Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 20 (15.10.1919)
- Date
- 1919-10-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I x< L. . . - II! IMjH» >' II >11 I Hipm Erscheint mit Erlaubnis der britischen Militärbehörden. jüdischer tzote | Dcr JBott* erscheint jeden Freitag r : BrzugSprei«: bv Pf. monatlich! » RedaktionSschiub: Montag abend : Postscheckkonto Sein Rr. 74747. j vom Rhein Jüdisches WokKsbkatt i An-rigenpreis: SS Pf. dt» vier« t j grsp.Prtttzelle Si.Anzeig.b0 Pf. | Bei Wiederhol, entfpr. Rad. - Anj | zeigenannahme bis Montag mittag | Herausgegrben von Rnbbiner Or E«il Lohn, Bonn. Schristleitung und Geschäftsstelle: Bonn, Tempelstraß« ^2. Nummer 2V ZLonn, 18. Oktober 1619 — LI Yischri 8680 1. Jahrgang. Lnhnll: Simchas Tauro von Lmil Lohn. — Wochenschau. — Bon Berg und Tal. — Bonner Nachrichten. — Der Sa» funket von L. Svmpert. — Dt« Borentafchr. — Lösung de« Preisrätsels von Nr. 1V. — palender der Woche. — Der Brrrinsdotr. — Bottes dienst in Bonn und Beuel. — Zahrzrüen. Zreunde der Voten, werbt dem Voten nene Zreunde! 1 ü; MMMMNWWW-KWWMMWWMMMWWMMWUf- Simchas Tauro 5680. «•NNHUMHUNNMtMMnlMNMHHMtMHMNI JT H«*r Ueßermat. - David machte sich auf mit allem Bolle, das bei ihm war, nm die Lade EotteS, über welche sein Name genannt wird, hinauf zu bringen von Baale Juda. Und es geschah, so oft die Träger der Lade Wottes sechs Schritte gegangen waren, opferte ma» ein Rind und ein Masikalb. David aber tanzte aus allen Sräf- - te» vor dein Herrn und war mit einem leinenen Ephod bekleidet. — — Da schaute Michal, die Tochter SaulS, durchs Fenster und sah den König David springen und tanzen J vor dem Herrn und hielt solcheunwürdig in ihrem Herzen.-Und sprach: „Wie unwürdig n>ar heute der König von Israel, da er sich zeigte vor den Augen dcr Mägde, seiner Knechte, wie nur einer der Leichtfertigen sich zeigen mag!" Da sprach David zu Michal: Bor dem Ewigen habe ich getanzt und vor ihm will ich mich noch viel geringer zeigen...!" — „Übermut tut selten gut!" Das ist nicht etwm der Übermut, der vor dem Fall kommt oder über den Sturz des Feindes frohlockt. Der ist hier nicht gemeint. Denn wie sollte der überhaupt gut tun, wie sollte der vor allem sittlich gerechtfertigt und vertreten werden? Sondern es ist natürlich der lachende Übermut gemeint, der sich überschlagende Frohsinn,' der sich vergesiende, durchgehende Jubel, mit einem Worte, jenes' liebenswürdige Durchbrennertum des fröhlichen Augenblicks, dem niemand böse sein kann, ja, der sogar den Böseseinwollenden ansteckt und fortreifet, ob er null oder nicht. Dieser Übermut also tut selten gut, sagt das Sprüch« , wort, aber es sagt auch, daß, wenn er aber einmal gut tut. er dann auch wirklich von Grund auf gut tut. Diese Auffasiung des Volksgeistes aber ist sonderbar, weil dieser Übermut, mit der strengen Wage sittlicher Wertung gewogen, nicht sehr hoch zu werten ist. Denn er ist nichts anderes als eine Zügellosigkeit, keine schwere, aber so eine . richtige, nette, kleine Zügellosigkeit, verbunden mit einer ebenso netten, kleinen Rücksichtslosigkeit. Der übermütige i schert sich den Teufel nicht um das, was die Leute sagen. I nicht um die langen Gesichter der erfahrenen Onkel und | Tanten, auch nicht um den richtigen und tüchtigen Ernst i wahrer Männer, ja, nicht einmal der eigenen Würde vermag er zu gedenken. Der Racker bleibt eben ein Racker! «ich Letzt durch, wenn er halt einmal durchgehen will. > Warum tut dieser Übermut aber so oft nicht gut? j Weil er ein Überschuß an Lebenskraft ist, die sich austoben j will, und wenn sie sich in einem Spiegclsaal austobt, sich | nur selten austoben kann, ohne daß es Scherben gibt.! Kommt er aber um die Scherben herum, dann ist der! Augenblick da, wo er recht , von Herzen gut tut. Denn ■ seine überströmende Kraft voll ausleben und unter Um-! ständen sogar austoben zu können, ist das köstlichste Glück i der Erde. Und fähig zu sein, einmal in unschädlicher Weise über die Stränge zu schlagen, ist ein menschlich schöner und herzerfrischender Zug und macht „vor Gott und Menschen! angenehm". j König David tanzte vor der Bundeslade in tollem i Übermut. Sein Weib Michal rügte es als niedrig, weil der Gegensatz des unköniglichen Benehmens zur königlichen Würde ihr gegen den Strich ging. Gerügt. empfand auch David diesen Widerspruch als niedrig, aber als eine Niedrigkeit, die Gott ckvohlgefällig sein mußte. Seine Freude war so gewaltig, daß sie alle Bande der guten Sitte sprengte und eine närrische Freude wurde — vor Gott. Das ist auch die Freude von Simchas Tauro. Das sollte sie wenigstens sein. In ihr soll sich Israels ünvevwüstliche Lebenskraft austoben bei Kinderjubel, Fahnenschwenken, und dem Tanz mit der Tora im Arm. Wer pus der Thorafreude lediglich ein ideales Hochgefühl lnachen will, der zieht sie in Wahrheit herab und nimmt ihr vor allem ganz das Jüdische, dessen urwüchsige Kraft von alters her an guten Tagen sich in voller Selbstvergestenheit offenbarte. Gott erhalte unS allen diese Kraft und laß uns bald wieder Zeiten kommen, wo wir fingen dürfen: „Simchas Tauro, Simchas Tauro auf der ganzen Welt!"' Emil Eohn.;|- MC y