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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-10-31 · 23 (31.10.1919) · p. Seite 256

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
23 (31.10.1919)
Date
1919-10-31
Page
Seite 256 (sequence 2)
Language
German
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»5« . Gastlichkeit ist wohl auch dir Lugend de- Freigebigen, hundertmal mehr aber noch die Lugend de- Verfolgten, Gedrückten. Vielangcfeindeten, audem einfachen Grunde, teeft sie sein — Bedürfnis ist. 8 mil To h n. MocbenscKau. Tatsachen und Ergebniffe. ii»i«i«iCTm«mrart«ii.umginra«i Deutschland. Berlin. Die Reichsschulkonfcrenz. In der Sitzung der Reichsschulvorkonferenz, welche dieser Tage in Berlin stattfand, wurde beschlössen: Die Regelung des Religionsunterrichts soll den Ländern überlassen werden. Der Religionsunterricht soll nicht prinzipiell aus den Schulen entkernt werden. Bezüglich der Teilnahme der Kinder am Religionsunterricht soll eine ausdrückliche positive Willenserklärung der Erziehungsberechtigten nicht gefordert werden. Die Erklärung auf Befreiung vom Religionsunterricht soll in der einfachsten Formvorgebracht werden können. Berlin. Eine Rekordzifser der Austritte aus dem Judentum weist der amtliche Bericht der Berliner jüdischen Gemeinde Oktober dieses Jahres auf. Danach beträgt die Zahl der mitgeteilten Austritte 149. Diese Zahl gewinnt besonders an Bedeutung, wenn man sich vergegenwärtigt, daß hier im Jahre 1918 im ganzen 182 Austritte aus dem Judentum erfolgt sind, während in den ersten zehn Monaten des Jahres 1919 387 Austritte^verzeichnet sind, von denen allerdings 25 bereits im Jahre 1918 erfolgt find. Der.Monatsdurchschnitt, der 1918 nur 15 Personen beträgt. ist im Jahre 1919 auf 39 Austritte gestiegen. Diesehohe Anwachsen der AustrittSzifftrn ist als eine unmittelbare Rückwirkung der revolutionären Gesetzgebung zu betrachten. Während in den ersten beiden Revolutionsmonaten die Zahl der Austritte sich auf 16 bzw. 17 belief, also den bisherigen Jahresdurchschnitt nur unwesentlich überstieg, zeigte sich nach der Veröffentlichung des Hoffmannschen „ErleichterungserlasscS" vom 13. Dezember 1918 ein rapides Anwachsen der Ziffern. Die Wirkung der Verordnung tritt schon im Februar in Erscheinung, wo 50 vollzogene Austritte bekannt gegeben werden. BreSlau. Vertreter aller religiösen Richtungen der Breslauer Synagogen-Gcmeinde haben sich zusammengefunden. um einen Verein zur Begründung und Erhaltung einer freien jüdischen Volkshochschule in Breslau ins Leben zu rufen. Ihr Zweck soll sein, durch volkstümliche Vortragskurse und Übungen das Wissen vom Judentum zu verbreiten. Die Volkshochschule hält an dem Grundsatz der Lehrfreiheit fest und gewqhrt somit allen Richtungen innerhalb deS Judentums Raum. Der Verein wird von der Breslauer Synagogen-Gemeinde durch einen einmaligen Beitrag don 5000 M. und einen Jahresbeitrag von 1000 M. unterstützt. Die Organisation schätzt die jährlichen Kosten auf ungefähr 20 000 M. Diesen Betrag hofft sie durch Mitgliederbeiträge und Eintrittsgelder aufßubringen, so daß di« Volkshochschule sich späterhin zum größten Teil selbst erhalten würde. Das Unternehmen ist «sichert, die Eröffnung der Volkshochschule steht unmittelbar bevor. Berlin. Der „Vorwärts" macht gegen den Antisemitismus energisch Front. Ob mit Erfolg, steht dahin. Er schreibt: „Wir wollest nicht den Religionshaß, und wir wollen nicht, daß der Rassenhaß in dem schon wahrlich genug zerklüfteten Deutschland geschürt wird. Wir reißen der Reaktion das antisemitische Gewand vom Leibe, damit alle Welt sieht, was sich unter dieser Hülle verbirgt. Es