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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-10-15 · 20 (15.10.1919) · p. Seite 221

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
20 (15.10.1919)
Date
1919-10-15
Page
Seite 221 (sequence 3)
Language
German
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221 zählt bekanntlich 85 Prozent Juden, der übrige Teil find' Polen, Russen und Tataren. Bei den Wahlen erhielten nun die Juden von 24 Mandaten 22. Die polnischen Behörden erkälten daraufhin die Wahlen für ungültig, und schrieben neue Wahlen aus. Warschau. Die polnischen Behörden haben dem hebr. Gymnasium die Erlaubnis erteilt, den Unterricht aufzunehmen, Während alle Gegenstände hebräisch vorgetragen werden, ist der Unterricht in der polnischen Sprache obligatorisch. Der Lehrer des Polnischen muß polnischer Nationalität sein. Lodz. Der in Lodz herrschende Streik hat zu einem Judenpogrom schlimmster Sorte geführt. Der Pogrom dauerte von 4 Uhr nachmittags bis 11 Uhr nachts und wütete besonders in den Gafien Konstantinow, Nowomieska, Staromienska, Bzezinowa und Zenliana. Es wurden 75 Juden schwer- und eine noch größere Zahl leicht verwundet. Warschau. In dem mehr als 25 000 Einwohner zählenden Zwilka bei Nowograd-Wolynsk (Wolhynien) vollführte die Rote Armee beim Zurückziehen vor den Polen einen zehntägigen Pogrom, bei dem mehr als 1000 Inden niedergemetzelt und nach vollständiger Plünderung die ganze Stadt eingeäschert wurde. Lemberg. „Slowo Polskie" meldet, daß neben der starken Zuwanderung von Juden aus der Ukraine nach Galizien sich seit einer gewissen Zeit auch eine Einwanderung von Juden aus der Slotvakei bemerkbar macht. Von jenseits, der Karpathen langen täglich Transporte mit jüdischen Familien ein, die ans Ungarn nach (Galizien fliehen. Lemberg. Die polnischen Zeitungen berichten, daß das Statthalterei-Präsidium mittelst Verfügung vom 10. Sept. 1919 die Verbreitung der „Wiener Morgenzeitung" und der „Jüdischen Morgenpost" in Galizien verboten habe. Warschau. Das „Jüd. Volk" meldet: Das Departement für Kultus beim Ministerium für Kultus und Bildung erhielt durch Vermittlung der polnischen Liquidationskommission in Paris einen Fonds zur Vergütung der Schäden, die das deutsche, russische und österreichische Militär während des Krieges in den Gebäuden der jüdischen Kultusgemcindcn, in den Synagogen, sowie Bet- und Lehrhäusern angerichtet hat. Litauen. Berlin. - Das Ministerium für jüdische Angelegenheiten in Litauen bemüht sich, eine Genossenschaftsbank ins Leben zu rufen mit dem Zwecke, das durch den Krieg heruntergekommene jüdische HandN'erk zu heben. Es wird auch beabsichtigt, diejenigen Juden, die im Handel keine Unterkunft mehr finden, in die Handwerkerbernfe zu überführen. Rußland. Petersburg. In Petersburg haben die Bolschewifteir alle 5' Mitglieder des zion. Zentral-Komitees, die sich dort befanden, verhaftet, darunter die Herren Brutzkus und Rubinstein, ferner den Sekretär der „Chronika Jewreiskoj Shisni", Burak, und den Sekretär der „Kadimah" Rappaport, sowie eine Reihe anderer zion. Führer. Trotzdem erscheint die „Chronika Jewreiskoj Shisni" weiter. Rumänien. Bukarest. TaS „Komitee zur Verteidigung der Rechte der rumänischen Juden" überreichte der Friedenskonferenz ein Memorandum, in dem die Ansprüche der rumänischen Juden dargelcgt sind. In diesem Memorandum verlangt das Komitee die Erlassung eines Gesetzes, demgemäß sämtliche jüdische Einwohner Rumäniens ohne Unterschied des Geschlechts und der