Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 23 (31.10.1919)
- Date
- 1919-10-31
- Page
- Seite 257 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
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2b\ Beschluß des obersten polnischen NationalratS nur 2 Prozent Juden ausgenommen! England. v London. (Eine jüdische Handelskammer.) DaS hiesige Jüdische Korrespondenzbureau berichtet,. daß eine jüdische- Handelskammer in London in Gründung begriffen ist. Der Zweck der Handelskammer ist der Schutz und die Förderung der jüdischen Handelsverbindungen mit allen Völkern und Ländern. Diese neue Institution wird die erste jüdische Handelskammer der Welt sein. Palästina. London. Die „Times" melden „aus kompetenter Quelle", daß die Fragen bezüglich Syriens und Palästinas V wie folgt geregelt wurden: Syrien würde einen autonomen Staat unter französischem Mandat, der Libanon, getrennt von Syrien, einen besonderen Staat ebenfalls unter französischem Mandat bilden. Palästina würde als besondere politische Einheit unter dem Mandat Englands konstituiert, so daß die Juden Gelegenheit hätten, unter englischer Mandatarschaft ihre Pläne bezüglich ihrer nationalen Heimstätte durchzuführen. Diese Regelung habe die Zustimmung der arabischen und jüdischen, wie der englischen und französischen Politik gefunden. Kopenhagen. Das Kopenhagener Zionistische Bureau berichtet: Die Britische Militärverwaltung in Palästina (O. E. T. A. d. i. Occupied Enemy Territories verwaltet Palästina nicht nach dem alten türkischen System der „Sanjaks", sondern hat das Land in Distrikte zerleget, von denen viele den alten „Kazas" entsprechen. Alle Distrikte unterstehen direkt dem Hauptquartier in Jerusalem. Es sind 10 Distrikte eingerichtet worden, und zwar Ber-' seba, Gaza (Subdistrikt Mejdel), Hebron (Subdistrikt Deir Aban), Jaffa (Subdistrikt Ramleh), Jerusalem ' (Subdistrikte Bethlehem, Ramallah, Jericho), Tulkeram, Nablus, Jettin Galiläa (Subdistrikte Nazareth, Liberias, Saffed, Beisan), Haifa (Subdistrikt Acre). ' . ' Napoleon I'. und die europäische Judenfrage . Als Napoleon im Mai 1812 in Kowno lagerte, befahl er, daß yian mit Danziger Juden Lieferungen abschließe, damit dieselben den Preußen nicht in die Hände fallen. Er selbst hatte sich Adressen von Juden verschafft. Nach einem alten Geschichtswerk von Graf von Segur. betitelt : „Napoleon und die große Arme«, empfing der Danziger Jude „Kubloscher" von dem Kaiser einen Brief, der in deutscher Übersetzung wie folgt lautet: „Mein Herr!' Wie mitgeteilt wurde, liefern Sie gut und billig. Das hat mein Herz erfreut! Wenn Gott mir zum Siege verhilft, so will ich Europa belveisen, wie dankbar sich ein. Kaiser gegen die Juden, Ihre Stammesgenosien, zeigt. Ick werde Europa Vorschriften machen und die CRfahr ausheben, in neue Barbarei zurückzusinken. Hat Ihr Volk die Finsternis des Mittelalters überstanden, so soll dieser Krieg dazu dienen, alle babarischen Völker in Zivilisierung zu versetzen! Wer könnte wohl glauben, daß es möglich ist, »venn man im Jahre des Heils 1812 noch Abneigung gegen dii Juden hat. Was soll der große Kampf der Menschen, der Krieg des Glaubens, »velcher die Staaten im Innern zerrüttet! Ich habe mich längst über die Leidenschaften der christlichen Welt durch eigene Anschauungen emporgehoben. Noch viel Blut muß vergossen lverden, ehe auch die Juden aller Länder Eurgpas die Sonne der Freiheit schauen I * In meiner Lage muß ich viele Jnteresien ausgleichen und Pflichten erfüllen. Hätte ich die Welt regiert, dann wären die Juden weiter. Es ist wahr, ich liebe Ihre Nation: Seit zwanzig Jahren erblicke ich Eure Kaufleute an meiner Seite, auf den Schlachtfeldern Italiens, und in den Gefilden Spaniens hat mancher Jupe für Frankreichs Größe sein Leben gelassen. Ich billige es. iwnn