steckt darunter das reaktionäre Interesse einer Adels- und Großgrundbesitzerclique, die für ihren Besitz und für ihren E ausschlaggebenden Einfluß im^Staate bangt, der ihr entglitten. und den sie sich zurückerobern wlll. Erinnert euch, ihr Kleinbauern und-^Lapdürbeiter, daß die Erbuntertänigkeit euch verbleibe nsollte, indem man di« Aufhebung als ein ..Judengesetz" auSgab l Erinnert euch», städtische Arbeitermasfen. daß der erste politisch« Fortschritt bei un» im Jahre 1848 dem Volke verekelt werden sollte al» ein Werk „von Ausländern und Juden"!" Berlin. Auf vielfache Anfragen betreffend den neue- >trn Erlaß des preußischen MinisterdeS Innern über S Wahlrecht in den jüdischen Gemeinden (vgl. Nr. 22 des „Boten") teilen wir mit, daß künftig in allen preußischen Gemeinden wahlberechtigt sind alle v männlichen volljährigen unbescholtene» Gemeindemritglieder, quch-w^irn sLe noch nicht drei Jahre der Gemeinde angehören, keine Steuern entrichtet haben oder mit den Steuern aus Not oder anderen Gründen im Rück st and gebsieben sind und diese ihnen gestundet oder ganzerlassen sind. Deutsch-Ofterreich. . Wien. Bei der Beratung deS Gesetzes zur Vornahme einer außerordentlichen Volkszählung am 31. Dezember 1919 beantragte der Zionist und nationaljüdische Abg. De Streicher, schon bei dieser provisorischen Volkszählung die Juden als eigene Nation zu zählen. Er begründet seine« Antrag mit der Erklärung: „Die Juden sprechen wohl die deutsche Sprache als Umgangssprache, gehören aber nicht der deutschen Nation an. Die Forderung der Zionisten wurde immer entstellt wiedergegeben, indem dafteie Bekenntnis weggelassen wurde. Wir sind vollkomm«« überzeugt, daß in zehn Jahren die ganze Judenschaft soweit sein wird, sich frei, stolz und offen Lum Judentum zu bekennen. Redner stellt folgender Zusatzantrag: ,.$i die Zählblätter ist neben der Rubrik „Umgangssprache" auch, die Rubrik „Nation" aufzunehmen. Das Bekenntnis zur jüdischen Nation ist zulässig." Staatskanzler De Renner bekämpfte in zwei Reden im Namen der Sozialdemokratie diesen Antrag. Als er meinte: „Vorläufig kenne« wir nur eine mosaische Religion", rief ihm der Antragsteller zu: „Die sozialdemokratische Jntemationale kennt aber die jüdische Natton". Einige christlichsoziale Abgeordnete stimmten für den Antrag, zehn stimmten dagegen,' weil der Staatskanzler es als unmöglich erklärte, in der kurzen Zeit noch andere Formulare für die vorläufige Zählung herzustellen. Bei der allgemeinen Volkszählung des nächsten Jahres wird der Antrag sicher verwirklicht werden. Wien. Der Abgeordnete De Gimpl und Genossen verlangten in einem Anträge, daß die Juden nicht in der künftigen österreichischen Armee dienen dürfen. Ungarn. Budapest. Die Taufbewegung nimmt seit dem Aufhören deS Kommunismus rapide zu. Während der Diktatur Bela Kuns ließen sich hier 903, seit seinem Gtuq 1121 Juden tauftn. Ukraine. Warschau. Hilfe für die ukrainischen Juden. Lord Swayahling sandte auf Ersuchen von Sir Stewart Samuel hierher 40 000 Pfund Sterling, um die schreckliche Not der Juden in der Ukraine zu lindern. Warschau. Der ukrainische Ministerrat hat auf Antrag des Ministers für jüdische Angelegenheiten beschlossen, die Todesstrafe gegen alle der Beteiligung an Judenpogromen Schuldige zu verhängen. Solen. Warschau. An fast allen wichtigen polnischen Universitäten ist die Prozentnorm durchgeführt. In Lemberg, Krakau. Warschau werden Juden nur aufg^uommen, wenn sie in der polnischen Armee gedient habe». In Wilna wird Juden der Besuch der neuen Universität unmöglich gemacht. Ay der Universität Posen werden laut

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