früheren Staatsangehörigkeit als Bürger des rumänischen Staates anerkannt werden. Bukarest. Zur Ausweisung der Fremden aus Deutsch- Österreich, welches Vorgehen auch jene Personen betrifft, die jetzt rumänische Untertanen geworden sind, fordert das Blatt „Romania" die rumänische Regierung auf. die in Rumänien ansässigen deutschösterreichischen Staatsangehörigen ebenfalls zum Verlassen oeS Landes zu veranlasien. Nngqrn. Wien. Den Umtrieben der Weißen in den von den Rumänen nicht besetzten Gebieten Transdanubiens werden endlich Schranken gesetzt. In mehreren Orten sind englische Militärabteilungen eingetroffen, di« die von den weißen Truppen ausgeschriebenen Assentierungen einstellen und den Mord- und Raubtaten der Weißen entgegentveten. Griechenland. Saloniki. Hier wurde eine Misrachigruppe gegründet. Nach einer Mitteilung zählt dieselbe bereits 500 Mitglieder. ' Frankreich. Paris. Oberst Dreifuß,wurde mit dem Kreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet. Die alte Affaire scheint jedock nicht ganz vergessen zu sein, da die französischen Zeitungen mit Stillschweigen über diese Dekorierung hinweggegangen sind. Großbritannien. London. Chacham vr. Gaster protestierte anläßlich der Session der „Königlichen Asiatischen Gesellschaft" in London gegen die Fortschaffung irgendwelcher Altertümer aus Palästina. Er führte aüs, daß alles, was sich im Boden des heiligen Landes befindet, heilig sei und mit Achtung behandelt werden muß. Er findet es auffallend, daß während von Kleinasien so gut wie keine Altertümer fortgeschafft werden, die Ausgrabungen in Palästina dauernd nach Europa oder Amerika wandern. Er fordert, daß diese für die Geschichte des Landes und des jüdischen Volkes wichtigen Fundgegenstände in palästinensischen Museen aufbewahrt werden müsien. Arabien. Seit einiger Zeit machten sich in Jemen seitens der arabischen Bevölkerung eine Erneuerung der alten Verfolgung der jüdischen Bevölkerung des Landes bemerkbar. Die jemenitischen Juden, die sich in Palästina niedergclasien habem überreichten dem amerikanischen Oberrichter Louis Brandeis gelegentlich seines Besuches in Palästina ein Memorandum über die Lage ihrer Brüder in Jemen. In diesem Memorandum wird u. a. gesagt, daß die Verfolgungen einen religiösen Charakter tragen. Äe jüdischen Witn»en und Waisen iverden gezwungen, die mohainedanischc Religion anzunehmen. Ten Juden des Landes wurde eine Kontribution von 10 000 ägyptisck-en Pfund auferlegt. Um die pünktliche Zahlung der Kontribution zu erzwingen, wurden die Rabbiner und die Angesehensten der jüdischen Gemeinden in Haft genommen. Palästina. Jerusalem. Eine große jüdische Film-Gesellschaft mit dem Namen „Menorah" hat sich gebildet, die in Palästina die Filmindustrie speziell vom jüdisch-nationalen Standpunkt fördern will. Als künstlerischer Leiter des Unternehinens ist per bekannte jüdische Künstler I. Bendow bestimmt worden. Jaffa. Am 12. August fand in Jaffa die feierliche Begrüßung des neuen Oberhauptes der Britischen Verwaltung in Palästina, General Watson, durch die Bevölkerung statt. Die Einwohner Jaffas unterbreiteten dem General Watson bei dieser Gelegenheit folgende Forderungen: 1. Förderung des Baus eines Hafens in Jaffa. 2. Maßnahmen, um an Stelle der leichten Eisenbahn zwischen Jaffa und Lud die Militäreisenbahn nach Jaffa zu leiten. Die unverzügliche Auszahlung der von der Regierung beschlosienen Landwirtschaftlichen Anleihe an die Landeigentümer und Bauern. * *

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