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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-11-14 · 24 (14.11.1919) · p. Seite 268

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
24 (14.11.1919)
Date
1919-11-14
Page
Seite 268 (sequence 2)
Language
German
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da» Ideal Abraham», d'a» in ihm lohte. Al» wenn fein Geist mit dem alten Elieser üb« di« Schwelle geschritten war: Zu Myriaden sollst du werden, RebeSa! Bölk« sollen sprießen aus deinem Leibe, Nationen dich Mutter nennen Wer sprach diesen Segen? Ein Mann, ein Hirte, der sein« Tochter hundert Meilen weit sandte in die Arme eines, den er nicht kannte. Rebekka ging. Und auch dies bewegt« sie tief. Zu Myriaden soll ich werden, Stamm-Mutt« soll ich sein. So stellte sie sich die Zukunft vor. Denn wa» der Mund de» Vaters sprach mit bebenden Lippen, da» brannte wie ein ewiges Feuer im H«zen dn Tochter. Es waren die Zeiten, in denen noch der Segen d« Eltern etwas bedeutete für die Kinder. Rebekka ging. Auf dem leis« schwankenden Rücken de» WüstentiereS ließ sie sich dahintragen durch die Steppe. ES war eine Reise von Tagen. An einem Abend, als die Sonne unt«ging und mit dunkelgoldenem Licht« daS weite Gefild übergoß, sah sie f«ne einsam einen Mann schreiten über die Fläche. Da glitt sie plötzlich zitt«nd vom Kamele. Sie kannte nicht den Mann, aber die ahnende Kraft der Liebe, die sie heimlich genährt hatte in den langen Tagen der Wüste, da ihr Auge gebannt hing an dem Horizonte, der ihre Zukunft verbarg, erkannte ihn doch. „Wer ist der Mann, der unS entgegenkommt?" fragte sie leise den Alten. „Es ist mein Herr. Da ließ sie einen Schleier wallen um ihr Haupt, und verhüllt erwartete sie ihn dort. Jsak aber trat auf sie zu und führte das Weib, da» ihm schon gehört hatte, ehe er sie kannte, in daS Zelt seiner Mutter. In seiner Mutt« Zelt. Er wußte, was er tat, und auch sie wird cs empfunden haben, die neue Stammmutter des Hauses. Es war ein tiefts Symbol, als der Vorhang des müttnlichen Zeltes zusammenwallte hinter ihnen. Das zweite Geschlecht der Verheißung begann seinen Emil Cohn. uu l: üuüo üo l; au .wüju (üocbcnfcbau. Tatsachen und Ergebnisse. Deutschland. Berlin. Zwecks ständiger Beschäftigung mit der immer dring« werdenden Auswandcrungsftage der osteuropäischen Juden hat sich in B«lin die „Jüdische Emigrations-Organisation" gebildet. Zweck der Organisation ist die wissenschaftliche Behandlung der jüdischen, namentlich der ostjüdischen Wanderungsfrage, sowohl der Auswanderungsnotwendigkeiten wie der Einwanderungsmöglichkeiten; die Ergebnisie der Forschung sollen weitmöglichst der Verwertung zugeführt werden. Die Organisation verhält sich neutral zu allen politischen und religiösen Sonderbestrebungen und erstrebt die Gründung paralleler Akionen in den wichtigsten anderen Ländern. Erster Vorsitzender ist. Profesior Dr. Silbergleit, Direktor des statistichen Amts der Stadt Berlin, zweiter Vorsitzender Profesor Dr. Kalischer, Präsident des deutsch-israelitischen Gemeindebundes. Dem Vorstand gehören ferner unter anderem an: Bankier Hugo Simon, Profesior Dr. Cassirer, Hamburg, Redakteur Fritz Engel und Dr. AlfonS Sußnitzki. Berlin. Die für den 27. Oktob« nach Berlin «inbcrufene erste Mitgliederversammlung der ZentralwohlfahrtSstelle der deutschen Juden ist auf Mi verschoben worden. B«lin. Der Verein jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina teilt mit: Das soziale Seminar begann wieder am Mittwoch den 29. Oktober bei Frau F. Wronsky, Bar» barosiastraße 60. Es werden die Grundzüge der