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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-10-15 · 20 (15.10.1919) · p. Seite 220

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
20 (15.10.1919)
Date
1919-10-15
Page
Seite 220 (sequence 2)
Language
German
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liiüBlBIISaaaBi&U CDocbenfcbau. Tatsachen und Grgebniste. ÜSZÄS »WHi iffllüB Brtft.H«! >hit«^«MwllilWII8MaMBiaSBBBä Deutschland. Berlin. Dr. Eugen Täublcr, der vorige- Jahr den Lehrstuhl an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums aufgab, hat nunmehr auch die Leitung des Gesamt-! archiv der deutschen Juden niedergelegt, um sich ganz der Dozentur für alte Geschichte an der Berliner Universität zu widmen. Berlin. Der Verein Kneseth Jisroel hat das Grundstück Linienstraße 19 erworben. In dem neuen Heim werden die stark angewachsene Talmud-Thora-Schule, das v Beth-Hamidrasch, ein Bibliothek- und Lesesaal und ein hebräischer Kindergarten untergebracht. Berlin. Der Hauptversamlung des Verbandes der Deutschen Juden am 30. November, die voraussichtlich im Plenarsaal im Preußischen Ministerium für Volkswohlfahrt in Berlin, Leipziger Straße 3, tagen wird, soll eine i den Forderungen und Aufgaben der Gegenwart entsprechende Änderung der Organisation des Verbandes zur Be-, schlußfasiung vorgelegt werden. j Hamburg. In einigen Blättern wurde behauptet, daß m der Nationalversammlung 24 Abgeordnete jüdischer Abstammung vertreten seien. Vielleicht trifft die Zahl zu, aber nur 10 Abgeordnete haben im offiziellen Almanach der Nationalversammlung sich selbst als Juden bezeichnet. Es sind dies folgende Herren: Rechtsanwalt Moritz Baer-! wald, Bromberg °, Rechtsanwalt Dr. jur. Oskar Cohn, Ber-! litt; Schriftsteller Georg Davidsohn, Berlin; Rechtsanwalt Bernhard Falk, Köln a. Rh.; Rechtsanwalt Ludwig Haas, Karlsruhe; Rechtsanivalt Hugo Haaje. Berlin; Rentier Hugo Heiinann, Berlin; Rechtsanwalt Hugo Sinzheimer, Frankfurt am Main; Rechtsanwalt Felir Waldstein. Altona; Schriftsteller Emanuel Wurm. Berlin. Frankfurt (Main). In der Stadtverordnetensitzung vom 23. September gab es — es war wohl das erste Mal — eine antisemitische Debatte. Schellin (Deutschnational) beschwerte sich nämlich darüber, däß trotz des Zuzugsverbots „Blutsauger und lästige Ausländer aus Galizien und Polen" sich hier niederlassen. Frl. Dr. Schultz (Dem.), Frau Fürth (Soz.), Plewe (Unabh.), Kirchner (Soz.), Landgrebe (lib.) und Rumpf (lib.) wandten sich energisch gegen Schellin. \ Ferner lag ein Antrag des Deutschvötkischen Bundes vor, der Magistrat möge „allen während des Krieges aus dem Osten zugewanderter Juden und den übrigen zweifelhaften Elementen den Anfenthalt in Frankfurt verbieten." ^Oberbürgermeister Voigt wies die Eingabe als ungehörig zurück. Stuttgart. Der hiesige Berthold Auerbach-Verein, der älteste der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, feierte kürzlich das Fest seines 25jährigen Jubiläums, zu dem außer den Vertretern der Stuttgarter und württembergischen Vereine zahlreiche Delegierte der Brudervereinc aus allen Teilen des Reiches erschienen waren. Berlin. Die Spendeneinnahmen des I. N. F. in den Monaten Juli und August 1919 betrugen 433 448 Frcs. Di« verteilen sich, nach der Höhe der Beträge abgestuft.- auf die folgenden Länder: Nordamerika 9954 S.. Argentinien 18 544 Pes., Deutschland 120 786 M., England 1359.9.10 L„ Polen! 