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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-10-15 · 20 (15.10.1919) · p. Seite 222

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
20 (15.10.1919)
Date
1919-10-15
Page
Seite 222 (sequence 4)
Language
German
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Zur Katastrophe der Augraklimk t» Jerusale». Jemsalemer Zeitungen („Doar Hayom" (Tagespost) vom 15. August 1919) entnehmen wir folgendes: v Hochgeehrter Herr Redakteur! v Im Namen aller jüdischen Ärzte und des allgemeinen Medizinerverbandes zu Jerusalem bitten wir Sie folgenden Protest in Ihrem geschätzten Blatte zu veröffentlichen. Der Obmann Dr. Beham! „Der Verband der Ärzte in Jerusalem hat mit großen» Bedauern die Nachricht von der Schließung der einzigen Augenklinik in Jerusalem vernommen. Besonders, weil sie zu einer Zeit beschlossen wurde, da das Land von Augcnkrankheiten am schwersten heimgesucht wird. Überdies ist diese Augenklinik das einzige Institut, »velches sich seit seinem Bestände nach jeder Richtung glänzend bewährt und ausgezeichnet hat. Seine Ausgestaltung hatte unendlich viele Mühe und Kosten verursacht. Aus den oben angeführten - Gründen protestiert der genannte Verband der Ärzte auf das energischste gegen die Schließung dieses Wohlfahrtsinstitutes durch das amerikanische Delcgiertcnkomitee; er protestiert auch gegen den von diesem Komitee angeführten Grund, daß Mangel an Geldmitteln zur Schließung der Klinik zwinge, zumal im selben Monat,.in dem ganz enorme Summen für andere Zlvecke und neue Institute ausgegeben werden, die ganz und gar nicht dringender und absolut nicht wichtiger als diese Augenklinik sind. Der Verband sieht daher in diesem Schritte nur einen despotischen Vorgang der Leitung dieses Komitees, »velches auf eigene Faust handelt, ohne Mitwirkung und Beteiligung der Allgemeinheit, die doch die Bedürfnisse des Volkes am besten kennt." In einer zweiten Zeitung, „Chadschoth Haarez" (The Palestine News) vorn 4. Aug»»st, lesen »vir einen ähnlichen Protest:: „Am 13. Juli d. I. hat das Telegierrcnkoinitee beschlosien, in zrvei Wochen die Augenklinik, welche unter Leitung des Or. Feigenbaum steht, zu schließen. Wir halten es für überflüssig, nochmals über die Nolivendigkeit und Unentbehrlichkeit der Augenklinik zu sprechen, die in diesen schweren Zeiten so segensreich getvirkt hat. Der Beschluß. die Augenklinik gerade in einer Zeit zu schließen, wo die Augenkrankheiten am ärgsten sind, belveist, wie das System des Delegiertenkomitces in medizinischen Fragen versagt und fordert den energischsten Protest der »vcitesten Kreise heraus." Kon Kcry und Tal. Bonn. Seit dem Versöhnungstage befindet sich in der Synagoge eine schöne Gedenktafel für die gefallenen Söhne der Gemeinde. Die Tafel ist aus weißem Marmor, auf der in Goldschrift folgende 14 Namen eingegraben sind: Adolf Heymann, Emil Heymann, Josef Jansen. Walter Koopmann, Adolf Apfel, Otto Lion, Richard Lichtenstein. Max Löwenstein, Sieginund Marx, Emanuel Edelstein, Julius Malier, Erich Mendel, Arthur Schwartz, Josef Wallich. Darunter stehen die schönen Worte aus dem Klagelied Davids um Saul und Jonathan: „Deine Zierde Israel auf Deinen Höhen erschlagen! Wie sind gefallen die .Helden!" In der Seelenfeier des Versöhnungstages gedachte Rabbiner Or. Cohn der Gefallenen mit Worten des Stolzes und der Dankbarkeit. — Ungefähr 12 Laubhütten gibt es jetzt in u»»serer Gemeinde. Leider ist in diesem Jahre das Fest so spä» und das Wetter so kalt und regnerisch, daß »nan nid.t »vie sonst den Tag in.der Sukkoh zubringen kann. Neuwied. Die Rosch-Haschanasammlung für palästinensische Zwecke ergab »n unserer Gemeinde den ansehnlichen Betrag von 428 M. Die etwas später abgehaltene Büchsensanuiliung den Betrag von 155.25 M. aus 13 Büchsen. Hattinaen-Ruhr. Zu einer großartigen Kundgebung liebevoller Verehrung gestaltete sich am 1. Oktober die Feier des Tages, an dem vor 25 Jahren unser Lehrer und Kultusbeamter. Herr M. Andorn, sein Amt in der hiesigen Gemeinde