Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 24 (14.11.1919)
- Date
- 1919-11-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Erscheint mit Erlaubnis der britischen Militärbehörden. jüdischer tzote I Der »Bote» erscheint jeden Freitag 1 veguggpret«: 50 Pf. monaUtch » Redaktton-schluß: Montag abend | Postscheckkonto Sein Nr. 74747. vom Rhein! Lnieigenprei»: 85 Pf. dt» vier» 1 i gesp.Petitretlr «l.«n,eig. 50Pf. | Oy »« V * f Ff* f* I* 11! dei Wiederhol, entspr. Rab. An» j ^DOlKSulCtn! »eigrnannahme 6t« Montag mittag j herausgegeben von Rabbiner Di*. Lmil Loh«, Bonn. Schriftleitung und Gaschästsstelle: Bonn, Tempelstraß« \2. Ktnumer 2j T Aonn» 14. Movember 1919 — 21 Kheschrvan 6680 1. Jahrgang. IQoonoaaaaflaaDaaianaiaDaDaDanaaoaaDaDaaDg a Wochrnadschnilt "n. g laDaaoDaDaaaoooaaDODanaaaoaaaonaaaaaaa Rebekka und Elieser. *'■ Wenn ich nun zu einem Mädchen sage: „Neige doch deinen Eimer und laß mich trinken!" und sie antwortet: „Trinke! Und / auch deinen Kamelen will ich geben", so möge eS sein, daß du diese deinem Knechte Jsak bestimmt hast. 1. Mose. 24, 14. * Was ist schön an dieser Geschichte, dieser Hirtenlegende, diesem Märchen der Wüste? Wir wissen es nicht. Aber daß sie schön ist und unendlich süß, das fühlen wir mit tiefer Rührung. Sie ist eben so schön, daß wir gar nicht ihr« Schönheit nachrechnen können; schön wie ein Falter, besten Schimmer zerstiebt, wenn wir ihn nur berühren. . Es ist di« Geschichte einer Werbung; die Geschichte eines Weibes, das einem Manne folgt.' Und doch — das Ist das Wunderbare — es ist eine Geschichte ofipe Leidenschaft,'ohne Glut, ohne Liebe. Ein greiser Knecht wirbt sür Abrahams Sohn in weltentlegener Fremde. Er trifft ein Mädchen, das ihm wohlgefällt, und fragt sie : Willst du mit mir ziehen? — Da antwortet sie ganz einfach: „Ja, ich will!" DaS ist alles. Eine ruhige, gefühlsarme Geschichte scheinbar. Und doch fühlen wir etwas Unfaßbares und Unnennbares, das einen zauberhaften Schleier über diese Geschichte breitet. Wahrhaftig, ein Dichter hat sie uns erzählt. Meinst du, die Geschichte ist einfältig? Mag sein. Aber so einfältig sie ist, so rein ist sie, so jungfräulich und so keusch. Rebekka! Wie wenige wird von ihr gesagt: „DaS Mädchen aber war überaus schön, eine Jungfrau, noch keines Mannes." So stieg sie hinab zum Brunnen, den Krug auf der Schulter. Da lief Elieser ihr schon entgegen. Die anderen Mädchen, die da herabkamen, sah der Alte nicht. Als er sie aber erblickte, überkam eS ihn wie eine Erfüllung. Er hatte ja gebetet: „Gib mir ein Zeichen, du Gott meines Herrn! Das Mädchen, das ich bitte: Gib mir zu trinken! und das mir antwortet: Trink; auch deine Kamele will ich tränken! — die soll es sein!" . Was wollte er also? Was verlangte er von dem zukünftigen Weibe seines jungen Herm? Freundlichkeit. Nicht die Freundlichkeit auf dem Gesicht, sondern die lächelnde Hingebung einer schmiegsamen Seele. Immer mehr zu sein, als erwartet wird; jeden Wunsch in der Erfüllung zu beschämend Ach, er war ein weiser Mann, der alte Elieser. — „Auch deine Kamele will ich tränken." Die ist's. UnC.sie war sehr schön. Da schmückte