Ihr auch in Preußen nach Rechten strebt. Preußen hat große Pfaffrnmacht, das ist schlimm. Ich gebe meine Zustimmung zu den Anstrengungen, di« Ihr beginnen wollt. Alles, was in meiner Macht liegt, werde ich tun. Eure Bestrebungen zu unterstützen. Sind Eure Anstrengungen einstimmig, dann könnt Ihr die Hoffnung hegen, die Deutschen zur Anerkennung Eurer Rechte zu zwingen. Völker genug sind durch unermeßliche Grausamkeit, die sie an den Juden verübten, nicht ohne Berechtigung zugrunde gegangen. Man hat in die Welt hinausposaunt, ich hätte die Äußerung getan: „Die Juden sind die Raubritter unserer Zeit." Welch eine schimpfliche Lüge! Mein Gott, was soll ich in letzter Zeit nicht alles gesagt und geschrieben haben. Jetzt, mein Herr, habe ich einige Mitteilungen gemacht, die Ihr Herz erfreuen werden. Wahrlich, wie ich geschrieben habe, so denke ich! Der Kaiser Frankreichs ist dankbar! Alle Lieferungen schnell nach Kowno. Gehen uns die Gelder aus. so gilt mein kaiserliches Wort: Ich zahle jede Forderung! Mein Herr, ich habe die Ehre! — Napoleon." Dieser Brief ist grundhistorisch, denn er entstammt einer zuverläsiigen Quelle. Graf von Segur hat selbst im Dienste Napoleons gestanden und desien letzte Feldzüge Mitgemacht. Einige» aber dir poetischen SchSnhetten de» jünf- ' buche» Most». Von vr. Israel Hammer -Wiin. Das Fünfbuch Mosis zerfällt in Bezug auf seinen Inhalt in einen belehrenden und einen erzählenden Teil. Die Betrachtung und Besprechung des belehrenden Teiles, in dem schon dem ästhetischen Bedürfnisse durch die nach gewissen Gesichtspunkten geordneten Gesetze Rechnung getragen wird, behalten wir uns für einen späteren Zeitpunkt vor. Was wir uns diesmal zur Aufgabe machten, ist lediglich die eingehende Behandlung des erzählenden Äiles des Fünfbuches Mosis. In diesem Teile ist alles dazu angetan, sowohl dem unbefangenen Leser als auch dem, desien Geschmack durch klassische Lektüre geläutert wurde, alle Genüsie eines poetischen Meisterlverkes ersten Ranges zu verschaffen. Nicht nur Männer, wie Schiller und Herder, zeigen, daß sie sich viel und liebevoll mit dem Fünfbuche Mosis beschäftigt haben, sondern auch ein Philosoph, wie Nietzsche, dessen System doch die Moral dieses Buches bekämpft, ist von seinen dichterischen Schönheiten so begeistert, daß er bei Besprechung der Bibel in Verzückung gerät, die in folgenden Worten ihren Ausdruck findet: „Im jüdischen alten Testamente, dem Buche von der göttlichen Gerechtigkeit, gibt es Menschen, Dinge und Reden in einem so großen Stile, daß das griechische und indische Schriftentum ihm nichts zur Seite zu stellen hat. Man steht mit Schrecken und Ehrfurcht vor diesen ungeheuren Überbleibseln desien, >vas der Mensch einstmals war, und wird dabei über das alte Asien und sein vorgeschobenes Halbinsclchen Europa, das durchaus gegen Asien den Fortschritt des Menschen bedeuten möchte, seine traurigen Gedanken haben. Das Gefallen oder Mißfallen am alten Testamente ist ein Maß, ein Prüfstein für die Größe oder Kleinheit des Menschen." In der Tat lvetteifem Sprache und Inhalt miteinander, um den Leser zu entzücken und einen mächtigen und bleibenden Eindruck zu hinterlasien. Vor allem die Sprache. Nach Herder ist die Sprache dieses Buches das Muster einer poetischen Sprache. Was .Herder besonders an ihr lobt, ist die Handlung, die lebendige Bewegung, die sie zum Ausdruck bringt. Alles ist personifiziert und für die Sinne berechnet. Allein dieses Merkmal hat die Sprache des Fünfbuches mit den poetisäM Sprachen anderer Werke gemein. Was sie vor anderen voraus hat, ist die für das Fünfbuch jo charakteristische Kürze der Ausdruckslveise. Oft genügt ein einziges Wort, um eine Situation zu schildern, einen Charakter scharf zu zeichnen oder die Gefühle, die das Herz beivegtn, zum Ausdruck