116890 M.. Südafrika 826.18.10 L.. Palästina 496.5.42 ägypt. Pfund, Galizien 91 998 Kr., Holland 5161 Fl., Elsaß-Lothringen 10 699 Frcs.. Tschecho-Slowakei 29 309 Kr.. Frankreich 8291 Frcs.. Österreich 39 910 Kr., Südsiavische Länder 48 472 Kr.. Schweiz 4372 Frcs.. Singapove 160 L., Italien 6509 L.. Belgien 3060 FrcS. und 786 Hfl.,- Dänemark 2971 Kr.. Griechenland 8035 Dt., Kanada 505 ©., Ägypten 103.10.1 L., Estland 6450 M.. China 57.13.4 L.. Australien 2 L. Berlin. Dem Verband der Ostjuden in Deutschland ist es gelungen, mit namhaften amerikanischen Organisationen, die sich der Wiederherstellung von Verbindungen mit dort lebenden Verwandten widmen, in Fühlung zu treten. Der Verband ist bereit, hier lebenden Ostjuden dabei zu helfen, ihre Beziehungen mit ihren in Amerika sich aufhaltenden Angehörigen wieder aufzunehmen. Auskunft hierüber wird im Büro des Verbandes, Berlin N., Gormanstr. 29. zwischen 11 und 1 Uhr vormittags erteilt. Berlin. Auf der Tagesordnung der 15. Tagung de» Verbandes deutscher Tierschutzvereine standen zwei Anträge Dresden—Magdeburg, welche auf ein Reichsverbot des Schächten» abzielten. Dresden hatte feinen Antrag zugunsten der Magdeburger zurückgezogen. Vor Eintritt in die Sitzung des dritten Beratungstages stellte der Tierschutzvcrein Nürnberg, vertreten durch Herrn Kommerzialrat Leykauf und Herrn städt. Tierarzt Dr. Voltz, den Antrag. die Behandlung des Antrages 4 der Tagesordnung (Antrag Magdeburg) von der Tagesordnung abzusetzen. Mit überwältigender Majorität wurde der Antrag angenommen. Von allgemeinen Eindrücken, die ein Korrespondeni bei der Tagung gewann, verdient besonders hervorgehoben zu lverden, daß man Grund zu der Erwartung hat. für richtige Aufklärung über den religiösen Charakter der Schechita in Zukunft Verständnis zu finden. Wir lernten ernste Männer kennen, welche für sachgemäße Informationen sehr dankbar waren. Polen. . Polnischer Cynismus. ^Wic schamlos die polnischen Truppen es treiben, zeigt ein dem Rabbiner von Smolewitz bei Minsk ausgestelltes Zeugnis einer polnischen Militärstelle, das die Warschauer jüdische Presie in Faksimile veröffentlicht. Das Schriftstück lautet in der Übersetzung: Erste Abteilung des Kommandos 15. 8. 19. des Unterführers der Gruppe Saritzki. Bescheinigung. Chaskil Abrahamski ist Rabbiner in Smolewitz, und wird ihm als Geistlichen das Tragen eines Barets gestattet. Gültig ohne Stempel bis (gez. Unteroffizier u. provis. zum 21. dieses Monats Kommandant der Stadt. Das Dokument spricht Bände. Warschau. Das Jüdisch-Amerikanische Lebensmittel- Komitee in Warschau erhielt die Nachricht, daß in Danzig demnächst ein Schiff mit Lebensmitteln aus Amerika eintreffen werde, darunter eine Million Pfund koschere» Fleisch, 150 000 Pfund Seife und andere für die jüdische Bevölkerung Polens bestimmte Produkte. Warschau. Die englische Untersuchungskommission, an deren Spitze Sir Stuart Samuel steht, ist in Warschau eingetroffen. Die Aufnahme, die die Kommisiiün in der polnischen Presse findet, ist außerordentlich absprechend. Der „Robotnik", das offizielle Organ der polnischen Sozialisten, meint, Morgenthaus Tätigkeit hätte die Zionisten nicht befriedigt, so daß sie sich eine englische Kommission unter Führung des Zionisten Samuel hätten kommen lasten. Warschau. Die Stadtratswahlen in Polen find trotz oft nicht legal durchgeführter Wahl für die Juden gut ausgefallen. Pinsk sind von 25 Stadträten 20 Juden, in Lida von 24 Stadträten 17 Juden. In Wilna erhielten die Juden 14, die Nichtjuden 34 Mandate. Die jüdische Sprache wurde in Wilna anerkannt. Warschau. Von einer aus Slonim zugereisten Person erfahren Wqrschauer jüdische Blätter folgendes: Anfang August hatten die polnischen Behörden daselbst Wahkerr fiir die Stadtverordnetenversammlung ausgeschrieben. Von seiten der Bevölkerung wurden drei Listen aufgestellt, zwei christliche und ein« jüdische. Die Bevölkerung von Slonim

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