mod«nen llontag den 1. Dezember krankheiten. d« Jugendfürsorge, des Wohnungswesens und der pflegerischen Fürsorge bei Bedürftigen. Meldungen sind» zu richten an da» Büro deS Kulturverbandes, Burohau» Böch. Burgstraß« 27. Telefon Amt Norden 9030. Berlin. Di« Freie Jüdische Volkshochschule hat in der vorvergangenen Woche di« Vorlesungen ihre» Herbstvi«teljahres begonnen. Der Lehrplan umfaßt gegen zwanzig Vorlesungen üb« allgemeine Religionswisienschaft und' Bibelkunde, geschichtliche, literaturwisienschaftliche und kunstgeschichtliche Gegenstände, sowie über Zeitftagen de» Judentums. Eine Anzahl von Hörsälen ist von d« Jüdiscken Gemeinde zur Vermgung gestellt worden. Auch in der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums finden Vorträge statt. Die Lichtbilderveranstaltqngen werden in der Aula der Kaiser Friedrich-Schule am Savignyplatz abgehaltei.. I Berlin. Geheimer Medizinalrat Profesior Dr. Ludwig Brieg«, der hervonagende Berlin« Bakteriologe, ist im Alter von 70 Jahren verschieden. Berlin. Am 19. v. M. veranstaltete die Berliner Bezirksgruppe Ost der Agudas-Jisroel-Jugendgruppen ihren zweiten Heimabend. Nach dn Festrede deS Herrn Siegmund Stein, in der er über die Aufgabe der Agudas-Jisröcl-Jugendgruppen sprach, und verschiedenen unterhaltenden Vorführungen dankte Hen Rabbiner Dr. Loewenthal in ein« kurzen Ansprache allen, die zur Verschönerung deS Festes beigetragen haben. Danzig. In den letzten Wochen hat in Danzig eine scharfe Hetze gegen die jüdische Bevölkerung eingesetzt. Die Juden wurden mit Drohbriefen und Schmutzpostkarten bedacht, Schmähschriften wurden versandt und an die Häuser angeklebt usw. Eine besonders boshafte Art hat einer dieser Hetzer ausgeklügelt. Er versendet an hiesige Juden antisemitische Flugblätter im geschlosienen Briefumschlag und gibt als Absender den Namen eine» hiesigen geachteten jüdischen Geschäftsmannes an. Bad Nauheim. Da» Israel. Frauenhetm wird auch diesen Wintn Herzkranke Frauen vom 15. November an gegen Vergütung der Selbstkosten verpflegen. Offenbach. Dn Verein zur Unterstützung notleidender Juden im Osten veranstaltete au» Anlaß seines einjäh. rigen Bestehens zum dritten Mal eine Wohltätigkeitsveranstaltung. Der geldliche Erfolg war ein guter; besonder» gut waren die Einnahmen für den zweiten Teil der Veranstaltung, sodaß zusammen ein Bruttoertrag von annähernd 1000 M. erzielt wurde. Frankfurt a. M. In ein« von der Deutschen Demokratischen Partei einberufenen Versammlung * sprach der hessische Kultusminister Prof. Strecker gegen den Antisemitismus. Man könne ein Volkstum wie da» jüdische nicht einfach mit Schlagworten abtun. Nur innerhalb der Lösung des gesamten Nationalitätsproblems lasie sich auch die Judenftage lösen. Hinter der gegenwärtig in Deutschland so stark betriebenen antisemitischen Propaganda stehe die Reaktion, die ihre Verschuldung an Deutschland» Not auf die Juden abwälzen will. B«lin. Die Jüdische Gemeinde gewährte ihren Angestellten Teuerungszulagen, und zwar 600 M. den Ledigen und 800 M. unb je 100 M. für jede» Kind den Verheirateten. Berlin. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin gibt allmonatlich ein Gemeindeblatt heraus, in dem sie ihre Bekanntmachungen und Personalienübersichten ihrer Mitglieder, wie Trauungen. Beerdigungen, Austritte au» dem Judentum, bringt. Di« Oktobernummer des Gemeindeblattes war nun eine übenaschung. Statt der gewohnten wenigen Zeilen füllte die Rubrik „Austritte aus dem Judentum" diesmal mehr als eine halbe Seite und enthielt fast 150 Namen.

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