Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 24 (14.11.1919)
- Date
- 1919-11-14
- Page
- Seite 269 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3947615-6435923-6437055--0293-3947884- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
- Estraßb««. Da- Uraelittsche Konsistorium des Ober» rhriaS hat Jfaac Schwartz-Bordeaux zum Großrabbiner von Straßburg gewählt. Straßburg. An der philosophischen Fakultät der hiefigen Universität wurde ein Lehrstuhl für jüdisch-deutsche Dialekte errichtet. Schweiz. Bern. Eine „Bereinigung zur Förderung der rituellen Speisehäuser in der Schweiz" ist gegründet worden. Simon Erlanger jun.-Luzern ist Präsident. Zürich. Zürich zählt heute 12 000 Juden. Die Hälfte davon wanderte während des Krieges aus dem Osten zu. Österreich. Wien. Äbg. Dr. Gimpl und Genossen verlangten in einer Sitzung der Nationalversammlung in einem Anträge, daß die Juden nicht in der künftigen österreichischen Armee dienm dürfen. Wien. Die Regierung hat das Verbot der Aufführung von Arnold Zweigs „Ritualmord in Ungarn" in der Weise wieder aufgehoben, daß sie drei geschlostene Vorstellungen (Einladungen auf Namen) erlaubte. Wien. Adolf Stand, der frühere Abgeordnete und zionistische Führer, ist schwer erkrankt. Wien. Dev amerikanische Generalrat in Wien teilte dem Staatskanzler vr. Renner zum zweiten Male mit, daß die antisemitischen Vorfälle die Hilfe der Alliierten für Österreich in Frage stellen würden. Der Wiener Polizeichef hat jede antisemitische Demonstration aufs strengste untersagt. Ungarn. Budapest. Nach einer Mitteilung der jüdischen Wochenschrift „Egyenlöszeg" haben sich in der Zeit vom Oktoberumsturz bis zur kommunistischen Herrschaft 265, während der Diktatur Bela Kuns 903 und seit der Aufrichtung des Regimes Friedrich 1121 Juden taufen lasten. Darunter befinden sich 32 Ärzte, 77 Advokaten, 102 Ingenieure, 11 Apotheker, 16 Profestoren, 121 Fabrikanten, 402 Beamte, 95 Kaufleute, 41 Landwirte, 108 öffentliche Beamte. 12 Militärs 12 Schriftsteller und 31 Kunstmaler. Polen. Warschau. Eine Kommandit-Gesellschaft mit einem Kapital von 1 Million Mark unter dem Namen „Jisroel", deren Kapital zur Herausgabe einer Tageszeitung „Der Jude" bestimmt ist, wurde ins Handelsregister eingetragen. Auch andere Ausgaben lverden in das Gebiet ihrer Tätigkeit fallen. Diese Kommanditgesellschaft wurde von der „Agudas Haorthodoxim" gegründet. Wien. Die englische Untersuchungskommission, an deren Spitze Sir Stuart Samuel steht, ist in Warschau eingetroffen. Die Aufnahnre. die die Kommission inder polnischen Preste findet, ist begreiflicherweise außerordentlich absprechend. Warschau. Die ständig wiederholte Forderung der jüdischen Abgeordneten im polnischen Sejm, im Seniorenkonvent vertreten zu sein, ist jetzt erfüllt worden. Herr vr. Thon wird dieser Vertreter sein. - Wilna. In dem von den Polen nicht besetzten weißrussischen Gebiete besteht ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den Juden und der übrigen Bevölkerung, wofür die Beteiligung der jüdischen Bevölkerung an dem Heeresdienst den Beweis liefert. Im ersten weißrussischen Regirnent besteht eine nationaljüdische Kompagnie unter dem Kommando jüdischer Offiziere. Dieses Regiment bewahrte die jüdische Bevölkerung vor einem in Grodno versuchten Pogrom. In den nationalen weißrussischett Zeitungen wird die jüdische Intelligenz von der weißrusfischen Demokratie aufgefordert, bei dem Aufbau der nationalen weißrussischen Republik zu helfen. Wilna. Unter dem Vorsitz des Oberrabbiners Isaak Rubinstein und in Anwesenheit von 15 Rabbinern und zahlreichen angesehenen Privatleuten fand hier die