung ab. einen Vortragsabend über „Jüdische Dichtung". Die Saarbrücker Zeitung berichtet darüber: Durch alle Perioden jüdischer Dichtung führte uns ani Donnerstag abend der Oberregisseur des Schauspielhauses Alfted Durra und seine Gattin, Frau Halka Durra-Heller, in einem Vortrag mit Rezitationen im Reformgymnafium. Von den großartigen literarischen Schöpfungen der spani- , scheu Juden mit dem Größten imter ihnen — Gabirol — bis zu den heutigen Tagen. In vorzüglicher Interpretation ließen die Vortragenden außer den Genannten noch eine Reihe jüdischer Dichter sprechen: Jehuda Halevy, Frankl, ’ Stepban Zlveig, Abraham Reisen, Jizchok Leib Perez, Schalom Asch und andere. Für manchen ein Stück Neuland. Die dichterische Kraft in dieser jüdischen Poesie fand ihren Gipfelpunkt in Zuckermanns „Maccabäer" und hinterließ starken Eindruck in der dramatischen Schilderung einer Pogrommetzelei. Und wie sollte es nichts Alfred Durra und Frau Halka Durra legten Seele und Empfinden in das Rspxochene Wort. Man hörte den warmen, überzeugenden und echten Ton. Reicher Beifall ward den Künstlern zuteil. Der Erlös des Abends war ein Scherfiein zum Ansiedeln von Pogromwaisen in Palästina. \ Der Bote erzählt: Der Kabbi und der Zaddik. Ein Bild aus dem chassidischen Leben. Bon I. L. Perez. Der Zaddik*) von Biala, Rabbi Noa, war zmrst einer der vorzüglichsten und hoffnungsvollsten Jünger des berühmten Rabbiners von Brisk1 2). Viele Jahre saß er zu seinen Füßen und lernte Thora. Mit'einem Male vierließ er seinen großen Lehrer: er wanderte einige Jahre in der Fremde herum, dann ließ er sich in Biala nieder.. Das Brisher Lehrhaus hat der Zaddik aus folgenden Gründen verlassen — es ward ihm da zu eng. Beim Brisker Rabbiner konnte und durfte er nur Thora lernen, mit 1) Zaddik chassidischrr Rabbiner. 2) Brest-Litowsk, von den Juden Brisk genani».