Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 23 (31.10.1919)
- Date
- 1919-10-31
- Page
- Seite 259 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3947615-6435923-6436996--0282-3947874- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
\ - 259 — Mitgliederzabl M organisieren. um die Konferenz durch Delegierte beschicken zu können. An den Plätzen, wo keine Ortsgruppen bestehen, müssen solche nach Möglichkeit gebildet werden. Ortsgruppen mit weniger als 50 Mitgliedern können sich mit benachbarten Ortsgruppen hinsichtlich der Delegiertenwahlen verständigen. Die ostzüdische Konferenz muß, um ihren Aufgaben gerecht zu werden, die autoritative Vertretung der gesamten Ostjudenheit in Deutschland bilden. Die Wahrnehmung und Verteidigung der ostjüdischen Interessen erfordert einheitliche Zusammen» fassung aller unserer Kräfte. Wir bitten, uns von dem Sang der Arbeiten für die Konferenz fortlaufend zu berichten, die auf der Konferenz zu behandelnden Fragen in den Vereinen und Ortsgruppen eingehend zu diskutieren und uns eventuell Anträge und Vorschläg «baldigst bekannt zu geben. Der Verband der Ostjuden in Deutschland. ' Berlin, Gormannstr. 29. Ko« Krrg und T«l. Slln. Der hiesige Bcamtenverein der 'Synagogengemeinde hat einstimmig beschlossen, an die Gemeindeverwaltung mit dem Ersuchen beranzutreten, bei Neuregelung des Wahlrechtes auch den Beamten gleich den Gcmeinde- * Mitgliedern das aktive und passive Wahlrecht zuzufichern. Siegburg. Am 28. Oktober hielt Herr Lehrer Seelig von hier im jüdischen Jugendbund Gabriel Riesser einen einstündigen Vortrag über das zeitgemäße Thema: „Vorurteil". Der Redner zeigte, wie das Vorurteil selbst einen großen Friedrich beherrschte, der s. Z. Moses Mendelsohn aus der Liste strich, weil er Jude war; auch andere große Männer sind in ihrem Leben vielfach diesem Vorurteil zum Opfer gefallen. Das Vorurteil beherrschte von jeher, von dem grauen Mittelalter bis in die Neu- und Jetztzeit, die Welt, und der immer darunter zu leiden hatte, war der Jude. „Das Vorurteil gleicht dem Irrlicht«, dem wir in finsterer Nacht folgen, und das uns, statt auf die rechte Bahn zu führen, ahnungslos in einen Sumpf lockt." Damit streifte der Redner den Gang durch die jüdische Geschichte und zeigte, was uns dies eine Wort an Leid und Kummer zugefügt. Mit großem Beifall wurde der Vortrag ausgenommen, an den sich eine längere Diskussion anschloß. — Bei-der am Sonntag den 26. v. M. getätigten Stadtratswahl wurde Herr Lehrer Seelig als Stadtverordneter gewählt./ Raubach (Westerwald). Der einzige Sohn des Herrn Gastwirts Heinrich Löb, hier, ist zur Freude der Seinen /aus der englischen Kriegsgefangenschaft heimgekehrt. Aus Hessen. Kürzlich starb in Hamburg der Rentner Hermann Schwarzschild> ein hochangcsehener Mann und vortrefflicher Jude. Er entstammte einer alteingesessenen und frommen Familie in Heusenstamm (Kreis Offcnbach), woselbst sein seliger Vater Jsr. Schwarzschild viele Hahre hindurch das Amt eines 1. Vorstehers bekleidete. Die Söhne wanderten aus. Der ältere Sohn Maier Schwarzschild gründete später düs Bankhaus Maier Schwarzschild in Frankfurt. Hermann Schwarzschild ließ sich in Hamburg nieder. Er widmete sein ganzes Dasein stets dem Guten, Wahren und^Schönen und übte viel Wohltätigkeit im Stillen. Nie vergaß er seines geliebten Heimatsortes und namentlich die jüdische Gemeinde, die er stets bedachte. In einer letzten Verfügung vermachte er derselben ein Legat von 10 000 M. und der