sie Elieser mit Gold und Silber. Und fie gingen zu zweit in das Haus ihrer Eltern. Da beginnt Elieser zu erzählen. Er ist ein alter Mann, der sich nicht kurz fasten kann. Auch wohl ein wenig von der anmutigen Eitelkeit der Greise, die sich gerne sprechen hören. Dazu bewegt ihn das ganze Erlebnis so, daß ihm die kleinste» Dinge wichtig genug erscheinen, mit gerührtem Kopfnicken vorgetragen zu werden. So holt er zum Weitesten auS. Er erzählt, wie Abraham, sein Herr, ihn hat schwören lassen,. seinem Sohne nur aus verwandtem Stamme ein Weib zu nehmen. Und wie er an den Brunnen gekommen ist mit seinen Kamelen; und wie er so recht von Herzen gebetet hat zum Gotte seines Herrn Abraham. Und wie daS Zeichen sich erfüllt hat, das er verlangte; wie Rebekka ihm entgegengekommen ist; und wie sie so schön war und so freundlich: und wie er Gott gedankt hat und nun in ihr Haus getreten ist: „Wenn ihr nun also meinem Herrn Lie^ und Treue erweisen wollt, so sagt es mir; wenn aber nicht, so sagt es mir auch, daß-ich mich wende zur Rechten oder zur Linken!" So schloß er. Me hatten zugehört. Auch Rebekka stand dabei. Und alle erfüllte ein Gedanke. Bethuel, dev Vater, und Laban, der Bruder, sprachen ihn aus: Da« kommt von Gott! In Rebekka hallte eS wider: Das kommt von Gott! Wie rührend ist die Einfalt btefer aufrichtigen Wüstenkinderl War es nicht möglich, daß der Alte mit feiner Erzählung ein schlauer Erfinder war, der ihnen etwa« vorlog? Der Gedanke kam keinem: „Das kommt von Gott. Wir können nichts Gutes und nichts Böses sagen. Nimm unsere Tochter und zieh hin!" Wir können nichts Gutes und nichts Böses sagen. Nein, wirklich nichts Gutes. Sie liebten das Mädchen alle. Hätten sie gem behalten. Er nahm ihnen ihr Bestes. Aber doch auch nichts Böses: Nimm unsere Tochter und gehl Dann aber kam die Nacht, und es war für jeden eine Nacht der Unruhe. Am Morgen aber hatten sie alle eine Bitte: „Laß uns das Mädchen noch einige Tage hier, noch zehn Tage!" Aber Elieser sprach: „Haltet mich nicht aus, denn der Ewige hat glücken lasten meinen Weg. > Entlastet mich, daß ich heimkehre zu meinem Herm!" Da sagten sie: „Wir wollen das Mädchen rufen und sie selbst befragen:" Und sie riesen sie und fragten: „Willst du mit diesem Manne ziehen, Rebekka?" Sie antwortete: „Ja, ich will!" Ja, ich will! Es war die Entscheidung über ihr Leben. Vater und Mutter meinten vielleicht: Sie liebt uns nicht so, wie wir sie lieben. Sie will von uns fort. Aber es war nicht so, wie die Eltem meinten. Sondem es war, daß in ihr, der Schönen, am lautesten der Ruf erklungen war: Das kommt von Gott. So trug das braune Kind, ihre Liebe durch die Wüste dem Manne entgegen, den sie nicht kannte. Sie hatte den Mut des hingegebenen Weibes. Sie wußte nicht, welcher Zukunft sie cntgegenging. Und dennoch ging sie. Sie war eine junge, frohe, glückahnende Seele. Was konnte ihr widerfahren? Das kam ja alles von Gott. Bevor sic aber ging, empfing sie den Segen der Ihren. Sie legten ihr die Hände aufs Haupt: „Unsere Schwester, mögest du zu Tausenden Myriaden werden!" Dieser Segen war etwas Unerhörtes im Hause Bethuels. Denn es war