Gründungs- Versammlung des Misrachi statt. Von Rabbinern wurde außer den Vorsitzenden ins Präsidium gewählt: Henoch Eiges, Meier, Marlitz und Abraham Jakob Kohn. Ukraine^ Kiew. In seinem Antwortschreiben auf di« Vorstellungen wegen der schauerlichen Judenpogrome versucht Denikin die Ursache der Pogrome zu „erklären". Er schreibt, daß an allen Orten, aus, denen die Bolschewisten vertrieben worden find, massenhaft'ermordete Christen, zerstört« und geplünderte Kirchen gefunden werden, während es unter den Juden gar keine Opfer gäbe und auch die jüdischen Synagogen unangetastet geblieben seien. Dies reize die einmarschierenden Soldaten, die ihren Zorn auf die jüdischen Einwohner entladen. Denikin erklärt auch, daß er einen' strengen Befehl gegen die Pogrome erlasten habe. Unglücklicherweise bezeugen die neuestens eingelangten Berichte, daß diestr Befehl auf die verwilderte Soldateska keinen Eindruck gemacht habe. Zweifellos bedarf man einer viel stärkeren Macht, als es di« Denikinschen „Ukase" find, um den Pogromen Einhalt zu gebieten. Laut „Jewish Times" wird jetzt in den entsprechenden einflußreichen Kreisen Londons eine rührige Tätigkeit entfaltet, um in wirksamer Weise weiteres Blutvergießen so weit als möglich zu verhindern. Berlin. Wie das jüdische Korrespondenzbüro in London berichtet, bezeichnet Denikin in einem Briefe an Koltschak die französische Regierung als „einen Pack von Juden, die nur schwätzen und nichts für die Regeneration des heutigen Rußlands machen". Kiew. Der Oberrabbiner von Kiew hat an die rumänische Regierung die Bitte gerichtet, den Flüchtlingen aus der Ukraine das Passieren des rumänischen Gebiets zu erlauben. Ter rumänische Minister für Bestarabien empfing ^den Oberrabbiner sehr unhöflich und schlug seine Bitte ab. Kiew. An der ukrainischen Universität in Kamenetz- Podolsk wurde eine Lehrkanzel für jüdische Wistenschaft errichtet, an welcher Vorträge über Geschichte und Literatur des jüdischen Volkes sowie über die hebräische Sprache gehalten werden sollen. Den Dozent für diese Lehrkanzel hat das Ministerium für jüdische Angelegenheiten zu, ernennen. London. Das jüdische Korrespondenzbüro in London berichtet, daß eine jüdische Handelskammer in London in Gründung begriffen ist. Der Zweck der Handelskammer ist der Schutz und die Förderung der jüdischen Handelsverbindungen mit allen Völkern und Ländern. Diese neue Institution wird die erste jüdische Handelskammer der Welt sein. Palästina. Jaffa, vr. Salktnd, der frühere Vorsitzende der Petersburger Gemeinde, weilt in Palästina, um Material über die Gesundheitsberhältniste zu sammeln und seine Ergebniste der Zionistischen Jahreskonferenz vorzulegen. Jerusalem, vr. Weizmann ist in Palästina eingetroffen; das Jüdische Stadtkomitee in Jerusalem veranstaltete einen feierlichen Empfang für ihn. An den Zwischenfeiertagen des Sukkothfestes fand in Jerusalem eine Tagung der jüdischen Turnerschaft Palästinas „Maccabi" statt, an der 500 junge Leute teilnahmen. Dem Schauturnen des „Maccabi" wohnte General Watson. der Chef der britischen Militärverwaltung, Colonel Storrs. der Militärgouverneur von Jerusalem, und Herr Ustischkin. Vorsitzender der Zionistischen Palästina-Kommission, bei. Jerusalem. Mbbiner Kuck, bekanntlich Mitglied des Zentralkomitees des Misrachi in Palästina, hat^gegen die Gewährung des Stimmrechts an Frauen für die Wahlen zu der auf den 18. November angesetzten Delegiertenversammlung der palästinensischen-Juden Stellung genommen. Infolge des Konfliktes in der Frage des Frauenstimmrechtes hat das „Provisorische Exekutivkomitee der palästinensischen Juden" (Waad Hasmani) beschlosten, die auf den