Ortsgomeinde «in solches von 5000 M., deren Zinsen für Bedürftige in der Gemeinde Verwendung finden sollen. Die jüdische sowie die christliche Gemeinde werden ihm stets ein warmes Andenken bewahren. Frankfurt a. M. In der Nacht vom Freitag auf Sabbath starb dahier im 73. Lebensjahre Herr Geh. Justizrat Dt jur. Berthold Geiger, nachdem ihm vor Jahresfrist sein im Felde als Leutnant gefallener Söhn Rechtsanwalt Dt \ Alfred Geiger, sowie vor einigen Monaten seine Gattiti im Tode vorausgegangen waren., Er war ein Sohn des verstorbenen Rabbiners Dt Abraham Geiger und im Jahre 1847 hterselbst geboren. Im Alter von 21 Jahren hatte er sich als Anwalt niedergelassen und war viele Jahre hindurch ein gesuchter und erfolgreicher Verteidiger. Bi» in die letzten Wochen ging er mit geistiger Frische seinen Bemfspflichten nach. Anwalts-^und -Notar-Verein verdanken ihm ihre Gründung. In einer 40jähriaen öffentlichen Tä- > rigkeit erwarb er sich bleibende Verdienste. 20 Jahre hindurch gehörte er der Stadtverordnetenversammlung an. Umfassendes Wissen, genaueste Kenntnis der Frankfurter Verhältnisse, unermüdliche Arbeitskraft und «ine glänzende Rednergabe verschafften ihm, dem Wortführer der Fortschrittspartei, eine einflußreiche Stellung im Kollegium. Man wird ihm ein bleibendes Andenken bewahren. Oer Kote erzählt: — Kirr Testamente'). von I. L. P t r t) sWarschaul. I. Nach dem Tode des Rebb Eliesers Hajkrl fand nmn unter seinem Kopfkissen einen hebräisch geschriebenen Zettel folgenden Inhalts: „Ich wünsche, daß meine Hinterbliebenen das Holzgeschäst gemeinschaftlich weiterführen. Ferner sollen sie nach meinem Tode eine Einfassungsmauer um den Friedhof errichten und ein neues Dach auf der Synagoge Herstellen lassen. Alle »reine Bücher soll bekommen mein Sohn Benjamin, der jetzt verlobt ist, — er soll leben und gesund sein — da meine anderen Söhne und Schwiegersöhne — lang sollen sie leben — die ihnen zukommenden Bücher am Tage ihrer Hochzeit erhalten haben. Meine Frau — lang soll sie leben — bitte ich, in derselben Wohnung zu verbleiben und eine arme Waise zu sich ins Haus zu nehmen. Sie soll in Zukunft allein für sich „Kiddusch" und „Hawdalah" machen. Lebenslänglich soll sie ihren Teil des Einkommens erhalten, geradeso wie meine übrigen Erben. Ferner . . ." Das übrige war unlesbar. II. Rebb Benjamin, der Sohn des Rebb Elieser Hastet, hinterließ nach seinem Hinschciden — ebenfalls hebräisch abgefaßt — folgendes Schreiben: „Nun ist meine Stunde gekommen, die Stunde der großen Wiedervereinigung; und bald muß ich die schöne, hohe Gabe, tvelche mir als Pfand verliehen worden, ihrem Eigentümer und Gebieter zurückgeben. ES zittett jeder Sterblicher vor dem Allschöpfer, heißt es. Und doch trete ich den großen Weg nicht in Angst an, sondern mit ruhiger, fester Zuversicht in Gottes Gnade und Erbannen. Denn der Allvater ist groß und voller Güte. Zwar weiß ich, daß die mir anvertraute Seele verkrüppelt worden ist infolge zahlreicher materieller Sorgen und vieler anderer Schicksalsschläge . . ." > (Hier folgen Ideen über die menschliche Seele wie die von ihm fixierten moralischen Grundsätze, die wir fortlassen.) „Meine Beine werden nun starr", heißt eS sodann n>citer, „und die Gedanken verwirren sich." Gestern ging etwas ganz Wunderbares in mir vor:. Während des Gebetes schlief ich «in und hatte ungewöhnliche Visionen. Da fiel das Buch mir auS den Händen, und ich erwachte ... 1) AuS dem Neuhebräischen ßdersetzt von Irl. A. Brümann. i /