an'getreten hatte. Schon in früher Vormittagsstunde erschienen in der festlich geschmückten Wohnung des Jubilarrs Vertreter der Synagogengemeinde, vieler Vereine und Körperschaften, sowie das Lehrerkollegium der evang. Volksschule in seiner-Gesamtheit, um Glückwünsche und Ehrengeschenke zu überbringen. Bei einem sich anschließenden Festakte in der Synagoge hielt Herr Lehrer und Prediger Meyer aus Witten, der langjährige Freund des Herrn Andorn, eine Festrede anknüpfend an Sprüche der Väter I'V. 17, die auf sämtliche Zuhörer tiefen Eindruck machte, lvährend das Mitglied des Wittener Synagogenchorcs, Frau Helene L ö w e n st e i n, durch ergreisende Gesangsvorträge. die Herr Rektor Thiel mann auf einem eigens für diesen Zweck herbeigeschafsten Harmonium meisterhaft begleitete, die synagogale Feier verschönern half. Am Abend vereir»e-«ine gemütliche Feier, bei der Ansprachen, Gedicht- und Liedervorträge, sowie kleine theatralische Darbietungen abwechselten, und die «in fröhlicher Tanz beschloß, die ehemaligen Schüler des Herrn Andorn in einem benachbarten Gasthofe. Der Anteil der hiesigen Bürgerschaft an dem Jubelfeste unseres hier allgemein beliebten und hochangesehenen Lehrers fand in zahlreichen Blumenspenden. Telegraminen und Zuschriften beredten Ausdruck, und wenn der letzteren eine lautete: „Möchte die Stadt Hattingen noch recht viele Jahre auf ihren Bürger Andorn stolz sein dürfen!" so liegt darin zugleich eine Ehrung unserer Gemeinde und des jüdischen , Lehrerstandes, solvie ein tvahrer Kiddusch Haschein. Zum Schluß möge noch erwähnt sein, daß unsere Gemeindevertretung einstimmig beschlosten hat, das Kultusgehalt des Herrn Andorn vom 1. Oktober ab »vesentlich zu erhöhen. Frankfurt am Main. Während in der Preußischen Landesversammlung' die Teutschnationalen sich auf eine „Kleine Anfrage" betreffend die Jüdeneinivanderung beschränken, haben die hiesigen Antisemiten ihre bezüglichen Wünsche bereits zu einem Anträge an die städtischen Behörden Frankfurts verdichtet. Der Teutschvölkische Bund hatte dem hiesicgen Magistrat folgenden Antrag zügehen lasten: „Der verehrliche Magistrat »volle schleunigst eine Verfügung erlasten, auf Grund deren allen während des Krieges aus den östlichen Ländern cingetvanderten Juden u»rd den übrigen ztveifelhaften Elementen der Aufenthalt im Stadtbezirk verboten wird." Der Magistrat ließ durch Oberbürgermeister Voigt mittcilen, daß er den Antrag ohne »fiteres abgclehnt hat. da er den Inhalt für völlig ungehörig hält. Ter Teutschnationale Schellin suchte den Antrag in sehr vorsichtiger Weise zu rechtfertigen, er sprach von dein Zuzug von Ausländern. Galiziern und Polen, trotz deä Juzugsverbots und bezeichnete diese als Blutsauger und lästige "lusländer. Er vermied es sorgfältig, von Inden zu sprachen, »vie das in dem dcutsch-pölkischen Antrag geschehen ist. so daß also selbst nicht einmal dieser Deutsch-Nationale sich zu der antisemitischen Tendenz der Deutsch-Völkischen zu bekennen »vagt. Fräulein Or. Schultz, die im Namen der demokratischen Fraktion den autisemitischen Antrag als eine schamlose Hetze kennzcichnete, benutzte auch die Gelegenheit, dein Herrn Schellin die richtigen Worte über seine vorsichtige AuLdruckslveise zu widmen. Es »var erfreulich, daß alle Fraktionen — mit Ausnahme der Deutschnationalcu — einmütig in entschiedener Weise die antisemitische Hetze verurteilten, so Frau Fürth und Kirchner von den Sozialdemokraten. Plewc von den Unabhängigen. Landgreve und Or. iRumpf von den Liberalen und Rechtsanwalt Lutsch vonx Zentrum. Or. Rumpf erklärte, der Antrag gehörte, in den Papierkorb. Tahin kam er denn auch.. Bonner Nachrichten. Mit kaum geahnter Wucht hat sich in Deutschland »vteder der Antisemitismus erhoben und schwer« Gefahren für die deutschen Juden hervorgerufen. Bereits bis in das besetzte Gebiet hinein »verden die Versuche ausgedehnt. Deshalb hat die hiesiege Ortsgruppe des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Maubens Anlatz genoin-

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