Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 23 (31.10.1919)
- Date
- 1919-10-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Erscheint mit Erlaubnis der britischen Militärbehörden. % pom ivbtiti : 60 f f* monot^! / f gef p.qSetlt jette . ».«njetg. boPf. | ®iom°0 a6enl) | gy „ v.r o rfi gif Mg r Bei wiederhol, entspr. «ab. - «n. r Postscheckkonto Köln Rr. 74747.; : »eigen«mahme bi« Montag mittag | Herausgegeben von Rabbiner Dr. CllU Cotyft, Bonn. S4jrtftletiung nnd Geschäftsstelle: Bonn, Tempel stratze s2. Dkmmrr 23 | Bonn, 7. Wovember 1919 — 14 Kheschwan 6680 l. Istzrg«»-. DanaDDOooaaoaajDatokaoiaDoaDQaoaatiaaoaaciag 1 Wschenadschnttt § 8 . 8 ^oataanoaoaaaaäooaoaaaaaaaaoaaaDaaoa Einladungen.! Hernach erschien ihm »er Herr bei den Eichen i Warnte». Er sah zur Mittagszeit, als es sehr heih j mar, am Eingang seine» Zeltes. Al» er nun seine | Auge» erhob, sah er drei Männer, die in seiner Nähe standen. Da eilte er ihnen entgegen, verneigte sich zur Erde und sprach: ,Hett, wenn ich (dunst gesunden habe in deinen Augen, so gehe doch nicht vorüber an deinem Knechte I Lasse doch ein wenig Wasser bringen, daß ihr eure Füße wascht, und ruht unter diesem Baume au»! Ich will einen Bissen Brot holen, daß ihr euer Herz erquickt; hernach mögt ihr weilerziehen. Seid ihr doch nun einmal bei eurem knechte i »orübergekonftnen!" Sie antworteten: „Tue also, wie I ■ ' du gesprochen hast!" l. Mose, 18, 1—5. j Zwei jener Engel kamen am Abend nach Sodom. j Lot sah im Tore der Stadt, und al» er sie sah, ging er ihnen entgegen, verneigte sich mit dem Angesichte zur Erde und sprach: „O ihr Herren, kehret doch ein in da» Hau» eure» Knechte», übernachtet hier und waschet eure Füße; dann mögt ihr euch in der Frühe ausmachen und eure» Wege» ziehen.' Sie aber sprachen: „Rein, wir wollen auf der Strahe übernachten." Al» er jedoch sehr in sie drang, kehrten sie 1 bei ihm ein und kamen in sein Hau». l. Mose iS. 1—S. Lot lern« es von Abraham, jagen hie alten Erklärer, wir aber sollten diese Tugend wahrer Gastlichkeit von beiden lernen. Zwar die Art, wie heute ein offenes Haus gehalten wird, unterscheidet sich merklich von der Art Abrahams. Wir fitzen nicht isiehr in der Mittagshitze vor unserem Zelte, um nach müden Wanderern Ausschau zu halten, wie — ebenfalls nach den alten Erklärern — er es tat. Die'moderne Gastlichkeit erstreckt sich weniger auf Fremde und Bedürftige als auf den Freundeskreis. Man muß immerhin irgendwie „eingeführt" sein, um eingeladen zu werden. Das liegt an der Stadt, wo der Menschen so viele sind, und die Türen nicht inehr an der Straße liegen. Auf dem Lande findet nian noch hier und da. die an dem vorübergehenden Fremden geübte Gastlichkeit. Man kann es bedauern, aber nicht ändern, daß di« Verhältnisse so liegen. Wenn nur die — sagen wir einmal ruhig — stä d t is ch e Gastlichkeit immer auf die rechte Weise geübt würde I Aber da finden wir Übertreibungen und Auswüchse, die ihr allen Reiz und ülle Fülle nehmen. Wenn wir sehen, wie. leere Menschen, indem sie ihr Haus mit Gästen vollstopfen, eine Gemütlichkeit Vortäuschen, die nicht da ist; wie andere Knicker in einer einzigen, großen, winterlichen Abspeisung ihrer — ach, die Ärmsten! — sog. „Verpflichtungen" ledig zu werden meinen; oder wie schließlich heute der schnelle, überschnelle Reichtum in großen Gastereien und Gelagen, vor der täglichen, unvermeidlichen Bowle und dem unentbehrlichen Edelwein, der gar nicht mehr erlesen, sondern in seiner Alltäglichkeit beinahe abgestanden ist, seinen jungen Glanz zur Schau stellt, — so haben wir ungefähr das Gegenteil von dem, was man Gastlichkeit nennen darf. Gewiß ist ein gastliches Haus inuner ein offenes Haus, aber damit allein ist cs noch lange nicht gastlich. Ist es allzu offen, so kann es sogar leicht den Charakter der Gastlichkeit verlieren. Derjenige Wirt nämlich, der nur mit dem zahlt, was er hat, ist immer ein schlechter Wirt. Man muß auch mit dem zahlen können, was nian ist. Dein Gast soll fich bei dir h e i m i s ch fühlen, er fühlt sich heimisch aber nur dort, wo er ein richtiges Heim, wo er Eintracht. Liebe.. Herzlichkeit und daneben den geheimnisvollen Duft des eigenen Herdes spürt. In einem Taubenschlag freilich wird niemand fich heimisch fühlen. Gastlichkeit ist der größre Luxus, jamwern die Leute. Richtig, und je zqhlreicher die Familie, umso kostspieliger die Gastlichkeit. Schon de» Talmud sagt: „Sind viele Kinder im Haus, — fliegen die Gäste ein und aus." Aber sie wird eben nur für denjenigen zum Luxus, der allein mit dem zu zahlen versteht, was er hat. Je »lehr einer ist, je reicher seine Gaben, je herzlicher seine Art, umso leichter wird es ihm sein, diese schöne, beglückende und selber glücklich machende Kunst zu üben. Immerhin, vor leere Teller kann man seine Gäste nicht setzen, und so kostet es auch tvas, und heute ist es schwieriger als je, auch nur im bescheidenen Maße Gastlichkeit zu üben. Aber man soll doch wissen, wie sehr sich das wieder einbringt. Denn gerade in einer so elenden Zeit wie dieser könnten wir gar nicht bestehen, wenn nicht das bischen Freundschaft und Geselligkeit wäre. Man null sich sehen, will sich aussprechen, und, indem man sich sieht und ausspricht, wird das Gefühl der Geborgenheit, das sonst nur das eigene Heim und der eigene, goldwette Herd zu verleihen vennag, gekräftigt und erhöht, weil jedem sich das beruhigende Bewußtsein mitteilt, daß er, wennnimm, noch an anderen Herden heimisch sein darf als am eigenen zu Haus. Zu Muhanmieds Zeiten gab eS in Arabien einen jüdischen Staigm, bei dem es Sitte war, des Nachts die Türen der Häuser offen zu halten, bamir nächtliche und verspätete Wanderer, allezeit den Schutz des gastlichen Daches ansprechcn könnten. An diesem Brauche edelster Menschenliebe ging jener Stamni zugrunde, denn eines Nachts drang als blutiger Gast das treulose Schwert des Propheten durch die offene Tür und vertilgte den Stamm. Genutz, daß wir aus solchen Überlieferungen wissen, wie echt jüdisch der Brauch der Gastlichkeit von jeher ivar. Wenn wir noch daran denken, wie der fromme Jude noch heute den Fremden am Freitagabend aus der Synagoge mit nach Hause bringt, oder der lockende Sedertisch jeden einläd, der „hungrig und bedürftig" ist, so tvissen wir noch mehr als das: \ S